Reunion zum Dia de la Reunificación

Kartoffelsalat á la Christian, Fleischklöpse, Schwarzbrot mit Ei, Erdinger Weissbier, Paradiescrem (Schlackamaschüü!) mit Erdbeeren und Schokolade und eine schwarz-rot-gelbe Torte. Keine Angst, ich bin kein Nationalist geworden, aber ein bisschen feiern kann man 20 Jahre deutsche Wiedervereinigung ja schon. Und so versammelte sich ein Grüppchen deutscher und peruanischer Studenten in meinem Appartment mit den oben genannten Leckereien und hatten eine doch eher unperuanische Feier – denn die sehen anders aus (s.u.). Als Begründung können wir nicht nur unsere Herkunft anführen, sondern auch die „Ley secca“: diesen Sonntag wurden nämlich in ganz Peru Bürgermeister und Regionalvertreter gewählt, und da gilt das ganze Wochenende: kein Alkoholverkauf, keine lauten Feiern. Bars und Diskos sind zu, Supermärkte verstellen ihre Weinabteile mit Softdrinkpaletten. Wir nahmens gelassen und tranken unser Donnerstag gekauftes Erdinger bei einer „Reunion“ statt einer „Feier“ 😉 und verfolgten zwischendurch die Hochrechnungen zu Limas Alcaldia (Bürgermeisterwahl) – die glücklicherweise nicht die nervige mitte-rechts-Kandidatin Lourdes Flores, sondern das „neue Gesicht“ der peruanischen Politik, Susanna Villaran, für die Mitte-links-Partei Fuerza Social gewann. (Übrigens nicht nur besonders weil erstmals eine Frau, sondern weil „links“ hier in Folge des Sendero-Terroismus’eher eine Verunglimpfung ist und Susanne seit Jahren die ersten linksorientierte Politikerin).
Heute wollte ich dann meine Museumswoche fortführen und nach Pachacamac fahren, hab ich auch gemacht, nur um nach 1 h Fahrt vor Ort festzustellen, dass die seit kurzem den Montag als Ruhetag eingeführt haben. Auswegplan: Museo de las Bellas Artes – fiel aus dem selben Grund ins Wasser. Ärgerlich. Habe vor, das morgen nachzuholen.
Zum Zeitvertreib war ich dann erstmals im Luxuseinkaufszentrum LarcoMar in Miraflores, voller überteuerter Restaurants und Klamottenläden, aber auch mit dem ersten gutsortierten Musikladen, den ich hier gefunden habe. Leider zu fast europäischen Preisen – dafür aber sogar mit einer peruanischen Hip-Hop-CD. Stand in der Kategorie „Peruanischer Rock“ – das ist hier zumindest was einheimischen Rap betrifft, echt noch so real, dass es noch nicht mal ne eigene Plattenregal-Kategorie hat…

Um meinen Vorsatz nachzuholen und euch ein wenig zu zeigen, warum unsere Reunion so unperuanisch war, heute mal wieder ein How To:

How To celebrate with Peruvians

Tanz: Während feierliche Anlässe in Deutschland hauptsächlich aus Essn bestehen, ist die zentrale Tätigkeit hier das Tanzen. Auch wenn eine/r gute/r Tänzer/in mehr Aufmerksamkeit bekommt, spielt es keine allzu grosse Rolle, ob man „tanzen kann“. Wer kann, tanzt eben Salsa und besondere Figuren (bzw. eben zur Musik passendes), wer nicht, bewegt sich irgendwie rhytmisch. Beliebt ist es auch, in einer Gruppe im Kreis zu tanzen, an den Händen gefasst, oft mit wechselnden Tanzpärchen in der Mitte. Ablehnen ist nicht, und nur mit seinem Partner tanzen auch nicht – genauso, wie aus der Gruppe auszusteigen und bei anderen weiterzutanzen. (Da muss dann mindestens eine Ess- oder Trinkpause zwischen sein 😉 ). Bei grösseren Feiern spielt eine Band (oft Mariachis), manchmal mit Gesang, sonst gibt es grösstenteils Salsa-Konserve, bei jüngerem Publikum gemischt mit Reggaeton.
Essen: …spielt – für die gute peruanische Küche sehr erstaunlich – keine grosse Rolle. Je nach Feierlichkeit (und Budget des Veranstalters) gibt es eine kleine Mahlzeit dazu, manchmal zum selber kaufen – z.B. Huhn mit Reis und Kartoffeln, gerne bei besonderem Anlass auch Cuy (Meeschweinchen). Gegessen wird mit Papptellen auf dem Schoss auf einer Bank am Raumand sitzend oder im Stehen, selten essen alle gleichzeitig, und eher nur um das Bedürfnis zu stillen, damit man weitertanzen kann. Gerade bei privaten Feiern gibt es, wenn die Familie es sich leisten kann, Fingerfood-Buffet (Chickenwings, Chips, Pralinen, Kekse, alle möglichen Sachen die man im stehen essen kann). Es steht meist schön zubereitet auf einem Tisch im Veranstaltungsraum, an dem man sich aber nicht bedienen sollte – jeder einzelne Teller mit Fingerfood wird von Bedienung oder einem Familienmitglied zu den Gästen gebracht, die sich dann ein Stück davon nehmen. Eine ganz andere Relevanz bekommt die
Torte: die auf keinen Fall fehlen darf. Und sie muss natürlich zum Anlass passen (Hochzeit, Kindergeburtstag etc), sonst ist die Feier eigentlich fast ins Wasser gefallen. Die Kalorienbomben aus Sahne und/oder Schokolade wird eher spät aufgeteilt (und ebenso gegessen wie der Rest, s.o.) – je nach Menge (von Torte und Gästen) sollte man keine allzu grossen Stücke erwarten.
Geschenke: Der Schenkzwang steigt mit Bekanntschaftsgrad. Als relativ neuer Bekannter wird nicht unbedingt ein Geschenk erwartet. In jedem Fall sollte man seinen Namen auf das Geschenkpapier schreiben, wenn man damit in Verbindung gebracht werden will: sie werden nicht während der Feier aufgemacht! In feierlicher Zeremonie werden sie vom Geburtstagskind abgeholt oder von den Schenkenden (tanzen) vorbeiebracht und dann an einem Ort gelagert und zu Hause geöffnet . damit der Schenkende nicht mit ansehen muss, falls der Beschenkte enttäuscht ist. 🙂
Anfang: ist natürlich verzögert. Wenn es heisst „ab 8:00pm“ erscheinen nur die besten Bekanntn wenn überhaupt vor 9. Ausnahmen sind z.B. Hochzeitszeremonien in der Kirche – die aber natürlich trotzdem verspätet anfangen. Wer pünktlich kommt ist selbst schuld und muss warten – wer später kommt muss wahrscheinlich trotzdem noch warten. Einem Deutschen ist aber keiner böse, wenn er pünktlich ist.
Ende: gibt es offiziell nicht. Kann aber spät werden. Mit passender Ausrede is es aber akzeptiert, früher zu gehen, wenn man nicht mehr tanzen kann 😉
Unterhaltungen: sind sporadisch – geht auch schwer, wenn man dabei zu lauten Blechbläsermusik tanzt. Also wenn, dann vorher, während alle auf den Bänken sitzn und warten, oder beim Essen.
Trinken: Das Bier wird meist je von einem für die Gruppe gekauft (die Runde um), vor Ort meist 3 Flaschen für 10 Sol (eins kaufen ist ungewöhnlich). Zusammen mit einem Becher wird es dann rumgereicht: man schenkt sich ein, gibt die Flasche weiter, trinkt aus, schüttet den Schaum auf den Boden und gibt den Becher weiter. Ablehnen sollte man, wenn überhaupt, dann nur mit gutem Grund – oder spät, wenn eh schon alle betrunken sind. Einfacher ist es, sich einfach nur einen kleinen Schluck einzuschenken – voll wird der Becher ohnehin nie gemacht, sondern maximal halbvoll.
Das alles kann natürlich vollkommen anders aussehen, wenn man sich unter Reichen oder Ausländern befindet 😀 …wenn man sich auf eine peruanische Feier eingestellt hat, wird es aber meistens ein ganz amüsanter Abend: wenn einem nicht vorher von der überlauten Mariachi-Musik die Ohren geplatzt sind…

4.10.10, Lima

How to eat out in Peru

Heute mal wieder ein kleines How To für alle zukünftigen Perureisenden und sonstige Interessierte, diesmal zum Auswärts-Essen, da es ausser dem kennenlernen einer Kommilitonin die ab Montag in Leipzig studieren wird nichts erzählenswertes gibt. Nochmal zu Orientierung betreffs Preise: 1 Euro sind derzeit 3,6 Soles.

