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Schlagwort: Essen

CityGuide / Bridgeras

CityGuide / Bridgeras

So, schnell mal Geschehenes nachholen. Nachdem ich bis Dienstagmittag meine Präsentation über die Urbanisierung vorbereitet hatte, stellte ic dank einer Mail fest, dass der Unterricht heute ausfällt und ich nochmal bis nächste Woche Zeit habe. Zum Glück hatte Nadja gefragt, ob sie ihren Teil verschieben kann, sonst wären wir halt mal wieder umsonst zur Uni gefahren und hätten das erst vor Ort festgestellt…
Gestern abend kam dann Mahesh an (der indischstämmige US-Student aus Bolivien), dem ich angeboten habe, für die paar tage bis zu seiner heimreise am freitag früh auf unserer Couch zu pennen. Die Klasse am abend um 8 liess ich für ein leckeres selbstgemachtes indisches Essen ausfallen (und stellte heute fest, dass die Klasse eh nicht stattgefunden hatte).
Heute war ich dann so ein bisschen als sein personal guide tätig und stellte dabei fest, wie gut ich mich inzwischen in Lima in Bezug auf Verkehr, Sehenswürdigkeiten und Leute zurechtfinde. Wir fuhren erstmal ins Zentrum, um das Parlament zu besichtigen, wo ich selbst noch nicht gewesen war und das auch ganz interessant ist (mit kostenloser Führung durch Parlamentssaal und Aufklärung über politisches Geschehen inklusive). Aufgehalten durch ein überteuertes, aber gutes Essen in dem Restaurant eines französischen nonnenklosters in der Calle Ucayali, kamen wir um 4 mit peruanischer Verspátung bei Benni an, mit dem wir uns für 3 Uhr verabredeten hatten. Zusammen zogen wir dann los zu den Artesaniamärkten in der La Marina, wo Benni sich mit neuen Klamotten eindeckte, Mahesh mit Mitbringseln und ich mit Weihnachtsgeschenken (die ich jetzt hier natürlich nicht näher erläutern werde 😉 ).
Während Mahesh sich anschliessend mit der bekannten eines Freundes in Los Olivos treffen ging, machte ich mich für meine Rural-Klasse auf zur Uni – um dort festzustellen, dass unsere Fakultät wegen der immer noch andauernden Dekanats-Uneinigkeiten bestreikt wird. Mal wieder kein Unterricht. Während ich mich mit ein paar meiner Kommilitonen unterhielt, ging plötzlich das Licht aus – Stromausfall in der ganzen Uni! Die Campuswege füllten sich mit zahllosen Studenten und alles wartete auf Licht – bis ich um 7PM loszog, war es noch nicht wieder da. Das Gerücht kursierte, dass ein Teil der Bibliothek in Flammen stand, ob das stimmt, weiss ich allerdings nicht. Ambulancia war auf jeden Fall plötzlich auch da. Was nicht alles so passieren kann an der San Marcos!

Wieder zuhause klingelte bald Mahesh, der die Bekannte samt einer Freundin mit dabei hatte und vorschlug, zusammen in eine nahe Bar zu gehen. Sie schienen ganz sympathisch, so zogen wir los zur Plaza Bolivar in Pueblo Libre (wo grade irgendein Konzert lief) und genossen in einer Bar ein paar Maracuya-Sour. Soweit so gut. Bis die Rechnung kam. Mahesh und ich legten unsere je 20 Soles auf den Tisch… die beiden Mädels taten nichts und lauderten weiter und schienen zu erwarten, dass wir ihre Rechnung bezahlen. da wir erstens gar nicht mehr Geld mithatten, und zweitens ja nunmal auch keine Dates hier hatten, sondern nur zwei vage Bekannte eines Freundes, blieb das erst mal eine Weile so, bis sie schliesslich meinten, oh wie ungünstig, sie hätten gar nicht genug Geld mit, nur noch fürs Taxi. Nach langem „Alternativen-suchen“ ging ich von zuhause etwas Bargeld holen, das Mahesh noch dort liegen hatte und wir verabschiedeten uns recht zügig von ihnen . offensichtlich handelte es sich um sogenannte „Bridgeras“ – Peruaner/innen, die von dem (angeblichen) Reichtum der Gringos profitieren wollen (sie als „Brücke“ benutzen, daher das Wort). Ich kann mir nicht vorstellen, dass sie wirklich so blöd waren, und kein Geld mitgenommen hatten wenn sie ausgehen. Gehört hatte ich schon von diesem Phänomen, war aber bisher davon verschont geblieben. Wir fanden jedenfalls beide vor allem diese wie natürliche Erwartungshaltung unter aller Sau… man hätte auch im Voraus sagen können „hey sorry, hab nicht genug Geld mit, könnt ihr mir was leihen“… wahrscheinlich wär es dann auch eher auf „ausgeben“ herausgelaufen, aber man hätte sich auf jeden Fall nicht so verarscht gefühlt. Naja, ist auch ne Erfahrung die man hier wohl mal machen muss. Und immerhin sind wir nicht ins doppelt so teure Quierolo gegangen. 😀

La Paz / Camino del muerte / Dia de los Muertos

La Paz / Camino del muerte / Dia de los Muertos

Zusatz zum letzten Beitrag:

