Einzelschicksale?

Einzelschicksale?

Wenn wir von unserer Zeit auf Lesbos erzählen, hören wir oft Sätze wie „Respekt, dass ihr das könnt.“ Das ist lieb gemeint – aber eigentlich gebührt uns mitnichten solcher Ehre. Hier sind ein paar Alternativvorschläge, wem hier in Mytilene tausend Respektsbekundungen zufließen sollte, oder Glückwunsche, oder Mitleid. Oder alles zusammen. Eine garantiert unvollständige Sammlung von Einzelschicksalen:

Die Hoffnung ist der Anker der Welt (afrikanisches Sprichwort)

Die Hoffnung ist der Anker der Welt (afrikanisches Sprichwort)

Ihr lieben, im Rahmen unseres Flüchtlingseinsatzes erhalten wir über unser Netzwerk immer permanent  Nachrichten, wenn wieder Flüchtlinge von den Rettungsorganisationen hier vor Lesbos aus dem Meer gerettet und anschließend nach  Lebos gebracht werden. Jeden Abend (!) sind es meistens weiterhin 60-120 Menschen; pro Monat sind es dann …… Auch diese Menschen werden dann nach Moria (siehe Erklärung in den Voreinträgen) gebracht. In keiner Nachrichtensendung wird darüber noch berichtet, es sind vergessene Einzelschicksale, genauso wie die 5.000 Menschen, die in Moria…

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Trauriger Sonntag

Trauriger Sonntag

Heute ist für mich -und weiß Gott nicht nur für mich- ein trauriger Tag im Rahmen unseres Flüchtlingseinsatzes auf Lebos: Heute habe ich über unser Netzwerk erfahren, dass in Moria – dem völlig überfüllten Flüchtlingslager der Regierung, in dem laut Berichten der Flüchtlinge und belegt durch heimlich gemachte Handyaufnahmen täglich Gewalt und Misshandlungen erfolgen – gestern früh ein fünfjähriges Mädchen unter noch nicht geklärten Umständen gestorben ist.

One Happy Family

One Happy Family

Es ist warm und wuselig, aber auch bunt wie in einem Hippiedorf aus den 70ern. Wenn der Van durch ein steil ansteigendes Industriegebiet gefahren ist, öffnet sich uns ein Tor zu einem versteckten kleinen Grundstück, mit Wandmalereien und Meerblick. Kinder aus Syrien, Lybien, Irak und hundert anderen Ländern spielen auf dem Klettergerüst, Jungs spielen Basketball, Mütter sitzen auf der Steinballustrade und unterhalten sich, während die Männer sich im Café überzuckerten Tee besorgen. „Dieser Ort ist einfach magisch“, sagt der kleine…

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Hoch oben

Hoch oben

In einer kleinen Propellermaschine, mit kaum mehr als 15 Reihen Passagieren, fliegen Micha und ich über das wellenkräuselnde Mittelmeer und braun zerklüftete Inseln. Zwischen Freitag und heute, einem vollwuselndem New York und jener Insel, die anzusteuern wir im Begriff liegen, sah ich viele Wolken – einige davon von oben. Denn auch wenn das im letzten Beitrag so klang: noch geht es keineswegs nach Berlin zurück. Zunächst zog es mich nach Zürich, wo der Schweizer Teil meiner Familie zum all-vierjährlichen Treffen…

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Tausend Kulturen

Tausend Kulturen

Ich war ja nur eine Straße entfernt. Eine Häuserblock der aussah wie jeder andere, rote Backsteinmehrfamilienbauten, zwischendrin eine Holzkonstruktion, am Ende der Straße rattert die Metro mit unglaublicher Lautstärke vorbei, getoppt nur vom unablässigen Autoverkehr. Eine Straße weiter beginnt das Paradies der Graffitikünstler, die Leinwand für Maler und Sprüher aus aller Welt. Ich brauchte einen weiteren Tag und eine Streetart-Walking-Tour, um das herauszufinden. Brooklyn, dessen Größe jene von Manhattan noch deutlich übertrifft, ist zu 90 Prozent eine laute, stinkende, weitläufige…

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Campusleben

Campusleben

„Wenn du mich vor fünf Jahren kennengelernt hättest, würdest du mich nicht wiedererkennen. Ich war ein richtiger rightwing-conservative Republican“, sagt Shadow, während wir in dem eindrucksvollen Hauptgebäude der Universität den Prunk eines einstigen Sommerhauses bestaunen. Ich schaue ihn ungläubig an. Shadow ist heute so ziemlich das Gegenteil des rechtskonservativen Republikaners. Er verbringt sein Leben in Anthropologieklassen und Soziologieclubs, versucht (vergeblich) seine Eltern vom aktuellen Stand der Genderdebatte zu überzeugen, schüttelt traurig den Kopf über die derzeitige Klimapolitik und überlegt, zusammen…

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Die Einsamkeit und Philadelphia

Die Einsamkeit und Philadelphia

Einsamkeit ist ein seltsames Gefühl. Manchmal gesucht, manchmal gemieden, manchmal geradezu heilsam, ein anderes Mal in den Wahnsinn treibend. In Philadelphia hat man das nach einst guten Absichten erst zu spät festgestellt. Also, zumindest für viele betroffene Individuen zu spät. Das Eastern State Penitinterary wirkt von außen wie eine gotische Burg, massiv und bedrohlich, und aus heutiger Perspektive trifft das (wenn auch auf andere Weise) umso mehr auf das Innere zu…

Wohnwagen und Worte

Wohnwagen und Worte

  Die Grillen zirpen, neben uns die Frösche im Teich. Das Lageefeuer knackt, es nieselt leicht. „Hast du noch genug Whiskey mit Kaffee mir fällt ein ich sollte uns mal langsam was zu Abendessen machen die Küche ist ja nicht so groß bleib nur sitzen ich mach das schon“ sagt der Drehbuchautor, der ständig den Faden verliert und in einem unnachahmlichen Tempo durch die Themen unserer Unterhaltung rast. Gerade waren wir noch bei seinem Script, jetzt bei Genderthemen in Komödien,…

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Bald geht es los!

Bald geht es los!

Ihr lieben, in Lesbos sind es zurzeit 20 Grad und trocken, also gute Voraussetzungen für Jesko und meine Reise dorthin für unseren kräftezehrenden Einsatz für Flüchtlinge ab Anfang Oktober. Da bedingt durch die Abschottungspolitik von Deutschland bzw. Europa zurzeit dort weniger Flüchtlinge direkt am Wasser ankommen und noch gefährlichere Routen nach Europa suchen, werden wir wahrscheinlich in einem der großen Flüchtlingslager aushelfen. Dort ist die Lage mehr als hoffnungslos, da viele Flüchtlinge dort seit mehr als einem Jahr auf Entscheidungen…

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