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Schlagwort: Himmel

Schilfwelt, Fiestas und Millionen Sterne

Schilfwelt, Fiestas und Millionen Sterne

Da habe ich ja jetzt viel nachzuholen – bloss weil man mal zwei Tage vom Internet abgeschnitten ist. Mir gehts jedenfalls gut, keine Sorge.
Wie geplant machte ich mich morgens frĂŒh (siehe Datum am Ende des Eintrags 😉 ) auf, um um 8:00 das Boot fĂŒr die geplante Route zu nehmen. Meinen Rucksack liess ich im Hostal zurĂŒck und nahm nur das Wichtigste fĂŒr den Ausflug mit (ausser MĂŒckenmittel. Und die in Lima gelassene Sonnenbrille. Und eine Cap…) Mit ein paar Brötchen auf die Hand verliess ich mit einem Boot voller Franzosen und einigen wenigen Indigenos den Hafen Punos in Richtung der Islas flotantes (schwimmenden Inseln) von Uro. Die Inseln des ehemaligen Uro-Volkes (die sich heute mit den Azmara vermischt haben) schwimmen etwa 4 km von Puno entfernt im Titicacasee – und man kann die Begeisterung kaum verstehen, wenn man diese Schilfwelt nicht betreten hat: es ist beeindruckend! Die HĂ€user, die DĂ€cher, die Boote sind aus Schilf – und die Inseln selbst auch! Alle paar Jahre wird neuer getrockneter Schilf (den man ĂŒbrigens auch lecker essen kann) auf den Boden gebunden, wĂ€hrend er von unten her verrottet. FĂŒnf Anker halten eine Insel an ihrem Platz, damit sie nicht nach Bolivien schwimmt.Auf dem Schilf stehend Die Einwohner leben fast ausschliesslich vom Tourismus und dem Fischfang, der Strom fĂŒr Licht und (manchmal) Fernsehen kommt von einem Solarpaneel pro 3 HĂ€user. Die Kinder fahren im Schiff zur Primaria-Schule auf einer der Inseln. Der federnde Schritt ĂŒber das gebundene Schilf ist durch kein Foto nachzuvollziehen.
Schilfboot auf den UroFisch auf Uro-InselSchilfhaus auf den Uro-Inseln

ZurĂŒck auf dem Boot ging es 3 Stunden lang zur Insel AmantanĂ­. Unterwegs unterhielt ich mich mit einer in Spanien lebenden Limeña (Katty), die mit ihren Eltern gerade auf Urlaub ist. Der KapitĂ€n, der kurz vor AmantanĂ­ eine Liste fĂŒr die UnterkĂŒnfte machte, steckte uns kurzerhand zusammen in eine Unterkunft (okay, er hat schon gefragt), so dass wir zu viert waren. Die Unterkunft auf AmantanĂ­ ist nĂ€mlich bei einer Familie (es gibt hier keine Hostals, meistens ja nicht mal elektrisches Licht). Hafen von AmantanĂ­So landeten wir bei Carmen und ihrer Familie, die uns jetzt fĂŒr S/ 25 nicht nur unterbringt, sondern auch verpflegt. Mein Plan war eigentlich, nach dem Mittagessen die Ruinen von Pachatata zu sehen, die etwa 1h Fussweg bergaufwĂ€rts liegen. Kattys Familie, die auch morgen noch hier sein will, prĂ€ferierte aber die Plaza, auf der heute eine Fiesta stattfand. War ich auch erst noch entschlossen, zu den Ruinen zu gehen, Ă€ndert ich auf dem (anfangs gleichen) Weg meine Meinung. Böswillige Zungen könnten behaupten, ich war einfach zu faul fĂŒr den Fussweg. Ich sehe das aber eher so: Ruinen sehen oder bei einer AmantanĂ­-Feier dabei sein und die Leute erleben. Letzten Endes bin ich eben doch Soziologe, kein ArchĂ€ologe…

AmantanĂ­-Bewohner bei traditionellem TanzAmantanĂ­-Bewohnerinnen beim Tanz ums Feuer