Zwischen zwei Lichterwänden: La Paz
Als sich der vollbepackte Micro durch überfüllte Strassen von El Alto durch elenden Verkehr in Richtung Zentrum kämpfte, war ich ja ehrlich gesagt nicht so begeistert – aber jetzt sitze ich in einer lebendigen Stadt, die Strassen voller Backpacker, Strassenhändler und Bolivianos die es sich leisten können hier im (touristischen) Zentrum zu leben, und nach links und rechts blicke ich auf zwei Wände aus gelb-blau-weissen Lichtpunkten – da La Paz in einem Tal liegt, mit dem gutsituierten Zentrum so ziemlich genau in der Mitte, breiten sich die zahllosen Häuser der äusseren (ärmeren) Viertel auf beiden Seiten auf den Hügeln aus, so dass man abends auf eine vertikale Lichterwand blickt. Definitiv beeindruckend.
Nach einer 60 km/h Microfahrt samt Fähre von copacabana kam ich hier gegen 5PM in La Paz an, suchte mir ein für die hiesige Wirtschaft nicht allzu billiges Hostel (50Bolivianos – und das war schon das günstigste). Nach ein paar Vergleichen buchte ich dann in einem Reisebüro für 330 Bs. (eigentlich viel zu viel) die von vielen empfholene Biketour für morgen (siehe unten). Bei einem Schwenk über den Hexenmarkt (auf dem tatsächlich ganzjährlich Hexenutensilien wie Lamafüsse und jede Menge Talismane verkauft werden, der aber winzig und längst nicht so gruselig wie man es sich für einen Vor-Halloweenabend wünschen könnte) traf ich zufällig Mahesh wieder (den indischen US-Studenten von der Isla del Sol) und wir verabredeten uns für später am Abend im Pub. Bis dahin schaute ich mich ein bisschen in der dunkel werdenden Stadt um, von der grossen Kathedrale neben dem schick beleuchteten Präsidentenpalas bis zur Calle Comercio, wo (dem Namen gerecht werdend) zahlreiche Strassenhändler alles anbieten, was man sich vorstellen kann. Den Abend verbrachte ich dann mit Mahesh in der sehr gemütlichen „Blue Note“-Weinbar und wir redeten über Weltpolitik, Genderconstruction und die Wissenschaft, bis ich anfing auf englisch zu denken – sprachlich gesehen also nicht so gut 😉

30.10.10, La Paz, Bolivia

Camino del muerte/weisse Wand teil III / Affe auf der Schulter
es ist verdammt kalt, trotz dicker Klamotten, und die Strasse vor mir scheint abrupt im Nebel vor mir zu Enden – in Wirklichkeit biegt sie nur unerwartet scharf nach links ab. Vor mir liegen 3 Stunden „Camino del Muerte“ – der Weg des Todes. Die Füsse auf einem gemieteten Mountainbike, das mich von 4700 Metern bis auf 1400 heruntertragen soll. Angefangen auf Asphaltstrasse, fährt unsere 2-Personengruppe (sollten eigentlich 4 sein, aber zwei sind wegen Alkoholkater nicht gekommen… selbst schuld) von kalter Andenlandschaft mit kahlem Fels durch sich langsam wandelnde Landschaft auf Schotterpisten und schliesslich sogar Singletrack (für Lukas wahrscheinlich ein Kinderspiel 😉 ) bis in die von Grün pralle Dschungelumgebung am Yolosa-Fluss. Da wir nur zu zweit sind, müssen wir nicht auf Angsthasen warten und düsen in vollem Tempo die Piste runter, Camino del Muerteoft nur einen Schritt vom hunderte Meter tiefen Abgrund zur linken, unter kleinen Wasserfällen durch und, wie es sich gehört, über Steine hüpfend. Adrenalin pur. 3 schweissgetränkte Stunden später kommen wir in Yolosita an, und werden von da aus Touri- und Preisgemäss mit Auto zu einer Dschungellodge geschifft, wo wir in den Genuss von Swimmingpool, warmer Dusche und Buffet kommen – sonst wäre der Tag für mich wahrscheinlich auch um 13:00 Ankunftszeit gelaufen gewesen.
So war ich jedoch wieder fit und nahm nicht den Tourbus nach La Paz zurück, sondern stattdessen ein Collectivo ins nahegelegene Coroico und machte mich nach der obligatorischen Hostelsuche zu dem von Rick empfohlenen tierpark bei Yolosa auf. Und er hatte Recht – die 20 Bs für die Privatrundführung von einem der dort arbeitenden Freiwilligen (auch Australier) war es definitiv wert, schon wegen dem unglaublich süssen Spinnenaffen „Cacao“, der mich Ich mit dem Spinnenaffen Cacaogleich begrüssend an der Hand nahm und durch den Park schleppte, mir auf die Schulter und den Kopf kletterte und an meinem Arm schaukelte. Wenn ich nicht durch die Führung erfahren hätte, dass die verschiedenen Affen und Vögel hier früher illegal gehaltene (und entsprechend behandelte) Haustiere sind, würde ich mir so einen als selbiges wünschen. Es war jedenfalls definitiv eine tolle Erfahrung. Obwohl ich anschliessend sogar noch vor 6PM (letzter bus nach La Paz) wieder in Coroico war, blieb ich dort und nutzte die Zeit zum ruhigen durch den Ort schlendern und Dschungel-Anden bewundern, um am Montag früh um 6 den ersten Micro zurück in die Andenmetropole zu nehmen.

31.10.10, Coroico, Bolivia

La Paz
Der Bus fuhr schliesslich nicht um 6 ab, sondern find dann an, sich die Passagiere zusammenzusuchen – meine 15 Minuten Verspätung waren also leicht naiv, weil wir eh erst um 7:20 losfuhren. Zurück in La Paz checkte ich der Einfachheit halber wieder ins Hostal verano ein und ging bei der Reiseagentur meine CD mit Biketourfotos von gestern abholen. Unterwegs traf ich – wieder zufällig – Mahesh, mit dem ich dann mal eben indisch essen ging. Während er anschliessend seine mails checken ging, nutzte ich die Zeit für das Kokamuseum (sehr interessant v.a. in Bezug auf den Unterschied zwischen Koka und Kokain, und Aspekte wie die Tatsache, dass Kokainproduktion zu medizin. Zwecken seitens der UN in den USA, Deutschland Frankreich u.ä. erlaubt ist, während Peru & Bolivien stets als Drogenproduzenten abgestempelt werden, obwohl der Grossteil des Koka hier nicht zu diesem Zweck weiterverarbeitet wird – 50% der Kokainkonsumenten finden sich übrigens in den USA) und einen Spaziergang durch die mit Kolonialhäusern gefüllte Calle Jaén, Legislationspalast von La Pazund traf mich anschliessend wieder mit ihm an der Plaza Murillo (wo auch die oben beschriebene Kathedrale steht), von wo aus wir zusammen ins Museum für Ethnologie und Textilien gingen. Im ersten (textil-)raum bereute ich fast die 15 Bs Eintritt für 1h Museum (wegen vorzeitiger Schliessung durch Bauarbeiten), in den folgenden Räumen für Masken, Selva-Federschmuck und sogar moderne Skulpturen zahlten sich dann aber doch aus. Ebenso das später besuchte Museo de Arte Contemporanea mit einigen richtig beeindruckenden Kunstwerken.
Nachmittags schlenderte ich dann noch durch den (einzigen) Park La Paz‘, La Paz Skylineein riesiges Ding auf der linken Hangseite hinauf mit fantastischer Aussicht auf die Skyline der Andenstadt. Abends traf ich mich noch mit Jaqheline, einer Freundin von benni, der mir einen Brief für sie mitgegeben hatte, und so plauderten wir bei Anticucho und papa Huancayna über lateinamerikanische Filme, freie Radiosender und verlorene Kameras… Abends gabs dann noch kubanische Livemusik im „Sol y Luna“… da wurden Erinnerungen wach ;D . Würde bei der Gelegenheit ja gerne auf Torbens Blog verweisen, aber der hat ja keinen.

