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Schlagwort: Verkehr

Wie soll man helfen.

Wie soll man helfen.

Ein Aufenthalt in Lateinamerika ist kaum möglich, ohne früher oder später der Armut über den Weg zu laufen. Obdachlose in den Straßen sind allgegenwärtig. Gestohlen oder geraubt wird immer noch häufig in einsamen nächtlichen Straßen (als Jordan in Medellin war, wurden wir an einer Straßenkreuzung von zwei Motorradfahrern bestohlen, die anhielten, Jordan eine um den Hals getragene Kette vom Hals rissen und schnell fortfuhren). Gebettelt wird überall, wo Leute sind – oft nur um wenige hundert Pesos (ein paar Cent), ob für die nächste Empanada oder einen Aguardiente, wer weiß das schon. Einmal bat mich abends in der Candelaria Bogotas ein Mann um ein paar Pesos („ich bettel lieber, als zu klauen“). Ich antwortete, dass ich kein Kleingeld habe, was stimmte, worauf er meinte, dann könne ich ihm vielleicht am unteren Ende der Straße etwas zu Essen kaufen. Nun, da kann ich mir auf jeden Fall sicher sein, dass es auch wirklich um Essen geht, dachte ich mir, ging mit ihm zwei Blöcke weiter und kaufte ihm ein Stück Pizza für 2000 Pesos. So weit, so gut, doch anschließend fragte er, ob ich nicht noch 200 Pesos für eine Empanada hätte. Hatte ich erstens tatsächlich nicht (weil ich mit einem 2000-Schein bezahlt hatte), und fand ich zweitens etwas merkwürdig. Versuchte er nur, noch etwas mehr von einem offensichtlich spendablen Passanten zu bekommen, oder würde das Bargeld nicht lieber in Drogen investiert werden? – man kann es nie wissen. Und Spenden auf der Straße ist auch keine wirklich langfristige Hilfe. Und dann überlegt man sich, ob man nicht einfach weitergehen sollte, so wie Victor, der als 12-Jähriger ausgeraubt wurde, nachdem er einem Bettelnden versprochen hatte, etwas mehr Geld von zuhause zu holen. Und dann sieht man Obdachlose, die in Kleiderfetzen auf den Bürgersteigen neben den luftverpesteten Straßen schlafen, und weiß nicht, wer nicht arbeiten kann, und wer nicht will. Ich schrieb schon nach meinem letzten Aufenthalt im Text „Weißer Nebel“ „Doch was kann ich schon tun, außer spenden und Texte schreiben“… man fühlt sich manchmal so hilflos, als könnte man nichts tun, um dieses zum Teil von uns mitverantwortete Elend zu bekämpfen. Das ist natürlich falsch. Man kann etwas tun. Auch abgesehen von Spenden, nicht unbedingt an einzelne Bettler, sondern an Organisationen wie Un Techo para mi país („Ein Dach für mein Land“, die armen Familien in Lateinamerika helfen, sich eine stabile Unterkunft bauen zu können) oder vergleichbare Organisationen. Mikrokredite sind eine andere Möglichkeit, durch welche viele Menschen aus der Armut entfliehen können, und man selbst nicht einmal sein Geld „verschenken“ muss, sondern es meist wiederbekommt. Ich bin noch auf der Suche nach der perfekten Mikrokredit-Organisation (mit dem geringsten Zinssatz für die Kreditnehmer und einer Vergabe auch an wirklich arme Menschen) – bis dahin habe ich mit kiva.org schonmal eine sehr Gute gefunden, die ich euch auch ans Herz legen möchte. 25$ sind nicht mal 20€, die ihr wahrscheinlich auch wieder zurückbekommt, und in der Zwischenzeit ist einem Menschen und seiner/ihrer Familie am anderen Ende der Welt damit mehr geholfen, als wir uns mit 20€ vorstellen könnten. Zeit, seine Aktien an der Börse zu verkaufen, und das Geld in etwas Sinnvolles zu stecken.

Auf See

Auf See

Tag 1: Warum ich immer noch hier bin
Es sollte eigentlich ganz einfach sein: Gestern um 9:30 wollten wir uns beim DAS treffen, um unsere Pässe ausreisestempeln zu lassen und dann hätte es gestern Mittag losgehen lönnen. Nichts da. Wir warteten erst auf den Käptn, dann ein paar fehlende Passagiere und dann den Hafenmeister, nur um dann mitgeteilt zu bekommen, dass der DAS-Mann erst um 14:30 könne. Also packten wir in der Zwischenzeit schon unser Zeug auf den Katamaran „Drus“, machten Essenseinkäufe und trafen uns pünktlich wieder beim DAS … wo der Mann nochmal ne Stunde auf sich warten less – und dann war der Hafenmeister noch nicht da. Letztenendes kamen wir um 16 Uhr einer nach dem anderen ins DAS-Büro für so nen blöden Stempel. Wie uns Käptn Ariel mitteilte, leider schon zu spät zum Losfahren, da wir nach 5 nicht mehr im Hafen fahren dürfen und noch tanken müssten. Und so schliefen die Argentinierin, die italienische Radfahrerin, der etwas seltsame kolumbianische Artesano, der Melliner Designer mit seiner US-Freundin und der Bootsjunge Jayson schon unsere erste Nacht an Bord, noch im Hafen liegend. War letztenendes nicht so schlimm, Rotwein, selbstgekochtes Essen und auf Deck liegend auf die nächtliche Stadt blicken…
Wie Ariel heute erwähnte, hätten wir angeblich fast noch mal 1-2 Tage länger bleiben müssen, da sich der Hafenmeister nur dank 100$ dazu überreden liess, „Zeit für die Unterschrift“ zu haben. Dann ging es natürlich immer noch nicht „um 8 Uhr früh“ los, da wir nach dem Tanken erstmal noch ausgiebig von der Küstenwache samt Hunden auf Kokain durchsucht wurden. Nach 10 Uhr liessen wir die Stadt dann schliesslich hinter uns. Und dann folgt wenig berichtenswertes: Anfangs noch ganz locker drauf mit nem Cuba Libre in der Hand wurden wir nach und nach (selbst der Bootsjunge und die Frau des Kapitäns) seekrank. Blick aufs Meer von der DrusDas ich selbst zu den wenigen gehörte, die nicht kotzen musste, hiess nicht, dass ich mich gut fühlte. So war nichts mit schreiben, lesen oder esen, jede Bewegung war ein Risiko. Ich lag meist an Deck und versuchte, mich an das Schaukeln zu gewöhnen. Klappte nicht ganz. Der Blick hin und wieder nach oben, zeigte, was ich verpasste: Meer bis zum Horizont, später am Tag die tiefstehende Sonne hinterm aufgeblähten Segel. Ich schlief an Deck, frischer Wind hilft, und der Sternenhimmel ist unglaublich.

30.1.11, in der Karibik

Tag 2
Ich kam auch ums kotzen nicht drumrum. Wenigstens hatte ich schon ein bisschen was im Magen, das hilft. Ich spar euch die Details. Ansonsten: mehr Meer.

31.1.11, in der Karibik

Tag 3
Porvenir, die panamaischen Inseln von San BlasGegen frühen Morgen sahen wir die Inseln am Horizont. Wir konnten es kaum erwarten, von Bord zu gehen. Von ein paar Delphinen umschwommen erreichten wir Porvenir, ein Inselchen mit „Flughafen“, Militärposten, ein paar Häusern, ein Restaurant und einem grossen Palmenstrand. Eine Klischee-Karibikinsel. Ich schwamm an Land und kostete den Sandstrand voll aus – fühlte mich nach nur 2 Tagen Meer wie nach ewiger Seefahrt. Leider gabs ein paar Probleme: erstens war der Käptn nicht als erster mit den Papieren an Land gekommen (was nötig gewesen wäre… und irgendwas war damit auch scheinbar nicht in Ordnung, denn sie wollten uns hier keine Immigrationsstempel geben), zweitens war der Medelliner (korrekter: der Paisa) so schlau, direkt erstmal nacktbaden zu gehen. Fanden die Militärs nicht so toll. Ariel meinte, das wäre der Grund für die Probleme, was ich nicht so recht glaube. Mit dem Argument, er müsste was an einem der Motoren reparieren, erhielten wir immerhin die Erlaubnis, den Tag heute hier zu verbringen und dann morgen nach Portobello zu fahren.

