Browsed by
Schlagwort: Verkehr

Wie soll man helfen.

Wie soll man helfen.

Ein Aufenthalt in Lateinamerika ist kaum möglich, ohne früher oder später der Armut über den Weg zu laufen. Obdachlose in den Straßen sind allgegenwärtig. Gestohlen oder geraubt wird immer noch häufig in einsamen nächtlichen Straßen (als Jordan in Medellin war, wurden wir an einer Straßenkreuzung von zwei Motorradfahrern bestohlen, die anhielten, Jordan eine um den Hals getragene Kette vom Hals rissen und schnell fortfuhren). Gebettelt wird überall, wo Leute sind – oft nur um wenige hundert Pesos (ein paar Cent), ob für die nächste Empanada oder einen Aguardiente, wer weiß das schon. Einmal bat mich abends in der Candelaria Bogotas ein Mann um ein paar Pesos („ich bettel lieber, als zu klauen“). Ich antwortete, dass ich kein Kleingeld habe, was stimmte, worauf er meinte, dann könne ich ihm vielleicht am unteren Ende der Straße etwas zu Essen kaufen. Nun, da kann ich mir auf jeden Fall sicher sein, dass es auch wirklich um Essen geht, dachte ich mir, ging mit ihm zwei Blöcke weiter und kaufte ihm ein Stück Pizza für 2000 Pesos. So weit, so gut, doch anschließend fragte er, ob ich nicht noch 200 Pesos für eine Empanada hätte. Hatte ich erstens tatsächlich nicht (weil ich mit einem 2000-Schein bezahlt hatte), und fand ich zweitens etwas merkwürdig. Versuchte er nur, noch etwas mehr von einem offensichtlich spendablen Passanten zu bekommen, oder würde das Bargeld nicht lieber in Drogen investiert werden? – man kann es nie wissen. Und Spenden auf der Straße ist auch keine wirklich langfristige Hilfe. Und dann überlegt man sich, ob man nicht einfach weitergehen sollte, so wie Victor, der als 12-Jähriger ausgeraubt wurde, nachdem er einem Bettelnden versprochen hatte, etwas mehr Geld von zuhause zu holen. Und dann sieht man Obdachlose, die in Kleiderfetzen auf den Bürgersteigen neben den luftverpesteten Straßen schlafen, und weiß nicht, wer nicht arbeiten kann, und wer nicht will. Ich schrieb schon nach meinem letzten Aufenthalt im Text „Weißer Nebel“ „Doch was kann ich schon tun, außer spenden und Texte schreiben“… man fühlt sich manchmal so hilflos, als könnte man nichts tun, um dieses zum Teil von uns mitverantwortete Elend zu bekämpfen. Das ist natürlich falsch. Man kann etwas tun. Auch abgesehen von Spenden, nicht unbedingt an einzelne Bettler, sondern an Organisationen wie Un Techo para mi país („Ein Dach für mein Land“, die armen Familien in Lateinamerika helfen, sich eine stabile Unterkunft bauen zu können) oder vergleichbare Organisationen. Mikrokredite sind eine andere Möglichkeit, durch welche viele Menschen aus der Armut entfliehen können, und man selbst nicht einmal sein Geld „verschenken“ muss, sondern es meist wiederbekommt. Ich bin noch auf der Suche nach der perfekten Mikrokredit-Organisation (mit dem geringsten Zinssatz für die Kreditnehmer und einer Vergabe auch an wirklich arme Menschen) – bis dahin habe ich mit kiva.org schonmal eine sehr Gute gefunden, die ich euch auch ans Herz legen möchte. 25$ sind nicht mal 20€, die ihr wahrscheinlich auch wieder zurückbekommt, und in der Zwischenzeit ist einem Menschen und seiner/ihrer Familie am anderen Ende der Welt damit mehr geholfen, als wir uns mit 20€ vorstellen könnten. Zeit, seine Aktien an der Börse zu verkaufen, und das Geld in etwas Sinnvolles zu stecken.

Auf See

Auf See

Tag 1: Warum ich immer noch hier bin
Es sollte eigentlich ganz einfach sein: Gestern um 9:30 wollten wir uns beim DAS treffen, um unsere Pässe ausreisestempeln zu lassen und dann hätte es gestern Mittag losgehen lönnen. Nichts da. Wir warteten erst auf den Käptn, dann ein paar fehlende Passagiere und dann den Hafenmeister, nur um dann mitgeteilt zu bekommen, dass der DAS-Mann erst um 14:30 könne. Also packten wir in der Zwischenzeit schon unser Zeug auf den Katamaran „Drus“, machten Essenseinkäufe und trafen uns pünktlich wieder beim DAS … wo der Mann nochmal ne Stunde auf sich warten less – und dann war der Hafenmeister noch nicht da. Letztenendes kamen wir um 16 Uhr einer nach dem anderen ins DAS-Büro für so nen blöden Stempel. Wie uns Käptn Ariel mitteilte, leider schon zu spät zum Losfahren, da wir nach 5 nicht mehr im Hafen fahren dürfen und noch tanken müssten. Und so schliefen die Argentinierin, die italienische Radfahrerin, der etwas seltsame kolumbianische Artesano, der Melliner Designer mit seiner US-Freundin und der Bootsjunge Jayson schon unsere erste Nacht an Bord, noch im Hafen liegend. War letztenendes nicht so schlimm, Rotwein, selbstgekochtes Essen und auf Deck liegend auf die nächtliche Stadt blicken…
Wie Ariel heute erwähnte, hätten wir angeblich fast noch mal 1-2 Tage länger bleiben müssen, da sich der Hafenmeister nur dank 100$ dazu überreden liess, „Zeit für die Unterschrift“ zu haben. Dann ging es natürlich immer noch nicht „um 8 Uhr früh“ los, da wir nach dem Tanken erstmal noch ausgiebig von der Küstenwache samt Hunden auf Kokain durchsucht wurden. Nach 10 Uhr liessen wir die Stadt dann schliesslich hinter uns. Und dann folgt wenig berichtenswertes: Anfangs noch ganz locker drauf mit nem Cuba Libre in der Hand wurden wir nach und nach (selbst der Bootsjunge und die Frau des Kapitäns) seekrank. Blick aufs Meer von der DrusDas ich selbst zu den wenigen gehörte, die nicht kotzen musste, hiess nicht, dass ich mich gut fühlte. So war nichts mit schreiben, lesen oder esen, jede Bewegung war ein Risiko. Ich lag meist an Deck und versuchte, mich an das Schaukeln zu gewöhnen. Klappte nicht ganz. Der Blick hin und wieder nach oben, zeigte, was ich verpasste: Meer bis zum Horizont, später am Tag die tiefstehende Sonne hinterm aufgeblähten Segel. Ich schlief an Deck, frischer Wind hilft, und der Sternenhimmel ist unglaublich.

