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Monat: November 2017

Wunderbare Sonntagsnachricht!

Wunderbare Sonntagsnachricht!

Seit meiner Rückkehr von meinem Flüchtlingseinsatz auf Lesbos hatte ich versucht, mit meinen wenigen Möglichkeiten Nawja die Familienzusammenführung mit ihrer Familie in Bamberg zu ermöglichen. Nawja ist eine Englischlehrerin aus Damaskus, die auf Lesbos mit ihrer 5-jährigen Tochter und ihrem behinderten Bruder auf ihre Weiterreise gewartet hatte; ich hatte sie dort kennengelernt und ich hatte ihr versprochen, ihnen zu helfen.

Ich hatte mich an die European laywers of lesvos gewandt und sie um Hilfe gebeten.

Heute erhielt ich nun die wunderbare Nachricht von Nawja, dass sie mit ihrer Tochter und ihrem Bruder in der kommenden Woche nach Athen weiterreisen darf. Das ist ein sehr großer Schritt für sie, weil dadurch die Möglichkeiten, die Familienzusammenführung in Deutschland zu erreichen, gestiegen sind. Natürlich wird sie dort auch erst einmal in einem Flüchtlingslager leben müssen, aber in Athen gibt es mehrere Organisationen, die bei der Familienzusammenführung behilflich sein können. Ich werde also jetzt weiter versuchen, sie  mit ihrer Familie in Deutschland zusammen zu bringen.

 

Michael

Kirchen und Krieg

Kirchen und Krieg

Touristen und Reisende mögen ja alte Städte. Wo die Stadtmauern in wuchtige Höhen wachsen, Kirchturmspitzen und Minarette die Wette um die größte Nähe zum Himmel ausüben und Festungsruinen auf den Spitzen der Berge thronen. In der letzten Woche fand ich gleich drei Beispiele solcher von aller Welt geliebten Städte: Das montenegrinische Kotor, das kroatische Dubrovnik und das bosnisch-herzegowinische Mostar.
Alle drei leben vom Tourismus, der in den Sommermonaten ihre Straßen durchflutet, im späten Herbst der inzwischen unter den Mantel kriecht sind die Hostels leerer und in den Morgen- und Abendstunden kann man beinah ungestört über das Kopfsteinpflaster stolpern. In Kotor wandere ich einen langen, serpentinenreichen Pfad zur alten Festung hinauf, die zwischen den Bergen hindurchspäht und einen Blick auf das Gewusel der Innenstadt fallen lässt und lausche einem klassischen Chor orthodoxer Gesänge in der (für die Größe der Stadt unproportionalen) Kathedrale. In Dubrovnik fahre ich mit einem Kanu auf das dalmatische Meer hinaus, umrunde eine dank Klosterprotektion naturbelassene Insel und bestaune die Stadtmauern im Sonnenuntergang – ein mächtiges Bauwerk, das der von Venetianern umringten, reichen Handelsstadt der frühen Republik Dubrovnik gerecht wurde: Schützen vor Angreifern, Angeben vor Handelspartnern. Und in Mostar schließlich, dem Herz von Herzegowina, bestaune ich das farbenreich restaurierte Innere der Moschee, von deren Minarett am Mittag die Gebetsaufrufe über die kunstvoll geschwungene Brücke schweben.
Und erst, als ich weit im Westen der Stadt zwischen den Mauern eines verlassenen Kriegspartisanen-Denkmals stehe, wo die Denkmalsteine der Kämpfer umgestürzt sind und das Gras über die Kriege vor dem letzten, dem Spaltenen, gewachsen sind, wird mir bewusst, dass es immer auf zweierlei hinausläuft: Kirchen und Kriege.

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