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Schlagwort: Natur

Hoch oben, tief unten und auf der Grenze

Hoch oben, tief unten und auf der Grenze

Der Thüringer Wald war bisher immer ein bisschen ein weißer Fleck auf meiner Landkarte. Völlig zu Unrecht wie sich dieses Jahr herausstellte, bei gleich zwei Gelegenheiten.
Nachdem ich über Ostern mit der Familie den südlichen Wald und Erfurt erkunden konnte (was für ein süßes Zuckerbäckerstädtchen!) war ich nun auf meinem diesjährigen Jahresurlaub mit meinen allerbesten Alma erneut in Thüringen – im Nationalpark Hainichenwald. Quartiert in einem hübschen kleinen Holzhaus in Palumpaland, an einem sonnenuntergangsverwöhnten Stauseestrand, bekam ich ausgiebig Gelegenheit, meine neuen wanderschuhe zu testen.
Drei Highlights:
1) Hoch oben auf dem Baumkronenpfad, inmitten des Thüringerschen Urwalds. 50 meter unter uns das Unterholz, neben uns die vögeldurchzwitscherten Kronen hundertjähriger Bäume
2) Auf der alten Grenze zwischen Thüringen und Hessen, Ost und West, wo ein langer Streifen Grün sich zwischen wachturmbedeckten, schwitzenderreichbaren Bergspitzen und sonnengoldnen Rapsfeldern entlang schlängelt; eine 12-Kilometer Rundweg Schönheit (was keine sinnvolle Entfernungsangabe ist wenn es immer wieder auf dem Schild am Rande des Weges steht)
3) Tief unten, zwischen moostriefenden Felswänden in der Klamm der Drachenschlucht bei der (deutlich weniger spannenden) Wartburg. Der Fluss unter unseren Füßen, eine schmale Spur Himmel über den Köpfen, die schönste Fabelfelsschlucht vom Fluss in den Stein gefräst.
Alles Weitere ergibt sich aus den Fotos. Genug neidisch gemacht. Fahrt dort hin. Lohnt sich.

6 Klimazonen auf 60 Kilometern

6 Klimazonen auf 60 Kilometern

Locker sechs Klimazonen entdeckten Torben und ich auf unserer 10-Tage-Wanderung über die wunderschöne Ostseehalbinsel Fischland-Darß-Zingst. Gut, was das tatsächliche Klima betraf, war es meistens einfach nur kalt. (Zu sehen an den Schals.) Aber was die Vegetation betraf, die Aussichten, die Gerüche und Geräusche, hätten wir uns genauso gut durch sechs verschiedene Länder bewegen können – mit Grenzübertritten alle gefühlte halbe Stunde, vor allem im Darßer Ort. Dinge, die nicht auf Fotos passen: Der Geruch des Moors, die Anstrengung, gegen starken Küstenwind Fahrrad zu fahren, die Kälte der Luft auf einem Leuchtturm, das Erstaunen, viele große und kleine Tiere, der angenehme Effekt eines heißen Tees aus der Thermoskanne. Alles andere, ohne viele Worte, hier auf Fotos:

Die Steppe. (Hohe Düne auf Zingst)
Hohe Düne ZingstDünengras Zingst
Alaska. (Eingefrorene Aussichtsplattform und eisbedeckter Bodden auf Darß)
Gefrorene Plattform DarssEis-Bodden Darss
Der Morrast. (Moorwald auf Darß)
Moorlandschaft ZingstMoor-Laub-Wald Darss
Skandinavischer Nadelwald. (Darß)
Fruehling-Herbst DarssTorben Perrucho im Darsser WaldDarsser Nadel-Wald
Serengeti. (Darßer Ort)
Darsser Serengeti-PanoramaDarsser Serengeti
Englische Steilküste. (Okay, das war nicht auf Fischland-Darß-Zingst, sondern Rügen – daher auch das Nazi-Kurbad Prora dadrunter)
Kreidekueste RuegenKreidefels RuegenNazi-KurSchneekueste Darss
Antarktische Inseln? (Das ist schwer vergleichbar. Auch Darßer Ort)
Darsser Schneekueste PanoramaNationalparksgrenzeDarßer Ort