30.1.11, in der Karibik

Tag 2
Ich kam auch ums kotzen nicht drumrum. Wenigstens hatte ich schon ein bisschen was im Magen, das hilft. Ich spar euch die Details. Ansonsten: mehr Meer.

31.1.11, in der Karibik

Tag 3
Porvenir, die panamaischen Inseln von San BlasGegen frühen Morgen sahen wir die Inseln am Horizont. Wir konnten es kaum erwarten, von Bord zu gehen. Von ein paar Delphinen umschwommen erreichten wir Porvenir, ein Inselchen mit „Flughafen“, Militärposten, ein paar Häusern, ein Restaurant und einem grossen Palmenstrand. Eine Klischee-Karibikinsel. Ich schwamm an Land und kostete den Sandstrand voll aus – fühlte mich nach nur 2 Tagen Meer wie nach ewiger Seefahrt. Leider gabs ein paar Probleme: erstens war der Käptn nicht als erster mit den Papieren an Land gekommen (was nötig gewesen wäre… und irgendwas war damit auch scheinbar nicht in Ordnung, denn sie wollten uns hier keine Immigrationsstempel geben), zweitens war der Medelliner (korrekter: der Paisa) so schlau, direkt erstmal nacktbaden zu gehen. Fanden die Militärs nicht so toll. Ariel meinte, das wäre der Grund für die Probleme, was ich nicht so recht glaube. Mit dem Argument, er müsste was an einem der Motoren reparieren, erhielten wir immerhin die Erlaubnis, den Tag heute hier zu verbringen und dann morgen nach Portobello zu fahren.

1.2.11, Porvenir, Panama

Tag 4
Endlich wieder festen Boden unter den Füssen. Gestern fiel es schon schwer, Porvenir wieder zu verlassen und die Nacht an Deck verbringen zu müssen – wir waren so lang wie möglich am Strand geblieben, schwommen, lästerten über die Unzuverlässigkeit des Käptns und assen Pasta für alle, die wir auf dem Boot gekocht hatten (und dann schnell an Land brachten – nicht länger als nötig auf dem Schiff). nach einer ruhigeren, da auf Anker liegenden Nacht brachen wir um 7 Uhr heute früh auf. Aus dem angeblichen „halben Tag“ von 6 Stunden wurden schnell neun, weil einer der beiden Motoren ausfiel und was Ariel sonst noch für Ausreden einfielen. Er ist eigentlich in Ordnung, aber ein Lügenbold, wie es das Seemann-Klischee erfordert. Das ganze strotzt vor Informalitäten.
Als wir schliesslich in der Bucht des kleinen Hafens Portobello ankamen, war es natürlich zu spät, um mit dem Bus nach Colon zu fahren, um die Immigration zu klären. (Warum machen wir das nicht im kleinen Immigrationsoffice in Portobello? …frag den Käptn!). Gottseidank durften wir trotzdem an Land gehen und die Nacht in einem Hostel verbringen. Dusche, warmes Essen, nette Leute – wie erleichternd nach dem Trip. Abschliessende Empfehlung: Sucht euch nen guten Kapitän oder lasst es ganz sein. Ein Trip von Panama zu den Inseln ist weitaus weniger anstrengend, und Flüge zwischen Panama und Cartagena sind teils sogar billiger. Aber was solls, auch negative Erfahrungen sind Erfahrungen.

