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Die Anziehungskraft eines Kontinents

Die Anziehungskraft eines Kontinents

Kaum hätte ich vor inzwischen über einem Jahr gedacht, als ich im peruanischen Lima eintraf, die wahrscheinlich acht aufregendsten Monate meines Lebens vor mir, dass ich schon im September 2011 erneut der Anziehungskraft dieses Kontinents erliege. Auf meiner Reise von Peru gen Norden verbrachte ich unter anderem einen Monat in Kolumbien, von Cali bis Cartagena reisend, und alles brannte sich in mein Gedächtnis ein. Dieses faszinierende Land, in dem ein Ausländer noch ein unerwarteter Reisender ist, dem man seine Heimatstadt zeigen muss, in dem Landschaft, Städte und Menschen ihr Bestes tun, um gegen die einzige Verbindung anzukämpfen, die den meisten Ausländern zu ihrem Land noch immer einfällt – wie oft hörte ich in den letzten Wochen als erste Reaktion auf die Benennung meines Reiseziels das Wort Kokain, den Drogenkrieg, die FARC – ich kann nur ahnen, wie die Kolumbianer selbst mit diesem Fremdbild zu kämpfen haben. Nun, ich fahre für keinen dieser Gründe nach Kolumbien, in dem ich mich übrigens auch kein Stück unsicherer gefühlt habe als in jedem anderen lateinamerikanischen Land. Jeder Kolumbien-reisende wird die Anziehungskraft dieses Landes bestätigen können, ganz zu schweigen, dass ich mich auch auf die ganz „normalen“ lateinamerikanischen Eigenheiten freue: unkontrolliertes Salsa-tanzen, frischen Guanabanasaft und frittiertes Straßenessen, Reggaeton-Musik in jedem überfüllten Minibus und diese unberechenbare Spontaneität. Dafür nimmt man auch die zu erwartenden Schwierigkeiten in Kauf, die natürlich ebenso zum dortigen Leben gehören wie alles andere. Mein tatsächlicher Hauptgrund (neben der Begeisterung für Kolumbien) ist allerdings ein wissenschaftlicher: Ich werde sieben Wochen lang die Erhebungen für meine soziologische Bachelor-Abschlussarbeit durchführen, Interviews führen, Zeitungen durchsuchen und mich mit der fremden Kreolsprache Palenquero beschäftigen, um anschließend in meiner Arbeit über das Selbst- und Fremdbild der Afrokolumbianer schreiben zu können. Ich bin sehr gespannt was mich da erwarten wird. Entsprechend wird es vielleicht auch nicht wieder alle paar Tage einen Blogeintrag geben, da ich mich gerade in den ersten vier Wochen hauptsächlich in Medellín meinen Forschungen widmen werde. Dann werde ich jedoch natürlich auch die Gelegenheit nutzen und nochmal ein wenig reisen, wenn auch nicht allzu viel. Wohin? Pah, lasst euch überraschen. Ihr werdet es hier lesen.
Am Dienstag früh geht es nun also los. Und dabei hatte ich die ganze Zeit Mittwoch im Kopf. Aber nein, der 6., das ist ja schon am Dienstag. Vom Haus meiner Eltern werde ich nun also noch früher als gedacht nach Frankfurt aufbrechen, und dann gute 20 Stunden um den Globus gen Kolumbien fliegen, wie ein hochgeworfener Ball immer wieder zur Erde zurückfällt, zieht es mich wieder nach Lateinamerika.
Colombia.

