Museumswoche / Global Village

Museumswoche / Global Village

Da mir noch einige Museen hier in Lima zu sehen ├╝brig bleiben, habe ich mir vorgenommen, die mir jetzt alle mal vorzunehmen ­čśë …und vorgestern meine Semana de los Museos eingeleitet. Mal sehen, wie viel ich bis n├Ąchste Woche schaffe. Angefangen habe ich mit dem Museo Municipal von Pueblo Libre, dem Museum f├╝r Arch├Ąologie, Anthropologie und Geschichte. Da es staatlich ist, kommt man als Student f├╝r g├╝nstige 4 Soles rein und kriegt daf├╝r eine ganze Menge geboten – einen extra Bereich f├╝r die Selva (Dschungel) und ihre Kulturen, seeehr viel T├Âpferware von Pr├Ąinkakulturen und einige koloniale Malereien. Macht das Museo Larco Herrera, wo ich vor Kurzem war, fast ├╝berfl├╝ssig (okay, bis auf die erotische T├Âpferware, siehe unten ­čśë ). schlauerweise bin ich allerdings falschrum eingegangen und wunderte mich dann, als kurz vom vermuteten Ausgang mein Ticket verlangt wurde. Der Kontrolleur war auch am├╝siert und fragte, ob ich denn alles gesehen habe. Hab ich. Nur in der falschen Reihenfolge. ­čśÇ
Heute ging es dann in das Museo Nacional (wo ja letztesmal geschlossen war als ich da war und feststellte, dass es Montags zu hat), wo man sogar umsonst reinkommt. Erst war ich recht entt├Ąuscht, nachdem ich den gleichen historischen Teil gesehen hatte (der wie das oben erw├Ąhnte Museum in Pueblo Libre, nur viel kleiner ist) und wollte schon empfehlen, lieber die 4 Sol zu investieren und sich die Zeit zu sparen. Aaaaber: dann entdeckte ich im 4. und 6. Stock des gigantischen Geb├Ąudes (in dem auch das Kulturministerium untergebracht ist) weitere Ausstellungen, die einen Besuch wert sind. Der 4. Stock f├╝r alle Interessenten von indigener Kunst, der 6. Stock ist eigentlich Pflicht f├╝r alle, da er schockierende Bild- und Textdokumentationen des Terrorismus des Sendero Luminoso zeigt. Umso schockierender wenn einem bewusst wird, dass vor gerade 10 Jahren ein b├╝rgerkriegs├Ąhnlicher Zustand herrschte, und der Sendero noch heute existiert (allerdings haupts├Ąchlich im Drogenhandel). Zuf├Ąlligerweise begegnete ich sp├Ąter am Tag auf dem Plaza San Martin einem Jugendlichen (der mich ansprach weil er meine Stadtkarte gesehen hatte und sich einfach mal mit dem Gringo unterhalten wollte), der mir erz├Ąhlte, dass seine Mutter vom Sendero exekutiert wurde, Ende der 90er Jahre. Verarbeitet wird diese Zeit des Terrorismus nicht wirklich, vielmehr totgeschwiegen. Man findet wenige Leute, die von sich aus ├╝ber diese Phase der peruanischen Geschichte reden. Ich werde in n├Ąherer Zukunft mal noch ein bisschen mehr versuchen, zu erfahren und euch zu erz├Ąhlen, da das hier erlebte ja schliesslich in keinem Vergleich zu dem auf Wikipedia geschriebenen steht.
Anschliessend ging ich noch die Kathedrale an der Plaza de Armas im Zentrum besichtigen (wof├╝r die katholische Kirche einem 10 Soles abzieht…). Die ist wirklich beeindruckend und sch├Âner als manch andere katholische Kirche, doch der Prunk und das ganze Gold, von dem wahrscheinlich gen├╝gend von den Inkas gestohlen wurde, gehen einem doch bald ├╝ber, wenn man die Armenviertel Limas im Kopf hat. Die Institution Kirche kann einem schon ganz sch├Ân unsympathisch werden.

Vor und nach meinem heutigen Unterricht war ich dann, wie bereits vor einer Weile erw├Ąhnt, beim Global Village von AISEC. Die sind wirklich ganz toll, ihr m├╝sst da unbedingt beitreten! Nein Scherz, ist trotzdem noch ne Sekte, aber immerhin sympathisch unorganisiert, da sie auch erst eine halbe Stunde sp├Ąter mit aufbauen fertig waren. Wir stellten uns an den Stand mit Sauerkraut und redeten mit ein paar interessierten Studenten und Profs ├╝ber Deutschland, unsere Unis und den Austausch (und nat├╝rlich wie uns das Essen und das Land hier gef├Ąllt, die Standardfrage), und eigentlich ein paar ganz nette Gespr├Ąche gef├╝hrt. Aber keine Angst, beitreten werde ich trotzdem nicht.

30.9.2010

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