Im Vulkan schwimmen / Cartagena corriente

Im Vulkan schwimmen / Cartagena corriente

Im Vulkan schwimmen
Der Schlammvulkan TotumaHeute hab ich eins meiner grossen Wunschziele abgehakt: auf einen aktiven Vulkan steigen und in den Krater sehen – und damit noch nicht genug: ich hab sogar drin gebadet. Doch keine Angst – es ist ein ganz harmloser, kleiner Vulkan. Der Totuma, knappe 50km (3 Stunden mit 2 verschiedenen Bussen und einem Motorrad!) von Cartagena entfernt (wo ich mich inzwischen seit gestern befinde, jedoch noch nicht so viel von gesehen habe) ist grade mal 20m hoch und per Holztreppe in kürzester Zeit zu besteigen. Und er spuckt auch kein Feuer – der Legende nach besprühte ein Priester ihn einst mit Weihwasser, seit dem findet sich im Inneren des am Rande eines Sees stehenden Kegels statt Lava… Schlamm! Richtig: wahnsinnig dickflüssiger, grauer Schlamm, der jüngsten Erkenntnissen zufolge auch noch gut für die Gesundheit ist. Und deshalb kommen immer mehr (zum Glück während ich da war, nicht allzu viele) Kolumbianer und Ausländer hier her und zahlen 5000 Pesos, um dort hochzusteigen und ein Bad im Schlamm zu nehmen. Ich schwimme im SchlammKonnte ich mir natürlich auch nicht nehmen lassen. Das Zeug ist so dickflüssig, dass jede Bewegung schwer fällt und man automatisch nach oben treibt, wenn man mal eine Bewegung hinter sich hat, bleibt man in dieser Position „stecken“… faszinierend. Dazu kühlt er noch angenehm auf der Haut, und man kann ihn glattstreichen und Formen reinzeichnen. Freut sich der Waldorfschüler. 😀 Das alles mit Aussicht auf den riesigen See und strahlende Sonne, bevor man dann von oben bis unten mit grauem Schlamm bedeckt zum See hinunterläuft und sich in einem erfrischenden Bad die Sütche vom Körper wäscht. Der Rückweg war dann leider noch langwieriger wegen Abendverkehr und nicht mehr verkehrendem Bus (also noch ne längere Strecke auf dem Motorrad), aber trotz dem sehr komplizierten Hin- und Rückweg kann man sich eine solche Erfahrung doch wirklich nicht entgehen lassen. Allein schon um sagen zu können: ich hab in nem Vulkan gebadet! Muss ja keiner wissen, dass es ein Schlammvulkan war 🙂

27.1.11, Cartagena, Kolumbien

Cartagena Corriente
Nachdem ich heute früh endlich mal den „richtigen“ Hafen gefunden hatte (der Club Nautico für Yachten) fand ich dort sogar einen Kapitän, der laut Auskunft der Clubverwaltung „heute oder morgen“ fährt – nachdem ich auf sein Boot geschifft wurde, es mir ausgiebig angesehen hatte und mit dem Käptn Ariel gesprochen, bekam ich folgende Details: morgen, 29.1., Abfahrt für 400$, Essen leider nicht inklusive aber Küche verfügbar für Selbstversorgung, 3 Nächte, 2 Tage davon auf Hochsee, den Rest bei den Inseln San Blas vor Panama, 10 Leute an Bord, eine mehr oder weniger breite Kajüte für zwei Personen. Ich konnte nicht nein sagen, auch wenn ein Flug 260$ kostet (aber mit Taxi, Flughafengebühr und dem eingesparten Hostel wärs wohl auch auf 300$) – allein wegen der Erfahrung und den Inseln. Also hatte ich, wie mir bewusst wurde, nur noch den heutigen Tag Zeit um Cartagena de las Indias kennenzulernen.
Nachdem ich dem Käptn Anzahlung und Pass vorbeigebracht hatte (schon ein ungutes Gefühl so den Pass wegzugeben, aber der braucht halt nen Ausreisestempel) machte ich mich also auf in die mauernumringte, historische Innenstadt, die ich bisher nur abends gesehen hatte.Abenddämmerung in CartagenaLeere Gasse im historischen ZentrumVolle Gasse im historischen Zentrum Saftpresser
Und es ist wie ein anderes Land: kleine Gassen, schicke Häuser mit teuren Restaurants, nur wenige Strassenverkäufer (und die eher Artesania), dafür wieder mehr „Hey my friend, where you from“-Sprüche. Nichtsdestoweniger eine schöne, interessante Stadt. Ich lief einmal im Zickzack von der Kathedrale zur Plaza Bolivar zur Stadtmauer und nachher durch kleine Gässchen zurück, nahm einen Schwenk durchs „Handwerkerviertel“ Getsemanie, wo auch mein Hostel ist (sehr viel natürlicheres Viertel, in dem trotz einiger Touristen auch normale Leute leben) und Castillo San Felipe von Cartagenaerklomm dann die Festung San Felipe, die einst die reiche Handelsstadt vor Piraten beschützte. Zurück im Zentrum sah ich mir das Museum moderner Kunst an (nicht so toll) und das Convento de Sand Pedro Claver, benannt nach einem Priester/Missionar, der sich seinerzeit um das leibliche und geistige Wohl der Sklaven kümmerte und so wenigstens ein wenig deren Situation verbesserte.
Nach diesem für mich eigentlich unüblichen 1-Tages-Besichtigung-Run der Stadt war ich erstmal KO und verbrachte eine Weile auf der Stadtmauer spazierend den Sonnenuntergang betrachtend. So schnell und unerwartet ist er da, mein letzter Abend auf kolumbianischen Boden. Und da ich noch packen und einiges Zeug vor meiner Abreise erledigen muss, und bisher noch nicht weiss, zu welcher Uhrzeit ich morgen in See steche, sitze ich etzt noch einen Moment im von Springbrunnen umgebenden Parque Bolivar, höre die Livemusik von einem Open-Air-Konzert um die Ecke und werde mich dann auch schon verabschieden müssen von diesem herrlichen Land – Doch Es lebe Kolumbien!wer weiss schon, wann ich wiederkommen werde. Denn es gibt immer noch so viel hier zu entdecken.
Aber jetzt bin ich erstmal offen für meine erste Hochseefahrt und dann… Panama!