Deutschland-Tour: Bamberg und Weimar

Deutschland-Tour: Bamberg und Weimar

BambergIch muss einen weiteren Ort auf meine Liste der definitiv lebenswerten Städte und potentiellen Masterkandidaten stellen. Okay, 70.000 Einwohner ist wirklich nicht gerade eine Maßzahl für eine aufregende Stadt, doch Bamberg ist trotz seiner geringen Größe ein erstaunlicher Ort, nicht zuletzt dank regen Uni-Lebens und der einstigen Größe, die eine Innenstadt mit Weltkulturerbe-Status hinterlassen hat. Wir kamen bei meinem ehemaligen Klassenkameraden Christian unter, dem es dort so gefällt, dass er auch für den kommenden Master gleich hier bleiben will. Leider konnte er nicht allzu viel Zeit mit uns verbringen, da er seine letzten Klausuren zu leisten hatte. Dienstag Abend, nachdem Torben und ich ein ausführlichstes Interview mit zwei Mitgliedern der oberfränkischen Rap- Volxgesang-Musikgruppe Kellerkommando (ja, wirklich. Es ist grandios, sie sind übrigens auch im Soundtrack vom bald anlaufenden „Resturlaub“) geführt hatten, gönnte er sich aber ein wenig Freizeit und wir chillten zusammen mit ein paar befreundeten Musikern in „Lagerfeuerromantik mit mobilem Verstärker“ am Sonnentempel im bambergschen Hain – ein riesiges Wald- und Wiesengebiet noch auf der zentralen Insel der Stadt. Klang das schon nach einem fantastischen Abend, kamen wir am Mittwoch aus dem Staunen kaum mehr heraus: eine bildschöne Innenstadt voller Fachwerkhäuser, einem Kloster und einem Palast auf mehreren Hügeln verteilt, „Klein-Venedig“ im früheren Fischerviertel direkt an der Regnitz und die höchste Brauerei-Dichte der Welt… das berühmte lokale Rauchbier trinkt man entsprechend auch nicht nur aus dem Glas, sondern verwendet es auch in der Soße zur „Bamberger Zwiebel“. Dazu die Mischung aus fränkischem Dialekt und hohem Studentenanteil (da spiegelt sich auch das Konzept der Band Kellerkommando wieder) – Bamberg übertrifft wirklich alle Erwartungen. Am späten Nachmittag schleppten wir dann Christians Faltboot (ein zusammenbaubares Kanu aus DDR-Zeiten, dass in zwei große Säcke verstaut werden kann) an den Kanal, bauten es dank Christians professioneller Hilfe sogar erfolgreich zusammen und umfuhren in drei Stunden die gesamte Inselstadt, an drei Schleusen das Kanu über Land vorbeitragend, vorbei am stillen Hain, dem riesigen Hafen und der bevölkerten Innenstadt samt Klein-Venedig. Wäre ein perfekter Ausflug gewesen, mit einem kleinen stimmungstrübenden Aspekt: als wir (zum Glück) bereits angelegt hatten und Torben loszog, um das Auto zu holen, während ich das Kanu zusammenbaute fing es an, wie aus Eimern zu regnen, was das Zusammenpacken nun wirklich nicht gerade angenehm machte. Aber solange eine unschöne Überraschung aus den Wolken während des Zusammenbauens das Einzige ist, was unseren Aufenthalt in Bamberg trübte, vermeiden wir doch jegliche Beschwerden – hat doch das kleine Bamberg dazu beigetragen, unsere Deutschlandtour auch in den letzten Tagen noch zu einer grandiosen Reise zu verwandeln.

WeimarUnser letzter Aufenthalt führte uns dann nach Thüringen, wo wir von Donnerstag auf Freitag in Weimar weilten. Mein guter Freund Andi aus Halle empfing uns in seiner Heimatstadt und führte uns durch dieses Denkerstädtchen, in dem an jeder Ecke irgendein Bezug zu Goethe und Schiller und diversen anderen Promis aus deren Tagen. Das überteuerte Goethehaus sparten wir uns (selbst das am Freitag noch besichtigte Gartenhaus Goethes im Park lies nur spärliche Begeisterung aufkommen), und für den hochgelobten Rokokosaal der Bibliothek bekamen wir keines der täglich begrenzten Eintrittstickets mehr, und so erlebten wir Weimar vor allem von draußen – was jedoch ein herrlicher Abschluss unserer Tour war, und wir noch einmal gehörig zur Ruhe kommen konnten – die ohnehin recht ruhige Kleinstadt besteht nahezu zur Hälfte aus einem riesigen Park voller versteckter Kleinigkeiten (Ruinen, kleine Hütten, Brücken…), in welchem wir gemütlich umherwanderten, schlenderten durch die geschichtsträchtigen Straßen und genossen die Unaufgeregtheit. Den Abend verbrachten wir ähnlich angenehm im „Falken“, einer demographisch herrlich durchmischten, urigen Kneipe mit Jazzband und leider nicht ganz so gutem Cuba Libre. Die perfekte Krönung für einen solch entspannenden Aufenthalt: freitägliches französisches Frühstück mit Zeitunglesen und abschließender Spaziergang durch den Park. Das klingt vielleicht nicht wahnsinnig spannend, sorgte aber dafür, dass wir nun schön entspannt mit der Sonne im Nacken wieder in unser Halle zurückkehren können.
Dreitausend Kilometer Entfernung haben wir in fast drei Wochen zurückgelegt, von den Metropolen dieses Landes bis zu den kleinsten Örtchen mitten im Nirgendwo, von den Partymeilen bis zu den ruhigsten Seen, schliefen bei Verwandten, alten Freunden, Couchsurfern sowie in einem Hotel und im Zelt, konnten so gut wie überall mit den hilfreichen Tipps, Stadtführungen und Wegbegleitungen durch all diese Menschen rechnen, durch die wir jede Station unserer Tour auf neue Weise entdecken durften. Wir sahen alte Fabriken und Trend-Viertel, Burgen und Kirchen, ein Konzentrationslager, das Meer und viele Flüsse, mittelalterliche Städte und abstruse Campus-Unis und Touristenattraktionen; wir gingen zu Konzerten und interviewten gleich drei Interpreten für unsere Radiosendung, grillten, kochten Dosenessen auf dem Campingkocher und aßen fantastische lokale Spezialitäten, und Torbens Auto ist jetzt ungefähr doppelt so voll und dreimal so dreckig wie zuvor. Klingt nach einer guten Bilanz.

