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Schlagwort: Reisen

Jetzt endlich gute Lofotenbilder

Jetzt endlich gute Lofotenbilder

Ich habe es versprochen, hier kommen sie. Dank Erdwinds Fähigkeiten und Kamera hier nun ein paar wunderschöne Blicke auf das Herbstparadies der Lofoten, mehr findet ihr auf seinem Blog: Pensamientofluvial.tumblr.com.
Und mehr von mir und den letzten zwei Wochen gibt es in Kürze auch wieder!

Trondheim
Trondheim Bakklandet
Trondheim SunshineGraffiti und GärtenTrondheims riesige KathedraleIch und die tanzende NorwegerinBlick durchs Gigaphon

Roadtrip
Roadtrip LofotenErdwind fährtJa, NorwegenFestland hinter Fähre

Da, wo die Nordlichter lebten
Tiefes Herbstlicht die ZweiteNordlichter mit BaumNordlichter überm DachNordlichter in WelleNordlichter mit OrangeOranggrüne Nordlichter mit Szenerie

Jeder harte Weg führt an einen schönen Ort
Einfacher HerbstwegZurück nach SvolvaerEinfacher WegWo man so langwandertTiefes HerbstlichtHerbstfarben LofotenIch vor der zweiten CabinErdwind fliegt vor der zweiten CabinUnsere Cabin Nummer zweiWir leben im Paradies

Die höchsten Gipfel
Die Sonne bricht wieder durchDas Gemälde zu unseren Füßen Teil 2Das Gemälde zu unseren Füßen Teil 1

Wie es meeriger wurde gen letzter Hütte
Model am HafenDie schönsten Betonbrücken die du sahstDie letzte CabinEin typischer Lofotenblick

Der Südzipfel Lofoten mit dem schönen Namen Å.
Letzte WanderungFjord bei ÅContemplating Ocean