28.1.11, Cartagena, Kolumbien

Cartagenas Stadtmauer bei Sonnenuntergang

Zu Pferd am Berg

Zu Pferd am Berg

Mein Pferd und ichZu Pferd am Berg
Höchsten Respekt für alle, die aus welchem Grund auch immer, stundenlag auf Pferderücken sitzen! Ich hatte dieses Erlebnis gestern zum ersten Mal für gerade mal zweieinhalb Stunden, und ich war erstmal froh, wieder auf ruhigem Boden zu stehen. Aber ansonsten eigentlich problemlos – die Stute war natürlich gut geschult und hörte auf jedes kleine Ruckeln an den Zügeln, und hat selbst bei den schwierigsten / steilsten Stellen nicht das Gleichgewicht verloren. Ja, ich bin übrigens immer noch in Quito. Tollerweise kann man aber direkt von der Stadt aus mit einer recht neuen Seilbahn zu einem immerhin gut 4000 Meter hohen Aussichtspunkt fahren und vor dort aus sind die Gipfel der beiden Vulkana Guagua Pichincha und Ruca Pichincha nur noch einen Klacks entfernt – theoretisch. Praktisch liegen da noch viele Höhenmeter zwischen. Und so lief ich nur einen Teil der Strecke und mietete für den Rest besagtes Pferd (samt Führer) mit dem ich recht hoch an den Ruca-Hang kam und eine fantastische Aussicht vom Pferderücken auf die Natur samt riesige Stadt im Hintergrund hatte. Alles in allem definitiv ein tolles Erlebnis!
Zurück in der Stadt sah ich mich dann auch mal in Neu-Quito um, wo ich bisher noch nicht gewesen war und war – ehrlich gesagt – enttäuscht. Dass es nicht mit Alt-Quito mithalten kann, war erwartbar, doch es erfüllte nicht mal die Erwartung „Skyscraper-Strassenschluchten“, die die Skyline von aussen (und oben) erweckt (und wie ich es aus Guayaquil kannte). Die paar grösseren Parks sind ganz nett, aber auch nichts besonderes. Ich hätte nicht mal was wirklich negatives zu beschreiben – es ist einfach gesichtslos. Also schnell wieder in die Altstadt.
Da klapperte ich dann heute ein paar Kirchen und das Kloster San Diego ab (was herrlich abgelegen vom Touristentrack vor sich hindöst… abgesehen von den Renovierungsarbeiten). Dann wollte ich eigentlich ein Busticket mit der Busgesellschaft Panamericana für morgen abend nach Cali holen – ist aber nichts. Bis zum 26. alles ausgebucht oder wegen irgendwelcher Probleme abgesetzt. Also muss ich wohl oder übel morgen um 5:00 früh mit dem Bus nach Tulcán an der Grenze fahren und von da aus was anderes suchen. Den Rest des Tages wich ich dem Regen aus und ging auf den

22.12.2010, Quito, Ecuador

Buschaos
Eigentlich wäre es so einfach: in Quito in nen Bus steigen, in Cali 18 Stunden später aussteigen. Nix da. Weihnachten heisst: alle Direktbusse ausgebucht, und wegen des derzeitigen Wetterchaos in Kolumbien die andere Hälfte storniert. Also nen Bus an die Grenze genommen und da sitze ich jetzt. Denn von da sind die Calibusse natürlich auch ausverkauft oder abgesagt. Also werde ich jetzt einen noch grösseren Umweg über Rosas nehmen, von dem ich immer noch nicht genau weiss wo es ist, und hoffen, von da so nach Cali zu kommen, dass ich noch vor morgen abend zu Heiligabend dort bin… Drückt mir die Daumen!

23.12.2010, irgtendwo an der Grenze Ecuador/Kolumbien

So, als kleines Weihnachtsgeschenk noch folgendes: neulich im quiteño Troleybus wurde ich (und die anderen Passagiere) von ein paar Jungs überrascht, die mal nicht irgendwelches Esszeug oder Krimskrams verkauften, sondern aus dem Stehgreif anfingen zu rappen. Ja, in Lateinamerika – kein Reggaeton, sondern richtiger Hiphop – ich war begeistert und kaufte ihnen auch gleich nachher ihre CD ab (die echt gut ist nebenbei). Um euch ein bisschen dran teilhaben zu lassen, hier eine kleine Videoaufnahme aus dem Bus… wer Spanisch kann wird sich über intelligente Texte freuen (besonders im Vergleich zu den Reggaeton-Lyrics), wer HipHop mag wird sich über den Flow freuen… und alle anderen: naja, freut euch einfach so. Frohe Weihnachten aus Lateinamerika, und danke für euer stetes Interesse, eure Mails und die Zeit die ihr euch nehmt, dass ihr durchzulesen!