Deutschland-Reise: München

Deutschland-Reise: München

„Kleines Dorf voll Schickeria“ und „Möchtegern-Metropole“, die Hauptstadt des Südens, um es mit der hier lebenden Künstlerin Fiva MC auszudrücken: München ist ein Mikrokosmos innerhalb Bayerns. Ähnlich wie in Berlin ist es hier gar nicht so einfach, gebürtige Münchner zu treffen, und man hört viele verschiedene Sprachen und eine große Vielfalt, doch zugleich immer wieder bayrischen Zungenschlag und Weißbier an jeder Ecke. Wir kamen bei meiner Tante Netti unter, die uns Sonntag Abend in Solln empfing, nachdem wir den frühen Abend noch durch die englischen Gärten spaziert waren. Ihre Gastfreundschaft ging erfreulicherweise weit über Schlafplatz und leckeres Essen hinaus – als wir am Montag morgen aufgrund Baustellen auf der S-Bahnstrecke später als geplant in der Innenstadt ankamen, begleitete sie die Stadttour, die wir besuchen wollten, bis wir eintrafen, um uns dorthin lotsen zu können. Die einzige während unserer ganzen Reise gemachte Stadtführung war es wirklich wert: schon aus Prag und Dublin kannte ich die NewEurope-Free Tours, ein tolles Konzept, bei dem Freelancer kostenlose Stadtführungen zu Fuß anbieten und nur vom anschließend gegebenen Trinkgeld leben. Entsprechend gut fiel auch hier die Führung durch Sonja aus, eine in Florida aufgewachsene Studentin mit deutschen Vorfahren, die uns in drei Stunden abwechselnd zahllose interessante Orte zeigte und amüsante historische Anekdoten erwähnte und an mehreren Stellen die dunkle Vergangenheit der nationalsozialistischen „Hauptstadt der Bewegung“ behandelte – auf sehr lobenswerte Weise, bei der auch der Münchner Widerstand berücksichtigt wurde, und die meist ausländischen Touristen auf die inzwischen stattfindende Vergangenheitsbewältigung der Deutschen hingewiesen wurde.Denkmal in München In der sogenannten Drückebergergasse konnten wir uns einer Gänsehaut nicht erwehren: Münchner, die an einer von den Nazis als Denkmal für (angeblich) 20 getötete „Revolutionäre“ nicht den Hitler-Gruß geben wollten, umgingen diese Stelle durch die kleine Gasse – selbst, als dort aufgestellte Wachen alle Passierenden kontrollierten und notierten, und jeder, der dort zum zweiten Mal hindurchging, mit harten Folgen rechnen musste. Ein goldener Streifen auf dem Kopfsteinpflaster erinnert an die Wiederständler – er endet abrupt in der Mitte der Gasse, wo die Wachen für das Verschwinden vieler dieser Menschen sorgten.

Blick aufs Neue Rathaus MünchenNach dieser so wärmstens zu empfehlenden Tour betrachteten wir noch die Stadt von oben (auf dem Turm der Marienkirche wurden wir mit fantastischer Aussicht belohnt) und aßen bayrische Landesküche, bevor wir nach einem kurzen Besuch des Königsplatzes zurück nach Solln fuhren. Nachdem ich noch meine ebenfalls dort wohnende Oma besucht hatte, gingen wir nach gemütlichem Essen mit Netti und einen Freund Torbens, der zufälligerweise ebenfalls in diesem Viertel wohnt, ein Bier trinken – Lorenz und Torben hatten sich letztes Jahr auf Kuba kennengelernt; und wir hatten einiges Interessantes zu erzählen. Am Dienstag nutzten wir den Vormittag vor unserer Abfahrt, um das jüdische Museum neben der ursprünglich anvisierten (aber geschlossenen) Synagoge zu besuchen, wo eine derzeitige Ausstellung die Rolle der Juden im deutschen Nachkriegsfernsehen betrachtete.
Und mit der Abfahrt wurde uns nochmals bewusst, was Sonja schon während der Führung erwähnte: in Deutschland wird wie in wenig anderen Ländern dafür gesorgt, nicht zu vergessen, was in der Vergangenheit geschah, so dass es ein natürlicher Teil unserer Deutschlandreise darstellt; und vielleicht sollten wir anfangen, uns nicht (nur) als Volk der Täter-Nachfahren zu sehen, sondern auch als Volk, dass Verantwortung übernimmt, verarbeitet, und 120 Denkmäler allein in München aufstellt, um sich dann zu fragen, ob das ausreicht. Das ist mehr als nur ein großer Schritt.