Berge und britische Burgen

Berge und britische Burgen

Jahrhundertelang mussten die Bewohner hinter Englands Steilküsten sich vor den französischen Feinden hinter dem Steilküsten-Äquivalent am anderen Ende des Kanals beschützen. In Abständen von nur ein paar Dutzend Kilometern reihen sich an der Kalkküste Südenglands mehrere Festungen, die im Laufe der Jahrhunderte immer wieder umfunktioniert und neugenutzt wurden. Wie es die Freizeiten zwischen den Kursen ergaben, besuchten wir sowohl die Küste als auch ein paar der Burgen – die ehrlich gesagt ohne die Audioguides mit Überlänge spannender sind. Castle of DeanDas Castle of Dean steht keine zweihundert Meter vom Steinstrand entfernt, und ist deshalb so flach gebaut, wie es damals nur möglich war. Ein wenig in der Erde versenkt, mit einem Schutzgraben, und in runde, rosenförmige Mauern gehüllt. LandhausburgBurg-LandhausEin gutes Stück weiter westlich wurde ein weiteres Schloss mit der Zeit zu einem typisch britischen Landhaus eines lokalen Fürsten umfunktioniert. Läuft man durch das Innere, wähnt man sich zwischen Himmelbetten und holzvertäfelten Dinnersälen, bis man das Gebäude verlässt, und von dem der Queen gewidmeten Garten auf die alte Festung blickt. Ganz um die Ecke findet sich das kleine, hübsche Städtchen Sandwich, wo die Bürgersteige schmaler als ein paar Füße sind, und man nach einer Stunde Suche ein 5£-teures Sandwich bekommt, das aus ungetoastetem Toast und geraspeltem Cheddarkäse besteht. (Das Sandwich wurde übrigens tatsächlich dort erfunden, von Lord Sandwich, der sein Brot immer auf diese Weise orderte.) Zuletzt dann die Burg von Dover, einem herrlichen großen Bau, der über eine hässliche Hafenstadt blickt. Von der Römerzeit bis zum zweiten Weltkrieg wurde sie immer wieder belebt und genutzt, was sich in der gesamten Architektur widerspiegelt. Der römische Leuchtturm, das mittelalterliche Hauptschloss, die Renaissance- und viktorianischen „Neu“-bauten, die wartime-tunnels, in denen tausende von britischen und französischen Soldaten vor den deutschen Angriffen Unterschlupf nahmen.
Römischer Leuchtturm in DoverDover CastleDover Castle und Natur
Direkt daneben finden sich die White Cliffs von Dover, gigantische, weiße Kalkklippen, die teilweise bis zu 100 Meter zum Meer abfallen. In einem Natuschutzgebiet drumherum schlenderten wir die Küste entlang, nur wenige Fuß vom Abgrund, der aufgrund des porösen und untertunnelten Gesteins ständig in Abbruchgefahr schwebt. Das Bild mit mir am Abgrund ist allerdings bei Broadstairs entstanden, wo sich die Klippen in weniger weißer Form fortsetzen, mit ein paar weniger Tunneln und ein bisschen festerem Gestein. Dort verbrachte ich einen sonnigen Sonntag mit Meerspaziergang, Klippenfotos und Dichtung am/übers Meer. Was will man mehr.
Dover CliffsHundert Meter SteilkuesteJesko vor den CliffsJesko am AbgrundKalkformationPassion
Und damit gingen meine drei Wochen in England zuende, gekrönt von drei Erkenntnissen: England ist viel Regen und durchschnittliches Essen… aber dafür auch erstaunlich viel schönes Grün, weiße Klippen, blaues Meer. Man soll ja schließlich immer das Positive sehen.

Baden, Bräuche und ein bisschen Bath

Baden, Bräuche und ein bisschen Bath

Natürlich blieb unser Wochenende nicht vom großen „“R““ verschont. (Siehe letzter Beitrag). Am lang geplanten Trip am Samstag kam es gar so weit, dass wir kurzfristig unsere Badesachen anzogen und unter argwöhnischen Blicken durch die Wassermassen tauchten.
Doch ich greife vor. Broadstairs' MöwenDie Woche war nämlich tatsächlich eigentlich recht regenfrei, und zwischen bzw. nach den Vormittags- und Nachmittags-Sprachkursen konnten wir uns die Sonne in für England ungeahnten Ausmaßen auf den Kopf prallen lassen. Zwischen den allgegenwärtigen Seemöwen gingen wir an den Strand unseres Städtchens Broadstairs Broadstairs' Beachund konnten sogar im (natürlich immer noch kalten) Meer schwimmen. Aber neben dem Auskurieren meiner Erkältung und Sonnen am Strand arbeitete ich natürlich auch an einer Präsentation für meinen Kurs, und nahm nebenher noch ein wenig Kultur mit – erwähnenswert vor allem Shakespeares „As you like it“, hervorragend gespielt und musikalisch untermalt von den Schauspielern des berühmten Globe Theaters, ganz in unserer Nähe, dem Küstenort Margate.
Auch der Freitag blieb noch so schön, dass wir uns ernstzunehmende Hoffnungen auf das Wochenende machen konnten, während wir den Nachmittag in Canterbury verbrachten, einer hübschen kleinen von Kanälen durchzogenen Stadt mit gigantischer Kathedrale (der einzige Grund, warum es sich tatsächlich „City“ und nicht nur „Town“ nennen darf). Ich spare die Worte und verweise auf Fotos.
Canterbury CathedralCanterbury Norman CastleCanterbury WestgatePhonebox / Cathedral