Cuenca oder: Warum ich so gern in den Anden bin

Cuenca oder: Warum ich so gern in den Anden bin

Cuencas StrassenSchon kurz nach meiner Ankunft war klar: hier fühle ich mich wohl. Der Taxifahrer ist übermässig freundlich, die Strasse aus Kopfsteinpflaster von zahlreichen, guterhaltenen Kolonialhäusern gesäumt und an jeder Ecke steht eine Panaderia (Bäckerei). Das Klima ist genau wie ich es haben will (warm genug für T-Shirt tags bzw. leichter Pulli abends, nicht zu warm oder schwül, kein Regen…), die Stadt ist weder zu klein, noch zu gross, hat Flaire, ist lebendig und ein 5$-Hostel (in dem ich mich wohler fühle als im Kasten von gestern) fand ich auch auf Anhieb.
Glücklicherweise hatte es heute früh in Guayaquil den ganzen Morgen geregnet, so dass ich nach dem Frühstück entschied, nicht nochmal nach Las Peñas zu laufen, sondern gleich einen Bus nach Cuenca zu nehmen. Was für eine perfekte Entscheidung! So kam ich hier schon um 3PM an und hatte massig Zeit, durch die Stadt zu schlendern (s.o. die ist perfekt dafür), Cuencas Kathedralen-Skylinedie angeblich ca. 50 (gefühlte 1000) Kirchen zu bewundern (darunter die gigantische Kathedrale, die als grösste Lateinamerikas geplant war – worüber der Architekt allerdings übersah, dass die Kuppeln zu schwer wären… sieht jetzt bisschen aus wie’s Strassbourger Münster) und mich – kurz gefasst – einfach gut zu fühlen. Hutmacher-LadenEin Blick vorbei bei einem betagten Hutmacher (die berühmten weissen „Panamahüte“ kommen nämlich eigentlich aus Ecuador… war kurz davor, mir für 20$ einen zu kaufen), und im Museum für moderne Kunst, ein Spaziergang am Fluss und ein Kurzbesuch der Universität Cuenca… und unglaublich leckeres Kokos-Süsszeug am Strassenstand – was ein voll gefüllter, herrlicher Tag. Da ich heute im Hostal wieder günstiger untergekoimmen bin, gönnte ich mir zum Abendessen mal das typische „Secco de Pollo“ in einem fast schon luxoriösen Restaurant (erkennt man an den kostenlosen Apettitanreger-brötchen) – für 6$ geradezu schockiiiierend teuer 😉 – hat sich aber definitiv gelohnt. Erstaunlich, was 4$ für einen Unterschied machen können.

15.12.2010, Cuenca, Ecuador

Ambato, Latacunga, und was in den Anden weniger Spass macht
Eigentlich bin ich Donnerstag extra früh aufgestanden und aus Cuenca aufgebrochen, um gegen Mittag in Alausi zu sein. Was ich auch schaffte – doch der Hauptgrund fiel leider ins Wasser (hätte mir die Touristeninfo in Cuenca ja auch mal sagen können): es gibt eine tolle Bahnstrecke von dem Andendorf nach Riobamba, von der überall geschwärmt wird… wär auch toll gewesen, von der 20km/h-Bahn die Andenlandschaft zu geniessen. Dort angekommen erfuhr ich jedoch, dass bis Februar die Bahn wegen Streckenarbeiten geschlossen ist. Klasse, da hätte ich auch gleich mit dem Bus weiter bis Riobamba fahren können. So nahm ich nach 40 Minuten Essen und die Hauptstrasse langstreunern den nächsten Bus dorthin, um wiederum umzusteigen in einen Bus nach Ambato, wo ich gegen Abend ankam. Ein Gepäckjunge dorte wollte mir gar nicht glauben, dass ich tatsächlich dort bleibe und nicht zum allgemeinen Touri-Ziel Baños weiterfahre. Denn viel zu sehen gibt es in Ambato eigentlich nicht… nicht mal eine wirkliche Altstadt, weil der grösste Teil beim 1940er Erdbeben zerstört wurde. Der Grund, warum ich überhaupt dort hin bin, war die Möglichkeit, mal wieder ein bisschen sozialen Kontakt zu bekommen. So konnte ich nicht nur die Couch (genaugenommen ein eigenes Bett) bei der Familie von Fernanda surfen, sondern auch eine echt angenehme Zeit mit der Familie verbringen. Der Vater war sogar zur WM in Deutschland (daran sieht man den gehobenen Lebensstandart), und so fehlte es mir dort an nichts – netten Gesprächen, einer angenehmen Unterkunft und die Fürsorglichkeit, als ich am Freitag plötzlich krank wurde. Am Donnerstag abend war ich mit einer kleinen Stadtbesichtigung mit Fernanda und ihrem Freund noch im „Roho“ lokales Bier trinken und anschliessend einen Strassenstandburger essen – was ich in den letzten vier Monaten ja nicht allzu selten gemacht habe. Diesmal schien da mein Körper aber irgendwas gegen zu haben und so blieb ich am Freitag grössenteils im Bett, statt (wie nach hartnäckigen Empfehlungen geplant) nach Baños zu fahren. Am frühen Abend fuhren wir zu einem Park am äussersten Ende der Stadt, von wo aus man einen fantastischen Blick auf selbige hat – trotz der guttuenden frischen Luft war ich schon schnell so KO, dass ich nachher eigentlich den ganzen Abend durchpennte.
Da ich heute früh zwar immer noch nicht 100% aufm Damm war, nach viel Schlaf aber auch nicht mehr ganz so down, verliess ich Ambato in Richtung Latacunga. Das Wetter war gut, ich kam recht schnell an und fand ein Backpackerhostal – so weit, so gut. Mein Plan für heute war, zum (kilometermässig) nahgelegenen Lago Quitoa zu fahren, der als der schönste See Ecuadors bezeichnet wird und sich in einem Vulkankrater befindet. Nach fast 2h Busfahrt (kurvige Bergstrasse) kam ich allerdings leider im Regen an – was ja noch ertragbar wäre, wenn er nicht mit so starken Nebel einherginge, dass man tatsächlich kaum was vom See sehen konnte. Nur das mir am nächsten gelegene Ufer unter mir liess ein bisschen auf die Schönheit dieses Ortes schliessen. Naja, Pech halt. Mehr Pech noch, dass der nächste Bus zurück nach Latacunga erst eine Stunde später losfuhr, und ich den dann auch noch verpasste, weil er (was für ein Wunder) früher da war als erwartet – und auch früher wieder weg. Ein leicht verschwendeter Tag…
Mein Plan für morgen ist damit dann auch mal spontan geändert, da es wettermässig wahrscheinlich morgen ähnlich aussehen wird. Und so wird es sich kaum lohnen, den (aktiven) Vulkan Cotopaxi hochzukraxeln… was noch so schön sein soll – im Nebel kriegt man davon nichts mit und friert sich nur die Beine ab. Hatte mich dann fast noch gefreut als ich rausfand, dass es hier auch einen Bahnhof mit noch aktiver Strecke nach Quito gibt – aaaaber: man kann nur Tickets für Hin- und Rückweg zusammen kaufen, und das auch nur in Quito. Wenn man sich also wie ich schon hier in Latacunga befindet, fällt das leider aus – warum? Weil das eben nur eine Touristenattraktion für Leute ist, die von Quito nen Trip hierher und zurück machen, und kein normales Verkehrsmittel. Leicht ärgerlich. Der Tag war für mich also gelaufen und ich hoffe einfach mal, dass sich mein Glück in Quito wieder ein wenig ändert 😉