How to eat out in Peru
In Peru gibt es zahlreiche Möglichkeiten, auswärts zu essen – und das für europäische Mittelschichtler erstaunlich erschwinglich. Leider sieht das für Peruaner mit einem deutlich geringeren Einkommen (was die meisten sind) anders aus, und so werden die meisten Mahlzeiten (und gar nicht die schlechtesten) wohl in privaten Haushalten verzehrt. Für alle, die jedoch nicht oder nur selten die Möglichkeit haben, von einer peruanischen Familie bekocht zu werden, hier ein paar Altenativen:
Chifa: Die Chifas sind für Peru, was für Deutschland Dönerläden sind. Es gibt sie an jeder Ecke, in Lima gibt es wahrscheinlich mehr Chifas als Strassen. Chifas sind chinesische Restaurants, meist allerdings im billigen Sektor und stark peruanisch beeinflusst – also nicht vergleichbar mit deutschen Chinarestaurants. Wie in den meisten Orten sollte man hier unbedingt ein Menü bestellen, wovon es in den meisten Chifas eine grosse Auswahl gibt. Dort bekommt man dann meist eine Hauptmahlzeit mit Wantan frittiert oder als Suppe, seltener auch noch ein Getränk dazu für 5 bis 9 Soles – während das gleiche Gericht á la carte meist um die 12 Soles kostet. Da es die meisten Gerichte auch als Menü gibt, kann man den á la carte-Bereich also gerne überblätten. Die meisten Gerichte bestehen aus Reis (arroz), Huhn (Pollo), chinesischen Nudeln und manchmal süssen Früchten in den verschiedensten Mischungen. Populär sind die „chaufa de arroz“, so was ähnliches wie eine Reispfanne meist mit Hühnchen und diversem Gemüse vermischt. Da manche Chifas angeblich die schlechte Angewohnheit haben, halbaufgegessenes und zurückgelassenes Essen für andere Gäste wieder zu verwerten, schadet es nicht, über die Reste das übriggebliebene Ají zu verbreiten und die Serviette praktisch zu drappieren.
En la calle: Eine der peruanischsten, für deutsche Mägen hin und wieder strapazierende Variante ist das Essen auf der Strasse. In jeder mittelgrossen Stadt finden sich an den geschäftigsten Strassen und vor kleinen Restaurants kleine Grills und Essstände, die den Passanten für 1 bis 3 Soles ihre Mahlzeiten anbieten, besonders zu den Abendstunden. Die häufigsten Mahlzeiten sind Sandwiches und Hamburger in den verschiedensten Varianten (Rind oder Huhn, mit Salat, Papas (frittierte Kartoffeln) und allen möglichen Saucen), Suppen (v.a. „Caldo de Gallina“ mit… ihr ahnt es: Huhn) und Schaschlikspiesse (präferiert Anticucho (Rinderherzen, sehr lecker), aber auch Hotdog-Wurst, Huhn und ab und zu ein bisschen Gemüse mit dabei). An anderen Ständen finden sich teils frischgepresste Säfte, die man vor Ort aus einem Glas zu sich nimmt. Und wenn einem nach Dessert zumute ist, Picarones (aus Kürbis und Süsskartoffel bestehende Kringel) und mit Mancharblanco gefüllte Churros (seeehr lecker!) bekommt man für 1-2 Soles. Besonders später am Tag sollte man keine Sandwiches kaufen, die schon fertig im Glaskasten bereitliegen, die wuden meist am frühen Morgen zubereitet und jetzt nicht mehr so geniessbar. Dass das direkt an der Strasse (samt Abgasen) verkaufte Essen auch sonst nicht unbedingt hohen hygienischen Ansprüchen entspricht, ist selbstverständlich.