1.11.10, La Paz, Bolivia

Dia de los Muertes in Cusco
Auf dem verwinkelten Schubladen-Friedhof tummeln sich underte Menschen, die die spontan auf dem Vorplatz gekauften Blumen, Fotos und kleine Replikationen von Cusqueño- und Inkacola-Flaschen in die Schaukästen der Gräber ihrer Verwandten stellen, die Gräber mit Musik beschallen, auf die übliche Weise Bierbecher herumreichen (obwohl am friedhofseingang Polizei kontrolliert, ob Alkohol reingebracht wird) und leeren und jungen mönchen und Priestern ein paar Sol in die Hand drücken, damit dieser die Grabkästen mit „heiligem Wasser“ aus der Plastikflasche besprenkelt. Kinder sitzen auf überdimensionierten Grabsteinen, Omas & Opas plaudern mit den Nachbarn und die Männer betrinken sich (natürlich). Weinen tut keiner. Das ist der Dia de los Muertos, der sich hier über den 1. und 2. November erstreckt. (In La Paz ist der 1. für die toten Kinder, der 2. für die Erwachsenen, hier in cusco ist der 1. für die Lebenden, der 2. für die Toten.) – von unserem Allerheiligen hat das wenig.
Falls die Frage aufkommt, warum ich Cusco erwähne – da bin ich grade, da mein Flug von La Paz nach Lima mir hier 1 Tag Zwischenstop gewährt. Den nutzte ich neben dem Friedhofsbesuch für einen Ausflug zur Inkafestung Saqsayhuaman – hatte ich letzte Mal ausgelassen, weil eigentlich nur mit dem teuren Boleto turistico zugänglich – es sei denn, man betritt das weitläufige Gelände von einem Feldweg statt von der Haupt-Touristenstrasse. Neben einem Ausblick auf ganz Cusco kann man durch die Zickzackmauern der Festung laufen, Inkaarchitektur bewundern und (vergeblich) versuchen, die riesigen Steine hochzuklettern. Der besuch des Museum für präkolumbine Kunst war weniger bemerkenswert. den Abend verbrachte ich dann bei der Familie Zuñiga (nein, sind weder Chilenen noch mit Robin verwandt), die mir Mahesh empfholen hatte – sie haben zwei hübsche Zimmer für 30 S/ samt Frühstück, und sind sehr nett und hilfsbereit, so dass ich so ziemlich den ganzen Abend bei einem Matte mit der Eigentümerin Karina redete – wer also mal nach Cusco fährt, das ist definitiv eine lohnende Unterkunft, fragt mich nach der Adresse!

2.11.10, Cusco

…heute früh gings dann per Peruvian Airlines zurück nach Lima und zum „Alltag“… und ich kann mittlerweile tatsächlich sagen, „nach Hause zu fahren“ – Bolivien war toll, aber Peru wird mir mehr fehlen 😉

Klassentrip

Klassentrip

Nachdem wir die letzten beiden Tage so furchtbar beschaeftigt waren, sind wir jan noch nicht dazu gekommen, uns ein wenig die Sehenswürdigkeiten des Tals von Mantaro anzusehen. Das wurde heute dann mal im Klassentrip schnellstens nachgeholt, da wir ja schon abends um 9 wieder in Richtung Lima fuhren.
So besichtigten wir in Concepción die „Virgen“ (Jungfrau… welche wohl), eine riesige, an die New Yorker Liberty erinnernde Statur mit Aussicht aufs Tal, in die man auch hineingehen kann und bis zum schwindelerregend hohen Kopf hochsteigen kann, wo man sich kaum traut, die Hand zum fotomachen zu heben.
Dank diverser Verspaetungen gings erst um 12 zum Kloster, welches natürlich entsprechend wieder verschlossen war, weshalb wir erst in Ingenio essen gingen – leckeres Picante de Cuy und Chicha – diesmal nicht die rote Erfrischungsdrink-Chicha morada, sondern die gelbe Maisbiervariante mit Alkohol. (Hatte ich im ersten Beitrag zum Thema Chicha ein bisschen verwechselt.)
Um 5 konnten wir dann das Monasterio besichtigen, leider ohne Kameras. Ein bisschen unpassend fand ich die Führung, die uns von der heroischen Missionierungsarbeit der Franziskaner erzaehlte – die die Indigenas „peruanisierten und kultivierten“, denn „evangelizacion ist educacion“… wobei über 80 Missionare von feindlich gestimmten Amazonasstaemmen getoetet wurden. Wie viele Indigenas von Christen getoetet wurden, wurde natürlich nicht erwaehnt. Lohnend war der Besuch trotzdem dank Bildern der Cuzqueño-Schule, einem Comedor (Essenssaal) mit farbenpraechtigen Malereien im Amazonas-Stil und dem meiner Meinung nach heiligsten Ort: die zweiflügelige Tür oeffnet sich nach innen und der unvergleichliche Geruch von alten Büchern steigt einem in die Nase. Religioese und weltliche Bücher (sogar eine Soziologie-Abteilung) reihen sich bis an die Decke die ganze Wand der aeltesten Bibliothek Lateinamerikas entlang – das war wirklich beeindruckend.
Parque de la IdentitadAnschliessend gings auf einen nicht lohnenswerten Aussichtspunkt über Huancayo und in den Parque de la Identidad, der abends wunderschoen zahllose Skulpturen über die (vermeintliche?!) Identitaet Huancayos beleuchtet. Zur Feria (Ausstellung/Messe) von ortstypischem Essen und Kunsthandwerk waren wir natürlich zu spaet, ich fand aber glücklicherweise in einem Centro Artesanal den hervorragenden Manjarblanco, von dem ich mir gleich mal zwei Packungen mitnahm.
So, so viel zu meinem Klassentrip, jetzt bin ich erst mal wieder in Lima und arbeite fleissig für meine Praesentation, damit ich naechste Woche wieder Zeit zum reisen habe 🙂