18.12.10, Latacunga, Ecuador

Verloren im Dschungel

Verloren im Dschungel

Wie man aus Baumwurzeln trinkt,
…Termiten als Mückenschutz benutzt oder im Dschungel verlorgengegangene Freunde mithilfe eines riesigen Baumes zu sich ruft, sind nur drei Punkte des heute (siehe Datum) gelerntes ;). Früh um 8 fuhr ich mit meiner Gruppe (drei recht wortkarge Belgier, von denen 2 kein Spanisch sprechen) mit dem Auto zum Hafen von Nauta, von wo aus wir in einem Motor-Kanu weit in die Selva vorstiessen. Nachdeem wir das 3-Flusseck und damit den Anfang des Amazonas passiert hatten, kamen wir schliesslich an unserer Unterkunft an. Ein paar nicht grade luxoriöse, aber gemütliche Häuser, wie üblich auf Stelzen und mit Palendächern, ich eine Habitacion für mich alleine, Mückennetz am Bett und vor den Fenstern – was will man mehr im Dschungel?… einen Ventilator vielleicht, denn ich schwitze selbst 5 Minuten nach der erfrischenden Dusche schon wieder. Nach einem für mich eher kargen Mittagessen (da Fisch) packte unser Guia Augusto die Machete, wir Gummistiefel, und so stapften wir los in das grüne, von Vogelgeräuschen und Moskitosurren erfüllte Labyrinth. Neben ein paar Affen bekamen wir zB zu sehen, wie Ich trinke Wasser aus einer Baumwurzelman einfach ein Stück Wurzel eines bestimmten Baumes abhacken kann, um daraus kühles, klares Wasser zu trinken, zu hören, wie laut das Echo klingt (2km weit), wenn man mit der Machete gegen einen bestimmten, riesigen Baum schlägt, und zu fühlen, wie zahllose Termiten über die Hand krabbeln wenn man selbige auf ein Termitennest legt. Die tun nichts, sind im gegenteils sogar hilfreich, wenn man sie auf den Armen verreibt – als Mückenschutz. Trotzdem (und dem zusätzlichen Chemiezeug) war ich schnell durchstochen.
Wie das im Regenwald so ist, fing es etwas später an zu regnen, undzwar nicht nur ein bisschen… Schlauerweise hab ich nur 1 Hose mit, liege jetzt also in meinem Zimmer und warte, dass sie einigermassen trocknet, während der strömende Regen draussen sinnlose Tätigkeiten verhindert. Später am Abend gingen wir mit Taschenlampen ausgestattet nochmal raus, um die nachtaktive Tarantula (Vogelspinne) zu finden. Fanden allerdings nur eine Kleine, und eine, die schnell im Bauminneren verschwand. (Anmerkung: am nächsten Tag brachte Augusto kurz vorm Abendessen eine auf der Hand mit ins Esszimmer 😉 ). Als es wieder zu regnen anfing, zog ich schlauerweise schnell meijn Shirt aus und schützte es so vor der totalen Durchnässung. Warm genug für Oberkörperfrei war es ohnehin, und wenn es regnet, verschwindet auch der Hauptgrund für die viele Kleidung… die Moskitos 😉

29.11.2010, Irgendwo im Dschungel von Loreto

Pirañas und rosa Delfine
Typisches DschungelbildDer heutige Tag fand bisher grossteils auf den wichtigsten Verkehrsadern der Selva statt: den Flüssen. Um 5 Uhr früh aufgestanden schipperten wir los auf Kaimansuche… hatten leider keinj Glück. Dafür konnten wir aber bei sehr angenehmer Temperatur das Ufer betrachten. Nach dem Frühstück gingen wir mit Angeln ausgerüstet zum Piraña-fischen. Ich selbst zwar nicht, denn ich finde es sinnlos, Fische zu fangen, verletzen und zu töten wenn ich sie dann nicht aufesse. Die Belgier fingen aber ein paar der Viecher, die einem zwar wenn man sie doof anfasst ein Stücken vom Daumen abknabbern können, aber natürlich nicht so gefährlich sind wie im Hollywoodfilm. Bei schon mittäglicher Hitze hielten wir uns dann noch eine Weile im 3-Flusseck auf, wo wir die Flossdelphine beobachteten: und ja, ein paar von denen sind tatsächlich rosa. Nicht so Teeniemädchen-Scoutranzen-Pink natürlich, sondern mehr so europäische Hautfarbe, und auch das nicht gänzlich, sondern eher gescheckt. Aber trotzdem… funky 😉