Deutschland-Reise: Baden-Württemberg

Deutschland-Reise: Baden-Württemberg

Unterschiedlicher könnte sich der baden-württembergische Südwesten uns kaum präsentiert haben als in diesen drei Orten – Heidelberg, Stuttgart und Tübingen machten den zweiten Teil dieser Woche unerwartet abwechslungsreich. In Heidelberg nächtigten wir bei Marcel, einem äußerst liebenswürdigem Couchsurfer in einer 4×7-WG-Kommune. Wir trafen ihn an der Villa Nachttanz außerhalb Heidelbergs, wo er Mittwochs nachmittag einen Stand für „Coffee ohne Grenzen“ aufbaute, ein alternatives Projekt mit Ziel eines ehrenamtlich-gemeinnützigen Cafés in Heidelberg. Durch den wahnsinnig autounfreundlichen Verkehr der Stadt (die übrigens kleiner ist als Halle! Wirklich!) kamen wir in seine Bude, und der alternative Hippie-flair sollte uns bis zu unserer Abreise umgeben. So verbrachten wir auch den Abend mit ihnen bei einem Konzert „Rollis für Afrika“, wo unter anderem zwei Mitglieder der an sich hervorragenden Band Irie Revoltés spielten – dass die sich offenbar zum radikalen Teil der Antifa zählen, brachte uns dann jedoch davon ab, sie für unsere Sendung zu interviewen. Wir waren KO von der Fahrt und nur die anschließend zwischendurch gespielten Hip Hop Klassiker ließen uns noch auf den Beinen halten, ein wenig genervt waren wir aber irgendwann schon, dass der verplante Haufen nicht so leicht zum gemeinsamen Zurückkehren zu koordinieren war. Das WG-Frühstück vesöhnte uns jedoch schnell, und wir durften feststellen, dass wir in einer sehr amüsanten, lebensfrohen und angenehmen Gesellschaft gelandet waren. Marcel gab dann im Anschluss auch sein Bestes, uns durch die Stadt zu führen, über den Philosophenweg und die alte Brücke bis zum berühmten Heidelberger Schloss hoch, dabei wies er uns nicht nur auf die gewöhnlichen Sehenswürdigkeiten hin sondern auch, wo sich gleich mehrere Studentenverbindungen die Villen in bester Lage geschnappt hatten und von wo aus man Farbballons auf diese werfen kann, oder auch wie viel Geld die Uni für ein paar luxuriöse Toiletten in einem frisch renovierten Gebäude ausgegeben hat, anstatt dies für Professuren zu verwenden. Die Gesprächsthemen gingen uns jedenfalls nicht aus, und wir legten wahrscheinlich mehr Kilometer zurück, als Heidelberg lang ist, bevor wir noch eine Weile die Sonnenstrahlen auf der Neckarwiese genossen. Abends fuhr Torben dann ins nahegelegene Kaiserslautern, um Helena zu besuchen, die leider nicht die Zeit hatte, nach Heidelberg herunterzukommen, während ich spontanerweise am in der erwähnten Villa stattfindenden Poetry Slam teilnehmen konnte. Das Wetter spielte mit, und so war ein schöner Abend mit hohem Publikumsandrang und guten Poeten gegeben, und den Rest der Zeit verbrachte ich mit unseren Kommunenfreunden am Kaffeestand mit interessanten Gesprächen und guten Brownies. Natürlich wurde der Abend lang. Ein wenig schade deshalb, dass am nächsten Morgen nur Marcel es schaffte, mehr oder weniger zeitig aufzustehen und mit uns zu frühstücken, bevor wir schließlich unsere Sachen packten und nach Stuttgart aufbrachen.
Auch hier durften wir wieder mit der Gastfreundschaft eines Couchsurfers rechnen – Luke, der selbst nur ein Semester Chemie in Stuttgart studiert und dann wieder in die USA zurückkehrt, nahm uns in seinem Sutdentenwohnheims-Zimmer auf. Wir trafen uns im Stadtzentrum mit ihm, wo wir gleich nach einem ersten Spaziergang durch die Fußgängerzone auf eine Versammlung von Stuttgart-21-Gegnern trafen. Wie könnte es dieser Tage auch anders sein. Sehr interessant zu sehen, wie viele Generationen und sozioökonomische Klassen sich hier plötzlich für eine Sache vereinigen. Nach schwäbischen Spätzle erlebten wir dann gleich die gehobene Variante des Demonstrantentums: eine leider viel kleinere Gruppe demonstrierte für Freiheit und Demokratie in Syrien. Einer der jungen Demonstranten sprach uns an, ob wir Fragen zu der Thematik hätten, woraufhin ein älterer Kroate neben uns eine Diskussion startete, in die sich noch zwei weitere Passanten einmischten. Ein sehr schönes Beispiel lebendiger Politik-Kultur, auch wenn leider der Standpunkt des Herren (man benötige erst ein Programm/eine Agenda um effektiv etwas ändern zu können) mit dem unseren (zuerst benötigt man das Fundament einer funktionierenden Demokratie) nicht zu vereinbaren war. Ein Ziel der Demonstranten wäre jedoch trotzdem erreicht, nämlich eine gewisse Aufmerksamkeit für das Thema zu schaffen. Stuttgart-21 wirkte danach auch gleich viel banaler. 
Nach so viel Stadtsicht, Diskussion und Umherlaufen war ein ereignisloser Abend in Lukes Studentenbude sowohl angenehm als auch angebracht. 
Am Samstag hatten wir uns dann eigentlich vorgenommen, in das im Schwarzwald gelegene Wildberg zu fahren, um ein wenig Natur mitzukriegen. Nach einem zwischenzeitlichen Abstecher nach Metzingen, wo Torben in zwei der endlos vielen Outlet-Stores dem Shoppingwahn fröhnte, erreichten wir auch tatsächlich das durchaus beschauliche Wildberg – mussten jedoch nach einer Stunde feststellen, dass wir auf dem „Panoramaweg“ außerhalb des Ortes nicht allzu viel der gewünschten Natur vorfanden, sondern stattdessen den Geräuschen von Autos und Hausbau aus dem im Tal gelegenen Ort nicht entkommen konnten. Ich will Wildberg gar nicht mal schlecht reden, aber wir hatten uns schon was anderes vom Schwarzwald vorgestellt. Wir zogen also unsere Deutschlandkarte zu Rate und entschieden uns kurzfristig, nach Tübingen zu fahren. Das vom Bordstein an instandgehaltene Universitätsstädtchen liegt ganz nah an der Grenze zu „zu geleckt“, herausgeputzt und aufgehübscht – und doch, was für ein herrlicher Ort, ein ruhig gelegenes Schloss, Kleinstadtatmosphäre-Fußgängerzone und gerade genug Studentenflair, um es nicht zu bieder werden zu lassen. Beschweren konnten wir uns jedenfalls nicht über unseren Tagesausflug, von dem wir erneut nach Stuttgart zurückkehrten. Hier trafen wir uns abends mit Luke und zwei Freunden Torbens, Baha und Michael. Auch wenn wir bei einem Frauenanteil von 1/5 es nicht allzu leicht hatten, in die verschiedenen Clubs reinzukommen, verhalf die geballte Ortskenntnis uns doch zu einer fantastisch Nacht, in den aufgrund des Christopher Street Days wahrscheinlich dreimal so vollen Bars und Clubs der Stadt.
Heute früh besuchten wir dann noch mit Luke zusammen das Mercedes-Museum, welches wirklich bemerkenswert gut gestaltet und organisiert ist, so dass selbst Nicht-Auto-Freaks wie ich begeistert werden konnten. Also zusammengefasst: Demonstrationen, Partys, Unistädte, nette Leute, schwäbisches Essen und schwäbische Mundart, Kultur, Natur, Hippies, Naturwissenschaftler, ein Poetry Slam und Konzerte… alles in einem Bundesland. Wer sagt, Deutschland sei langweilig?