Die Musikstadt und die Inseln der Farben oder Als ich in der Arktis war

Die Musikstadt und die Inseln der Farben oder Als ich in der Arktis war

Fabelwald mit FlussFabelwald 2Fabelwald 1

Die Farne zu unseren Füßen sind rot, das Birkenlaub orange, saftig grünes Moos am Rande des eisklaren Bergbaches, rauer Fels zwischen dem matschigen Pfad auf dem wir laufen. Dann lassen wir den Fabelwald hinter uns und blicken, den steiler werdenden Fels hinaufsteigend, auf den langgezogenen Fjord hinab, in dem sich die 1000 orange-rot-grün-gelb-braun-weiß Farben des gegenüberliegenden Hanges spiegeln. Wir, Erdwind und ich, rufen alle zehn Minuten aus, wie schön es hier ist (häufigster Satz auf diesem Trip: „that’s beautiful man!“), lachen ohne Ankündigung laut auf, fallen uns in die Arme und kriegen das Grinsen nicht aus dem Gesicht. Wir sind auf den Inseln der Farben mitten im arktischen Zirkel Nordnorwegens, einem meiner neuen Top-3-der-Welt Orte auf meiner Liste, den Lofoten.
Trondheim Bakkelandet
Am vorletzten Freitag abend hatten wir die Bahn von Oslo nach Trondheim genommen, die alle gefühlen hundert Meter bei jedem Dorf hielt und entsprechend die ganze Nacht durch unterwegs war, der Schlaf war begrenzt, unsere Vorfreude trotzdem groß. (So groß, dass der Kolumbianer Erdwind dafür sorgte, dass wir ganze 2 Stunden zu früh am Bahnhof waren.) Wir erreichten die Stadt im Morgengrauen, als noch kein Café offen war und Wind und Regen durch die Straßen peitschten. Oh, was fluchten wir. Unsere Couchsurfer-Gastgeberin, die (fast) grenzenlose Ärztin und wahrscheinlich einige im Wohnzimmer tanzende Norwegerin, hatte erst ab 12 Uhr Zeit, und so trieben wir uns durch die Gassen, Rucksäcke im Schließfach, und freuten uns als die Sonne hervorkam. Nachdem wir mit zunehmender Begeisterung das alte Holzhausviertel Bakklandet entdeckt, Neustudenten beim Badewannen-Floßbau zugeguckt und in einer für die Stadtgröße überproportionalen Kathedrale (mit Orgel, die größer als manche Kapelle ist) Zuflucht vorm Regen gesucht hatten, trafen wir unsere Ärztin-Gastgeberin im Hafenviertel und entschlossen, beim noch (halb-)guten Wetter weiter draußen zu bleiben (mit kurzer Unterbrechung für ein Braunkäsesandwich und Schokolade): wir bestiegen die Festung und Graffiti und Gemeinschaftsgärtenstolperten durch das Graffiti-und-Gemeinschaftsgärten-Viertel Svartlamon. In ihrer gemütlichen Wohnung kochten wir das norwegische Nationalgericht Fårikål (Lamm-und-Kohl, der Name beschreibt’s treffend), und zeigten uns gegenseitig vorzeigbare Musik. Später wollten wir dann mit Freunden von ihr weggehen (die aber dann doch verhindert waren). Irgendwann, als wir die Hälfte aller existierenden Musikgenres durch hatten, kam ich von der Toilette wieder und Erdwind und die tanzende Norwegerin tanzten im Wohnzimmer Salsa. Das änderte sich den Rest der Nacht auch nur bezüglich der Musikreichtung und wir tanzten zu der wahrscheinlich merkwürdig-besten Musikmischung, die je an einem Abend gespielt wurde. RockheimAm Sonntag blieben wir dem Thema treu und besuchten das Rockheim (Pop/Rock-Museum), wo wir viel gute Musik aus Norwegen entdeckten und den ganzen verregneten Vormittag mit Schallplatten und digitalen Interfaces und Beats und Gesang und Gitarren verbrachten. Als wir aus den Tiefen der Musik ausgespuckt wurden, schien die Sonne und wir wanderten zum Strand an einem Gigaphon vorbei und mit Fjordblick, dann musste die tanzende Ärztin etwas erledigen während wir in „Annas Café“ Calzone schlemmten, Sonnenuntergang sahen (nicht mehr im Café) und Kleinstadtluft genossen, um sie schließlich in der verwinkelten Buchbar wiederzutreffen. Der Abend klang aus mit meinen berühmten Schupfnudeln, Rotwein und tiefgründigen Gesprächen (werden eben langsam alt).
Am Montag sehr früh ging es dann mit der 10-Stunden-Bahn nach Bodø, wo wir dank kostenlosem Kaffee in der 90-Kronen-Luxusklasse, wunderbarer Aussicht bei herrlichstem Wetter und mitgebrachter Laptops unsere Uni-Essays schrieben, und eine Stunde vor Ankunft erschöpft abschickten.
Bodø von der Hotelterrasse
In Bodø, erklärte uns die in Halle studierende, Erasmus machende Couchsurfing-Gastgeberin und professionelle Dumpster Diverin, gebe es nicht viel zu sehen außer der Terrasse des Hafenhotels mit famoser Aussicht und ein haushohes Graffiti. Damit hatte sie, wie wir feststellten, leider Recht. Dafür machten wir Tortillas selber (ging wegen meiner Plastik-Challenge auch gar nicht anders) und verbrachten den Rest des Abends (abgesehen von einem Kurzausflug zu prallgefüllten Supermarkt-Abfallcontainern voller frischer Äpfel, Joghurt und zig Gemüse) damit, festzustellen, dass JEDE Fähre von Bodø gen Lofoten entweder ankommt, wenn es noch dunkel ist (3:00) oder schon (21:00). Nach tausend erwägten Möglichkeiten (Fähren, Rent-a-Wrack, Einwegmiete…) endeten wir mit einer 5-Tages-Miete, was wir irgendwie auch nicht bereuten. Und so starteten Erdwin, die entscheidungsschwache hallische Containerin und ich am Dienstag zu einem grandiosen Roadtrip auf, durch bergige Festland-Landschaft, einsame Straßen und stets begleitet von der Navi-Ansage „You are over the Speedlimit“, Wasserfälle. Sonnenschein. Pinkelpause, Seen, Vielfarbenberghänge und natürlich Fjorde – und eine 5-Minuten-vor Abfahrt Ankunft an der nördlichen Fähre Bognes nach Lødingen. Endlich auf der Inselgruppe angekommen, fehlte nur noch eine Stunde zur Ingemannhytta, wo wir die Nacht verbringen wollten. Doch der schmaler werdende Weg hinter dem uns unverständlichen, da norwegischen Schild wurde immer unzugänglicher und endete vor einer Schranke. Die Anwohnerin, die plötzlich samt Auto hinter uns auftauchte, (und offenbar nen Schlüssel hatte, da sie später in selbige Richtung weiterfuhr), meinte ja, der Weg geht da zwar lang, aber nööö, da dürfen nur Anwohner lang. Ihr müsst einmal drumrum fahren und die Straße von der anderen Seite nehmen. Machte ja nur 40 Minuten aus. Als wir endlich den Beginn des Wanderweges erreichten, war es 18:30 und die Dämmerung nahte. Wir waren kurz davor, im Auto zu schlafen, aber nein. Rucksäcke im Eiltempo packen und den Berg hinauf, und die eigentlich nur 40 Minuten Fußweg verschlangen sich in Matsch und Dunkelheit. Die Ingemannhytta von innen Ich war wohl nie zuvor so froh, eine Holzhütte durch die Dunkelheit blinzeln zu sehen. Die Hütte war klein (4 Betten) und unverschlossen, Feuerholz lag bereit und ein Gasherd erlaubte uns die verdiente Reispfanne, und schon bald saßen wir mit Ingwer-Zitronen-Tee und vollen Bäuchen vor brutzelndem Kaminfeuer, draußen die stürmische Finsternis und spielten Karten.
Und dann kam die Magie.
Als wir gegen acht kurz an die frische Luft gingen, zog Weiß über uns am Himmel auf. „Das sind Wolken“, meinte die Diverin, aber sie irrte. In den nächsten vier Stunden legte das Universum ein sich drehendes, bewegendes und wanderndes Spektakel über den Himmel, unter der sternenklaren Nacht zogen sich weiße Torbögen über uns auf, Strudel, flackernde Streifen, Fenster in das Universum und hinabfallende Himmel, wir lachten und weinten ein bisschen vor Freude und umarmten uns, Erdwind machte Millionen Fotos (die lade ich später noch hoch) die die Lichter in Farben erscheinen lassen, die unser Auge nicht zu sehen vermögen (dafür sehen sie die Schönheit der Bewegung, die sich nie festhalten lässt), und bedankte sich ebenso oft, dass ich ihn hierzu überredet hatte, und wir fühlten uns ganz klein und zugleich on top of the world, denn die Lofoten sind ja schließlich in der Arktis, und vermutlich werden wir diese Nacht der Nordlichter nie vergessen.
Die Ingemannhytta von außenContainerin bei FlussdurchquerungNordlofotenAuf dem plötzlich leichten Rückweg
Am Mittwoch wanderten wir den plötzlich so einfachen Pfad zurück, brachten die hallische Mülltaucherin zu einem Anhalter-Stopp und fuhren nach Südwesten gen Svolvær, von wo wir uns zur nächsten Hütte, der Nøkmannsættra aufmachten. Aus den angeblichen 2 Stunden wurden drei, dank steilem Fels und vielen Fotoplätzen, wackeligen Hängebrücken, erwähnten Fabelwäldern und schmalen Holzstegen über Sumpfböden, wachsrote Gräser und zu steile, mit den roten Wanderweg-Punkten versehene Felsabschnitte, bis wir schließlich wieder die tiefstehende Sonne westlich der Gipfel sahen, und nur wenig später mit Freudenschreien die Hütte, an einem wunderschönen Bergsee, mit Wasserfall und Sonnenuntergang, erreichten. Sie war etwas größer als die Ingemannhytta, und ein einsamer deutscher Wanderer mit Trockenkost-Abendbrot war schon da, der die (in dieser Nacht zugegebenerweise schwachen) Nordlichter sehr unspektakulär fand. Wir richteten uns ein, wuschen uns mit eisigem Bergseewasser und kochten Cashew-Pesto-Pasta im Licht der Kerzen, und Wasser über dem Holzkamin.
HängebrückeHolzplankenwegGebirgsbach und Erdwind im MärchenwaldHütte erreicht!WegmarkierungNøkkmansaetra im SonnenuntergangBergpanorama LofotenSchönste Klo der Welt