Unterwegs beobachteten wir noch eine lokale Hochzeitsfeier, die hier laut Carmen „dos dĂ­as, no mĂĄs“ [zwei tage, nicht mehr] andauern. TatsĂ€chlich höre ich jetzt um 22:00 immer noch die Flötenmusik.
Auf der schönen Plaza war neben einer „Kunsthandwerksausstellung“ (fĂŒr Touristen) die Feier mit TĂ€nzen und ein wenig eintöniger Musik zu erleben, spĂ€ter am Abend dann noch mit Feuern und… mehr TĂ€nzen 😉
Wir verbrachten eigentlich den Rest des Tages dort, unterhielten uns miteinander und mit Carmen oder ihrem Mann und kehrten gegen 19:00 zum Haus zurĂŒck. Den Weg nur dank Taschenlampe findend. Apropos Dunkelheit: der Himmel entschĂ€digt fĂŒr vier Monate Lima – selbst als in einer Kleinstadt Aufgewachsener kann ich nicht behaupten, je so viele Sterne gesehen zu haben.
Am Abend ĂŒberzeugte mich Kattz dann doch, auch den nĂ€chsten Tag hier zu bleiben (dann seh ich doch noch die Ruinen… 😉 ) und mit ihnen zusammen am Mittwoch nach Cusco zu reisen – dann habe ich da zwar ca. einen halben Tag weniger Zeit, dafĂŒr versprach sie mir, einen „Plan“ zu machen, und ich dadurch die Zeit ja sozusagen wieder wettmache; da sie selbst schon diverse Male da war und entspr. weiss, wie ich wo am besten hinkomme. (Aktuelle Anmerkung: PlĂ€ne mĂŒssen ja nicht immer umgesetzt werden…) Naja, was soll ich sagen? – ihre Argumente haben mich ĂŒberzeugt. Und AmantanĂ­ ist einfach zu schön und natĂŒrlich, als dass da viel gegen sprechen wĂŒrde.

9.8.2010, AmantanĂ­

Betten machen und ĂŒber Frauen reden in Arequipa

Betten machen und ĂŒber Frauen reden in Arequipa

Eines vorweg: es ist nicht kalt in Arequipa. Nur frĂŒh morgens von 5 bis 8 ist es etwas kĂŒhl, der Rest des Tages war T-Shirt-Time. Woher ich das weiss? – weil ich heute frĂŒh aufgestanden bin. Man höre und staune. Hatte aber ja auch viel vor: ich habe mir jetzt endlich ein Handy gekauft (was lĂ€nger dauert als man denken wuerde), schön gĂŒnstig auswĂ€rts gegessen (ein Mittagsmenue fĂŒr S/ 8), das Monasterio de Santa Catalina besucht (ein wirklich beeindruckend schönes Kloster mitten in der Innenstadt, wo sich sozusagen eine pastellfarbene, ruhige, mediterran angehauchte Stadt inmitten Arequipas findet, versteckt hinter den hohen Klostermauern), die gigantische Kathedrale an der Plaza de Armas bestaunt (und selbige natĂŒrlich ebenfalls… der wahrscheinlich schönste Waffenplatz Perus 😉 – Fotos siehe unten), das in Eis mumifizierte InkamĂ€dchen Juana im Museum gesehen und (nachdem ich das per Telefon jetzt absprechen konnte) mich mit einer Couchsurferin aus Arequipa getroffen. Das mit dem Kaffee-trinken-gehen wurde allerdings nichts – ca. 15 Minuten bevor wir uns wie verabredet trafen, fiel ihr ein, dass sie heute noch Uni hat… WĂŒrde wie ne schlechte Ausrede klingen, wenn wir uns nicht beim kurzen Treffen dann fĂŒr morgen zum FrĂŒhstĂŒck verabredet hĂ€tten 😉
Das Hostal wo ich bin ist ĂŒbrigens wirklich angenehm – vor allem die ca. 60-jĂ€hrige Besitzerin ist sehr gesprĂ€chig und locker drauf. Als ich grade eben wiederkam und ein paar Worte mit ihr wechselte, bat sie mich, ihr schnell beim Neubeziehen des Hochbettes zu helfen, dass sie fĂŒr ein paar Neuankömmlinge fertig machte, und an welches sie aufgrund ihrer geringen Grösse nicht so recht drankam. So fand ich mich denn, wo ich schon mal dabei war, beim Bettenmachen und ĂŒber Frauen reden mit der Hostalbesitzerin wieder. Fragt nicht wie wir auf das Thema kamen.

Unterdessen habe ich meinen Reiseplan so geĂ€ndert, dass ich am Sonntag erst nach Puno an den Titicacasee fahre, weil das nĂ€her an Arequipa ist, um dann von dort aus Richtung Cusco zu fahren. Der Zeitplan ist leider eng, da ich ja am Montag den 16. zurĂŒck in Lima sein muss. Die Zeit hier in Arequipa will ich mir aber trotzdem nehmen und den Tag hier morgen entspannt geniessen, denn die Stadt gefĂ€llt mir immer mehr. Kann die Universidad San Marcos nicht einfach in Arequipa sein? Blauer Himmel, entspannte Leute, nicht ganz so ĂŒberfĂŒllte Strassen… und zumindest demzufolge, was ich im Juanita-Museum gesehen habe, offenbar ein Paradies fĂŒr ArchĂ€ologen – wenn das kein Grund fĂŒr mich ist, hier zu bleiben! 😉