1.2.11, Porvenir, Panama

Tag 4
Endlich wieder festen Boden unter den Füssen. Gestern fiel es schon schwer, Porvenir wieder zu verlassen und die Nacht an Deck verbringen zu müssen – wir waren so lang wie möglich am Strand geblieben, schwommen, lästerten über die Unzuverlässigkeit des Käptns und assen Pasta für alle, die wir auf dem Boot gekocht hatten (und dann schnell an Land brachten – nicht länger als nötig auf dem Schiff). nach einer ruhigeren, da auf Anker liegenden Nacht brachen wir um 7 Uhr heute früh auf. Aus dem angeblichen „halben Tag“ von 6 Stunden wurden schnell neun, weil einer der beiden Motoren ausfiel und was Ariel sonst noch für Ausreden einfielen. Er ist eigentlich in Ordnung, aber ein Lügenbold, wie es das Seemann-Klischee erfordert. Das ganze strotzt vor Informalitäten.
Als wir schliesslich in der Bucht des kleinen Hafens Portobello ankamen, war es natürlich zu spät, um mit dem Bus nach Colon zu fahren, um die Immigration zu klären. (Warum machen wir das nicht im kleinen Immigrationsoffice in Portobello? …frag den Käptn!). Gottseidank durften wir trotzdem an Land gehen und die Nacht in einem Hostel verbringen. Dusche, warmes Essen, nette Leute – wie erleichternd nach dem Trip. Abschliessende Empfehlung: Sucht euch nen guten Kapitän oder lasst es ganz sein. Ein Trip von Panama zu den Inseln ist weitaus weniger anstrengend, und Flüge zwischen Panama und Cartagena sind teils sogar billiger. Aber was solls, auch negative Erfahrungen sind Erfahrungen.

Im Vulkan schwimmen / Cartagena corriente

Im Vulkan schwimmen / Cartagena corriente

Im Vulkan schwimmen
Der Schlammvulkan TotumaHeute hab ich eins meiner grossen Wunschziele abgehakt: auf einen aktiven Vulkan steigen und in den Krater sehen – und damit noch nicht genug: ich hab sogar drin gebadet. Doch keine Angst – es ist ein ganz harmloser, kleiner Vulkan. Der Totuma, knappe 50km (3 Stunden mit 2 verschiedenen Bussen und einem Motorrad!) von Cartagena entfernt (wo ich mich inzwischen seit gestern befinde, jedoch noch nicht so viel von gesehen habe) ist grade mal 20m hoch und per Holztreppe in kürzester Zeit zu besteigen. Und er spuckt auch kein Feuer – der Legende nach besprühte ein Priester ihn einst mit Weihwasser, seit dem findet sich im Inneren des am Rande eines Sees stehenden Kegels statt Lava… Schlamm! Richtig: wahnsinnig dickflüssiger, grauer Schlamm, der jüngsten Erkenntnissen zufolge auch noch gut für die Gesundheit ist. Und deshalb kommen immer mehr (zum Glück während ich da war, nicht allzu viele) Kolumbianer und Ausländer hier her und zahlen 5000 Pesos, um dort hochzusteigen und ein Bad im Schlamm zu nehmen. Ich schwimme im SchlammKonnte ich mir natürlich auch nicht nehmen lassen. Das Zeug ist so dickflüssig, dass jede Bewegung schwer fällt und man automatisch nach oben treibt, wenn man mal eine Bewegung hinter sich hat, bleibt man in dieser Position „stecken“… faszinierend. Dazu kühlt er noch angenehm auf der Haut, und man kann ihn glattstreichen und Formen reinzeichnen. Freut sich der Waldorfschüler. 😀 Das alles mit Aussicht auf den riesigen See und strahlende Sonne, bevor man dann von oben bis unten mit grauem Schlamm bedeckt zum See hinunterläuft und sich in einem erfrischenden Bad die Sütche vom Körper wäscht. Der Rückweg war dann leider noch langwieriger wegen Abendverkehr und nicht mehr verkehrendem Bus (also noch ne längere Strecke auf dem Motorrad), aber trotz dem sehr komplizierten Hin- und Rückweg kann man sich eine solche Erfahrung doch wirklich nicht entgehen lassen. Allein schon um sagen zu können: ich hab in nem Vulkan gebadet! Muss ja keiner wissen, dass es ein Schlammvulkan war 🙂

27.1.11, Cartagena, Kolumbien

Cartagena Corriente
Nachdem ich heute früh endlich mal den „richtigen“ Hafen gefunden hatte (der Club Nautico für Yachten) fand ich dort sogar einen Kapitän, der laut Auskunft der Clubverwaltung „heute oder morgen“ fährt – nachdem ich auf sein Boot geschifft wurde, es mir ausgiebig angesehen hatte und mit dem Käptn Ariel gesprochen, bekam ich folgende Details: morgen, 29.1., Abfahrt für 400$, Essen leider nicht inklusive aber Küche verfügbar für Selbstversorgung, 3 Nächte, 2 Tage davon auf Hochsee, den Rest bei den Inseln San Blas vor Panama, 10 Leute an Bord, eine mehr oder weniger breite Kajüte für zwei Personen. Ich konnte nicht nein sagen, auch wenn ein Flug 260$ kostet (aber mit Taxi, Flughafengebühr und dem eingesparten Hostel wärs wohl auch auf 300$) – allein wegen der Erfahrung und den Inseln. Also hatte ich, wie mir bewusst wurde, nur noch den heutigen Tag Zeit um Cartagena de las Indias kennenzulernen.
Nachdem ich dem Käptn Anzahlung und Pass vorbeigebracht hatte (schon ein ungutes Gefühl so den Pass wegzugeben, aber der braucht halt nen Ausreisestempel) machte ich mich also auf in die mauernumringte, historische Innenstadt, die ich bisher nur abends gesehen hatte.Abenddämmerung in CartagenaLeere Gasse im historischen ZentrumVolle Gasse im historischen Zentrum Saftpresser
Und es ist wie ein anderes Land: kleine Gassen, schicke Häuser mit teuren Restaurants, nur wenige Strassenverkäufer (und die eher Artesania), dafür wieder mehr „Hey my friend, where you from“-Sprüche. Nichtsdestoweniger eine schöne, interessante Stadt. Ich lief einmal im Zickzack von der Kathedrale zur Plaza Bolivar zur Stadtmauer und nachher durch kleine Gässchen zurück, nahm einen Schwenk durchs „Handwerkerviertel“ Getsemanie, wo auch mein Hostel ist (sehr viel natürlicheres Viertel, in dem trotz einiger Touristen auch normale Leute leben) und Castillo San Felipe von Cartagenaerklomm dann die Festung San Felipe, die einst die reiche Handelsstadt vor Piraten beschützte. Zurück im Zentrum sah ich mir das Museum moderner Kunst an (nicht so toll) und das Convento de Sand Pedro Claver, benannt nach einem Priester/Missionar, der sich seinerzeit um das leibliche und geistige Wohl der Sklaven kümmerte und so wenigstens ein wenig deren Situation verbesserte.
Nach diesem für mich eigentlich unüblichen 1-Tages-Besichtigung-Run der Stadt war ich erstmal KO und verbrachte eine Weile auf der Stadtmauer spazierend den Sonnenuntergang betrachtend. So schnell und unerwartet ist er da, mein letzter Abend auf kolumbianischen Boden. Und da ich noch packen und einiges Zeug vor meiner Abreise erledigen muss, und bisher noch nicht weiss, zu welcher Uhrzeit ich morgen in See steche, sitze ich etzt noch einen Moment im von Springbrunnen umgebenden Parque Bolivar, höre die Livemusik von einem Open-Air-Konzert um die Ecke und werde mich dann auch schon verabschieden müssen von diesem herrlichen Land – Doch Es lebe Kolumbien!wer weiss schon, wann ich wiederkommen werde. Denn es gibt immer noch so viel hier zu entdecken.
Aber jetzt bin ich erstmal offen für meine erste Hochseefahrt und dann… Panama!