Hier blieben wir eine zweite Nacht, weil das Wetter am Tag verregnet und stürmisch war, und wir nur am Vormittag ein Zeitfenster (unterbrochen von einem Hagelschauer mit Schutz an der Felswand) nutzten, um noch ein Stück höher auf einen der umgebenen Gipfel zu klettern, von wo aus wir bis zum Meer und das daran liegende Svolvær blickten. Abends klarte es ein wenig auf, und tatsächlich hatten wir das Glück, auf unserer Hüttenterrasse liegend ein kleineres, aber trotzdem famoses Nordlichterspektakel zu bewundern.

Auf dem GipfelUnser HausseeNächtliches Kartenspiel
Gehacktes HolzJener Tag sollte jedoch Schlechtwettermäßig das Schlimmste bleiben, und wir kamen heil nach Svolvær zurück, von wo aus wir die pittoreske Inselstraße im ozeanischeren Süden samt Stränden und geschwungenen Brücken hinabfuhren. Unsere letzte DNT-Hütte (die norwegische Trekkinorganisation) dieser Reise sollte die Selfjordhytta sein, die wohl am einfachsten erreichbare Hütte der Organisation. Der 5-Minuten-Hike wurde wettgemacht durch fehlendes Feuerholz, so dass wir die nächste halbe Stunde mit Holzhacken verbrachten, bevor wir unsere Hütte heizen konnten. Trotzdem rafften wir uns vor dem Abend noch mal auf und durchstaksten das sumpfige Fjordland in Hüttennähe, hauptsächlich, weil wir uns nun ja schon ans Laufen gewöhnt hatten.
Erdwind auf dem Fels
SchmiedekunstGeschwungene Brücken im HintergrundNun war inzwischen Samstag, und unsere letzte Nacht wollten wir in Meeresnähe verbringen. So fuhren wir die letzten 20 Kilometer (sehr langsam, mit Stopp an jeder schönen Stelle, und davon gab es viele) zu dem Dörfchen mit dem wohl kürzesten Namen der Welt: Å.
Der schöne Ort Å
Dort teilten wir uns eine hübsche Kabine mit einem Fotografenpärchen und verbrachten den Nachmittag im ausgestorbenen Fischer-und-Touristendörfchen mit roten Rorbuern (Fischerhütten, die meist für Touristen vermietet werden), am arktischen Meer sitzendArktische See und in die Ferne starrend, ein wenig reumütig, diese herrliche Inselgruppe am nächsten Tag verlassen zu müssen.
Denn am Samstag sollte die lange Rückfahrt beginnen. Nach einer letzten kleinen 2-Stunden-Wanderung in die nahen Berge ging es auf die in der Hochsee schaukelnde Fähre, drei Stunden später dann in Bodø in die erste Bahn um am Montag (nach einem etwas längeren Stopp im herbstlich sonnigen Trondheim mit Laub spielend und sich Geschichten zu Leuten in der Fußgängerzone ausdenkend) auf die letzte Strecke nach Oslo – eine keineswegs einfache oder gar schnelle Strecke, aber doch jeden zurückgelegten Kilometer wert – denn wenn ich diesen Blog damit nicht zum Roman machen würde, könnte ich wohl noch Stunden schwärmen, von Fabelwäldern und Nordlichtern, Fjorden und Berghängen, Holzhütten und Meeresblicken.
Mein See, mein Boot, meine Lofoten

Von märchenhaften Fjorden, schicken Bergwanderungen und der kleinsten zweitgrößten Stadt des Landes