Das Wochenende war dann etwas aufwendiger geplant, und mit Vorfreude seit einigen Tagen organisiert. Zu fünft mieteten wir uns einen Ford Fiesta (ich musste ja nicht hinten sitzen 😉 ) und fuhren nach Stonehenge und Bath. Die erste schwierige Aufgabe für mich als Fahrer war denn, mich mit dem linksspurigen Verkehrs anzufreunden – was leichter ging als gedacht, bis auf das Einschätzen des linken Abstands zum Bordstein, und das Gangwechseln: den das macht man natürlich dann auch mit der linken Hand (mit der man aber trotzdem auch noch den Blinker bedient), während die rechte Hand sich auf dem Lenkrad langweilt. Es brauchte einige Gewöhnung, aber auf der Rückfahrt musste ich schon kaum mehr darüber nachdenken, wohin ich jetzt beim Abbiegen gucken muss. StonehengeWir fuhren größtenteils über Landstraßen, um ein wenig von der Umgebung zu sehen. Leider begann es circa eine Stunde vor unserer Ankunft in Stonehenge zu regnen. In unserer kontinentaleuropäischen Einfalt hatten wir natürlich weder viele Wechselklamotten noch Regenschirme mit, waren aber trotzdem entschlossen, nach Stonehenge zu fahren, einem doch angeblich so magischen Ort, von dem man schon so viel hörte. Bei dem „“R““ wäre eine solche Stimmung natürlich ohnehin schwerer gewerden, aber auch so fehlte das Gefühl, vor etwas „Besonderem“ zu stehen – abgesehen natürlich von der Bewunderung der exakten Bemessung und des steinhauerischen Talentes der Schöpfer des Steinkreises (den man leider auch selbst nicht mehr betreten darf, sondern nur darum herum gehen kann). Stonehenge SwimmingSo zog unsere etwas ungewöhnliche Garderobe im Wasser-reichen Stonehenge auch nur deshalb die Bitte um wiederangezogene Mäntel nach sich, da ja Kinder da seien. (Was machen die denn dann am Strand?)… Dem uns dies ausrichtenden Wachmann war jedoch anzusehen dass er sich über die ungewohnte Abwechslung in seinem Tag freute.
Nach unserem Badeausflug fuhren wir also weiter, passenderweise zu einer Stadt namens „Bath“, benannt nach der dort unter römischer Herrschaft gebauten Badeanstalt. Der römische Einfluss dort war überhaupt in etwa so allgegenwärtig wie der Regen. Zwar hatten wir phasenweise etwas Glück, um auch ein wenig durch die Stadt laufen zu können, den fließenden Übergang zwischen römischer und typisch-englischer Architektur zu bemerken und am Fluss entlangzuschlendern. Meine Schuhe waren jedoch trotzdem letztlich so durchnässt, dass sie auch heute noch nach meiner Ankunft in Broadstairs ziemlich klamm sind.
IMG_2788IMG_2793Britisches Bath
Auf dem Rückweg konnten wir in den Nicht-Regenphasen jedoch sogar noch zwei kurze Stopps an unerwarteten Sehenswürdigkeiten einlegen: einem der „White horses“,IMG_2797 die in England verstreut in den übergrünen Wiesen liegen, und einer 1960 gebauten Kathedrale, die von außen wie ein etwas vergrößertes Backsteinhochhaus aussah und von innen wie eine neugothische Kathedrale (nur viel luftiger). Das alles, kombiniert mit guten Pubdiskussionen am letzten Abend, kompensierten uns dann doch ausreichend für den vielen „“R““ und das etwas enttäuschende Stonehenge.