28.1.11, Cartagena, Kolumbien

Cartagenas Stadtmauer bei Sonnenuntergang

Zu Pferd am Berg

Zu Pferd am Berg

Mein Pferd und ichZu Pferd am Berg
Höchsten Respekt für alle, die aus welchem Grund auch immer, stundenlag auf Pferderücken sitzen! Ich hatte dieses Erlebnis gestern zum ersten Mal für gerade mal zweieinhalb Stunden, und ich war erstmal froh, wieder auf ruhigem Boden zu stehen. Aber ansonsten eigentlich problemlos – die Stute war natürlich gut geschult und hörte auf jedes kleine Ruckeln an den Zügeln, und hat selbst bei den schwierigsten / steilsten Stellen nicht das Gleichgewicht verloren. Ja, ich bin übrigens immer noch in Quito. Tollerweise kann man aber direkt von der Stadt aus mit einer recht neuen Seilbahn zu einem immerhin gut 4000 Meter hohen Aussichtspunkt fahren und vor dort aus sind die Gipfel der beiden Vulkana Guagua Pichincha und Ruca Pichincha nur noch einen Klacks entfernt – theoretisch. Praktisch liegen da noch viele Höhenmeter zwischen. Und so lief ich nur einen Teil der Strecke und mietete für den Rest besagtes Pferd (samt Führer) mit dem ich recht hoch an den Ruca-Hang kam und eine fantastische Aussicht vom Pferderücken auf die Natur samt riesige Stadt im Hintergrund hatte. Alles in allem definitiv ein tolles Erlebnis!
Zurück in der Stadt sah ich mich dann auch mal in Neu-Quito um, wo ich bisher noch nicht gewesen war und war – ehrlich gesagt – enttäuscht. Dass es nicht mit Alt-Quito mithalten kann, war erwartbar, doch es erfüllte nicht mal die Erwartung „Skyscraper-Strassenschluchten“, die die Skyline von aussen (und oben) erweckt (und wie ich es aus Guayaquil kannte). Die paar grösseren Parks sind ganz nett, aber auch nichts besonderes. Ich hätte nicht mal was wirklich negatives zu beschreiben – es ist einfach gesichtslos. Also schnell wieder in die Altstadt.
Da klapperte ich dann heute ein paar Kirchen und das Kloster San Diego ab (was herrlich abgelegen vom Touristentrack vor sich hindöst… abgesehen von den Renovierungsarbeiten). Dann wollte ich eigentlich ein Busticket mit der Busgesellschaft Panamericana für morgen abend nach Cali holen – ist aber nichts. Bis zum 26. alles ausgebucht oder wegen irgendwelcher Probleme abgesetzt. Also muss ich wohl oder übel morgen um 5:00 früh mit dem Bus nach Tulcán an der Grenze fahren und von da aus was anderes suchen. Den Rest des Tages wich ich dem Regen aus und ging auf den

22.12.2010, Quito, Ecuador

Buschaos
Eigentlich wäre es so einfach: in Quito in nen Bus steigen, in Cali 18 Stunden später aussteigen. Nix da. Weihnachten heisst: alle Direktbusse ausgebucht, und wegen des derzeitigen Wetterchaos in Kolumbien die andere Hälfte storniert. Also nen Bus an die Grenze genommen und da sitze ich jetzt. Denn von da sind die Calibusse natürlich auch ausverkauft oder abgesagt. Also werde ich jetzt einen noch grösseren Umweg über Rosas nehmen, von dem ich immer noch nicht genau weiss wo es ist, und hoffen, von da so nach Cali zu kommen, dass ich noch vor morgen abend zu Heiligabend dort bin… Drückt mir die Daumen!

23.12.2010, irgtendwo an der Grenze Ecuador/Kolumbien

So, als kleines Weihnachtsgeschenk noch folgendes: neulich im quiteño Troleybus wurde ich (und die anderen Passagiere) von ein paar Jungs überrascht, die mal nicht irgendwelches Esszeug oder Krimskrams verkauften, sondern aus dem Stehgreif anfingen zu rappen. Ja, in Lateinamerika – kein Reggaeton, sondern richtiger Hiphop – ich war begeistert und kaufte ihnen auch gleich nachher ihre CD ab (die echt gut ist nebenbei). Um euch ein bisschen dran teilhaben zu lassen, hier eine kleine Videoaufnahme aus dem Bus… wer Spanisch kann wird sich über intelligente Texte freuen (besonders im Vergleich zu den Reggaeton-Lyrics), wer HipHop mag wird sich über den Flow freuen… und alle anderen: naja, freut euch einfach so. Frohe Weihnachten aus Lateinamerika, und danke für euer stetes Interesse, eure Mails und die Zeit die ihr euch nehmt, dass ihr durchzulesen!

Cuenca oder: Warum ich so gern in den Anden bin

Cuenca oder: Warum ich so gern in den Anden bin

Cuencas StrassenSchon kurz nach meiner Ankunft war klar: hier fühle ich mich wohl. Der Taxifahrer ist übermässig freundlich, die Strasse aus Kopfsteinpflaster von zahlreichen, guterhaltenen Kolonialhäusern gesäumt und an jeder Ecke steht eine Panaderia (Bäckerei). Das Klima ist genau wie ich es haben will (warm genug für T-Shirt tags bzw. leichter Pulli abends, nicht zu warm oder schwül, kein Regen…), die Stadt ist weder zu klein, noch zu gross, hat Flaire, ist lebendig und ein 5$-Hostel (in dem ich mich wohler fühle als im Kasten von gestern) fand ich auch auf Anhieb.
Glücklicherweise hatte es heute früh in Guayaquil den ganzen Morgen geregnet, so dass ich nach dem Frühstück entschied, nicht nochmal nach Las Peñas zu laufen, sondern gleich einen Bus nach Cuenca zu nehmen. Was für eine perfekte Entscheidung! So kam ich hier schon um 3PM an und hatte massig Zeit, durch die Stadt zu schlendern (s.o. die ist perfekt dafür), Cuencas Kathedralen-Skylinedie angeblich ca. 50 (gefühlte 1000) Kirchen zu bewundern (darunter die gigantische Kathedrale, die als grösste Lateinamerikas geplant war – worüber der Architekt allerdings übersah, dass die Kuppeln zu schwer wären… sieht jetzt bisschen aus wie’s Strassbourger Münster) und mich – kurz gefasst – einfach gut zu fühlen. Hutmacher-LadenEin Blick vorbei bei einem betagten Hutmacher (die berühmten weissen „Panamahüte“ kommen nämlich eigentlich aus Ecuador… war kurz davor, mir für 20$ einen zu kaufen), und im Museum für moderne Kunst, ein Spaziergang am Fluss und ein Kurzbesuch der Universität Cuenca… und unglaublich leckeres Kokos-Süsszeug am Strassenstand – was ein voll gefüllter, herrlicher Tag. Da ich heute im Hostal wieder günstiger untergekoimmen bin, gönnte ich mir zum Abendessen mal das typische „Secco de Pollo“ in einem fast schon luxoriösen Restaurant (erkennt man an den kostenlosen Apettitanreger-brötchen) – für 6$ geradezu schockiiiierend teuer 😉 – hat sich aber definitiv gelohnt. Erstaunlich, was 4$ für einen Unterschied machen können.

