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Monat: September 2014

Was man so in Oslo tut

Was man so in Oslo tut

Damit mein nächster Blog vom derzeitigen Trip nicht zu lange wird,
hole ich doch mal schnell nach, was in den letzten zwei Wochen Oslo
passiert ist, zur Abwechslung mal wieder in einer schnellen Sammlung:
– ein weiterer Poetry Slam im gemütlichen „Uhørt“, bei dem die Band
aus Beatboxer, Drummer, Kontrabass und Keyboard spontan einen neuen
Text von mir musikalisch so genial unterlegte, dass es mir fast
während des Auftritts die Sprache verschlug
– einiges Uni-mäßig nachgeholtes, viele Kurse und gute Texte (sehr
ihr, ich studiere auch)
– eine Podiumsdiskussion mit Desmond Tutus Tochter (er war leider
kurzfristig erkrankt)
– die ersten 2 wochen meines Uniexperiment „6 Wochen kein
Wegwerfplastik kaufen“ (das ist teils wirklich nicht leicht – und
meist um einiges teurer…)
– eine Geburtstagsparty einer Kommilitonin
– Schlendern durch den reichen Nordwesten der Stadt, den ich bisher
noch nicht kannte – und der ehrlich gesagt recht langweilig im
Vergleich zum Osten und Zentrum ist
– das Tag und Nachtgleiche-Fest am Fluss, beleuchtete Regenschirme die
man sich ausborgen konnte und über die Wiese rennen konnte, Jazzbands,
DJs, Feuerspieler, Tanzgruppe, Chöre, viele viele Kerzen und auch
viele viele Leute 🙂
– Ein cabin Trip am Samstag mit vielen internationalen (meist
furchtbar jungen) Studenten zu einer schönen Hütte nördlich von
Oslo, mit Wandern, Lagerfeuern, Tanzen und ausgedachten(sich leichter
zu merkenden) Namen
– eine leider viel zu kleine, unenthusiastische Klimademo am Sonntag
– zwei erfolgreiche referate (über Grönland, inuit und den
Klimawandel sowie Transnationale unternehmen im „Bottom od the
Pyramid“ -Markt
– eine nächtliche 8 stunden bahnfahrt gen Norden. Wohin und warum und
was da geschieht? Gibt’s beim nächsten mal.

Von märchenhaften Fjorden, schicken Bergwanderungen und der kleinsten zweitgrößten Stadt des Landes

Von märchenhaften Fjorden, schicken Bergwanderungen und der kleinsten zweitgrößten Stadt des Landes

Fairytale Land
Kayak im FjordEs war so märchenhaft, wie sich jedes norwegische Klischee malt: krumme Bäume, die auf den schmalen Rändern eines abfallenden Steilkliffs ihre Wurzeln zwischen den moosigen Stein schlagen, dahinter ein im Sonnenlicht regenbogenfarben werfender Wasserfall, der über abgerundeten Stein Dutzende Meter hinab in den salzigen, eiskalten Fjord stürzt, Wasser, Wald, Klippen, Stille, kaum eine Menschenseele im ganzen Fjord, vereinzelte Fische und mittendrin drei Kayaks, der kalifornische Surfer-und-Rettungsfahrer, den ich im bergener Hostel kennengelernt habe, ich und unser privater Guide, ein gebürtiger Bergener mit Passion für Kayaks, Fische und die Natur. (Von ihm stammen auch die Fotos, vielen Dank an God Tur, der Name passt). Zusätzlich zeigte er uns nicht nur jenen abgelegenen, von Touristenströmen verschonten Fjord, sondern brachte mir bei, wie man sich absichtlich zum Kentern bringt (das war ein Spaß) und dann wieder ins Boot kommt. Wir fuhren unter einem Wasserfall hindurch (sicherer, nicht leicht bröckelnder Stein, wie er betonte) und lunchten inmitten der Herrlichkeit auf einem sonnigen Stein.
Regenbogenwasserfall
DSC_0102DSC_0059
Aber das war nicht der einzige Grund, warum mein letztwöchiger Ausflug nach Bergen ein famoser Trip war. Ich wanderte gute acht Stunden (im Aufzug eines 20er Jahre Sonntagswanderer, der jedem erklären musste, dass er dress up for nature betreibt) die Stolzekleien hoch und über den touristischen Hausberg Fløyen bis zum gute 600 Meter hohen, von steiniger Natur und gestapelten Wegsteinen umringten Ulrikken,
#dress up for nature Wanderung#dressupfornatureAuf dem ViddenWegsteine auf dem Vidden
…stromerte durch die Gässchen und Holzhäuser-gesäumten Straßen der mit 200.000 Einwohnern zweitgrößten Stadt des Landes, genoss Hafenblick von der Hosteldachterasse, zog couchsurfenderweise zu einer fast veganen naturbewussten Köchin und Meeresbiologin um, die mir noch mehr versteckte Gässchen, famose Streetart, Flohmärkte und eine Stavkirken (Holzkirche aus frühchristlichen Zeiten) zeigte (ich konnte ihr im Austausch immerhin beibringen, wie man Schupfnudeln macht), ging im Aufzug der Nacht die 500 Stufen zum Stolzekleien erneut hoch in der Hoffnung auf potentiell angekündigte Nordlichter (die zwar nicht kamen, aber der Blick aufs nächtliche Bergen machte das wett) und sammelte einige neue Ideen für Roman und Songtexte. Heißa. Ein langer Satz für eine lange Woche.
die kleinste zweitgrößte Stadt des Landes
Brygge BergenBergens GässchenBergen bei NachtBergen UntergrundBryggenVon der nächtlichen Bergwanderung aus