Von märchenhaften Fjorden, schicken Bergwanderungen und der kleinsten zweitgrößten Stadt des Landes

Fairytale Land
Kayak im FjordEs war so märchenhaft, wie sich jedes norwegische Klischee malt: krumme Bäume, die auf den schmalen Rändern eines abfallenden Steilkliffs ihre Wurzeln zwischen den moosigen Stein schlagen, dahinter ein im Sonnenlicht regenbogenfarben werfender Wasserfall, der über abgerundeten Stein Dutzende Meter hinab in den salzigen, eiskalten Fjord stürzt, Wasser, Wald, Klippen, Stille, kaum eine Menschenseele im ganzen Fjord, vereinzelte Fische und mittendrin drei Kayaks, der kalifornische Surfer-und-Rettungsfahrer, den ich im bergener Hostel kennengelernt habe, ich und unser privater Guide, ein gebürtiger Bergener mit Passion für Kayaks, Fische und die Natur. (Von ihm stammen auch die Fotos, vielen Dank an God Tur, der Name passt). Zusätzlich zeigte er uns nicht nur jenen abgelegenen, von Touristenströmen verschonten Fjord, sondern brachte mir bei, wie man sich absichtlich zum Kentern bringt (das war ein Spaß) und dann wieder ins Boot kommt. Wir fuhren unter einem Wasserfall hindurch (sicherer, nicht leicht bröckelnder Stein, wie er betonte) und lunchten inmitten der Herrlichkeit auf einem sonnigen Stein.
Regenbogenwasserfall
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Aber das war nicht der einzige Grund, warum mein letztwöchiger Ausflug nach Bergen ein famoser Trip war. Ich wanderte gute acht Stunden (im Aufzug eines 20er Jahre Sonntagswanderer, der jedem erklären musste, dass er dress up for nature betreibt) die Stolzekleien hoch und über den touristischen Hausberg Fløyen bis zum gute 600 Meter hohen, von steiniger Natur und gestapelten Wegsteinen umringten Ulrikken,
#dress up for nature Wanderung#dressupfornatureAuf dem ViddenWegsteine auf dem Vidden
…stromerte durch die Gässchen und Holzhäuser-gesäumten Straßen der mit 200.000 Einwohnern zweitgrößten Stadt des Landes, genoss Hafenblick von der Hosteldachterasse, zog couchsurfenderweise zu einer fast veganen naturbewussten Köchin und Meeresbiologin um, die mir noch mehr versteckte Gässchen, famose Streetart, Flohmärkte und eine Stavkirken (Holzkirche aus frühchristlichen Zeiten) zeigte (ich konnte ihr im Austausch immerhin beibringen, wie man Schupfnudeln macht), ging im Aufzug der Nacht die 500 Stufen zum Stolzekleien erneut hoch in der Hoffnung auf potentiell angekündigte Nordlichter (die zwar nicht kamen, aber der Blick aufs nächtliche Bergen machte das wett) und sammelte einige neue Ideen für Roman und Songtexte. Heißa. Ein langer Satz für eine lange Woche.
die kleinste zweitgrößte Stadt des Landes
Brygge BergenBergens GässchenBergen bei NachtBergen UntergrundBryggenVon der nächtlichen Bergwanderung aus

Und dabei war die Woche davor kaum weniger famos: ich nahm an meinem ersten Osloer Poetry Slam / Open Mic teil, bei dem neben einem englisch übersetzten Text ein deutscher Fremdgang-Text dank Begleitung eines begabten isländischen Beatboxers zu neuem Leben erwachte, sah eine merkwürdige avantgardistische Kunstperformance mit abstrus verkleideten Tänzern unter zuckendem Licht und seltsamen Tönen zu der meine Nachbarin Locke mich mitnahm, ging mit meinem Kommilitonen-Kumpel Erdwind zu einem Open Air Kino über südafrikanisch-oppositionelle Alternativkünstler und wandelte spontan eine als Dachterrasse geplante Party in eine Zimmer-und-Flurküchen Feier mit gut zwanzig Freunden und Kommilitonen auf engstem Raum um. Und ja, nebenbei las ich tatsächlich auch spannende Unitexte. Glaubt ihr mir vielleicht nicht, aber doch doch, auch wenn ich selbst nicht genau weiß wann ich das tat. Mein erster Monat Norwegen neigt sich dem Ende zu, aber schon nächste Woche geht es auf den nächsten Trip…