15.12.2010, Cuenca, Ecuador

Ambato, Latacunga, und was in den Anden weniger Spass macht
Eigentlich bin ich Donnerstag extra früh aufgestanden und aus Cuenca aufgebrochen, um gegen Mittag in Alausi zu sein. Was ich auch schaffte – doch der Hauptgrund fiel leider ins Wasser (hätte mir die Touristeninfo in Cuenca ja auch mal sagen können): es gibt eine tolle Bahnstrecke von dem Andendorf nach Riobamba, von der überall geschwärmt wird… wär auch toll gewesen, von der 20km/h-Bahn die Andenlandschaft zu geniessen. Dort angekommen erfuhr ich jedoch, dass bis Februar die Bahn wegen Streckenarbeiten geschlossen ist. Klasse, da hätte ich auch gleich mit dem Bus weiter bis Riobamba fahren können. So nahm ich nach 40 Minuten Essen und die Hauptstrasse langstreunern den nächsten Bus dorthin, um wiederum umzusteigen in einen Bus nach Ambato, wo ich gegen Abend ankam. Ein Gepäckjunge dorte wollte mir gar nicht glauben, dass ich tatsächlich dort bleibe und nicht zum allgemeinen Touri-Ziel Baños weiterfahre. Denn viel zu sehen gibt es in Ambato eigentlich nicht… nicht mal eine wirkliche Altstadt, weil der grösste Teil beim 1940er Erdbeben zerstört wurde. Der Grund, warum ich überhaupt dort hin bin, war die Möglichkeit, mal wieder ein bisschen sozialen Kontakt zu bekommen. So konnte ich nicht nur die Couch (genaugenommen ein eigenes Bett) bei der Familie von Fernanda surfen, sondern auch eine echt angenehme Zeit mit der Familie verbringen. Der Vater war sogar zur WM in Deutschland (daran sieht man den gehobenen Lebensstandart), und so fehlte es mir dort an nichts – netten Gesprächen, einer angenehmen Unterkunft und die Fürsorglichkeit, als ich am Freitag plötzlich krank wurde. Am Donnerstag abend war ich mit einer kleinen Stadtbesichtigung mit Fernanda und ihrem Freund noch im „Roho“ lokales Bier trinken und anschliessend einen Strassenstandburger essen – was ich in den letzten vier Monaten ja nicht allzu selten gemacht habe. Diesmal schien da mein Körper aber irgendwas gegen zu haben und so blieb ich am Freitag grössenteils im Bett, statt (wie nach hartnäckigen Empfehlungen geplant) nach Baños zu fahren. Am frühen Abend fuhren wir zu einem Park am äussersten Ende der Stadt, von wo aus man einen fantastischen Blick auf selbige hat – trotz der guttuenden frischen Luft war ich schon schnell so KO, dass ich nachher eigentlich den ganzen Abend durchpennte.
Da ich heute früh zwar immer noch nicht 100% aufm Damm war, nach viel Schlaf aber auch nicht mehr ganz so down, verliess ich Ambato in Richtung Latacunga. Das Wetter war gut, ich kam recht schnell an und fand ein Backpackerhostal – so weit, so gut. Mein Plan für heute war, zum (kilometermässig) nahgelegenen Lago Quitoa zu fahren, der als der schönste See Ecuadors bezeichnet wird und sich in einem Vulkankrater befindet. Nach fast 2h Busfahrt (kurvige Bergstrasse) kam ich allerdings leider im Regen an – was ja noch ertragbar wäre, wenn er nicht mit so starken Nebel einherginge, dass man tatsächlich kaum was vom See sehen konnte. Nur das mir am nächsten gelegene Ufer unter mir liess ein bisschen auf die Schönheit dieses Ortes schliessen. Naja, Pech halt. Mehr Pech noch, dass der nächste Bus zurück nach Latacunga erst eine Stunde später losfuhr, und ich den dann auch noch verpasste, weil er (was für ein Wunder) früher da war als erwartet – und auch früher wieder weg. Ein leicht verschwendeter Tag…
Mein Plan für morgen ist damit dann auch mal spontan geändert, da es wettermässig wahrscheinlich morgen ähnlich aussehen wird. Und so wird es sich kaum lohnen, den (aktiven) Vulkan Cotopaxi hochzukraxeln… was noch so schön sein soll – im Nebel kriegt man davon nichts mit und friert sich nur die Beine ab. Hatte mich dann fast noch gefreut als ich rausfand, dass es hier auch einen Bahnhof mit noch aktiver Strecke nach Quito gibt – aaaaber: man kann nur Tickets für Hin- und Rückweg zusammen kaufen, und das auch nur in Quito. Wenn man sich also wie ich schon hier in Latacunga befindet, fällt das leider aus – warum? Weil das eben nur eine Touristenattraktion für Leute ist, die von Quito nen Trip hierher und zurück machen, und kein normales Verkehrsmittel. Leicht ärgerlich. Der Tag war für mich also gelaufen und ich hoffe einfach mal, dass sich mein Glück in Quito wieder ein wenig ändert 😉

18.12.10, Latacunga, Ecuador

Verloren im Dschungel

Verloren im Dschungel

Wie man aus Baumwurzeln trinkt,
…Termiten als Mückenschutz benutzt oder im Dschungel verlorgengegangene Freunde mithilfe eines riesigen Baumes zu sich ruft, sind nur drei Punkte des heute (siehe Datum) gelerntes ;). Früh um 8 fuhr ich mit meiner Gruppe (drei recht wortkarge Belgier, von denen 2 kein Spanisch sprechen) mit dem Auto zum Hafen von Nauta, von wo aus wir in einem Motor-Kanu weit in die Selva vorstiessen. Nachdeem wir das 3-Flusseck und damit den Anfang des Amazonas passiert hatten, kamen wir schliesslich an unserer Unterkunft an. Ein paar nicht grade luxoriöse, aber gemütliche Häuser, wie üblich auf Stelzen und mit Palendächern, ich eine Habitacion für mich alleine, Mückennetz am Bett und vor den Fenstern – was will man mehr im Dschungel?… einen Ventilator vielleicht, denn ich schwitze selbst 5 Minuten nach der erfrischenden Dusche schon wieder. Nach einem für mich eher kargen Mittagessen (da Fisch) packte unser Guia Augusto die Machete, wir Gummistiefel, und so stapften wir los in das grüne, von Vogelgeräuschen und Moskitosurren erfüllte Labyrinth. Neben ein paar Affen bekamen wir zB zu sehen, wie Ich trinke Wasser aus einer Baumwurzelman einfach ein Stück Wurzel eines bestimmten Baumes abhacken kann, um daraus kühles, klares Wasser zu trinken, zu hören, wie laut das Echo klingt (2km weit), wenn man mit der Machete gegen einen bestimmten, riesigen Baum schlägt, und zu fühlen, wie zahllose Termiten über die Hand krabbeln wenn man selbige auf ein Termitennest legt. Die tun nichts, sind im gegenteils sogar hilfreich, wenn man sie auf den Armen verreibt – als Mückenschutz. Trotzdem (und dem zusätzlichen Chemiezeug) war ich schnell durchstochen.
Wie das im Regenwald so ist, fing es etwas später an zu regnen, undzwar nicht nur ein bisschen… Schlauerweise hab ich nur 1 Hose mit, liege jetzt also in meinem Zimmer und warte, dass sie einigermassen trocknet, während der strömende Regen draussen sinnlose Tätigkeiten verhindert. Später am Abend gingen wir mit Taschenlampen ausgestattet nochmal raus, um die nachtaktive Tarantula (Vogelspinne) zu finden. Fanden allerdings nur eine Kleine, und eine, die schnell im Bauminneren verschwand. (Anmerkung: am nächsten Tag brachte Augusto kurz vorm Abendessen eine auf der Hand mit ins Esszimmer 😉 ). Als es wieder zu regnen anfing, zog ich schlauerweise schnell meijn Shirt aus und schützte es so vor der totalen Durchnässung. Warm genug für Oberkörperfrei war es ohnehin, und wenn es regnet, verschwindet auch der Hauptgrund für die viele Kleidung… die Moskitos 😉