Vegetarische Restaurants: Ich hab ja so Leute in der Familie, die mit all dem Huhn, Meerschwein und Rinderherz nicht so viel anfangen können. Die habens hier nicht ganz so einfach – inzwischen gibt es aber sogar einige Restaurants mit breitem vegetarischen Angebot. (Z.B. der alte Strassenbahnwaggon im Zentrum Barrancos, sehr zu empfehlen!) Oft werden diese von den Hare Krishna geführt und bieten gesundes, günstiges Essen an, manchmal sogar mit ausgefeilten Speisen mit Fleischersatz (Soja etc). Die Preise sind für Restaurants (selbst in Peru) vergleichsweise günstig, trotzdem kann man mit guter Qualität rechnen. Man muss sie nur eben erstmal finden, denn noch sind sie sehr rar gesät und vor allem in touristischeren Gebieten zu finden.
Cevicherias: Es gibt ja auch so Leute, die total auf Fisch und Meeresfrüchte stehen. Da gehöre ich nun wirklich nicht dazu, werde in der Hinsicht also nichts vorschwärmen können. Fakt ist aber, dass es vor allem an der Küste (natürlich v.a. in Lima) zahlreiche Cevicherias gibt, wo man hauptsächlich das aus Fisch, Limón und Chili bestehende Ceviche, meist aber auch andere Fischgerichte (z.B. frittierter Fisch) und Meeresfrüchte bekommt. Preise können zwischen 8 und 20 Soles variieren.
„Typisch“ peruanische Küche: Davon abgesehen, dass die oben genannten Optionen wahrscheinlich am häufigsten von Peruanern genutzt werden,gibt es natülich auch die peruanische Küche, die v.a. Touristen interessiert. Das allseits berühmte Cuy (Meerschweinchen) ist besonders in der zentralperuanischen Zubereitung „Picante de Cuy“ (mit scharfer Sauce und Kartoffeln plus Reis) zu empfehlen. Lomo saltado (Steak vom Rinderücken), auch als Lomo de Alpaca (also aus Alpaca 😉 ) möglich, ist eine weitere im Ausland bekannte Köstlichkeit. Aufgrund der meist eher hohen Preise (Cuy in den meisten Restaurants für 30 Soles, als Picante de Cuy wenn man Glück hat für 10 Soles) ist das alles aber, seien wir ehrlich, nur begrenzt „typisch“ Peruanisch.
Marktstände: Backpacker, Studenten und andere arme Schlucker wie mich 😉 freuen sich ja immer über billiges Essen. Wenn man sich nicht en la calle (s.o.) eine Magenverstimmung holen will, aber trotzdem für 3-4 Soles den knurrenden Magen unterwegs stillen will, lohnt sich ein Abstecher zur nächsten Markthalle. Hier kiegt man vor allem Suppen an Ständen mit kleinen Bänken zum sitzen, von Caldo de Gallina bis zur Gemüsesuppe, oft auch einfach irgendeine Nudel-Brühe mit allem, was sich gerade gefunden hat – während sich beim Nachbar ein halber Maiskolben findet, findet man selbst unter Umständen Rindfleisch samt Knochen. Der Geschmack und die Qualität kann sehr weit variieren. Wenn man schon mal auf dem Markt ist, kann man sich natürlich gleich auch mit Reis, Kartoffeln und Gemüse von grossen Stapeln eindecken. Ob man das dort an Haken hängende Fleisch kaufen und verzehren möchte, bleibt den eigenen Präferenzen überlassen.
Edelrestaurants: Da kann ich im Prinzip bisher noch weniger drüber sagen als über Cevicherias. Aber die gibts auf jeden Fall auch hier. 😀
Panaderias / Pastelerias Meist gemeinsam auftretend, bekommt man hier Brötchen (Pan – Brot an sich gibt es seeeehr selten) und Kuchen (pasteles, obwohl es eigentlich meist eher Torten sind). Beides unglaublich lecker hier, und meist für gute Preise zu haben – für ein einzelnes Brötchen sollte man nicht mehr als 30 Centimos bezahlen, meist wird eher in Kilo berechnet, welches nicht mehr als 5 Soles kosten sollte. Neben dem typischen Frühstücksbötchen (Pan francés) gibt es häufig Ciabatta, viele verschiedene weisse Brötchen, seltener Körner- und häufiger süsse, sehr weiche und leckere Brötchen (pan dulce), die manchmal innen eine gelblichere Färbung haben (ich vermute einfach mal, dass die einen grösseren Maisanteil haben…). Dann