17.10.10, Huancayo

Reunion zum Dia de la Reunificación

Reunion zum Dia de la Reunificación

Kartoffelsalat á la Christian, Fleischklöpse, Schwarzbrot mit Ei, Erdinger Weissbier, Paradiescrem (Schlackamaschüü!) mit Erdbeeren und Schokolade und eine schwarz-rot-gelbe Torte. Keine Angst, ich bin kein Nationalist geworden, aber ein bisschen feiern kann man 20 Jahre deutsche Wiedervereinigung ja schon. Und so versammelte sich ein Grüppchen deutscher und peruanischer Studenten in meinem Appartment mit den oben genannten Leckereien und hatten eine doch eher unperuanische Feier – denn die sehen anders aus (s.u.). Als Begründung können wir nicht nur unsere Herkunft anführen, sondern auch die „Ley secca“: diesen Sonntag wurden nämlich in ganz Peru Bürgermeister und Regionalvertreter gewählt, und da gilt das ganze Wochenende: kein Alkoholverkauf, keine lauten Feiern. Bars und Diskos sind zu, Supermärkte verstellen ihre Weinabteile mit Softdrinkpaletten. Wir nahmens gelassen und tranken unser Donnerstag gekauftes Erdinger bei einer „Reunion“ statt einer „Feier“ 😉 und verfolgten zwischendurch die Hochrechnungen zu Limas Alcaldia (Bürgermeisterwahl) – die glücklicherweise nicht die nervige mitte-rechts-Kandidatin Lourdes Flores, sondern das „neue Gesicht“ der peruanischen Politik, Susanna Villaran, für die Mitte-links-Partei Fuerza Social gewann. (Übrigens nicht nur besonders weil erstmals eine Frau, sondern weil „links“ hier in Folge des Sendero-Terroismus’eher eine Verunglimpfung ist und Susanne seit Jahren die ersten linksorientierte Politikerin).
Heute wollte ich dann meine Museumswoche fortführen und nach Pachacamac fahren, hab ich auch gemacht, nur um nach 1 h Fahrt vor Ort festzustellen, dass die seit kurzem den Montag als Ruhetag eingeführt haben. Auswegplan: Museo de las Bellas Artes – fiel aus dem selben Grund ins Wasser. Ärgerlich. Habe vor, das morgen nachzuholen.
Zum Zeitvertreib war ich dann erstmals im Luxuseinkaufszentrum LarcoMar in Miraflores, voller überteuerter Restaurants und Klamottenläden, aber auch mit dem ersten gutsortierten Musikladen, den ich hier gefunden habe. Leider zu fast europäischen Preisen – dafür aber sogar mit einer peruanischen Hip-Hop-CD. Stand in der Kategorie „Peruanischer Rock“ – das ist hier zumindest was einheimischen Rap betrifft, echt noch so real, dass es noch nicht mal ne eigene Plattenregal-Kategorie hat…

Um meinen Vorsatz nachzuholen und euch ein wenig zu zeigen, warum unsere Reunion so unperuanisch war, heute mal wieder ein How To:

How To celebrate with Peruvians

Tanz: Während feierliche Anlässe in Deutschland hauptsächlich aus Essn bestehen, ist die zentrale Tätigkeit hier das Tanzen. Auch wenn eine/r gute/r Tänzer/in mehr Aufmerksamkeit bekommt, spielt es keine allzu grosse Rolle, ob man „tanzen kann“. Wer kann, tanzt eben Salsa und besondere Figuren (bzw. eben zur Musik passendes), wer nicht, bewegt sich irgendwie rhytmisch. Beliebt ist es auch, in einer Gruppe im Kreis zu tanzen, an den Händen gefasst, oft mit wechselnden Tanzpärchen in der Mitte. Ablehnen ist nicht, und nur mit seinem Partner tanzen auch nicht – genauso, wie aus der Gruppe auszusteigen und bei anderen weiterzutanzen. (Da muss dann mindestens eine Ess- oder Trinkpause zwischen sein 😉 ). Bei grösseren Feiern spielt eine Band (oft Mariachis), manchmal mit Gesang, sonst gibt es grösstenteils Salsa-Konserve, bei jüngerem Publikum gemischt mit Reggaeton.
Essen: …spielt – für die gute peruanische Küche sehr erstaunlich – keine grosse Rolle. Je nach Feierlichkeit (und Budget des Veranstalters) gibt es eine kleine Mahlzeit dazu, manchmal zum selber kaufen – z.B. Huhn mit Reis und Kartoffeln, gerne bei besonderem Anlass auch Cuy (Meeschweinchen). Gegessen wird mit Papptellen auf dem Schoss auf einer Bank am Raumand sitzend oder im Stehen, selten essen alle gleichzeitig, und eher nur um das Bedürfnis zu stillen, damit man weitertanzen kann. Gerade bei privaten Feiern gibt es, wenn die Familie es sich leisten kann, Fingerfood-Buffet (Chickenwings, Chips, Pralinen, Kekse, alle möglichen Sachen die man im stehen essen kann). Es steht meist schön zubereitet auf einem Tisch im Veranstaltungsraum, an dem man sich aber nicht bedienen sollte – jeder einzelne Teller mit Fingerfood wird von Bedienung oder einem Familienmitglied zu den Gästen gebracht, die sich dann ein Stück davon nehmen. Eine ganz andere Relevanz bekommt die
Torte: die auf keinen Fall fehlen darf. Und sie muss natürlich zum Anlass passen (Hochzeit, Kindergeburtstag etc), sonst ist die Feier eigentlich fast ins Wasser gefallen. Die Kalorienbomben aus Sahne und/oder Schokolade wird eher spät aufgeteilt (und ebenso gegessen wie der Rest, s.o.) – je nach Menge (von Torte und Gästen) sollte man keine allzu grossen Stücke erwarten.
Geschenke: Der Schenkzwang steigt mit Bekanntschaftsgrad. Als relativ neuer Bekannter wird nicht unbedingt ein Geschenk erwartet. In jedem Fall sollte man seinen Namen auf das Geschenkpapier schreiben, wenn man damit in Verbindung gebracht werden will: sie werden nicht während der Feier aufgemacht! In feierlicher Zeremonie werden sie vom Geburtstagskind abgeholt oder von den Schenkenden (tanzen) vorbeiebracht und dann an einem Ort gelagert und zu Hause geöffnet . damit der Schenkende nicht mit ansehen muss, falls der Beschenkte enttäuscht ist. 🙂
Anfang: ist natürlich verzögert. Wenn es heisst „ab 8:00pm“ erscheinen nur die besten Bekanntn wenn überhaupt vor 9. Ausnahmen sind z.B. Hochzeitszeremonien in der Kirche – die aber natürlich trotzdem verspätet anfangen. Wer pünktlich kommt ist selbst schuld und muss warten – wer später kommt muss wahrscheinlich trotzdem noch warten. Einem Deutschen ist aber keiner böse, wenn er pünktlich ist.
Ende: gibt es offiziell nicht. Kann aber spät werden. Mit passender Ausrede is es aber akzeptiert, früher zu gehen, wenn man nicht mehr tanzen kann 😉
Unterhaltungen: sind sporadisch – geht auch schwer, wenn man dabei zu lauten Blechbläsermusik tanzt. Also wenn, dann vorher, während alle auf den Bänken sitzn und warten, oder beim Essen.
Trinken: Das Bier wird meist je von einem für die Gruppe gekauft (die Runde um), vor Ort meist 3 Flaschen für 10 Sol (eins kaufen ist ungewöhnlich). Zusammen mit einem Becher wird es dann rumgereicht: man schenkt sich ein, gibt die Flasche weiter, trinkt aus, schüttet den Schaum auf den Boden und gibt den Becher weiter. Ablehnen sollte man, wenn überhaupt, dann nur mit gutem Grund – oder spät, wenn eh schon alle betrunken sind. Einfacher ist es, sich einfach nur einen kleinen Schluck einzuschenken – voll wird der Becher ohnehin nie gemacht, sondern maximal halbvoll.
Das alles kann natürlich vollkommen anders aussehen, wenn man sich unter Reichen oder Ausländern befindet 😀 …wenn man sich auf eine peruanische Feier eingestellt hat, wird es aber meistens ein ganz amüsanter Abend: wenn einem nicht vorher von der überlauten Mariachi-Musik die Ohren geplatzt sind…

4.10.10, Lima

Barrio Chino / Pachamanca

Barrio Chino / Pachamanca

Clase en la Kalle: Barrio Chino
Gestern war ich zur Abwechslung und weil ich ein paar Dinge auf dem Markt kaufen wollte im Barrio Chino – dem chinesischen Viertel. Das mitten im Stadtzentrum gelegene Barrio, auf dem in mehreren riesigen Markthallen alles von Stoffen über Lebensmittel, Kleidung bis zu Raubkopien feilgeboten wird, hat eine Fussgängerzone, in der selbst die (peruanischen) Bankfilialen auf chinesisch beschriftet sind. Eine Chifa reiht sich an die nächste, Supermärkte verkaufen chinesische Zutaten und das chinesische Eingangstor wurde von der chinesisch-peruanischen Supermarktkette Wong gesponsort. Schon ein wenig seltsam, erinnert irgendwie an Pozuzo bezüglich kultureller Abgrenzung. Da soll noch mal wer sagen, in Deutschland funktioniert die Integration nicht 😀 …Insgesamt schien das Viertel aber nicht so schlecht – natürlich ist es kein Mittelschichts-Jesusmaria, aber es gibt offenbar einige Viertel in Lima, wo die Menschen schlechter leben. Kein Wunder, wenn alle so geschäftstüchtig sind wie all die Chifabetreiber und Markthändler hier im Barrio.

25.9.2010, Lima

Pachamanca
Gestern hatte ich die tolle Gelegenheit, eine weitere Feierlichkeit á la Peru kennenzulernen (gibts demnächst mal wieder ein How To… :D) – der 2. Geburtstag der Tochter Fernanda von Kattys Bruder wurde gefeiert (in San Martin de Porres – Häuser sind besser als in Puente Piedra, die Strassen um einiges schlechter. Schlussfolgerung: Leute wohnen schon länger hier und haben Zeit und Geld gehabt um ihre Häuser auszubaün, die Barrioverwaltung ist aber weniger effektiv, was auch Rückschlusse auf den Umgang mit Kriminalität zulässt…). Da erstmal fast eineinhalb Stunden mit Snacks auf den Bänken am Raumrand gesessen, was hier zur Feier quasi dazugehört, bis der Clown kam und bis um 10 zu einer grauenhaften Mischung aus Tecno, Perreo und Kindermusik die Kids animierte. Der gehört ebenso dazu wie die Kindertorte, von der es aber für jeden nur ein weniziges Scheibchen gab. Weiss de rHimmel was mit dem Rest der Torte passiert.
Heute ging es dann zur Verabschiedung Kattys, die am Montag wieder nach Spanien fährt, zum gemeinsamen Pachamanca-essen mit Familie und Freunden. PachamancaPachamanca ist eine in einem Erdloch zubereitete Mahlzeit mit stundenlanger Vorbereitung, die natürlich irgendwie dazu gehört. In einem im „Innenhof“ gebuddelten Loch werden Kartoffeln, viel Fleisch, Bohnen und Humita (s.u.) unter Erde und zuvor erhitzten Steinen verbuddelt und nach einiger Zeit wieder ausgegraben. Schmeckt hervorragend, ist aber verständlicherweise sehr aufwendig. Hier mal ein Rezept für die Humitas, eine sehr leckere Süssspeise aus Mais, die man auch ohne Pachamanca machen kann:

Humitas
Zutaten: 50 Maiskolben (geht natürlich auch weniger, verringert die entsprechenden anderen Mengen… aber wenn man schon mal dabei ist)´
3 Kilo Zucker
500 Gramm Butter
Öl
200 Gramm Rosinen und ähnliches
Zubereitung: Maiskörner von den Kolben entfernen und mit einer Mühle o.ä. zu Brei verarbeiten. In einem Topf mit Öl und erhitzter flüssiger Butter vermengen, anschliessend den Zucker und die Rosinen hinzufügen und alles gut durchrühren. Die Masse in die ausgebreiteten Maiskolben-hülsen aufteilen (ca. 2 Löffel pro Stück) und diese zusammenfalten. Die Humitas ca 1 Stunde erhitzen (in Pachamanca oder Ofen) und noch warm verzehren (Hülsen auffalten und nicht mitessen XD )

So viel erstmal dazu, jetzt gibts noch die letzten Fotos, siehe Beiträge unten.

27.9.2010

Österreich im Dschungel

Österreich im Dschungel

Haus Köhel in PozuzoDie kleine Ziegeldachkirche auf der Plaza Mayor, die holzgeschnitzten Verandas über dem „kleinen Kaffeehaus“, die Unterkunft im „Haus Köhel“ und schliesslich das (vorzügliche) Wiener Schnitzel im „Gasthaus Tiroler Adler“… ja, ich bin immernoch in Peru.
Heute früh um 6 sind wir mit einem der üblichen Combis von Oxapampa aus losgefahren, und gute 2 1/2 Stunden am Fluss entlang durch den Dschungel und auf atemberaubend engen Hangpfaden neben dem Canzon über die Strase überquerende Bäche gefahren (einmal fast stecken geblieben). Und dann sieht man plötzlich grün bewaldete Hügel mit Kühen und Holzhütten und Dorfkirchen und fühlt sich wie in Österreich. Im peruanischen Dschungel. (Okay, nicht richtig tieeefer, virgin-Dschungel, aber trotzdem.) Im oben erwähnten Gasthaus assen wir dann Pozuciano-Wurst, Wiener Schnitzel, Kartoffelsalat, Yuca und frittierte Bananen, gefolgt von leckerem Bananenstrudel (Äpfel gabs zur Ankunft der Siedler hier ja nicht…). Der Eigentümer, Señor Egg Gstir, dessen Urgrossvater Bruder des Koloniegründers war, unterhielt sich auf Castellano und tiroler Deutsch mit uns über seine Reise nach Österreich, das Buch, das er geschrieben hat und die Kolonie an sich.
Nach 1/2-Stunde Fussweg konnte ich mir auch das v.a. rheinisch besiedelte Prussia ansehen, dort scheint der Einwanderereinfluss aber nicht ganz so stark hängen geblieben zu sein wie im österreichischen Pozuzo – die Rheinländer haben sich offenbar mehr integriert und vermischt, weshalb jetzt von Prussia nicht sehr viel mehr übrig geblieben ist als das selbstgebraute Bier gleichen Namens und die Dorfkirche.
Haengebruecke PozuzoÜber eine zufällig entdeckte Hängebrücke wanderten wir später den Pilgerpfad zum gegenüberliegenden Hügel (kleine Pilgerstationen erzählen vom Leidensweg Christi – auf Deutsch) und einer hübschen kleinen Kapelle mit herrlicher AUssicht auf das erstaunlich kleine Pozuzo und die von Kühen besiedelten Weiden.
Enzos Bierbrauerei hatte abends leider nicht mehr geöffnet als wir das hauseigene Bier probieren wollten, und mussten deshalb andererorts mit Cuszueña vorlieb nehmen.
Artesania Der Wald
Heutige Höhepunkte: die Unterhaltung mit einem Pozucino italienischer Abstammung (!), heute 84-jähriger Schreiner mit fehlendem Zeigefinger, seinerzeit Anführer der Pozucinos im Kampf gegen den Sendero Luminoso und die staatliche Gegenkraft Morocos (die genauso grausam waren); und das Museo Schaffner, das wirklich interessant von der Geschichte der Kolonie erzählt – und die Kassiererin/Führung/vllt. auch Eigentümerin ist in Bayern geboren… Ein bisschen zu Denken hat mir die Erzählung gegeben, dass ihre Familie kurz nach dem 2. Weltkrieg ausgewandert ist – natürlich kann ich das nicht wissen, aber was wäre wohl einer der plausibelsten Gründe, genau dann schnell in eine deutsche Kolonie auszuwandern, mit dem Vorsatz, dort ein bisschen „frisches Blut“ anzusiedeln…?
Mit dem abenteuerlichen Micro ging es zurück nach Oxapampa, von wo es dann morgen über La Merced zurück nach Lima geht… schade, weils eine spannende Tour war, angenehm, weil ich mich dann doch irgendwie an das Klima Limas gewöhnt habe 😉

20.9.2010, Pozuzo / Oxapampa

How to eat out in Peru

How to eat out in Peru

Heute mal wieder ein kleines How To für alle zukünftigen Perureisenden und sonstige Interessierte, diesmal zum Auswärts-Essen, da es ausser dem kennenlernen einer Kommilitonin die ab Montag in Leipzig studieren wird nichts erzählenswertes gibt. Nochmal zu Orientierung betreffs Preise: 1 Euro sind derzeit 3,6 Soles.