Und dabei war die Woche davor kaum weniger famos: ich nahm an meinem ersten Osloer Poetry Slam / Open Mic teil, bei dem neben einem englisch übersetzten Text ein deutscher Fremdgang-Text dank Begleitung eines begabten isländischen Beatboxers zu neuem Leben erwachte, sah eine merkwürdige avantgardistische Kunstperformance mit abstrus verkleideten Tänzern unter zuckendem Licht und seltsamen Tönen zu der meine Nachbarin Locke mich mitnahm, ging mit meinem Kommilitonen-Kumpel Erdwind zu einem Open Air Kino über südafrikanisch-oppositionelle Alternativkünstler und wandelte spontan eine als Dachterrasse geplante Party in eine Zimmer-und-Flurküchen Feier mit gut zwanzig Freunden und Kommilitonen auf engstem Raum um. Und ja, nebenbei las ich tatsächlich auch spannende Unitexte. Glaubt ihr mir vielleicht nicht, aber doch doch, auch wenn ich selbst nicht genau weiß wann ich das tat. Mein erster Monat Norwegen neigt sich dem Ende zu, aber schon nächste Woche geht es auf den nächsten Trip…

Auf der Trollzunge

Auf der Trollzunge

Ich überblicke den Fjord
Trolltunga PosingLiegestatt Fels
Unter mir erstreckt sich ein mächtiger Fjord, die mehrere hundert Meter hohen Steilklippen ragen steinern und nur im unteren Drittel bewachsen daneben auf und ich sitze auf dieser kleinen, schmalen, zum Glück nur begrenzt windigen Klippe namens Trollzunge, die Beine über dem Abgrund baumelnd. Trolltunga ist, trotz aller touristischen Popularität (kommt man Mittags, muss man Schlange stehen) ein mächtiger Anblick. Neben der berphmten Klippe ragt noch eine kleinere über die Schlucht, ein paar weitere nah-am-Abrund-Stellen laden zum Wagemut ein und wir probieren natürlich alle davon aus.
Jumpy PictureWir, das sind 5 internationale Studenten an der Uni Oslo (die wanderunerfahrene Biologin, der Kommunikationswissenschaftler, die britische Skandinavistin, die australische Designerin und ich), die sich am letzten Wochenende zusammengetan haben, die Trollzunge zu bezwingen. Am Freitag hatten wir uns aufgemacht, gleich nach der Uni den Mietwagen abgeholt und unsere vollbepackten Rucksäcke mit einer Armada von Sandwiches verstaut und waren die guten 6 Stunden nach Odda gefahren – auf der südlichen Strecke, ein herrlicher Weg vorbei an Wasserfällen und Seen (was auch sonst) und mit nur einem Verfahren das aber dafür schöne Aussicht auf schmaler Straße bot. Erst nachts und im Regen erreichten wir den Campground, wo wir möglichst zügig das eine Zelt aufbauten (zwei schliefen der Einfachheit halber im Auto), und am Morgen mit Ausblick auf (na was wohl) einen riesigen See erwachten. Nicht weit von Odda entfernt kamen wir dann zum Startpunkt des Wanderweges, der selbst im schlechtwetterlichen Spätsommer (obwohl wir kaum Regen hatten danach) gut besucht war.
Das steilste Stück
Die ZahnradbahnDer Weg beginnt mit einem furchtbar steilen Stück gute 1,7 Kilometer, die man auch auf den mit viel Fantasie als Treppe zu bezeichnenden Holzstreben auf einer alten Zahnradbahn zurücklegen kann (und dabei das Tal erschreckend klein werden sieht). Völlig erschöpft und durchschwitzt kamen wir oben an, yeah, wir hatten es geschafft, jetzt fehlten nur noch 9 Kilometer. Die gingen auch erstmal noch weitere 3 km relativ durchweg aufwärts, bevor wir das obere Plateau erreicht hatten und da nun eine Weile mit nur kleineren Steigungen, dafür aber mit einem eiskalten, starken Wind kämpfen mussten.