Sächsische Schweiz Teil 2: Königstein und die Bastei

Sächsische Schweiz Teil 2: Königstein und die Bastei

Festung Königstein 13.2.12
Eigentlich hatten wir uns einen ganz tollen Plan gemacht: per Bus nach Rathen, Bastei besichtigen, per S-Bahn nach Königstein und dann zurück zur Pension… nur standen wir nun auf der Westseite der Elbe und durften feststellen, dass die Fähre seit einer Woche wegen Eises in der Elbe nicht fuhr. Wir ärgerten uns ein wenig, stiegen dann in die S-Bahn und nahmen uns dafür mehr Zeit für die Festung Königstein im gleichnamigen Ort, die sich nach einem circa einstündigen steilen Weg erwartete, eingebettet in die Felsspalten des Königsteins, eine Fläche mehrerer Hektar einnehmend und sämtliche Baustile der letzten Jahrhunderte vermischend – immer wieder wurde die Burg zur Festung nachgerüstet, obgleich sie letztlich nie angegriffen wurde. Was für eine Geldverschwendung. Ein kompliziertes Kasematten-System, welches wir auch besichtigten, völlig umsonst. Nun, nicht ganz, immerhin diente die Festung uns nun als empfehlenswerter Ausflugsort, vor allem Dank fehlender anderer Touristen, großartiger Aussicht und dem Festungswald, den aus den Felsen ragenden Zinsen, von denen man auf das Dorf Königstein und die Elbe hinabblickt, und einem so ursächsichen Touristenführer, nü, dos es ejn Vognüjen woa. Abends die Sauna in unserer Pension ausgenutzt und wertgeschätzt…

Kleiner Alleingang 14.2.12
Auch heute wieder ein stark abgewandelter Plan: nach ersten Überlegungen, nach Zeughaus zu wandern, auf Empfehlung unserer Gasthaus-Besitzerin nach Hinterhermsdorf gewandert, von wo man zur „romantischen Oberen Schleuse“ komme. Kam leider nur ich, da Torben sein schmerzender Fuß zu schaffen machte, und er ab dem Ort per Bus zurückfuhr. Ich wanderte weiter in den Canyon der Schleuse, samt wahrscheinlich schmalstem Felsaufstieg den ich je nahm und einer Schutzhütte, in der ich zu sommerlichen Zeiten unbedingt mal frei übernachten muss.

Die Bastei 15.2.12
Da heute der letzte Tag war, nahmen wir uns vor, jetzt doch noch die Bastei zu besuchen – da die ohnehin auf dem Weg Richtung Dresden und Halle lag. Leider führte das Navi uns „auf dem schnellsten Weg“ hinter irgendeinem Kaff auf den „Höllweg“. Wir hätten skeptisch werden sollen. Wurden wir nicht, blieben dafür stecken. Viel geschiebe und gewende später nahmen wir alternative Routen, bis wir das gar nicht so leicht erreichbare Rathen erreichten (Luftkurort, daher quasi vollständig für Autos gesperrt), und von dort nicht den eigentlichen, dafür einen abenteuerlicheren und trotzdem zum Ziel führenden Wanderweg fanden, der uns Bastei hochführten: fulminanter Höhepunkt unserer Wandertage; ein architektonisches Kunstwerk ohnegleichen, seht euch die Bilder an. Wir waren überwältigt. Wie überhaupt von dieser herrlichen Region, und kommen sicher irgendwann zurück.
SaupsdorfAussichtsturm WachtbergAussicht vom WachtbergWanderung Sächsische SchweizLichtenhainer WasserfallSächsische Schweiz Eis-MordwaffePrebischtorGefrorener WasserfallElbe bei Bad SchandauFestung KönigsteinSchutzhütte an Oberer SchleuseObere SchleuseBastei-BrückeAussicht an der Bastei RathenBastei RathenBastei Panorama