Verloren im Dschungel
Ich vor der grünen WandEs wird langsam dunkel um uns rum. Die zahllosen Vögel zwitschern um uns irgendwo auf den Bäumen und Augusto, unser Guide, meint das Motorengeräusch käme aus dieser Richtung. Die eine Taschenlampe, die wir mithaben, neigt sich dem Ende zu und Ziki, der Bootjunge, antwortet auf unsere Rufe auch nicht. Die Belgier und ich schlagen vor, lieber einen sicheren Platz für die Nacht zu suchen statt sinnlos die Batterien zu verbrauchen und durchs dunkle Dikicht fern jeder Wege zu irren.
Wir waren nach dem Mittagessen nochmal Angeln gefahren und wollten eigentlich nur mit einem 40-Minuten Spaziergang die Zeit überbrücken, um dann vom Boot aus in der frühen Dämmerung Kaimane zu suchen. Inzwischen ist es weit nach 6 Uhr, hier in der Selva also schon längst dunkel, und ich überlege, ob es sich lohnt, in Panik auszubrechen. (Lohnt sich natürlich nicht.) Handy hat keiner mit, hätte eh nix gebracht da A kein Netz, B wen sollten wir schon anrufen. Wir haben nicht mal was zu trinken mit (wissen ja immerhin jetzt wie man aus Wurzeln trinkt) und ein kleeein wenig sehne ich mich nach Lima und meinem kleinen, sicheren Halle ;). Ich komm auf die schlaue Idee, mein Kameradisplay als Taschenlampenersatz zu benutzen.
Nassgeschwitzt, KO und nach mehrerem Stolpern sehen wir schliesslich zwischen den Glühwürmchen die Taschenlampe von Ziki. Was für eine Erleichterung… zusammen laufen wir nochmal so ewig bis zum Boot und von da aus brauchen wir nochmal so lange zurück zur Unterkunft, dass ich mich schon frage, ob wir schon wieder orientierungslos sind. Um 20:30 kommen wir endlich wieder an. Augusto behauptet später, das sei doch abenteuerlich gewesen und ich bin mir nicht ganz sicher, ob er nur nicht zugeben will, sicher verlaufen zu haben, oder ob es tatsächlich „Show“ war… falls ja ist er ein seehr guter Schauspieler… Wie auch immer, abenteuerlich war es tatsächlich.

30.11.10, Irgendwo im Dschungel von Loreto

Peruanische Zuverlässigkeit – im Dschungel
Nachdem wir gestern unseren tollen Trip hinter uns hatten, wear ich heute ganz zufrieden mit dem Plan, nach dem Frühstück ein bisschen auf Affensuche durch den Wald in der Nähe der Herberge zu gehen, etwa anderthalb Stunden bis zum anderen Fluss, wo uns Ziki dann bereits mit dem Boot erwarten sollte. Nach dem von mücken begleiteten Weg, wo wir zwar nur seltenst Affen sahen, dafür aber über Baumstammbrücken kletterten und jede Menge anderes Getier sahen, kamen wir am ausgemachten Ziel an, doch Ziki war nicht da. Wir warteten gut eine halbe Stunde, beschäftigten uns anderweitig und gingen dann den Fluss entlang in seine Richtung. Immer wenn ein Boot zu hören war, rannte Augusto hinunter zum Fluss, um dann festzustellen, dass es ein anderes war. Über eine Stunde später kam er schliesslich, ich hatte ehrlich gesagt kein Bock mir seine Erklärung anzuhören, und war nur froh nicht wieder alles zurücklaufen zu müssen =)
Nach Dusche, Mittagessen und einem Gespräch mit einer grade angekommenen Neuseeländerin (mit der ich in einer halben Stunde wohl mehr geredet hab als in 3 Tagen mit den Belgiern) ging es per Boot (und Auto) zurück nach Iquitos. War ja wirklich ganz interessant der Trip, aber die Hitze und die Mücken nerven schon ein bisschen. Bin dann wohl doch eher der Anden-Typ. Hier in Iquitos bleiben mir jetzt noch zwei volle Tage für die Umgebung und die Stadt selbst, und dann geht es nochmals, wenn auch nur noch für recht kurze Zeit, zurück in mein liebgewonnenes Lima!

1.12.10, Irgendwo im Dschungel von Loreto / Iquitos

PS: Fotos gibts dann im nächsten Beitrag hochgeladen!