Auf dem HikeDie letzten 2 KilometerSteiniger Pfad
Das CampWir schlugen unsere Zelte 2 km vor dem Ziel auf, an einer Stelle, die nicht wirklich als windgeschützt, aber immerhin windgeschützter als der Rest zu bezeichnen war – zum einschlafen begleitete uns das Knattern der Zeltwände im Wind. Auf der Höhe findet sich nun wirklich nicht mehr viel außer einer klaren Quelle, teils sumpfigem Moos und ein par quiekenden Lemmingen. Wir bereiteten unseren Couscoussalat vor damit er seine zwei Stunden ziehen konnte und wanderten dann, vom Gepäck befreit, weiter zur Klippe, durch steinige Felslandschaft, auf der nur das rote „T“ und übereinandergestapelte Steine uns den Weg wiesen. Und dann eben Trolltunga. Wir hatten den Ort aufgrund der späten Zeit fast für uns, und nur eine kleine Gruppe Wanderer, die um 7 tatsächlich noch vorhatten den ganzen Weg zurückzugehen, kreuzte noch unseren Weg.
Am nächsten frühen (und sehr kalten) Morgen gingen die Skandinavistin, die Designerin und ich noch einmal dorthin, wo wir schonmal so nah waren, und genossen die kalte Morgenluft auf der einsamen Klippe, bevor wir unsere Zelte einpackten und uns auf den Rückweg machten.
Ein letzter philosophischer Gedanke?Es steht mir auf der ZungenspitzeDer höchste Wasserfall
Wir waren schon am frühen Nachmittag wieder unten, so gönnten wir uns noch überteuertes Mittagessen in Odda und fuhren auf der Nordroute wieder nach Oslo zurück – praktischerweise fand sich genau auf dieser Strecke nebenbei noch der höchste Wasserfall Norwegens (schmal, aber wirklich verdammt hoch, und man kann es kaum in ein Foto packen, erst Recht nicht, wenn man den daneben liegenden, nicht so hohen aber viel mächtigeren Wasserfall mit ins Bild bekommen möchte). Als es gerade dunkelte, bemerkten wir eine im Vikingerstil gebaute Holzkirche in einem der passierten Orte und unsere Skandinavistin rief aus das sei die 1000 Jahre alte Stavkirkene, wir müssten anhalten! Taten wir, war sie aber nicht, sondern die Achtzehnhundert-Nochwas „neue“ Version, die natürlich trotzdem ihre Reize hatte. Da es schon spät war, wollten wir nicht nach der ursprünglichen suchen – taten wir auch nicht, sondern fuhren wiederum zufällig nur fast vorbei. Die noch nach Holz riechende, 1170-Kirche auf einem abgelegenen Hügel umringt von metallenen Kreuzfahrer-Gräbern mit schweren metallenen Kreuzen hatte schon einen eigenen Effekt, so in der Dämmerung, mitten im westnorwegischen Nirgendwo.

Das war also das Wochenende, ein wahrhaft fantastischer Trip. Aber das ist noch nicht mal alles, was seit dem letzten Blog passiert ist. Hier eine Kurzfassung des Rests:
– Ein Tageswanderausflug in die Østmark, leicht per Metro erreichbar und doch so abgelegen einsam schön als wäre es mitten in der Wildnis
– Ein zunehmend interessanter werdender Unikurs der mich wirklich nicht bereuen lässt hier zu sein
– Entspannen auf der Terrasse mit neukennengelernten Nachbarn und dem Columbiano
– Ein überraschender Besuch von meinen „Schwiegereltern“ aus Hannover mit Hafenwanderung
Aussicht von meiner DachterasseSchwiegerelternbesuch
… und viele weitere Eindrücke, sei es von der Uni oder der Stadt, die mich hier wirklich in gewisser Weise ankommen lassen.

Danke an Jo für die Fotos!