Kathedrale am Plaza de las ArmasPlaza de las Armas bei NachtPlaza de las Armas bei TagMonasterio de Santa CatalinaMonasterio de Santa Catalina 2

6.8., Arequipa

Ein Tag Verkehr

Ein Tag Verkehr

Ich will gar nicht wissen, wie viel Zeit ich heute in motorbetriebenen Fahrzeugen verbracht habe – und das keineswegs, weil ich faul wĂ€re und wenig gelaufen bin…
Nachdeem ich heute frĂŒh im Internetcafe meinen letzten Eintrag geschrieben habe, machte ich mich erneut auf den Weg zur Uni, wo ich Veronica das gewĂŒnschte Foto brachte – und feststellte, dass ich noch ein zweites brauchte. Ausserdem benötigte sie eine Kopie meines Visums. Weiss ich ja shconmal, wo ich morgen frĂŒh wieder sein werde. Im Einkaufszentrum San Miguel holte ich mir dann eine Simkarte von „Claro“ und eine Aufladekarte fĂŒr S/ 10. Jetzt fehlt nur noch ein Handy. Wenn ich eins aufgetrieben habe, gebe ich euch auf Anfrage auch gern die Nummer, falls ihr mich mal auf diesem Weg erreichen wollt. 😉
Nach dem Mittagessen, wĂ€hrend welchem ich mich mit Rossanas Schwester unterhielt (eine sehr gebildete Frau, mit der man gut ĂŒber Weltpolitik reden kann, die aber z.Zt. arbeitslos ist und deshalb jede Menge Zeit hat…), nahm selbige mich mit dem Auto mit auf den 2. Teil meiner Erledigungen. Zuerst wollte ich mir einen neuen, funktionierenden Konverter besorgen. Nun ja, um die lange Story kurz zu machen: Peru hat nicht wie die USA 110 V, sondern 220 V – wie Europa. Ein Konverter ist damit nicht nur unnötig, sondern sollte gar nicht erst angeschlossen werden. Logisch. Wenn man das weiss. Naja. Und der Stecker – wer genau auf das Bild im letzten Beitrag sieht, wird feststellen, dass da auch so nette kleine Rundungen sind. Ja genau. Ich kann meinen ganz normalen europĂ€ischen Stecker einfach da rein stecken. Simple as that. FĂŒr die Dosen, die diesen runden Teil nicht haben, hab ich mir fĂŒr S/ 2 einen einfachen Umstecker geholt. Pro: ich brauch den Konverter nicht mit auf Reisen nehmen. Contra: Ich habe ihn mir umsonst in Dtl. geholt. Ich hoffe wenigstens, dass damit die Problematik abgeschlossen ist.
Anschliessend liess ich mir beim Notar fĂŒr S/ 4 eine Passkopie beglaubigen, damit ich diesen nicht immer mitnehmen muss, machte Fotos und die Visumskopie und …. tadadada! …. (nach nochmal gut 40 Minuten Busfahrt) kaufte mit das Busticket nach Arequipa fĂŒr S/ 55 bei der Gesellschaft Ormeño. Der Bus den ich jetzt nehme, hat zwar keine Betten, sondern nur normale Sitze, ist dafĂŒr aber S/ 50 billiger (!) und fĂ€hrt um 9:00 abends statt um 9:00 morgens los. Und die Zeit brauche ich hier schliesslich noch fĂŒr die restlichen Erledigungen.
– Hört sich nicht nach sooo viel an. Bezieht man aber die Entfernungen und die Busfahrten mit ein, ist der Tag schon wieder vorbei. Wirklich was gesehen von Lima habe ich bisher also noch nicht – dafĂŒr habe ich aber ja noch drei Monate Zeit. Und brauch mir dann immerhin nicht mehr beizubringen, wie man Bus fĂ€hrt. 😉

Im GesprĂ€ch mit Rossanas Schwester stellte ich etwas Beeindruckendes fest: der Himmel ist hier in Lima tatsĂ€chlich immer zugezogen und grau bewölkt. NatĂŒrlich auch nachts. Sie hat mit 20 Jahren das erste Mal einen Sternenhimmel gesehen, als sie zum ersten Mal aus Lima hinauskam.

Wenn ihr Zeit und Lust habt, könnt ihr mir ja ein Foto von euch vor eurem Lieblings-Sternenhimmel schicken, damit ich das auch mal wieder sehe 😉

3.8., Lima