gibt es auch noch Croissants und winzige Minibrötchen (z.B. pan anis) mit ausgefallenen Geschmäckern. Belegte Brötchen findet man allerdings seltener. Die pasteles sind meist als Stücke zu kaufen und sehen nicht nur schmackhaft aus, sondern sind es meist auch. Allerdings wahrscheinlich auch absolute Kalorienbomben und sehr süss. Cheesecake (ja, wie in englisch. Aber spanisch ausgesprochen) mit erweiterten Fruchtgeschmäckern, torta selva negra, Schokoladentörtchen, die riesigsten Sahnetürme… hier kann man meist Tage drin verbringen.
Frühstücken (Desayuno) kann man in den verschiedensten Restaurants, die sich sonst meist auf Sandwich-artiges spezialisieren, und wo man selbiges auch besonders frühstücken kann (aber selten vor 9 Uhr). Typischerweise wird dort auch das Desayuno Continental, Integral und Americano angeboten, die für Preise zwischen 9 und 16 Soles aber erbärmlich wenig bieten. (Was dazugehört, steht meistens dabei – Americano ist meist mit warmen Sachen wie Ei etc, Integral mit Früchten, und Continental das schwächste mit zwei Brötchen und Marmelade o.ä.) Als Getränk wählt man v.a. Kaffee (hier fast immer mit Zucker), Tee oder Mate (de Coca oder Anis), manchmal auch Saft. Wenn vorhanden sind die Sandwiches meist die bessere Alternative. Allgemein kann man das Frühstück auswärts aber gerne vergessen und sich die gleichen (oder bessere) Zutaten sehr günstig im Supermarkt holen.
Was man (fast) vergeblich sucht sind gute Eisdielen (meist eher mittelmässiges Donofrio-Eis aus dem Schubwagen – bisher nur in Cusco einen guten Eisladen entdeckt) und andere ausländische Restaurants. Seltenst einmal gibt es Japanisches Sushi, in touristischeren Gegenden mal eine Pizzaria (in Miraflores gibt es sogar eine Pizzastrasse…), und wenn man Glück hat eine französische Creperie (z.B. in Arequipa beim französischen Kulturzentrum). In Arequipa wird der Dönerladen „El Turco“ als Aussergewöhnlichkeit ohnegleichen gefeiert (und hat dafür fast deutsche Preise für ein kleines Dönerchen). Britisch oder irisch sind höchstens die Inventare der gleichnamigen Pubs, Essen und Trinken meist jedoch eher weniger. Wenn man sonst wo eine andere Kultur als Restaurant findet, wird das in den meisten Fällen wohl eher gehobenes Mileu sein.
Zutaten die man überall wiederfindet, sind Huhn und Reis. Huhn vor allem deshalb, weil es billiger als anderes Fleisch ist und ausserdem immer als solches zu erkennen ist (während anderes Fleisch gut mal ein bisschen durchmischt sein kann), und Reis… Reis ist hier elementar und gehört zur Mahlzeit wie die Vorspeise und das Getränk – es gibt nahezu keine Speise (okay, ceviche), die ohne Reis serviert wird, und wenn der mal fehlt, ist das Grund zum Ärgernis. Eine mir besonders liebgewordene Spezialität, allerdings eher zum einkaufen und selber frühstücken oder nachmittagen 😉 – ist der Manjarblanco, ein fudgeartiges, cremig-karamelliges Milchprodukt, von dem man einfach nur schwärmen kann. Getränke zum häufig bestellten Menü sind entweder Gaseosas (Softdrinks wie Cola oder die bereits beschriebene Inka-Cola) oder Fruchtsäfte, leicht angewärmte saftähnliche Limonaden (schwer zu beschreiben… viel Wasser und bisschen Frucht) oder Chicha morada. (Um mich dazu mal zu korrigieren: die Chicha ist das „Maisbier“, Chicha morada ist vollkommen unalkoholisch und aus lila Mais hergestellt. Keins der beiden wird mithilfe der Spucke der Maistreterinnen fermentiert, auch wenn sich das Gerücht hartnäckig hält.