Rostock und die Ostsee

Rostock und die Ostsee

Rostock StadtEs war ein weißer Fleck auf der Karte in unserem Kopf. „Wir müssen irgendwohin an die Ostsee“, dachten wir uns, und zuvorderst aus pragmatischen Argumenten schickten wir ein paar Couchsurfing-Anfragen an ein paar Rostocker. Dankenswerterweise nahm Laureen uns auf, und sorgte trotz ihrer derzeit arbeitsreichen Tage dafür, dass Rostock einige Pluspunkte in unserer mentalen Deutschlandkarte bekam. Kaum in den frühen Abendstunden angekommen genossen wir den Luxus einer privaten Stadtführung durch das Sonnenbeschienene Städtchen und ließen den Tag mit Essen im „Heumond“ und Cuba Libre auf ihrer Dachterasse ausklingen. Leuchtturm in WarnemündeAm Mittwoch verbrachten wir dann den halben Tag an der Ostsee in Warnemünde, Heiligendamm und Kühlungsborn, Torben und ich am Strandgingen in den (diesmal wirklich) kalten Fluten der Ostsee schwimmen, schlenderten durch die touristisch geprägte Altstadt Warnemündes, bewunderten die Strandvillen und -Hotels in Heiligendamm und fuhren dann von Kühlungsborn aus zurück nach Rostock.
Hier bekamen die Radiomoderatoren und Hip-Hop-Fans in uns ein besonderes Schmankerl: Laureen, die bei dem lokalen freien Radio „Lohro“ arbeitet, zeigte uns die Räume des gerade sechs Jahre jungen Radiosenders (im Vergleich zu Corax um einiges organisierter, aber technisch dafür noch nicht ganz so gut eingerichtet) und stellte uns Florian Zent vor, einem Rapper der Rostocker Gruppe „Sun of a Gun“, der dort ebenfalls eine Zeit lang eine Hip Hop Sendung moderierte. Wir schnappten unser Aufnahmegerät und machten nicht nur eine kleine Aufnahme für unsere Anfang August erscheinende On-the-Road-Sendung bei Stadtvögel zu machen, sondern gleich noch ein längeres Interview dran zu hängen, welches wir in eine spätere Sendung einbinden werden. Das wir Laureen als Dank für ihre Gastfreundschaft abends mit Ananas-Curry-Hähnchengeschnetzeltem bekochten, war in Folge natürlich Ehrensache, und passte außerdem in den Rahmen unserer hallischen Mittwochs-Kochabend-Tradition. Und wenn man schon eine Dachterasse zur Verfügung hat, muss dort natürlich auch der Abend ausklingen. Good times, ein weißer Fleck weniger auf der mentalen Landkarte, und in der Ostsee geschwommen, plus Stadtvögel-Hochgefühl. Und wir machten uns Sorgen, dass wir unser Level nicht halten können…

Reisefaul?