Sächsische Schweiz Teil 1: Nationalpark, Schnee und Grenzerfahrungen

Sächsische Schweiz Teil 1: Nationalpark, Schnee und Grenzerfahrungen

Winterwonderland 10.2.12
Das Schöne liegt so nah. Knappe 3h südlich von Halle erreichten Torben und ich heute Mittag Saupsdorf in der sächsischen/böhmischen Schweiz. In einer Pension für 14€/Nacht („Tannenhof“) hausieren wir nun für 5 Tage bei den etwas grobschlächtigen aber netten Pensionsbesitzern in einem ganz und gar aus Holz zu bestehen scheinenden Zimmer mit Schrägdach. Grob das Erste ausgepackt, und dank grober Beschreibung der Wirtin eine primitive Karte gezeichnet und auf den weg gemacht. Wir entdeckten den gelb markierten Wanderweg und folgten ihm bis zu einem versteckten Berggasthof, wo wir neben Gulasch auch eine Wanderkarte bekamen, und uns daraufhin entschieden, zum Aussichtsturm Weifberg weiterzulaufen. Durch ca 10cm hohen Schnee stapfend, immer wieder die wanderpfadsymbole suchend, wanderten wir durch bezauberndes schneeland über Lichtungen und durch Wälder. Das Wetter spielte mit, herrlicher Sonnenschein und warme Klamotten ermöglichten die Wanderung bis um 5:00, inklusive aufstieg auf den aussichtsturm samt grandioser Aussicht (was auch sonst). In Hinterhermsdorf angekommen, einen Kaffee bei „Zu Peters“ getrunken (der Stammtisch mit älteren Herren trug ein Holzschild mit der Aufschrift „Stammtisch“), und dann per Bus zurück nach saupsdorf. Während uns unsere heutige Route nur knapp an Tschechien und ebenso knapp am Nationalpark vorbei führte, geht es morgen in Letzteren!

Nationalpark 11.2.12
Wir ließen uns das Frühstück extra bereits um 8 machen und kämpften uns zeitig aus dem Bett – waren aber ja auch recht früh schlafen gegangen. Um kurz nach 9 stapften wir dann mit Proviant im Rucksack los – in die falsch Richtung. Naja, zumindest etwas zu weit, bis wir dann den roten wanderpfad aus saupsdorf raus gen Süden fanden. Schon bald nachdem wir die Grenze des Nationalparks übertreten hatten, erklommen wir einen Felsen, der zwar glatt wie ein Gletscher war (wir fielen auch mehrmals hin), aber die Wanderoute beschenkte uns dafür mit einem königlichen Ausblick von den schroffen Felsen hinab über verschneite Tannen und ferne Felsen des Nationalparks. Weiter hinab ging es durch selbige Wälder, wir sahen einen Fuchs und erreichten die Buschmühle an der Kirnitzsch, an deren Seite wir nun eine Weile wandern sollten. Sah zwar herrlich aus, ist aber dafür kälter als in der Höhe. Einen Bogen um das Dörfchen Kuhstall machend erreichten wir bereits 12:45 den Lichtenhainer Wasserfall. Selbstredend zugefroren. Aus unserem Plan, von der nächsten Haltestelle aus die 1896 gebaute Kirnitzschtalbahn zu nehmen wurde nichts, da wir die stündlich fahrende Bahn um 10 min verpasst hatten. So gingen wir weiter und entschieden uns bei der Station „Nasser Grund“, sie Links liegen zu lassen und die auf einem Schild als „gemütlich“ gepriesene Wanderoute zu nehmen, laut der wir 2h später dort zurück sein sollten und eine zeitlich passende Bahn nehmen könnten. Der „Butterweg“ war zwar alles andere als gemütlich, aber wir hatten auch schon schlimmeres erlebt, und so errichten wir eine 3/4 Stunde später das Bergsteigerehrenmal „Hohe Liebe“: welch unglaubliche Sicht belohnte den Aufstieg! Wir entschieden uns, statt zurück weiter vorwärts zu gehen und folgten dem Oberen Liebweg hinab bis zur Ostrauer Mühle, wo wir wider Erwartens bereits die 15:20 Bahn nehmen konnten und bis auf 5 min genau ankamen. Mit dieser fuhren wir dann nach Bad Schandau, wo wir die zusätzliche Zeit mit einem Stadtbummel zu vertreiben gedachten -wäre der Ort nicht so langweilig gewesen. Nun, kein Tag ist perfekt. Wir wussten uns die Zeit bis zur nächsten Busfahrt gen Pension zu vertreiben. 