23.9.2010, Lima

Öffentlicher Verkehr

Da ich hier ja jetzt lebe, und nicht (nur) Urlaub mache, gibt es tatsächlich einmal von letztem Wochenende nichts Spannendes zu erzählen – nein wirklich! Ich habe mich ein wenig über meinen Schnupfen geärgert (ist aber nicht schlimm), meine Demografia-Aufgabe erledigt und irgendwie einfach mal wieder entspannt (okay, Samstag war nach der langen Hochzeitsfeier erstmal lang ausschlafen angesagt, da war sowieso fast der ganze Tag weg). Es war also wirklich erstmals so, als lebe ich hier wirklich, ohne fancy-Urlaubserlebnisse, sondern ein alltägliches Wochenende. Muss natürlich auch nicht immer sein, darf aber ja auch mal. 😉 Da ich ausserdem festgestellt habe, dass ich im August durch meine Reisen viiieeel zu viel Geld verbraucht habe, ist das für mein Portmonaie auch gar nicht so schlecht.
Damit ihr euch aber nicht langweilt, gibts jetzt mal einen kleinen Guide für alle, die vielleicht mal hier vorbeischauen wollen (oder sich das besser vorstellen können wollen):

How To catch a bus in Lima
Hallenser lästern vielleicht hin und wieder gerne über die HAVAG (den halleschen Betreiber der öffentlichen Verkehrsmittel). Die waren aber in der Regel noch nicht in Lima.

CollectivosDie Busse sind hier genaugenommen nicht im eigentlichen Sinne öffentlich, sondern privat. Viele viele kleine Unternehmen betreiben mehrere Busse, die in der Grösse und Ausstattung zwischen VW-Bus aus den 70ern, altem US-Schulbus und „moderneren“ Bussen variieren und meist bunt angemalt sind. Die Busse fahren stets eine Tour quer durch Lima; auf der Vorderseite finden sich meist Start- und Zielbarrio (Stadtviertel) so wie eine Liniennummer. Da gibt es allerdings seeeehr viele von, und man kann sich wahrscheinlich höchstens die Nummern merken, mit denen man regelmässig fährt (z.B. von zu Hause zur Uni). Da das alleine also nicht viel helfen würde (v.a. wenn man mal woanders hinwill), ist auf beiden Seiten eine Liste der grossen Strassen, die der Bus auf seiner Tour passiert, aufgemalt. Das sieht dann z.B. so aus:

Universitaria – Bolívar – Brasil – Grau – Abancay

Man muss also v.a. wissen, welche grosse Strasse in der Nähe des Wunschzieles liegt, und diese dann auf den Bussen suchen. Viele Strassen sind allerdings seeeeehr lang (die Universitaria dürfte über 50 cuadras (Blöcke) haben), und nicht alle Busse fahren zwangsläufig die ganze Strasse lang. Da hilft nur das Kürzel „Tdo.“ (Todo=die ganze) auf der Seite vor dem Strassennamen, oder ein schnelles Nachfragen beim „Schaffner“ – „Todo Bolívar?“

Die „Schaffner“ üben übrigens gleich mehrere Funktionen aus. Während der Fahrer sich mal mehr, mal weniger auf den Verkehr konzentriert, steht der „Schaffner“ an der Tür und schreit die Namen der angefahrenen Strassen heraus, damit die Passanten den benötigten Bus leichter finden. Erspäht er einen potentiellen Mitfahrer, klopft er zweimal auf die Busseite, damit der Fahrer anhält. Will man aussteigen, sagt man ihm z.B. „baja 15“ (falls man in der 15. cuadra aussteigen will) oder „baja paradero“ (bei der nächsten Haltestelle), oder auch „baja esquina“ (nächste Strassenecke), oder was immer einem sonst so einfällt, was dann wiederum an den Fahrer kommuniziert wird. Irgendwann zwischendrin (spätestens beim Aussteigen) hält der Schaffner einem die mit Kleingeld gefüllte Hand schüttelnd hin, was als Hinweis zu verstehen ist, zu bezahlen – für Kurzstrecken (innerhalb der gleichen Strasse) 50 Centimo, für die meisten „normalen“ Strecken S/ 1, für sehr lange zwischen S/ 1,20 und S/ 2 (Studenten mit Ausweis kriegen mit etwas Glück auf letztere Rabatt – ich habe kürzlich sogar von Barranco bis nach Jesusmaria nur 80 Centimo bezahlt). In der Regel halten die Busse überall, wo man es ihnen sagt, oder wo ein potentieller Mitfahrer steht – die Haltestellen sind nicht wirklich obligatorisch. Manche Unternehmen aber, wie z.B. die blauen Busse von „los Chinos“ oder manchmal auch „Consorcio Vía“ halten sich an das paradero-System und halten tatsächlich nur dort, wodurch sie natürlich schneller sind und dadurch mehr Kundschaft kriegen. Das gerade die kleinen Busse nicht sonderlich sicher sind, versteht sich von selbst – das auf die Fensterscheiben gemalte „salida de emergencia“ (Notausgang) ist gerade bei den Micro-Bussen leicht lächerlich. Dass das System trotz allem funktioniert, verwundert manchmal.