Auf der Trollzunge

Auf der Trollzunge

Ich überblicke den Fjord
Trolltunga PosingLiegestatt Fels
Unter mir erstreckt sich ein mächtiger Fjord, die mehrere hundert Meter hohen Steilklippen ragen steinern und nur im unteren Drittel bewachsen daneben auf und ich sitze auf dieser kleinen, schmalen, zum Glück nur begrenzt windigen Klippe namens Trollzunge, die Beine über dem Abgrund baumelnd. Trolltunga ist, trotz aller touristischen Popularität (kommt man Mittags, muss man Schlange stehen) ein mächtiger Anblick. Neben der berphmten Klippe ragt noch eine kleinere über die Schlucht, ein paar weitere nah-am-Abrund-Stellen laden zum Wagemut ein und wir probieren natürlich alle davon aus.
Jumpy PictureWir, das sind 5 internationale Studenten an der Uni Oslo (die wanderunerfahrene Biologin, der Kommunikationswissenschaftler, die britische Skandinavistin, die australische Designerin und ich), die sich am letzten Wochenende zusammengetan haben, die Trollzunge zu bezwingen. Am Freitag hatten wir uns aufgemacht, gleich nach der Uni den Mietwagen abgeholt und unsere vollbepackten Rucksäcke mit einer Armada von Sandwiches verstaut und waren die guten 6 Stunden nach Odda gefahren – auf der südlichen Strecke, ein herrlicher Weg vorbei an Wasserfällen und Seen (was auch sonst) und mit nur einem Verfahren das aber dafür schöne Aussicht auf schmaler Straße bot. Erst nachts und im Regen erreichten wir den Campground, wo wir möglichst zügig das eine Zelt aufbauten (zwei schliefen der Einfachheit halber im Auto), und am Morgen mit Ausblick auf (na was wohl) einen riesigen See erwachten. Nicht weit von Odda entfernt kamen wir dann zum Startpunkt des Wanderweges, der selbst im schlechtwetterlichen Spätsommer (obwohl wir kaum Regen hatten danach) gut besucht war.
Das steilste Stück
Die ZahnradbahnDer Weg beginnt mit einem furchtbar steilen Stück gute 1,7 Kilometer, die man auch auf den mit viel Fantasie als Treppe zu bezeichnenden Holzstreben auf einer alten Zahnradbahn zurücklegen kann (und dabei das Tal erschreckend klein werden sieht). Völlig erschöpft und durchschwitzt kamen wir oben an, yeah, wir hatten es geschafft, jetzt fehlten nur noch 9 Kilometer. Die gingen auch erstmal noch weitere 3 km relativ durchweg aufwärts, bevor wir das obere Plateau erreicht hatten und da nun eine Weile mit nur kleineren Steigungen, dafür aber mit einem eiskalten, starken Wind kämpfen mussten.
Auf dem HikeDie letzten 2 KilometerSteiniger Pfad
Das CampWir schlugen unsere Zelte 2 km vor dem Ziel auf, an einer Stelle, die nicht wirklich als windgeschützt, aber immerhin windgeschützter als der Rest zu bezeichnen war – zum einschlafen begleitete uns das Knattern der Zeltwände im Wind. Auf der Höhe findet sich nun wirklich nicht mehr viel außer einer klaren Quelle, teils sumpfigem Moos und ein par quiekenden Lemmingen. Wir bereiteten unseren Couscoussalat vor damit er seine zwei Stunden ziehen konnte und wanderten dann, vom Gepäck befreit, weiter zur Klippe, durch steinige Felslandschaft, auf der nur das rote „T“ und übereinandergestapelte Steine uns den Weg wiesen. Und dann eben Trolltunga. Wir hatten den Ort aufgrund der späten Zeit fast für uns, und nur eine kleine Gruppe Wanderer, die um 7 tatsächlich noch vorhatten den ganzen Weg zurückzugehen, kreuzte noch unseren Weg.
Am nächsten frühen (und sehr kalten) Morgen gingen die Skandinavistin, die Designerin und ich noch einmal dorthin, wo wir schonmal so nah waren, und genossen die kalte Morgenluft auf der einsamen Klippe, bevor wir unsere Zelte einpackten und uns auf den Rückweg machten.
Ein letzter philosophischer Gedanke?Es steht mir auf der ZungenspitzeDer höchste Wasserfall
Wir waren schon am frühen Nachmittag wieder unten, so gönnten wir uns noch überteuertes Mittagessen in Odda und fuhren auf der Nordroute wieder nach Oslo zurück – praktischerweise fand sich genau auf dieser Strecke nebenbei noch der höchste Wasserfall Norwegens (schmal, aber wirklich verdammt hoch, und man kann es kaum in ein Foto packen, erst Recht nicht, wenn man den daneben liegenden, nicht so hohen aber viel mächtigeren Wasserfall mit ins Bild bekommen möchte). Als es gerade dunkelte, bemerkten wir eine im Vikingerstil gebaute Holzkirche in einem der passierten Orte und unsere Skandinavistin rief aus das sei die 1000 Jahre alte Stavkirkene, wir müssten anhalten! Taten wir, war sie aber nicht, sondern die Achtzehnhundert-Nochwas „neue“ Version, die natürlich trotzdem ihre Reize hatte. Da es schon spät war, wollten wir nicht nach der ursprünglichen suchen – taten wir auch nicht, sondern fuhren wiederum zufällig nur fast vorbei. Die noch nach Holz riechende, 1170-Kirche auf einem abgelegenen Hügel umringt von metallenen Kreuzfahrer-Gräbern mit schweren metallenen Kreuzen hatte schon einen eigenen Effekt, so in der Dämmerung, mitten im westnorwegischen Nirgendwo.

Das war also das Wochenende, ein wahrhaft fantastischer Trip. Aber das ist noch nicht mal alles, was seit dem letzten Blog passiert ist. Hier eine Kurzfassung des Rests:
– Ein Tageswanderausflug in die Østmark, leicht per Metro erreichbar und doch so abgelegen einsam schön als wäre es mitten in der Wildnis
– Ein zunehmend interessanter werdender Unikurs der mich wirklich nicht bereuen lässt hier zu sein
– Entspannen auf der Terrasse mit neukennengelernten Nachbarn und dem Columbiano
– Ein überraschender Besuch von meinen „Schwiegereltern“ aus Hannover mit Hafenwanderung
Aussicht von meiner DachterasseSchwiegerelternbesuch
… und viele weitere Eindrücke, sei es von der Uni oder der Stadt, die mich hier wirklich in gewisser Weise ankommen lassen.