29.11.2010, Irgendwo im Dschungel von Loreto

Pirañas und rosa Delfine
Typisches DschungelbildDer heutige Tag fand bisher grossteils auf den wichtigsten Verkehrsadern der Selva statt: den Flüssen. Um 5 Uhr früh aufgestanden schipperten wir los auf Kaimansuche… hatten leider keinj Glück. Dafür konnten wir aber bei sehr angenehmer Temperatur das Ufer betrachten. Nach dem Frühstück gingen wir mit Angeln ausgerüstet zum Piraña-fischen. Ich selbst zwar nicht, denn ich finde es sinnlos, Fische zu fangen, verletzen und zu töten wenn ich sie dann nicht aufesse. Die Belgier fingen aber ein paar der Viecher, die einem zwar wenn man sie doof anfasst ein Stücken vom Daumen abknabbern können, aber natürlich nicht so gefährlich sind wie im Hollywoodfilm. Bei schon mittäglicher Hitze hielten wir uns dann noch eine Weile im 3-Flusseck auf, wo wir die Flossdelphine beobachteten: und ja, ein paar von denen sind tatsächlich rosa. Nicht so Teeniemädchen-Scoutranzen-Pink natürlich, sondern mehr so europäische Hautfarbe, und auch das nicht gänzlich, sondern eher gescheckt. Aber trotzdem… funky 😉

Verloren im Dschungel
Ich vor der grünen WandEs wird langsam dunkel um uns rum. Die zahllosen Vögel zwitschern um uns irgendwo auf den Bäumen und Augusto, unser Guide, meint das Motorengeräusch käme aus dieser Richtung. Die eine Taschenlampe, die wir mithaben, neigt sich dem Ende zu und Ziki, der Bootjunge, antwortet auf unsere Rufe auch nicht. Die Belgier und ich schlagen vor, lieber einen sicheren Platz für die Nacht zu suchen statt sinnlos die Batterien zu verbrauchen und durchs dunkle Dikicht fern jeder Wege zu irren.
Wir waren nach dem Mittagessen nochmal Angeln gefahren und wollten eigentlich nur mit einem 40-Minuten Spaziergang die Zeit überbrücken, um dann vom Boot aus in der frühen Dämmerung Kaimane zu suchen. Inzwischen ist es weit nach 6 Uhr, hier in der Selva also schon längst dunkel, und ich überlege, ob es sich lohnt, in Panik auszubrechen. (Lohnt sich natürlich nicht.) Handy hat keiner mit, hätte eh nix gebracht da A kein Netz, B wen sollten wir schon anrufen. Wir haben nicht mal was zu trinken mit (wissen ja immerhin jetzt wie man aus Wurzeln trinkt) und ein kleeein wenig sehne ich mich nach Lima und meinem kleinen, sicheren Halle ;). Ich komm auf die schlaue Idee, mein Kameradisplay als Taschenlampenersatz zu benutzen.
Nassgeschwitzt, KO und nach mehrerem Stolpern sehen wir schliesslich zwischen den Glühwürmchen die Taschenlampe von Ziki. Was für eine Erleichterung… zusammen laufen wir nochmal so ewig bis zum Boot und von da aus brauchen wir nochmal so lange zurück zur Unterkunft, dass ich mich schon frage, ob wir schon wieder orientierungslos sind. Um 20:30 kommen wir endlich wieder an. Augusto behauptet später, das sei doch abenteuerlich gewesen und ich bin mir nicht ganz sicher, ob er nur nicht zugeben will, sicher verlaufen zu haben, oder ob es tatsächlich „Show“ war… falls ja ist er ein seehr guter Schauspieler… Wie auch immer, abenteuerlich war es tatsächlich.

30.11.10, Irgendwo im Dschungel von Loreto

Peruanische Zuverlässigkeit – im Dschungel
Nachdem wir gestern unseren tollen Trip hinter uns hatten, wear ich heute ganz zufrieden mit dem Plan, nach dem Frühstück ein bisschen auf Affensuche durch den Wald in der Nähe der Herberge zu gehen, etwa anderthalb Stunden bis zum anderen Fluss, wo uns Ziki dann bereits mit dem Boot erwarten sollte. Nach dem von mücken begleiteten Weg, wo wir zwar nur seltenst Affen sahen, dafür aber über Baumstammbrücken kletterten und jede Menge anderes Getier sahen, kamen wir am ausgemachten Ziel an, doch Ziki war nicht da. Wir warteten gut eine halbe Stunde, beschäftigten uns anderweitig und gingen dann den Fluss entlang in seine Richtung. Immer wenn ein Boot zu hören war, rannte Augusto hinunter zum Fluss, um dann festzustellen, dass es ein anderes war. Über eine Stunde später kam er schliesslich, ich hatte ehrlich gesagt kein Bock mir seine Erklärung anzuhören, und war nur froh nicht wieder alles zurücklaufen zu müssen =)
Nach Dusche, Mittagessen und einem Gespräch mit einer grade angekommenen Neuseeländerin (mit der ich in einer halben Stunde wohl mehr geredet hab als in 3 Tagen mit den Belgiern) ging es per Boot (und Auto) zurück nach Iquitos. War ja wirklich ganz interessant der Trip, aber die Hitze und die Mücken nerven schon ein bisschen. Bin dann wohl doch eher der Anden-Typ. Hier in Iquitos bleiben mir jetzt noch zwei volle Tage für die Umgebung und die Stadt selbst, und dann geht es nochmals, wenn auch nur noch für recht kurze Zeit, zurück in mein liebgewonnenes Lima!

1.12.10, Irgendwo im Dschungel von Loreto / Iquitos

PS: Fotos gibts dann im nächsten Beitrag hochgeladen!

Viajando a Bolivia / Isla del Sol

Viajando a Bolivia / Isla del Sol

Viajando a Bolivia
Hinter dem Fenster erstreckt sich ein Meer aus Wolken, aus denen Bergspitzen wie Inseln hervorragen, umgeben von weissschäumendem Nebel und unter einem stratosphärenblauen Himmel bei Sonnenschein, der so nie durch die Wolkendecke Limas dringt.
Nachts um 4 von zuhause aufgebrochen kam ich ohne Probleme und sogar mit meiner Softdrink-Flasche an Bord des Peruvian-Airlines-Flugzeugs nach Cusco, das die Passagiere schon wenige Minuten nach dem Start mit dieser unglaublichen Aussicht beschenkte. In Cusco hatte ich dann viel zu viel Zeit zum „umsteigen“ (3h), schmökerte also die halbe zuvor gekaufte Zeitung durch vor/zwischen/nach dem Gepäckabholen/Ticket abholen/Gepäck abgeben/Sicherheitscheck/Visa-abstempelung bei der Migracion/Boarding. Letzteres brauchte wahnsinnig lang, der Schalter am Gate stand bis 10:30 einfach mal unbesetzt – planmässige Abflugszeit: 10:45… – um kurz vor 12 (!) ging es dann erst los, was mich ein bisschen ärgerte weil mir so eine Stunde in Copacabana verloren ging. In La Paz angekommen und durch die Einreisebürokratie durch konnte ich ein Taxi immerhin auf 40 Bolivianos (40Bs=4€) für den Weg zu den Bussen am Cementerio runterhalndeln und kam da wenigstens zeitlich passend zur Microabfahrt nach Copacabana an. Mit dem ruckelte ich nochmal 3-4 Stunden durch das bolivianische Andenhochland, unterhielt mich mit einer Ecuadorianerin die seit 3 Monaten durch Bolivien reist, Wände anmalt und „die Energie in Copacabana“ ganz toll findet, einem Copacabeño der sogar schon nach Cusco gereist ist, und hatte ca. 20 Minuten lang fiese Höhenkrankheit mit schwarz vor den Augen und ähnlichen scherzen (aber im Bus sass ich ja eh, konnte also nicht umkippen 🙂 ) – danach gings aber bis auf die Kopfschmerzen die den Rest des Abends anhielten.
Gegen 5PM kam ich dann am Ziel an: Copacabana am Lago Titicaca! Und nein, das ist nicht der bekannte Traumstrand Brasiliens (dafür müsst ihr schon Flo´s Blog lesen, siehe links), sondern eine kleine Stadt am Lago Titicaca, mittlerweile durch die ganzen Backpacker nicht mehr ganz so verschlafen, berühmt geworden durch irgendeine angeblich Wunder vollbringende Marienstatur (- Pilger benannten deshalb den brasilianischen Strand nach diesem Ort).Maurisch inspirierte Kirche Copacabana Im Stadtzentrum steht eine von aussen wunderhübsche, im maurischen Stil gebaute Kirche (von innen recht langweilig) und die ganze Stadt ist voll von Händlern, billigen Unterkünften (15 Bs) und Backpackerbars – eine abstruse Mischung. Kurioserweise begrüsste den ankommenden Bus laute US-Musik von der Plaza, wo es gerade ein „english-language-festival“ gab…
Nach einem schnellen Abendessen auf dem Markt ging ich in einem hauptsächlich von Einheimischen besuchten Cafe (also eher ne Markthalle mit Kaffeeständen) einen Mate de Coca gegen die Kopfschmerzen trinken und hatte nebenbei Glück – drei Copacabeñer am Tisch unterhielten sich mit mir sehr angeregt über die hiesige Medienlandschaft (es soll ein Gesetz geben, dass zwar „Anti-Rassismus-Gesetz“ heisst, tatsächlich aber den Zeitungen ihre Meinung vorschreiben soll und die Verbreitung von geheimen Informationen von irgendwelchen Informanten verhindern soll – fragt mich nicht wie Evo das unter solch einen Namen kriegt), die (fehlende) educacion und die Angst, Evo Morales´ Regierung könne sich in eine Linksdiktatur verwandeln. (haben schon verstärkte Beziehungen zu Cuba, Venezuela, Russland und Iran… und es wird von verschwundenen Leuten gemunkelt) – eine der Begegnungen auf jeden Fall, die man meist nur als Alleinreisender hat 😉