Viajando a Bolivia / Isla del Sol

Viajando a Bolivia / Isla del Sol

Viajando a Bolivia
Hinter dem Fenster erstreckt sich ein Meer aus Wolken, aus denen Bergspitzen wie Inseln hervorragen, umgeben von weissschäumendem Nebel und unter einem stratosphärenblauen Himmel bei Sonnenschein, der so nie durch die Wolkendecke Limas dringt.
Nachts um 4 von zuhause aufgebrochen kam ich ohne Probleme und sogar mit meiner Softdrink-Flasche an Bord des Peruvian-Airlines-Flugzeugs nach Cusco, das die Passagiere schon wenige Minuten nach dem Start mit dieser unglaublichen Aussicht beschenkte. In Cusco hatte ich dann viel zu viel Zeit zum „umsteigen“ (3h), schmökerte also die halbe zuvor gekaufte Zeitung durch vor/zwischen/nach dem Gepäckabholen/Ticket abholen/Gepäck abgeben/Sicherheitscheck/Visa-abstempelung bei der Migracion/Boarding. Letzteres brauchte wahnsinnig lang, der Schalter am Gate stand bis 10:30 einfach mal unbesetzt – planmässige Abflugszeit: 10:45… – um kurz vor 12 (!) ging es dann erst los, was mich ein bisschen ärgerte weil mir so eine Stunde in Copacabana verloren ging. In La Paz angekommen und durch die Einreisebürokratie durch konnte ich ein Taxi immerhin auf 40 Bolivianos (40Bs=4€) für den Weg zu den Bussen am Cementerio runterhalndeln und kam da wenigstens zeitlich passend zur Microabfahrt nach Copacabana an. Mit dem ruckelte ich nochmal 3-4 Stunden durch das bolivianische Andenhochland, unterhielt mich mit einer Ecuadorianerin die seit 3 Monaten durch Bolivien reist, Wände anmalt und „die Energie in Copacabana“ ganz toll findet, einem Copacabeño der sogar schon nach Cusco gereist ist, und hatte ca. 20 Minuten lang fiese Höhenkrankheit mit schwarz vor den Augen und ähnlichen scherzen (aber im Bus sass ich ja eh, konnte also nicht umkippen 🙂 ) – danach gings aber bis auf die Kopfschmerzen die den Rest des Abends anhielten.
Gegen 5PM kam ich dann am Ziel an: Copacabana am Lago Titicaca! Und nein, das ist nicht der bekannte Traumstrand Brasiliens (dafür müsst ihr schon Flo´s Blog lesen, siehe links), sondern eine kleine Stadt am Lago Titicaca, mittlerweile durch die ganzen Backpacker nicht mehr ganz so verschlafen, berühmt geworden durch irgendeine angeblich Wunder vollbringende Marienstatur (- Pilger benannten deshalb den brasilianischen Strand nach diesem Ort).Maurisch inspirierte Kirche Copacabana Im Stadtzentrum steht eine von aussen wunderhübsche, im maurischen Stil gebaute Kirche (von innen recht langweilig) und die ganze Stadt ist voll von Händlern, billigen Unterkünften (15 Bs) und Backpackerbars – eine abstruse Mischung. Kurioserweise begrüsste den ankommenden Bus laute US-Musik von der Plaza, wo es gerade ein „english-language-festival“ gab…
Nach einem schnellen Abendessen auf dem Markt ging ich in einem hauptsächlich von Einheimischen besuchten Cafe (also eher ne Markthalle mit Kaffeeständen) einen Mate de Coca gegen die Kopfschmerzen trinken und hatte nebenbei Glück – drei Copacabeñer am Tisch unterhielten sich mit mir sehr angeregt über die hiesige Medienlandschaft (es soll ein Gesetz geben, dass zwar „Anti-Rassismus-Gesetz“ heisst, tatsächlich aber den Zeitungen ihre Meinung vorschreiben soll und die Verbreitung von geheimen Informationen von irgendwelchen Informanten verhindern soll – fragt mich nicht wie Evo das unter solch einen Namen kriegt), die (fehlende) educacion und die Angst, Evo Morales´ Regierung könne sich in eine Linksdiktatur verwandeln. (haben schon verstärkte Beziehungen zu Cuba, Venezuela, Russland und Iran… und es wird von verschwundenen Leuten gemunkelt) – eine der Begegnungen auf jeden Fall, die man meist nur als Alleinreisender hat 😉

28.10.10, Copacabana, Bolivien

Isla del Sol (Insel der Sonne)
Strand auf der Isla del SolOhne die Kokablätter in meiner Wange, die ein leichtes Taubheitsgefühl auf der Zunge zurücklassen, die Wasserflasche in meiner Tasche sowie Sonnencreme, -brille und Mütze wäre ich jetzt wahrscheinlich längst umgekippt… 😀 Nee, keine Sorge, ich bin nur schwer K.O. von 4 Stunden wandern in 4000 Metern Höhe. Heute früh um 8 nahm ich das Boot von Copacabana zur Isla del Sol (die Isla de la luna ist leider nur mit teurer Privattour erreichbar), auf de, ich mich mit einem australischen Pärchen (Ric & Liz) unterhilet, mit denen ich dann auch den Rest des Tages verbrachte. Wir landeten am Nordhafen der Insel und wanderten von da aus bis zu den Ruinen an der Nordspitze – fast 3000 Jahre alt und fast so beeindruckend wie Machu Picchu – und von dort aus quer über die Insel bis in das südliche Dorf mit den meisten Pizzarien pro Einwohner Boliviens. (Kein Scherz!) Unterwegs mussten wir 3x „Wegzoll“ bezahlen, durch den den Touris hier insgesamt 30 Bs abgezogen werden, wurden dafür aber mit fantastischen Aussichten belohnt, während wir durch Eucalyptuswälder, trockene Graslandschaften mit Schafen und Lamas und aufeinandergestapelte Steine liefen. Nach einem lang auf sich wartenden Mittagessen um 3PM fand ich eine Unterkunft für 20 Bs. Der frische Wind hielt uns dann doch vom Schwimmengehen ab, und so traf mich nachher nur noch mit Liz, Ric und Mahesh (einem indischstämmigen US-Student, der in ihrem Hostel wohnt und auch morgen nach La Paz reist) zum Rotwein-trinken, Abendessen und unglaublich beeindruckenden Sonnenuntergang überm See angucken. Das hört sich jetzt so kurz gefasst nach wenig an, aber ich bin zu KO zum schreiben – und es war einfach eine sehr schöne Wanderung über die Insel, die definitiv mehr Wert war als mein kurzer bisheriger Aufenthalt in Copacabana. Jetzt pennen gehen, morgen dann zurück aufs Festland und Richtung La Paz – die dortigen Erlebnisse gibts sehr bald im nächsten Blogbeitrag!

29.10.10, Isla del Sol, Bolivien

Sonnenuntergang Isla del Sol