Danke an Jo für die Fotos!

Von Regen, Seen, Dachterrassen und Treibhäusern in Oslo

Von Regen, Seen, Dachterrassen und Treibhäusern in Oslo

Der Sommer im Oslo ist doch etwas ziemlich anderes als in Kanada. Heute ist der erste Tag seit einer Woche, an dem es noch nicht geregnet hat (was sich aber noch gut ändern kann) – auch wenn an sich schönes Wetter ist, muss man jeden Moment mit einem leichten Nieselschauer rechnen, der einen aber nicht von seinen Aktivitäten abhalten sollte – nach spätestens einer halben Stunde ist es meistens schon wieder vorbei. Davon abgesehen gibt es keinen Grund zur Beschwerde, ich habe mich schon ein bisschen eingelebt, erste (gute) Kurse an der Uni besucht und sogar schon meine ersten zwei Couchsurfer in meinem kleinen Zimmerchen beherbergt.
Fähre von FrederikshavnDoch der Reihe nach. Letzte Woche Samstag war ich hier angekommen, nach einer langen Reise mit Bahn und Schiff (darunter eine Bahn, die selbst auf eine Fähre fuhr und eine Dreiviertelstunde nach Dänemark geschifft wurde). Eine an sich unspektakuläre, aber durchaus schöne Fahrt, inklusive 8 stündigem Aufenthalt größtenteils auf dem sonnigen Sonnendeck der Fähre von Frederikshavn. Meinen schweren Rucksack aufgepackt machte ich mich dann am Samstag abend quer durch Oslo, vom Hafen zum Bahnhof und von da mit der T-Bane zum Carl Berners Plass, wo der graue Block, der mein neues Zuhause ist, steht. Das klingt trister, als es ist – es ist ein eigentlich recht nettes Haus mit Felswand und Garten auf der Rückseite (auf die ich blicke) und kleinen Zimmern, bzw. in meinem Fall Apartments, da ich mir anders als die anderen Nachbarn auf dem Flur Küche und Bad nur mit einem norwegischen Studenten teile. Das tollste allerdings ist die Dachterrasse im achten Stockwerk, auf die wir Zugang haben und eine herrliche Aussicht auf ganz Oslo, die Bucht und die Berge, hat. Fotos davon folgen das nächste Mal wenn ich da eine Kamera mithabe, meist sitze ich dort nur und entspanne in den sonnigen Augenblick oder lese meine Unitexte dort. Oder ich lade die Clique internationaler Studenten dorthin ein, mit der ich nächste Woche eine Wanderung unternehmen werde – aber dazu dann mehr.
Im Laufe der letzten Woche richtete ich dann mein Zimmer ein, besuchte meine ersten Unikurse und stand insgesamt wohl ca 2-3 Stunden beim Studentenwerk an, um meine Studentenkarte zu bekommen, holte furchtbar überteuerte Reader (Zwei Kurse für 100 Euro) und stromerte ein bisschen durch Oslo – davon hier erstmal ein paar Fotos als Eindruck:
Oslos PrunkbautenStraßenkunst OslosDie Oper Oslo
Ausblick auf die BuchtModerne Kunst
Die Gegenden, in denen ich mir am Meisten herumtreibe, sind neben meinem eigenen Viertel Rødaloka das trendig-hippe Grünerløkka, das Zentrum (von dem hier die meisten Bilder sind) und der Universitätscampus Blindern (da gibts natürlich auch noch irgendwann Fotos von). Zwei bemerkenswerte Ausflüge waren daneben noch der Skulpturenpark Vigeland, in dem eine ganze Brücke mit Skulpturen gesäumt ist, die verschiedene menschliche Beziehungen darstellen, endend in einem riesigen Monolithen aus ineinander verschlungenen Menschen. Das dritte Bild ist der See Sognsvann (zu dem ich auch gleich wieder fahre), gleich am Ende der T-Bane Linie Nummer 6: gerade noch in der Stadt, steigt man aus, geht etwa hundert Meter gerade aus und findet sich an einem herrlichen See (in dem ich natürlich auch schon schwamm), der sich gänzlich auf gemütlichen Wanderwegen umrunden lässt (vorausgesetzt man ist nicht wie die 100.000 Norweger/innen die ganze Zeit dabei, darumherum zu joggen, dann ist gemütlich wohl der falsche Ausdruck).
Der Monolith im Skulpturenpark Skulpturenpark VigelandSognsvann
Dieses Wochenende gab es dann ein paar erfreuliche Erlebnisse. Am Freitag hatte eine Norwegerin aus dem Kurs „Key Issues of Environmental Change“ (Kürzel „SUM4200“), einem Erstkurs eines beginnenden Masters, die Kommilitonen zu einer Party bei sich eingeladen, was viel dazu beigetragen hat, etwa die Hälfte des Kurses bereits jetzt auf eine freundschaftliche Ebene zu bringen, wo man mehr miteinander unternimmt. Am selben Abend bekam ich auch meine ersten Couchsurfer, die abends eintrafen und entsprechend gleich mit zur Party kamen und nachher in meiner kleinen Bude übernachteten. Nachdem ich sie nach einem Terrassenfrühstück zu ihrer Station gebracht hatte (sie sind jetzt natürlich in der norwegischen Wildnis wandern) ging ich zu einem herrlichen Fest in einem von Schulen pädagogisch genutzten Gemeinschaftsgarten, in dem von Nachmittag an bis spät in die Nacht die verschiedenen Bands spielten, Lämpchen in den Bäumen hingen und gutes Essen gekocht wurde. Die zuvor erwähnte Kommilitonin hatte uns empfohlen, dorthin zu kommen und gefragt, ob wir als Freiwillige in der Küche helfen wollten. So endete ich an der Apfelpresse und half dort eine Weile aus, bevor ich den Rest des Abends mit den SUM-Leuten durch den Garten schlenderte, guten Bands lauschte und Nachts bei der anschließenden Disko im Treibhaus die Seele aus dem Leib tanzte. Was kann man mehr wollen von seiner ersten Woche in Norwegen?
Festival im GemeinschaftsgartenFeuerkünstler im Gemeinschaftsgarten
Jetzt freue ich mich unbändig aufs nächste Wochenende, an dem besagte internationale Clique zu einer Wochenendwanderung aufbrechen werden – wohin es geht und was es dort wundervolles zu sehen gibt, das werdet ihr dann wohl in einer Woche erfahren.
Party like its a greenhouse