28.10.10, Copacabana, Bolivien

Isla del Sol (Insel der Sonne)
Strand auf der Isla del SolOhne die Kokablätter in meiner Wange, die ein leichtes Taubheitsgefühl auf der Zunge zurücklassen, die Wasserflasche in meiner Tasche sowie Sonnencreme, -brille und Mütze wäre ich jetzt wahrscheinlich längst umgekippt… 😀 Nee, keine Sorge, ich bin nur schwer K.O. von 4 Stunden wandern in 4000 Metern Höhe. Heute früh um 8 nahm ich das Boot von Copacabana zur Isla del Sol (die Isla de la luna ist leider nur mit teurer Privattour erreichbar), auf de, ich mich mit einem australischen Pärchen (Ric & Liz) unterhilet, mit denen ich dann auch den Rest des Tages verbrachte. Wir landeten am Nordhafen der Insel und wanderten von da aus bis zu den Ruinen an der Nordspitze – fast 3000 Jahre alt und fast so beeindruckend wie Machu Picchu – und von dort aus quer über die Insel bis in das südliche Dorf mit den meisten Pizzarien pro Einwohner Boliviens. (Kein Scherz!) Unterwegs mussten wir 3x „Wegzoll“ bezahlen, durch den den Touris hier insgesamt 30 Bs abgezogen werden, wurden dafür aber mit fantastischen Aussichten belohnt, während wir durch Eucalyptuswälder, trockene Graslandschaften mit Schafen und Lamas und aufeinandergestapelte Steine liefen. Nach einem lang auf sich wartenden Mittagessen um 3PM fand ich eine Unterkunft für 20 Bs. Der frische Wind hielt uns dann doch vom Schwimmengehen ab, und so traf mich nachher nur noch mit Liz, Ric und Mahesh (einem indischstämmigen US-Student, der in ihrem Hostel wohnt und auch morgen nach La Paz reist) zum Rotwein-trinken, Abendessen und unglaublich beeindruckenden Sonnenuntergang überm See angucken. Das hört sich jetzt so kurz gefasst nach wenig an, aber ich bin zu KO zum schreiben – und es war einfach eine sehr schöne Wanderung über die Insel, die definitiv mehr Wert war als mein kurzer bisheriger Aufenthalt in Copacabana. Jetzt pennen gehen, morgen dann zurück aufs Festland und Richtung La Paz – die dortigen Erlebnisse gibts sehr bald im nächsten Blogbeitrag!

29.10.10, Isla del Sol, Bolivien

Sonnenuntergang Isla del Sol

Öffentlicher Verkehr

Öffentlicher Verkehr

Da ich hier ja jetzt lebe, und nicht (nur) Urlaub mache, gibt es tatsächlich einmal von letztem Wochenende nichts Spannendes zu erzählen – nein wirklich! Ich habe mich ein wenig über meinen Schnupfen geärgert (ist aber nicht schlimm), meine Demografia-Aufgabe erledigt und irgendwie einfach mal wieder entspannt (okay, Samstag war nach der langen Hochzeitsfeier erstmal lang ausschlafen angesagt, da war sowieso fast der ganze Tag weg). Es war also wirklich erstmals so, als lebe ich hier wirklich, ohne fancy-Urlaubserlebnisse, sondern ein alltägliches Wochenende. Muss natürlich auch nicht immer sein, darf aber ja auch mal. 😉 Da ich ausserdem festgestellt habe, dass ich im August durch meine Reisen viiieeel zu viel Geld verbraucht habe, ist das für mein Portmonaie auch gar nicht so schlecht.
Damit ihr euch aber nicht langweilt, gibts jetzt mal einen kleinen Guide für alle, die vielleicht mal hier vorbeischauen wollen (oder sich das besser vorstellen können wollen):

How To catch a bus in Lima
Hallenser lästern vielleicht hin und wieder gerne über die HAVAG (den halleschen Betreiber der öffentlichen Verkehrsmittel). Die waren aber in der Regel noch nicht in Lima.

CollectivosDie Busse sind hier genaugenommen nicht im eigentlichen Sinne öffentlich, sondern privat. Viele viele kleine Unternehmen betreiben mehrere Busse, die in der Grösse und Ausstattung zwischen VW-Bus aus den 70ern, altem US-Schulbus und „moderneren“ Bussen variieren und meist bunt angemalt sind. Die Busse fahren stets eine Tour quer durch Lima; auf der Vorderseite finden sich meist Start- und Zielbarrio (Stadtviertel) so wie eine Liniennummer. Da gibt es allerdings seeeehr viele von, und man kann sich wahrscheinlich höchstens die Nummern merken, mit denen man regelmässig fährt (z.B. von zu Hause zur Uni). Da das alleine also nicht viel helfen würde (v.a. wenn man mal woanders hinwill), ist auf beiden Seiten eine Liste der grossen Strassen, die der Bus auf seiner Tour passiert, aufgemalt. Das sieht dann z.B. so aus:

Universitaria – Bolívar – Brasil – Grau – Abancay

Man muss also v.a. wissen, welche grosse Strasse in der Nähe des Wunschzieles liegt, und diese dann auf den Bussen suchen. Viele Strassen sind allerdings seeeeehr lang (die Universitaria dürfte über 50 cuadras (Blöcke) haben), und nicht alle Busse fahren zwangsläufig die ganze Strasse lang. Da hilft nur das Kürzel „Tdo.“ (Todo=die ganze) auf der Seite vor dem Strassennamen, oder ein schnelles Nachfragen beim „Schaffner“ – „Todo Bolívar?“