How to eat out in Peru
In Peru gibt es zahlreiche Möglichkeiten, auswärts zu essen – und das für europäische Mittelschichtler erstaunlich erschwinglich. Leider sieht das für Peruaner mit einem deutlich geringeren Einkommen (was die meisten sind) anders aus, und so werden die meisten Mahlzeiten (und gar nicht die schlechtesten) wohl in privaten Haushalten verzehrt. Für alle, die jedoch nicht oder nur selten die Möglichkeit haben, von einer peruanischen Familie bekocht zu werden, hier ein paar Altenativen:
Chifa: Die Chifas sind für Peru, was für Deutschland Dönerläden sind. Es gibt sie an jeder Ecke, in Lima gibt es wahrscheinlich mehr Chifas als Strassen. Chifas sind chinesische Restaurants, meist allerdings im billigen Sektor und stark peruanisch beeinflusst – also nicht vergleichbar mit deutschen Chinarestaurants. Wie in den meisten Orten sollte man hier unbedingt ein Menü bestellen, wovon es in den meisten Chifas eine grosse Auswahl gibt. Dort bekommt man dann meist eine Hauptmahlzeit mit Wantan frittiert oder als Suppe, seltener auch noch ein Getränk dazu für 5 bis 9 Soles – während das gleiche Gericht á la carte meist um die 12 Soles kostet. Da es die meisten Gerichte auch als Menü gibt, kann man den á la carte-Bereich also gerne überblätten. Die meisten Gerichte bestehen aus Reis (arroz), Huhn (Pollo), chinesischen Nudeln und manchmal süssen Früchten in den verschiedensten Mischungen. Populär sind die „chaufa de arroz“, so was ähnliches wie eine Reispfanne meist mit Hühnchen und diversem Gemüse vermischt. Da manche Chifas angeblich die schlechte Angewohnheit haben, halbaufgegessenes und zurückgelassenes Essen für andere Gäste wieder zu verwerten, schadet es nicht, über die Reste das übriggebliebene Ají zu verbreiten und die Serviette praktisch zu drappieren.
En la calle: Eine der peruanischsten, für deutsche Mägen hin und wieder strapazierende Variante ist das Essen auf der Strasse. In jeder mittelgrossen Stadt finden sich an den geschäftigsten Strassen und vor kleinen Restaurants kleine Grills und Essstände, die den Passanten für 1 bis 3 Soles ihre Mahlzeiten anbieten, besonders zu den Abendstunden. Die häufigsten Mahlzeiten sind Sandwiches und Hamburger in den verschiedensten Varianten (Rind oder Huhn, mit Salat, Papas (frittierte Kartoffeln) und allen möglichen Saucen), Suppen (v.a. „Caldo de Gallina“ mit… ihr ahnt es: Huhn) und Schaschlikspiesse (präferiert Anticucho (Rinderherzen, sehr lecker), aber auch Hotdog-Wurst, Huhn und ab und zu ein bisschen Gemüse mit dabei). An anderen Ständen finden sich teils frischgepresste Säfte, die man vor Ort aus einem Glas zu sich nimmt. Und wenn einem nach Dessert zumute ist, Picarones (aus Kürbis und Süsskartoffel bestehende Kringel) und mit Mancharblanco gefüllte Churros (seeehr lecker!) bekommt man für 1-2 Soles. Besonders später am Tag sollte man keine Sandwiches kaufen, die schon fertig im Glaskasten bereitliegen, die wuden meist am frühen Morgen zubereitet und jetzt nicht mehr so geniessbar. Dass das direkt an der Strasse (samt Abgasen) verkaufte Essen auch sonst nicht unbedingt hohen hygienischen Ansprüchen entspricht, ist selbstverständlich.
Vegetarische Restaurants: Ich hab ja so Leute in der Familie, die mit all dem Huhn, Meerschwein und Rinderherz nicht so viel anfangen können. Die habens hier nicht ganz so einfach – inzwischen gibt es aber sogar einige Restaurants mit breitem vegetarischen Angebot. (Z.B. der alte Strassenbahnwaggon im Zentrum Barrancos, sehr zu empfehlen!) Oft werden diese von den Hare Krishna geführt und bieten gesundes, günstiges Essen an, manchmal sogar mit ausgefeilten Speisen mit Fleischersatz (Soja etc). Die Preise sind für Restaurants (selbst in Peru) vergleichsweise günstig, trotzdem kann man mit guter Qualität rechnen. Man muss sie nur eben erstmal finden, denn noch sind sie sehr rar gesät und vor allem in touristischeren Gebieten zu finden.
Cevicherias: Es gibt ja auch so Leute, die total auf Fisch und Meeresfrüchte stehen. Da gehöre ich nun wirklich nicht dazu, werde in der Hinsicht also nichts vorschwärmen können. Fakt ist aber, dass es vor allem an der Küste (natürlich v.a. in Lima) zahlreiche Cevicherias gibt, wo man hauptsächlich das aus Fisch, Limón und Chili bestehende Ceviche, meist aber auch andere Fischgerichte (z.B. frittierter Fisch) und Meeresfrüchte bekommt. Preise können zwischen 8 und 20 Soles variieren.
„Typisch“ peruanische Küche: Davon abgesehen, dass die oben genannten Optionen wahrscheinlich am häufigsten von Peruanern genutzt werden,gibt es natülich auch die peruanische Küche, die v.a. Touristen interessiert. Das allseits berühmte Cuy (Meerschweinchen) ist besonders in der zentralperuanischen Zubereitung „Picante de Cuy“ (mit scharfer Sauce und Kartoffeln plus Reis) zu empfehlen. Lomo saltado (Steak vom Rinderücken), auch als Lomo de Alpaca (also aus Alpaca 😉 ) möglich, ist eine weitere im Ausland bekannte Köstlichkeit. Aufgrund der meist eher hohen Preise (Cuy in den meisten Restaurants für 30 Soles, als Picante de Cuy wenn man Glück hat für 10 Soles) ist das alles aber, seien wir ehrlich, nur begrenzt „typisch“ Peruanisch.