Kanada Fotos!

Kanada Fotos!

Auch wenn ich inzwischen wieder ganz woanders bin (mehr dazu die nächsten Tage), habe ich doch nun endlich das Vorhandensein meines Computers genutzt, all die Fotos hochzuladen, die ich schon lange hochladen wollte. Hier also nun alles, was seit Hudson passiert ist, in Bildern.

Unterwegs
AdirondacksWaldradweg
Montreal
ZirkusartistenAlt MontrealDer Clockhouse Tower
L’Petit Tren du Nord (Val David und Mont Tremblant)
1001 PotsKunst im Wald von Val David
Am WegesrandWirklicher RadwegMont Tremblant
Auf dem Weg zum GipfelDer Gipfel
Transportmittelwechsel
Letzter Blick aufs RadOuest
Ottawa
Westminster of the WildernessParlament bei Nacht
Ausblick vom Parlament
Zelle im Jail HostelDas Gefängnis-Hostel
Algonquin-Park
Algonquin Canyon TrailHigh Falls AlgonquinMein eigener See
Upper Canada Village
Upper Canada Village PeopleUpper Canada Sägewerk
Thousand Islands
Boldt CastleBoldt CastleIch in den Thousand Islands
Kayak in 1000 islandsKayak auf anderer der 1000 inseln
Kingston
Kingstons Fast-ParlamentDie Business-Studentin in ihrer UniIn the Footsteps of Sir John A.Coolste Stadtführungstruppe
Toronto
Torontos Graffiti AlleyDa hat wer sein Auto zu lange stehen gelassen
(Alles Weitere passte nicht mehr auf meine Kamera – vorerst aber evtl. hier zu finden: https://www.facebook.com/media/set/?set=a.10152388101328772.1073741835.711733771&type=3 )

Kunst und Sport

Kunst und Sport

Die letzten 100 Kilometer haben mich weiter von Montreal weggebracht, als die blosse Nummer vermuten liesse. Jenseits der bilingualen Grossstadt ist die Kommunikation schwieriger, aber das Leben trotzem leichter. Mein schwer bepacktes Rad (zu viel Essen mit, musste ich noch ueber die drei Packtaschen draufspannen) in die Banlieu-Bahn nach Saint Jerome gewuchtet, liess ich die Stadt hinter mir, in der es mich noch bis Samstag frueh gehalten hatte – zu verlockend die Aussicht, noch einen Abend mit den Zimmernachbarn des Hostels feiern zu gehen (darunter sehr entspannt und umsonst am oeffentlichen Strand beim Clockhousetower), in den gut ausgestatteten Lebensmittellaeden im Plateau Zeug fuer unterwegs zu besorgen und mit dem Rad zur Westseite des Mont Royals zu fahren, um bei der Sacre Coer-esken Saint Joseph den Sonnenuntergang ueber der sich bis an den Horizont erstreckenden Metropole (da stellt man immer fest, wie viel groesser als der vielbefahrene, Metroerschlossene Innenstadtbereich so eine Grossstadt doch ist) zu beobachten.
Fuer die naechsten Tage sollte der „Petit Train du Norde“ meine Strecke sein, und ich habe es bis jetzt nicht bereut, die Route diesbezueglich geaendert zu haben. Mitten durch die Laurentides schlaengelt sich diese ehemalige Bahnstrecke, die in eine grossteils von gruen umgebende Radstrecke verwandelt wurde, und auch, wenn gerade die ersten 60 Kilometer nahezu ueberwiegend bergauf gingen, war die Steigung doch verhalten, gemessen an der geologischen Region in der ich mich befinde. Am Samstag schaffte ich es so bis zum kleinen Staedtchen Val David, in dem man mir in Saint Jerome ein Hostel nur wenige Minuten vom Ortszentrum entfernt empfohlen hatte. Und tatsaechlich: als ich nach packen, Metro, Banlieu-Bahn und vierzig Kilometern (fast nur) bergauf radeln die Herberge erreichte, wollte ich meinen Augen kaum trauen – fuer weniger Geld als der naechste Zeltplatz bekam ich hier ein bequemstes Dormbett (war aber der einzige im Raum, also eigentlich ein Einzelzimmer) im rustikal gehaltenen Holzhaus mit Kamin, grosser Kueche zur Benutzung und Billardtisch im Keller, Haengematte im Vorgarten und Katze im Wohnzimmer… ich wollte gar nicht mehr hinaus! Bin ich dann aber zum abend doch noch, weil das Wetter so herrlich (und fuer morgen alles andere als sonnig angekuendigt) war, und ich doch noch ein wenig im trockenen das alternative Kuenstlerstaedtchen bewundern wollte. Ich sage ja gerne, die Kunst ist in der Provinz, und nirgends trifft das mehr zu, als in Val David. Nicht nur wegen dem sonntaeglichen Regen, sondern auch wegen dieser Atmosphaere blieb ich gerne eine weitere Nacht vor Ort, auch wenn die Mitgaeste am zweiten Abend nicht ganz so sozial-kuenstlerisch gesinnt waren.