Die „Schaffner“ üben übrigens gleich mehrere Funktionen aus. Während der Fahrer sich mal mehr, mal weniger auf den Verkehr konzentriert, steht der „Schaffner“ an der Tür und schreit die Namen der angefahrenen Strassen heraus, damit die Passanten den benötigten Bus leichter finden. Erspäht er einen potentiellen Mitfahrer, klopft er zweimal auf die Busseite, damit der Fahrer anhält. Will man aussteigen, sagt man ihm z.B. „baja 15“ (falls man in der 15. cuadra aussteigen will) oder „baja paradero“ (bei der nächsten Haltestelle), oder auch „baja esquina“ (nächste Strassenecke), oder was immer einem sonst so einfällt, was dann wiederum an den Fahrer kommuniziert wird. Irgendwann zwischendrin (spätestens beim Aussteigen) hält der Schaffner einem die mit Kleingeld gefüllte Hand schüttelnd hin, was als Hinweis zu verstehen ist, zu bezahlen – für Kurzstrecken (innerhalb der gleichen Strasse) 50 Centimo, für die meisten „normalen“ Strecken S/ 1, für sehr lange zwischen S/ 1,20 und S/ 2 (Studenten mit Ausweis kriegen mit etwas Glück auf letztere Rabatt – ich habe kürzlich sogar von Barranco bis nach Jesusmaria nur 80 Centimo bezahlt). In der Regel halten die Busse überall, wo man es ihnen sagt, oder wo ein potentieller Mitfahrer steht – die Haltestellen sind nicht wirklich obligatorisch. Manche Unternehmen aber, wie z.B. die blauen Busse von „los Chinos“ oder manchmal auch „Consorcio Vía“ halten sich an das paradero-System und halten tatsächlich nur dort, wodurch sie natürlich schneller sind und dadurch mehr Kundschaft kriegen. Das gerade die kleinen Busse nicht sonderlich sicher sind, versteht sich von selbst – das auf die Fensterscheiben gemalte „salida de emergencia“ (Notausgang) ist gerade bei den Micro-Bussen leicht lächerlich. Dass das System trotz allem funktioniert, verwundert manchmal.

Und worüber lästern wir so in Halle? An grossen Haltestellen gibt es elektronische Anzeigen mit Wartezeit in Minuten, an jeder Haltestelle einen ausführlichen Fahrplan aller Strassenbahnlinien, die nie im Stau stehen; die Bahnen sind in TÜV-geprüftem Zustand, schnell, pünktlich, zuverlässig und sogar umweltfreundlich. Okay, sie sind ein wenig teuer wenn man kein Semesterticket hat – aber wenigstens nach einem durchschaubaren System. Schaffner lassen sich recht selten blicken, wenn, dann nur zum kontrollieren der Fahrscheine (in Lima seltenst nötig). Die Bahnen kommen regelmässig, auf den wichtigsten Linien auch Nachts, und man hat fast immer einen Sitzplatz, und wenn nicht, dann meist über einen Meter Platz um sich (in Lima kann das schon mal bei einem Zentimeter liegen).

Aber die Limeños sind sich der Situation durchaus bewusst – noch vor wenigen Jahren gab es nicht mal Haltestellen, und die Busunternehmen müssen mittlerweile Fahrscheine ausstellen (was nicht alle tun). Seit allerkürzestem gibt es sogar den Metropolitano, einen modernen Zieharmonika-Bus, der durch das Zentrum, Miraflores, San Isidro und Barranco fährt (in Zukunft wird die Strecke noch nach Norden ausgeweitet) und dessen Haltestellen mittelweit entfernt sind (sehr praktisch für die langen Entfernungen), einem festen Fahrplan und einer eigenen Fahrspur für 75 Centimo – das ist geradezu revolutionär! (Ich bin noch nicht mit gefahren, kann also leider sonst noch nichts dazu sagen.) Die Micros, collectivos und sonstigen carros wird das wohl nicht verschwinden lassen, sie werden wohl maximal langfristig ihre Routen anpassen müssen – der Unterschied zwischen Lima und Halle wird also wohl erstmal bestehen bleiben… denn sonst würde sich vielleicht eine Fahrt in Halles Strassenbahnen so anhören:

„Grosse Ulli grosse Ulli grosse Ulli Steinstraaaasse! Steinstraaaasse! Grosse Ulli grosse Ulli! LuWu Steinstraaaasse! Zusteigen zusteigen zusteigen!“ – „Steintor?“ – „Ja ja Steintor, zusteigen zusteigen! Grosse Ulli grosse Ulli Steinstraaasse!“ – Huuup (damit der Fussgänger schneller über die Strasse geht) „Halt Joliot Curie!“ – „Halt am Joliot Curie!!!“ Huuuup (damit der Stau vor der Bahn sich auflöst)“Steeeeeeinstraasse Steinstrasse LuWU!“ Klopf Klopf! (damit die Bahn hält) – „Ganze LuWu?!“ – „ganze LuWu ganze LuWu“ – „Wasserturm?“ – „Nee nee!“ – Huuuuuuup Huup (damit endlich weitergefahren wird und weil es zur Reggaetonmusik passte) Quiiiietsch… „Steintor raus raus raus raus! Ganze LuWu LuWu LuWu Reileeeeeck!!!“ …

Ach, und noch was, für alle, die in Spanien Spanisch gelernt haben: man sagt hier nicht „voy a coger un autobús“, wenn man mit dem Bus wohin fahren will, sondern „tomar un autobús“. coger ist hier ähnlich vulgär und bedeutungsgleich mit „ficken“… es lohnt sich also, auf seine Wortwahl zu achten. Sonst ist der Titel „Öffentlicher Verkehr“ unter Umständen schnell auch anders zu verstehen.

6.9.2010, Lima

Anmerkung: Mittlerweile ist wieder ein bisschen was passiert: gibts im nächsten Beitrag!

Kantensteine, Kathedralen und Cusco

Kantensteine, Kathedralen und Cusco

Kantensteine, Kathedralen und Cusco
Wie bereits erwähnt, sind viele Sehenswürdigkeiten in und um Cusco nur mit dem boleto turistico zu besichtigen – es gibt aber einige wenige Ausnahmen, und die nahm ich mir heute vor. Eigentlich wollte ich zuerst eine Kirche im Süden der Stadt sehen, die von innen mit zahllosen Spiegeln verziert ist – die ist aber völlig untouristisch (was gut ist) und man kann nur zum Gottesdienst rein, der um 7:00 anfängt (was nicht gut ist). Ganz so früh war ich dann doch nicht aufgestanden. Also schnappte ich mir erstmal ein Taxi und machte die wichtigste Erledigung; ein Busticket nach Lima kaufen. Die waren teurer als erwartet, und so fahre ich heut abend mit einem Mittelklasse-Semicama-Bus von Molina los… mal gespannt ob sich die S/ 110 auszahlen.
Anschliessend ging es in das vollgestopfte, in einem schicken Kolonialhaus untergebrachte Inkamuseum, in die grpsse Kathedrale an der Plaza ( die pompöser kaum sein könnte und mit zahlreichen Kunstwerken gefüllt ist: darunter ein Gemälde der Escuela Cusqueña mit dem Motiv des letzten Abendmahls, bei dem Jesus und seine Jünger Chicha und Cuy verspeisen 😉 ) und als Höhepunkt in das Konvent Santo Domingo, welches auf den alten Mauern des zentralen Inkapalastes Qorikancha erbaut wurde. Während die ausgestellte Kunst recht mager ist (Höchstens die arte contemporanea gibt etwas her), ist das Gebäude beeindruckend. Alte, passgenaue, riesige Inkasteine bilden das Fundament, darauf und darum gesetzt die spanische Bauwerkskunst mit für die Epoche klassische Bögen und schliesslich ein modernes, aus Glas und Metall bestehendes Dach: klingt komisch, ist auch so… aber gerade deshalb sehr spannend.
Nach einer vernünftigen Mahlzeit und zwei Eiskugeln (Coca und Turron… mjam mjam…) war der Tag auch schon fast wieder vorrüber und ich machte mich gegen 19:00 auf, mein Gepäck im Hostal zu holen und zum Busbahnhof zu schaffen.
Weberinnen in CuscoConvento Santo Domingo/QoricanchaConvento Santo Domingo/QoricanchaConvento Santo Domingo/Qoricancha

14.8.2010, Cusco

Bus-cama
Okay, wenn ich nicht sowieso von gestern was zu schreiben hätte, gäbe es heute wirklich erstmals keinen Grund, einen neuen Eintrag zu machen. 🙂 Habe schliesslich den ganzen Sonntag im Bus verbracht – mit dem ich übrigens erstmals wirklich zufrieden bin. Molina heisst das Unternehmen, für alle, die mal in die Gelegenheit kommen, hier ein Unternehmen aussuchen zu müssen. Sehr gemütliche Sitze, essen unterwegs, nicht allzu viele Stopps zwischendurch und so auch recht zügig durchgekommen – aber deshalb auch herzlich ereignislos. 😀 Jetzt bin ich wieder im – wie erwartet – grauen Lima angekommen und bereite mich mental auf meinen ersten Unitag morgen vor. Damit ist also die erste intensive Reisephase vorbei – also nicht wundern wenn ich mal einen oder zwei Tage nichts schreibe, weil hier nicht ganz so viel passieren wird – wobei die nächsten Tage erstmal spannend werden, wie ich mich so in die Uni einfinden werde – dazu morgen mehr.