Marktstände: Backpacker, Studenten und andere arme Schlucker wie mich 😉 freuen sich ja immer über billiges Essen. Wenn man sich nicht en la calle (s.o.) eine Magenverstimmung holen will, aber trotzdem für 3-4 Soles den knurrenden Magen unterwegs stillen will, lohnt sich ein Abstecher zur nächsten Markthalle. Hier kiegt man vor allem Suppen an Ständen mit kleinen Bänken zum sitzen, von Caldo de Gallina bis zur Gemüsesuppe, oft auch einfach irgendeine Nudel-Brühe mit allem, was sich gerade gefunden hat – während sich beim Nachbar ein halber Maiskolben findet, findet man selbst unter Umständen Rindfleisch samt Knochen. Der Geschmack und die Qualität kann sehr weit variieren. Wenn man schon mal auf dem Markt ist, kann man sich natürlich gleich auch mit Reis, Kartoffeln und Gemüse von grossen Stapeln eindecken. Ob man das dort an Haken hängende Fleisch kaufen und verzehren möchte, bleibt den eigenen Präferenzen überlassen.
Edelrestaurants: Da kann ich im Prinzip bisher noch weniger drüber sagen als über Cevicherias. Aber die gibts auf jeden Fall auch hier. 😀
Panaderias / Pastelerias Meist gemeinsam auftretend, bekommt man hier Brötchen (Pan – Brot an sich gibt es seeeehr selten) und Kuchen (pasteles, obwohl es eigentlich meist eher Torten sind). Beides unglaublich lecker hier, und meist für gute Preise zu haben – für ein einzelnes Brötchen sollte man nicht mehr als 30 Centimos bezahlen, meist wird eher in Kilo berechnet, welches nicht mehr als 5 Soles kosten sollte. Neben dem typischen Frühstücksbötchen (Pan francés) gibt es häufig Ciabatta, viele verschiedene weisse Brötchen, seltener Körner- und häufiger süsse, sehr weiche und leckere Brötchen (pan dulce), die manchmal innen eine gelblichere Färbung haben (ich vermute einfach mal, dass die einen grösseren Maisanteil haben…). Dann gibt es auch noch Croissants und winzige Minibrötchen (z.B. pan anis) mit ausgefallenen Geschmäckern. Belegte Brötchen findet man allerdings seltener. Die pasteles sind meist als Stücke zu kaufen und sehen nicht nur schmackhaft aus, sondern sind es meist auch. Allerdings wahrscheinlich auch absolute Kalorienbomben und sehr süss. Cheesecake (ja, wie in englisch. Aber spanisch ausgesprochen) mit erweiterten Fruchtgeschmäckern, torta selva negra, Schokoladentörtchen, die riesigsten Sahnetürme… hier kann man meist Tage drin verbringen.
Frühstücken (Desayuno) kann man in den verschiedensten Restaurants, die sich sonst meist auf Sandwich-artiges spezialisieren, und wo man selbiges auch besonders frühstücken kann (aber selten vor 9 Uhr). Typischerweise wird dort auch das Desayuno Continental, Integral und Americano angeboten, die für Preise zwischen 9 und 16 Soles aber erbärmlich wenig bieten. (Was dazugehört, steht meistens dabei – Americano ist meist mit warmen Sachen wie Ei etc, Integral mit Früchten, und Continental das schwächste mit zwei Brötchen und Marmelade o.ä.) Als Getränk wählt man v.a. Kaffee (hier fast immer mit Zucker), Tee oder Mate (de Coca oder Anis), manchmal auch Saft. Wenn vorhanden sind die Sandwiches meist die bessere Alternative. Allgemein kann man das Frühstück auswärts aber gerne vergessen und sich die gleichen (oder bessere) Zutaten sehr günstig im Supermarkt holen.
Was man (fast) vergeblich sucht sind gute Eisdielen (meist eher mittelmässiges Donofrio-Eis aus dem Schubwagen – bisher nur in Cusco einen guten Eisladen entdeckt) und andere ausländische Restaurants. Seltenst einmal gibt es Japanisches Sushi, in touristischeren Gegenden mal eine Pizzaria (in Miraflores gibt es sogar eine Pizzastrasse…), und wenn man Glück hat eine französische Creperie (z.B. in Arequipa beim französischen Kulturzentrum). In Arequipa wird der Dönerladen „El Turco“ als Aussergewöhnlichkeit ohnegleichen gefeiert (und hat dafür fast deutsche Preise für ein kleines Dönerchen). Britisch oder irisch sind höchstens die Inventare der gleichnamigen Pubs, Essen und Trinken meist jedoch eher weniger. Wenn man sonst wo eine andere Kultur als Restaurant findet, wird das in den meisten Fällen wohl eher gehobenes Mileu sein.
Zutaten die man überall wiederfindet, sind Huhn und Reis. Huhn vor allem deshalb, weil es billiger als anderes Fleisch ist und ausserdem immer als solches zu erkennen ist (während anderes Fleisch gut mal ein bisschen durchmischt sein kann), und Reis… Reis ist hier elementar und gehört zur Mahlzeit wie die Vorspeise und das Getränk – es gibt nahezu keine Speise (okay, ceviche), die ohne Reis serviert wird, und wenn der mal fehlt, ist das Grund zum Ärgernis. Eine mir besonders liebgewordene Spezialität, allerdings eher zum einkaufen und selber frühstücken oder nachmittagen 😉 – ist der Manjarblanco, ein fudgeartiges, cremig-karamelliges Milchprodukt, von dem man einfach nur schwärmen kann. Getränke zum häufig bestellten Menü sind entweder Gaseosas (Softdrinks wie Cola oder die bereits beschriebene Inka-Cola) oder Fruchtsäfte, leicht angewärmte saftähnliche Limonaden (schwer zu beschreiben… viel Wasser und bisschen Frucht) oder Chicha morada. (Um mich dazu mal zu korrigieren: die Chicha ist das „Maisbier“, Chicha morada ist vollkommen unalkoholisch und aus lila Mais hergestellt. Keins der beiden wird mithilfe der Spucke der Maistreterinnen fermentiert, auch wenn sich das Gerücht hartnäckig hält.

23.9.2010, Lima