Und worüber lästern wir so in Halle? An grossen Haltestellen gibt es elektronische Anzeigen mit Wartezeit in Minuten, an jeder Haltestelle einen ausführlichen Fahrplan aller Strassenbahnlinien, die nie im Stau stehen; die Bahnen sind in TÜV-geprüftem Zustand, schnell, pünktlich, zuverlässig und sogar umweltfreundlich. Okay, sie sind ein wenig teuer wenn man kein Semesterticket hat – aber wenigstens nach einem durchschaubaren System. Schaffner lassen sich recht selten blicken, wenn, dann nur zum kontrollieren der Fahrscheine (in Lima seltenst nötig). Die Bahnen kommen regelmässig, auf den wichtigsten Linien auch Nachts, und man hat fast immer einen Sitzplatz, und wenn nicht, dann meist über einen Meter Platz um sich (in Lima kann das schon mal bei einem Zentimeter liegen).

Aber die Limeños sind sich der Situation durchaus bewusst – noch vor wenigen Jahren gab es nicht mal Haltestellen, und die Busunternehmen müssen mittlerweile Fahrscheine ausstellen (was nicht alle tun). Seit allerkürzestem gibt es sogar den Metropolitano, einen modernen Zieharmonika-Bus, der durch das Zentrum, Miraflores, San Isidro und Barranco fährt (in Zukunft wird die Strecke noch nach Norden ausgeweitet) und dessen Haltestellen mittelweit entfernt sind (sehr praktisch für die langen Entfernungen), einem festen Fahrplan und einer eigenen Fahrspur für 75 Centimo – das ist geradezu revolutionär! (Ich bin noch nicht mit gefahren, kann also leider sonst noch nichts dazu sagen.) Die Micros, collectivos und sonstigen carros wird das wohl nicht verschwinden lassen, sie werden wohl maximal langfristig ihre Routen anpassen müssen – der Unterschied zwischen Lima und Halle wird also wohl erstmal bestehen bleiben… denn sonst würde sich vielleicht eine Fahrt in Halles Strassenbahnen so anhören:

„Grosse Ulli grosse Ulli grosse Ulli Steinstraaaasse! Steinstraaaasse! Grosse Ulli grosse Ulli! LuWu Steinstraaaasse! Zusteigen zusteigen zusteigen!“ – „Steintor?“ – „Ja ja Steintor, zusteigen zusteigen! Grosse Ulli grosse Ulli Steinstraaasse!“ – Huuup (damit der Fussgänger schneller über die Strasse geht) „Halt Joliot Curie!“ – „Halt am Joliot Curie!!!“ Huuuup (damit der Stau vor der Bahn sich auflöst)“Steeeeeeinstraasse Steinstrasse LuWU!“ Klopf Klopf! (damit die Bahn hält) – „Ganze LuWu?!“ – „ganze LuWu ganze LuWu“ – „Wasserturm?“ – „Nee nee!“ – Huuuuuuup Huup (damit endlich weitergefahren wird und weil es zur Reggaetonmusik passte) Quiiiietsch… „Steintor raus raus raus raus! Ganze LuWu LuWu LuWu Reileeeeeck!!!“ …

Ach, und noch was, für alle, die in Spanien Spanisch gelernt haben: man sagt hier nicht „voy a coger un autobús“, wenn man mit dem Bus wohin fahren will, sondern „tomar un autobús“. coger ist hier ähnlich vulgär und bedeutungsgleich mit „ficken“… es lohnt sich also, auf seine Wortwahl zu achten. Sonst ist der Titel „Öffentlicher Verkehr“ unter Umständen schnell auch anders zu verstehen.

6.9.2010, Lima

Anmerkung: Mittlerweile ist wieder ein bisschen was passiert: gibts im nächsten Beitrag!