Reisefaul?

Treiben lassen in Boquete
Die Zeit treibt vor sich hin und es ist leicht, den Überblick zu verlieren. Wie lange bin ich jetzt schon wieder in Boquete? Untergekommen im sehr zu empfehlenen Mamallena, bin ich hier wieder zur Ruhe gekommen, im angenehmen Klima und umgeben von sympathischen Leuten, in einem Ort den ich bereits kenne… das habe ich gebraucht. Habe auch nicht viel unternommen – ein kleiner lokaler Markt, der Garten Mi jardin es tu jardin„mi jardin es tu jardin“ und zusammen mit den beiden Hallenserinnen die ich in Santa Fe getroffen hatte nochmal zu den Calderas-Thermen gefahren (die immer noch ein absolut toller Ort sind). Ansonsten verbrachte ich viel Zeit damit, diverse Sachen für meine Rückkehr nach Deutschland zu planen, für die Uni, für Poetry Slams und meinen Job, und die T-Shirts zu bemalen, die ich mir in Panama-Stadt geholt hatte. Letzteres begeisterte ein paar Leute im Hostel so sehr, dass ich nebenbei noch drei Caps als Auftragsarbeiten annahm und dadurch für meine Zeit in Boquete mit Rum und Massagen versorgt wurde. Es fällt leicht, hier hängen zu bleiben, jeder Tag geht so gut rum, viele Gespräche mit den anderen Leuten hier, und ich würde gerne noch länger bleiben, im Konflikt zwischen „wenigstens noch ein bisschen Costa Rica sehen“ und das hier geniessen…
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17.03.2011, Boquete, Panama

San Jose oder die zwanghafte Suche nach dem Authentischen
Wendys Fastfood in San JoseUS-amerikanischer geht es wahrscheinlich gar nicht mehr. Wenn Mittelamerika mit schon so übermässig vom grossen Nachbarn beeinfluss schien, San Jose ist die absolute Zuspitzung: neue, grosse Autos, fastfood-Ketten an jeder Strassenecke, Autohändler, Diners, riesige Werbeplakate, Surferklamotten-Shops… und der so „typisch“ Tica-Ausruf „Pura Vida“ (pures Leben) ist auch nichts anderes als das Pursuit of hapiness und den american way of life. Ich bin ja inzwischen das dritte Mal hier (die ersten beiden Male jedoch mehr als Durchreiseort denn als Ziel), und trotzdem erschreckt dieses Stück Staaten in Lateinamerika noch, die Preise, die Atmosphäre und irgendwie auch die Menschen, und ich fühle mich hier längst nicht so wohl wie in all den lateinamerikanischen Städten, in denen ich auf meiner Reise war – und das obwohl ich vor einigen Jahren einen Schüleraustausch in den USA gemacht hatte und so dieser Kultur gar nicht mal von Grund auf abgeneigt bin… das Problem ist die Authentik. Der Dr. Sparen!Der reisende Backpaccker ebenso wie der Kulturwissenschaftler in mir schreien „das ist doch nicht Lateinamerika“, sondern eine übergestülpte Kulturvorstellung. Auf der anderen Seite ist diese Jultur hier im Zusammenhang mit dem Lebensstandard zu sehen, der hier zweifellos um einiges höher ist als im Rest Lateinamerikas (ausser vielleicht Argentinien) – Costa Rica gilt als die Schweiz Lateinamerikas, und an wenigen Orten des Kontinents geht es den Menschen aus ökonomischer Sicht so gut wie in San Jose.