15.8.2010, Bus Cusco-Lima

Verloren in Nicaragua / 170 km bis Arequipa

Verloren in Nicaragua / 170 km bis Arequipa

Verloren in Nicaragua
Spontan wie ich bin, habe ich mich heute kurzerhand nach Nicaragua begeben, um schon mal zu sehen, was mich so erwartet. Nicaragua, direkt nebenan zu Costa Rica, liegt nicht wie erwartet nahe der Pacifico, sondern bei San Felipe. So, verwirrt? Gut, das war ich auch, wenn auch auf andere Weise. Ich rede natürlich von Strassen, bzw. im Fall der „Pacifico“ von einer (privaten) Uni. Und die Nicaragua… nun ja, die gibt es laut meiner Karte zwei Mal. Leider habe ich erst nur die eine gesehen, die mittlerweile anders heisst, und deshalb wie blöde gesucht und telefoniert, bis ich die andere, kleinere Nicaragua in der Nähe der Avenida San Felipe gefunden habe. Der Grund dieses komplizierten Ausflugs war meine zukünftige Unterkunft: da meine bisherige in Pueblo Libre zwar durchaus echt in Ordnung, aber leider zu teuer ist, habe ich mir in einem Hochhaus Potentielle Unterkunft in Jesus Maria(ja, Flo, in einem Hochhaus… ich…) in San Felipe (in Jesus Maria, nahe des Viertels San Isidro wenn ihrs genau wissen wollt) die Wohnung von Angela angesehen. Angela, die in Lima Gastronomie studiert, wohnt hier die Woche über, finanziert von ihrer Tante, und verbringt das Wochenende anscheinend meist bei ihren Eltern ausserhalb der Stadt. Und sie sucht eiunen Mitbewohner für das leere Zimmer in diesem Appartment – klingt ungerwöhnlich für eine Peruanerin? Stimmt – aber sie hat ja auch eine Zeit lang in Barcelona studiert, das hat wahrscheinlich seinen Einfluss hinterlassen. Alles in allem spricht wenig dagegen: es ist (ein gutes Stück) billiger, genauso sicher und gut gelegen, und ich hätte eine etwa gleichaltrige Mitbewohnerin. Nachteil: es ist ein Stückchen weiter von der Uni entfernt (allerdings nicht so weit wie befürchtet) und es ist eben ein Hochhaus ;). Könnte aber schlimmer sein… Nun ja, jetzt warte ich noch ein weiteres Angebot ab, das ich leider nicht mehr ansehen konnte vor meiner Abreise, und dann mal sehen wo man mich im September findet.
Miraflores Meerblick1
Ansonsten habe ich den Tag genutzt und kurz mal in Miraflores vorbeigeschaut – und das Meer gesehen! Beeindruckend – man sieht kaum den Unterschied zwischen Himmel und Meer. Da wird man mich sicher noch öfters sehen.Miraflores Meerblick2
Und um den Tag zu perfektionieren: für etwa 2 Stunden war zeitweise ein kleines bisschen Blau am Himmel zu sehen…
Pues, jetzt sitze ich im Bus nach Arequipa und die beiden Kinder von Juan, einem Kerl mit dem ich mich an der Gepäckabgabe unterhalten habe, probieren aus, wie weit man die Sitze vor meinen Knien nach hinten stellen kann. Juan sagt ihnen gerade, sie sollen aufhören, weil „el joven“ gerade am schreiben ist… sein Machtwort hält nur für kurze Zeit an. Ich hoffe sie schlafen bald ein, damit ich die kommenden Stunden im Bus überleben werde 😉 Und morgen dann: Arequipa!

4.8., Ormeño-Bus Lima-Arequipa

170 km bis Arequipa
Der alte Bus, dessen Lüftung schon lange nicht mehr zu funktionieren scheint, kämpft sich einen weiteren Berg durch die Wüste hoch. 170 km bis Arequipa, sagt ein Schild an der Seite des Weges. Immer noch. Das letzte Schild um 13:15 zeigte 174 km. Jetzt ist es 14:35. Ich bin mir nicht ganz sicher, ob sie sich vermessen oder wir uns verfahren haben. Ormeño ist schon eine tolle Buslinie.
Seit 17 Stunden sitze ich jetzt im Bus. Die beiden Kinder George und Milagros sind eigentlich ganz nett, 8 und 10 Jahre alt, fragen mich immer mal wieder aus oder beobachten mich beim Schlafen. Zur Mittagspause haben mich Juan und seine Frau zum mitgebrachten Essen und einen Anismate eingeladen und mich bereits im Voraus zu einer richtigen warmen Mahlzeit eingeladen, wenn sie wieder zurück in Lima sind (Telefonnummern sind inzwischen auch ausgetauscht) – jetzt fahren sie erstmal zum Familienbesuch nach Juliaca.
Nachdem wir uns in der Nacht gut mit Jacken einwickeln mussten, knallt jetzt die Wüstensonne auf unseren Bus und lässt mich an die deutsche Sommerhitze denken die ich noch vor weniger als einer Woche erlebt habe. Der gelbe Wüstensand zieht sich endlos an der Pazifikküste entlang, zerklüftete Felsen lösen Sanddünen ab. Wüste bei NazcaHin und wieder ein paar Baracken im Nirgendwo, hier und da ein kleines Dorf mit fünf Häusern, einem Restaurant und dem Schild „Zona Urbana“, alle paar Stunden ein grösserer Ort, bei dem fliegende Händler in den Bus steigen und Drinks, Knabberzeug und Medizin verkaufen.
Grüne WüsteAm beeindruckendsten jedoch der Ausblick, wenn wir hinter einem Berg hervorkommen und in ein Tal blicken, welches von einem winzigen Fluss durchquert wird – welcher wiederum das ganze Tal begrünt, so dass man grüne Wiesen, Anbaufelder und kleine Hütten inmitten der Wüstenberge ausmachen kann.
Wenn es nicht so warm wäre, könnte man das viel besser geniessen. Da soll noch wer was vom Kältechaos im Sueden reden – von wegen. Ob ich mich in Arequipa über die Kälte nach dieser Wüstentour freuen werde? Ob ich ein Recht habe, mich über die 18 Stunden zu beschweren, während die Bewohner hier in diesen Temperaturen ständig leben? Wie lange wir wohl noch für die verbleibenden 170 KM brauchen werden? Und ob George und Milagros es in der Zwischenzeit überdrüssig werden, mich an den Füssen kitzeln zu wollen? Fragen über Fragen… ich hoffe zumindest, die letzte beantwortet sich bald.

5.8., Ormeñobus Lima-Arequipa

Anmerkung
So, jetzt sitze ich in einem Internetcafe in Arequipa. Wir haben insgesamt sage und schreibe 20 Stunden gebraucht. (Also insgesamt, nicht für die letzten 170 km 😉 ). Juan, George, Milagros y yo
Nach der Fahrt sehr herzlich von Juans Familie verabschiedet worden und wie oben erwähnt Nummern ausgetauscht, ein Verwandter hat mich dann noch mit dem Auto bis in die Strasse Zela gebracht, wo ich in das Hostal eingecheckt habe, das Nicolas (siehe letzter Beitrag) mir empfohlen hat. Mehr dazu später, jetzt fordert erst mal mein Magen sein Recht ein.