Nur eine kurze Aufzaehlung, was Val David zum bisherigen Kunst-Stopp meiner Reise machte:
– Die Ausstellung „1001 Pots“ von kanadischen Tonkuenstlern, die zu einer festen Instanz
geworden ist und eine Art Toepferszene hervorgebracht hat, die ihresgleichen sucht
– Der erste Abend im Hostel, an dem abwechselnd ein montrealer Akademikerpaerchen franzoesischsprachige Quebecker Singer/Songwriter Lieder auf der Gitarre coverten und ein Maedchen einer auf Reisen befindlichen Inuit-Gruppe Inuktitut-Volkslieder anstimmte
– Der Jardin du Precambrien (etwas ausserhalb der Stadt, so dass ich im Regen hintrampen musste, weil ich bei diesem Wetter keine Lust auf Fahrrad hatte), eine auf Nationalparkgelaende liegende Ausstellung, wo Kuenstler die Natur des Waldes zu Kunst werden liessen (kann man wirklich schwer beschreiben…)
– Nachdem ich abends auf ein Konzert in einer der Bars gewartet hatte (was schon nachmittags gewesen war) und gerade zum Hostel zurueck wollte, improvisierten einer der Toepfer (und gleichzeitig Gitarrist) und eine im Wohnwagen lebende Gitana (= Zigeunerin, wie sie sich selbst nannte, aber ohne negative Konnotation) mit fantastischer Gesangsstimme auf der Terasse des Lokals und luden mich dazu ein, so dass im Laufe des Abends eine Jamsession mit Trommel, Raps, Gesang und Gitarre entstand

Wer weiss, was noch passiert waere, bliebe ich laenger. Doch die Strecke rief mich weiter, und so stand der Montag unter sportlicherem Vorzeichen: nachdem ich mein Tagesziel, das 50km entfernte Mont Tremblant schon am Mittag erreichte (gut, ab Kilometer 70 verwandelte sich die bisherige Bergauf-Strecke in grossteils abfallendes Gelaende, ausserdem bin ich frueh losgefahren… hab mich trotzdem sportlich gefuehlt), und auch hier eine Jugendherberge fand, die preislich unter dem Campingplatz lag (krass, Kanada, krass!), ging ich erstmal eine schoene Runde im angrenzenden See schwimmen und trampte dann noch zum 3km entfernten Village am Fusse des gleichnamigen Berges. Eigentlich reizte mich die viel beworbene Zipline (was ich ja schon in Lateinamerika gemacht hatte), aber 100$ waren mir dafuer dann doch zu viel. Als ich feststellte, dass auch die simple Seilbahnfahrt von dem touristisch orientierten Village voller Restaurants und aufgehuebschter Haeuser bis zum Gipfel gut 20$ kostete (und die letzte Bahn hinab um 5 Uhr ging, so dass ich kaum eine Stunde oben haette. (Durch das Schwimmen und Trampen war es spaet geworden). Morgen sollte es aber bewoelkter werden. Also entschloss ich mich kurzerhand, ausgestattet lediglich mit der Jutetasche mit Wasserflasche, Sonnencreme und Kamera (und ein bisschen wander-ueberfluessigem Kleinzeug), stattdessen hoch zu laufen, dann koennte ich schliesslich so lange oben bleiben, bis ich sonnenuntergangsbedingt wieder hinunter musste. Das hiess: 2 Stunden hochlaufen, 1,5 Stunden (auf anderem Weg) wieder runter, da blieb mir oben letztlich auch nur eine halbe Stunde, wenn ich bis 8 wieder im Village sein wollte, aber gelaufen waere ich dafuer schon genug. Gesagt getan, und so erreichte ich nach einer herrliche Aussichten bietenden, aber furchtbar anstrengenden 6 Kilometerstrecke den Gipfel. (Fotos kann ich leider immer noch nicht hinzufuegen mangels SD Kartenslot). Passend um acht (ich bin echt zu deutsch manchmal) war ich zurueck und nahm den Bus zurueck zur Herberge, wo ich froh war, dass ich noch genug Leftoverfood vom Vorabend hatte, dass sich schnell erwaermen liess, so dass der Tag entspannt am See sitzend ausklingen konnte – und morgen geht es schon wieder weiter, wohin, das weiss ich selbst noch nicht so genau. Aber das sind ja oft die besten Tage.