Ist es nicht irgendwie egoistisch, dies alles zu kritisieren, bloss weil einem selbst dadurch dieses romantische Authentische fehlt, dass wir reisenden Europäer so zwanghaft auf der ganzen Welt suchen? Dieses verherrlichte Natürliche, dass wir bei uns nicht mehr kennen und deshalb hoffen, in den armen Regionen der Welt zu finden? – mal noch auf unmerklich-harmlose Weise, wenn wir uns freuen, statt im Hostel bei einer regionalen Familie untergekommen zu sein und so ihr „natürliches“ Leben mitbekommen, mal in hässlich deutlicher Weise, wenn sich Touris mit ihrer Spiegelreflexkamera vor kleine Kinder in traditioneller Kleidung stellen und sie postkartenreif ablichten, ohne ihnen wenigstens die Armbänder abzukaufen, welche sie für lächerlich geringe Preise verkaufen, um immerhin etwas Einkommen zur Familie beizutragen – der Zooeffekt. Und währenddessen blicken wir abschätzig auf die Pauschaltouristen, die sich im überteuerten Hotel einquartieren und gar nichts vom „eigentlichen“ Land mitkriegen – was richtig sein mag, aber dafür gentrifizieren sie wenigstens nur ihre Strandressort-Küstenstreifen und dringen nicht immer weiter ins abgelegene Inland vor, auf der Suche nach dem Geheimtipp, diesem unentdeckten Ort, den wir dann so vielen anderen backpackern weiterempfehlen, dass sich bald dort auch ein Backpacker-Hostel mit Wi-Fi, Pancake-Frühstück und Innenhofpool findet. Die Parallele zur üblichen Gentrifizierung innerhalb von Städten ist auffällig: ob Berlin, Hamburg oder New York, es läuft immer gleich: die KünstlerInnen und Alternativen ziehen in Gegenden, wo der Lebensstandart niedrig ist (aus finanziellen Gründen ebenso wie aufgrund der „Authentik“), ermöglichen eine gewisse Infrastruktur und locken durch ihreCoolness die Leute an, die was ähnliches im Kopf, aber sehr viel mehr im Geldbeutel haben… bis die ursprünglichen Bewohner sich ihre eigenen Wohnungen nicht mehr leisten können und in abgelegene Orte abgedrängt werden. Im Reise-äquivalent übernehmen wir Individualreisenden die Rolle der Künstler – und individual sind wir dabei selbst auch oft nicht mehr, wenn wir alle unsere Reisepläne dem gleichen Lonely Planet entnehmen….

18.03.11, San Jose, Costa Rica

Moderne Kunst / Wie verbringt man den Tag in einer langweiligen Stadt?
Streetart San JoseDass ich an San Jose wenig finde, habe ich ja bereits festgehalten. Das Theater San JoseEines muss man der Stadt jedoch lassen: sie ist ein gefüllter Pool (moderner) Kultur! Gestern durch die Stadt geschlendert und dabei nicht nur ein paar neue Parks entdeckt (mit moderner Kunst verziert), sondern auch das Museum für moderne Kunst und Design (recht interessant) und Subkulturen vom feinsten: beim Pavillon de la musica eine Gruppe Gothiks in vollem Kostüm, die zu Gothik-Elektro tanzten, Inoffizieller Versammlungsort aller Musiker ;) in der Fussgängerzone dann einen christlichen Rapper… wär ich abends nicht so faul gewesen, hätte ich sicher noch mehr dort sehen können.
Heute wurde es dann weniger spannend:
Ich weiss ja nicht ob es an mir liegt, der Reiseüberdrüssigkeit, dem zu-viel-gesehen-Syndrom… aber Heredia wirkte nicht mal halb so interessant wie im Lonely Planet beschrieben . und selbst da ist der Stadt nur wenig Platz gewidmet. Da ich aber ja meine Zeit irgendwie nutzen wollte und von „kolonialem Altstadtflair“ die Rede war, stand ich extra früh auf, um zum Bahnhof zu laufen, von welchem es bis 8 Uhr einen Zug nach Heredia gibt… ja wirklich, ein normaler Zug! – So normal nur dann leider doch nicht: fährt nämlich nur wochentags. Ein weiterer Abschnitt in der Liste „Jesko versucht in Lateinamerika Bahn zu fahren“… also den Bus genommen und erstaunlich schnell angekommen (sind ja auch nur 11 km) – doch den Kolonialflair suchte ich vergebens. Heredias KathedraleEs dauerte eine Weile, bis ich überhaupt die Plaza gefunden hatte, deren Kathedrale und der alte spanische Festungsturm an der Nordseite dann auch wirklich das Einzige sind, was etwas von diesem Flair hätte.Der spanische Turm Wahrscheinliich ist das für Costa Rica schon viel, und ich sollte nicht solche Altstadt-Giganten wie Cartagena, Quito und Cusco als Massstab nehmen. Man wird anspruchsvoll, wenn man so tolle Orte gesehen hat. Ich langweilte mich schnell, denn es gibt dort noch weniger zu tun als in San Jose, weshalb ich dorthin zurückfuhr, noch ein wenig durch die Stadt schlenderte und in der Hängematte entspannte. Morgen geht es dann noch ein letztes Mal auf Tour, den Erzählungen von anderen (aufgrund derer ich die entsprechenden Orte als Ziele auswählte) zufolge habe ich berechtigte Erwartungen, dass es die nächsten Tage nochmal ein wenig spannender wird – wir werden sehen. Ansonsten jedoch nicht erschrecken, wenn dieser Blog etwas negativ klingt: ich bin nach fast 8 Monaten fern der Heimat einfach ein wenig reisemüde, die ständigen Ortswechsel seit Dezember, das Aus-dem-Rucksack-leben, die immergleichen Backpacker-Bekanntschaften-Gespräche… aber wahrscheinlich dauert es nicht lange, wenn ich zurück in Dtl bin, und ich werde so einiges hier vermissen!