Ausflug nach Tschechien mit Zugabe 12.2.12
Da wir etwas weniger wanden wollten als gestern, die Sonntags Busverbindungen allerdings eine Fahrt zur Bastei erschwerten, fuhren wie zum Wandern in die nahegelegenen Tschechische Republik. Die ÖPNV Verbindung war nicht gerade schnell und einfach, aber dank nur 2 Zonen recht günstig: mit dem Bus nach Sebnitz, nach Bad Schandau, nach 3/4h warten per S Bahn nach Schöna und von da per Fähre nach Hrensko. Schon am Kai sah man die Ankunft im Nachbarland: uns empfingen von Asiaten geführte Klamotten und Ramschstände am Straßenrand zwischen Touri-Restaurants mit 80 Gerichten in Kronen und Euro auf der Speisekarte. Wir durchquerten den Ort und folgten der Straße an Flussesseite etwa 40min lang, bevor wir auf den roten Wanderweg in dem böhmischen Nationalpark hinein abbogen. Die Wege waren etwas besser befestigt als jene der letzten Tage, und wir begegneten ganzen 8 anderen Wanderern während wir mit eingefrorenen Bärten (nie war mir das aus Kolumbien mitgebrachte Panela in der Thermoskanne mehr wert als dieser Tage) den verschneiten Wald anstiegen. Nach knapp 2h erreichten wir das Prebischtor, eine imposante, torförmige Felsformation, an dessen Seite ein Gasthaus im Fachwerkstil lehnt. Im Sommer sicher gut von Gästen besucht, war es derzeit geschlossen, und damit auch der Zugang zum Platau unter dem Tor selbst. Dass man fur diese Feststellung erst bis vors Tor der Gaststätte hochlaufen muss, ist bestenfalls unfreundlich. Aber Ärger wäre sinnlos, das Tor auch von unten sichtbar, und so machten wir uns nach einer Brotpause an den Abstieg. Schneller als erwartet trafen wir wieder in Hrensko ein, so dass noch Zeit für eins der besseren Restaurants blieb, bevor wir an den Kai gingen, von dem laut ÖPNV Website die Fähre um 16:48 fahren sollte. Wir warteten am Kai hin und her laufend… bis auf der anderen Seite bereits die S Bahn weg war. Die Fähre fährt auf Abruf – wenn man am Ablegesteg steht kommt sie rüber. Ärgerlich, da wie so zwar noch die nächste S Bahn nehmen konnten, der letzte Bus von Bad Schandau nach Sebnitz aber bereits weg war. Alle Möglichkeiten durchgecheckt fuhren wir nach Pirna weiter (grandioser Umweg), von wo noch ein späterer Bus nach Sebnitz fuhr, wenn auch keiner mehr ab dort nach Saupsdorf… Da half nur noch das Taxi. 

PS Famose Fotos folgen!

Fertiges Album: auf in die Natur!

Fertiges Album: auf in die Natur!

Gleich zwei Dinge, die mich in letzter Zeit ziemlich beschäftigt hielten, werde ich im Laufe des Februars abschließen: zum einen meine Bachelorarbeit, für die ich ja im September und Oktober in Kolumbien forschte, und seit dem viel Zeit am Schreibtisch damit verbrachte, all diese Erhebungen auszuwerten. Zum anderen das Album „Utopía“ meines Musikprojektes „Fremdgang“, für welches ich vor allem mit Flo und Eric in den letzten zwei Monaten viel Zeit im Studio verbrachte, und jetzt darauf warte, dass die CD das Presswerk verlässt. (Was das alles ist und soll und vor allem wie sich das anhört, seht ihr auf der Fremdgang-Seite, oder auch auf unserer Facebookseite). Da habe ich mir etwas Urlaub doch verdient, dachte ich mir, und werde nun zusammen mit Torben fünf Tage in die Böhmische Schweiz fahren, die unter einer vom sibirischen Wetter verursachten, bildhübschen Schneedecke liegt. In einer kleinen Pension am Rande des Nationalparks und der Grenze zur Tschechischen Republik werden wir ein wenig zur Ruhe kommen, und von dort aus wandernd (und in Schichten von dicker Kleidung gepackt) eins der schönsten Naturgebiete unseres Landes erkunden… wir sind gespannt was uns dort erwartet! Wenn ihr Tipps oder Erfahrungen habt, freuen wir uns da natürlich sehr drüber.
Bis dahin hört euch schonmal das Medley des Fremdgang-Albums an und schreibt mir, wenn ihr auch eines kaufen möchtet, dann bekommt ihr sie direkt zugeschickt – ihr freut euch über die Musik, und wir darüber, dass wir unsere Kosten gedeckt kriegen. Und natürlich darüber, dass ihr euch freut. Mit dem Gedanken im Kopf freu ich mich wiederum umso mehr aufs Wandern.