Grossstadtdschungel / Der Tsunami

Grossstadtdschungel / Der Tsunami

Grossstadtdschungel
Hinter dem grünen Dikicht, das sich voller Lianen und ander Pflanzen und Tiere vor unseren Füssen ausbreitet, erstreckt sich die Skyline von PanamaCity an der Pazifikküste. Auf dem Weg zu diesem tollen Aussichtspunkt sind wir Kolibris, kleinen Nutriaähnlichen Wesen (hach, Halle-Heimweh!) und einer Mischugn aus Schmetterling und Libelle begegnet, und sind insgesamt 2h wandernd durch den Parque metropolitano der Grossstadt entflohen, auf welche wir gerade blicken. Nachdem wir den Tag gestern schwer ereignislos verbracht hatten (uns vom seltsamen Karneval erholt haben und ein paar Einkäufe erledigten), wollten wir heute doch noch irgendwas tun, und verbrachten deshalb den Vormittag im Metropolitanen Park, einem Naturschutzgebiet innerhalb der Stadttgreenzen. Vor der Mittagshitze flüchtend schlenderten wir dann eine Weile durch die Albrook-Mall (was für eine vollkommen andere, US-amerikanische Welt…) und verbrachten nach selbstgekochtem Essen Torbens letzten Abend mit Zigarre und Rotwein auf der Dachterasse, abgeschlossen mit dem Hallewoodfilm aufm iPod, den uns unsere Halle-Leute damals zum Abschied geschenkt hatten – stillte das Heimweh nicht gerade. Wie lange ist das schon her… unglaublich, was seit dem alles passiert ist. Ich kann es gar nicht mehr erwarten, sie alle wiederzusehen. Im Hostel gabs übrigens noch eine lustige begegnung im Hostel: „Hey, erinnerst du dich noch an mich?“, grinst ein blonder Ami in die Küche. „Äähm….“ – „Wir haben uns im Bus kennengelernt, weisste nicht mehr?“ (tolle Angabe, wisst ihr in wie vielen Bussen ich im letzten halben Jahr sass? – entsprechend: ) „Welchem genau?“ – „Der Erdrutsch?! In Kolumbien?!“… Boyd, der US-Ami mit dem ich damals auf dem Weg von Ecuador nach Cali den Erdrutsch meisterte und gerade noch rechtzeitig zu Heiligabend dort ankam, wohnt jetzt in unserem Hostel. Und da sagt man immer, Reisebekanntschaften wären so vergänglich 😉

10.3.11, Panama-Stadt

Waiting for the wave
7.9 auf der Richterskala, ein AKW kurz vor der Kernschmelze, Flutwellen und unzählige Betroffene – tausende Meilen entfernt, auf der anderen Seite des Ozeans, tobt in Japan das Chaos. Und wir sitzen hier in Panamastadt, und warten auf die Tsunamiwellen, die gegen Abend hier eintreffen sollen. es ist eine seltsame Atmosphäre, hier bei scheinbar harmlosem, wie üblich heissem Wetter zu sitzen und auf besorgte Eltern-Mails zu antworten – derzeit sieht es gut aus, die Wellen dürften unter 3m sein, und Casco Viejo (wo unser Hostel ist) liegt 6m überm Meeresspiegel. Ums kompliziert zu machen, werden wir allerdings gerade um 6 im Taxi sitzen, unterwegs zum Flughafen, von dem Torben um 8 abfliegt. Ich hoffe, alles läuft gut. 11.3.11, Panama-Stadt
Wir haben noch mal ziemliches Glück gehabt… Die Wellen, die zwischen 6 und 8 Uhr abends der Voraussage nach eintreffen sollten, erreichten nicht mal einen Meter – Lateinamerika konnte generell aufatmen (auch meinen Limeños geht es gut). Als wir gegen 6 mit dem Taxi die Avenida Balboa langfuhren, kräuselte sich das Meer in der Bucht zu kleinen Wellen. Ein mulmiges Gefühl war das schon. Welch Erleichterung, als ich schliesslich auf dem Rückweg nach gebührender Verabschiedung hörte, dass nichts weiter passiert war. „Gracias a Dios“, wie der Taxista betonte. Da sitzt man am anderen Ende der Welt im Hostel, nur wenige Minuten Fussweg vom Pazifik entfernt, und beobachtet per CNN, wie Japan im halben Chaos versinkt… ohne zu wissen, was für einen Schaden die Auswirkungen hier wenige Stunden später anrichten werden. Auch ich hatte zwischenzeitlich überlegt, noch schnell einen Bus ins Landesinnere zu nehmen… doch die Information über die Höhe des Casco Viejo überzeugte mich eines Besseren. Alles in allem: ein paar mulmige Stunden hier in Panama, und mal wieder grosses Glück gehabt. Jetzt können wir nur hoffen, dass die Betroffenenzahlen in Japan sich in Grenzen halten!

12.3.11, Panama-stadt