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Monat: August 2014

Von Regen, Seen, Dachterrassen und Treibhäusern in Oslo

Von Regen, Seen, Dachterrassen und Treibhäusern in Oslo

Der Sommer im Oslo ist doch etwas ziemlich anderes als in Kanada. Heute ist der erste Tag seit einer Woche, an dem es noch nicht geregnet hat (was sich aber noch gut ändern kann) – auch wenn an sich schönes Wetter ist, muss man jeden Moment mit einem leichten Nieselschauer rechnen, der einen aber nicht von seinen Aktivitäten abhalten sollte – nach spätestens einer halben Stunde ist es meistens schon wieder vorbei. Davon abgesehen gibt es keinen Grund zur Beschwerde, ich habe mich schon ein bisschen eingelebt, erste (gute) Kurse an der Uni besucht und sogar schon meine ersten zwei Couchsurfer in meinem kleinen Zimmerchen beherbergt.
Fähre von FrederikshavnDoch der Reihe nach. Letzte Woche Samstag war ich hier angekommen, nach einer langen Reise mit Bahn und Schiff (darunter eine Bahn, die selbst auf eine Fähre fuhr und eine Dreiviertelstunde nach Dänemark geschifft wurde). Eine an sich unspektakuläre, aber durchaus schöne Fahrt, inklusive 8 stündigem Aufenthalt größtenteils auf dem sonnigen Sonnendeck der Fähre von Frederikshavn. Meinen schweren Rucksack aufgepackt machte ich mich dann am Samstag abend quer durch Oslo, vom Hafen zum Bahnhof und von da mit der T-Bane zum Carl Berners Plass, wo der graue Block, der mein neues Zuhause ist, steht. Das klingt trister, als es ist – es ist ein eigentlich recht nettes Haus mit Felswand und Garten auf der Rückseite (auf die ich blicke) und kleinen Zimmern, bzw. in meinem Fall Apartments, da ich mir anders als die anderen Nachbarn auf dem Flur Küche und Bad nur mit einem norwegischen Studenten teile. Das tollste allerdings ist die Dachterrasse im achten Stockwerk, auf die wir Zugang haben und eine herrliche Aussicht auf ganz Oslo, die Bucht und die Berge, hat. Fotos davon folgen das nächste Mal wenn ich da eine Kamera mithabe, meist sitze ich dort nur und entspanne in den sonnigen Augenblick oder lese meine Unitexte dort. Oder ich lade die Clique internationaler Studenten dorthin ein, mit der ich nächste Woche eine Wanderung unternehmen werde – aber dazu dann mehr.
Im Laufe der letzten Woche richtete ich dann mein Zimmer ein, besuchte meine ersten Unikurse und stand insgesamt wohl ca 2-3 Stunden beim Studentenwerk an, um meine Studentenkarte zu bekommen, holte furchtbar überteuerte Reader (Zwei Kurse für 100 Euro) und stromerte ein bisschen durch Oslo – davon hier erstmal ein paar Fotos als Eindruck:
Oslos PrunkbautenStraßenkunst OslosDie Oper Oslo
Ausblick auf die BuchtModerne Kunst
Die Gegenden, in denen ich mir am Meisten herumtreibe, sind neben meinem eigenen Viertel Rødaloka das trendig-hippe Grünerløkka, das Zentrum (von dem hier die meisten Bilder sind) und der Universitätscampus Blindern (da gibts natürlich auch noch irgendwann Fotos von). Zwei bemerkenswerte Ausflüge waren daneben noch der Skulpturenpark Vigeland, in dem eine ganze Brücke mit Skulpturen gesäumt ist, die verschiedene menschliche Beziehungen darstellen, endend in einem riesigen Monolithen aus ineinander verschlungenen Menschen. Das dritte Bild ist der See Sognsvann (zu dem ich auch gleich wieder fahre), gleich am Ende der T-Bane Linie Nummer 6: gerade noch in der Stadt, steigt man aus, geht etwa hundert Meter gerade aus und findet sich an einem herrlichen See (in dem ich natürlich auch schon schwamm), der sich gänzlich auf gemütlichen Wanderwegen umrunden lässt (vorausgesetzt man ist nicht wie die 100.000 Norweger/innen die ganze Zeit dabei, darumherum zu joggen, dann ist gemütlich wohl der falsche Ausdruck).
Der Monolith im Skulpturenpark Skulpturenpark VigelandSognsvann
Dieses Wochenende gab es dann ein paar erfreuliche Erlebnisse. Am Freitag hatte eine Norwegerin aus dem Kurs „Key Issues of Environmental Change“ (Kürzel „SUM4200“), einem Erstkurs eines beginnenden Masters, die Kommilitonen zu einer Party bei sich eingeladen, was viel dazu beigetragen hat, etwa die Hälfte des Kurses bereits jetzt auf eine freundschaftliche Ebene zu bringen, wo man mehr miteinander unternimmt. Am selben Abend bekam ich auch meine ersten Couchsurfer, die abends eintrafen und entsprechend gleich mit zur Party kamen und nachher in meiner kleinen Bude übernachteten. Nachdem ich sie nach einem Terrassenfrühstück zu ihrer Station gebracht hatte (sie sind jetzt natürlich in der norwegischen Wildnis wandern) ging ich zu einem herrlichen Fest in einem von Schulen pädagogisch genutzten Gemeinschaftsgarten, in dem von Nachmittag an bis spät in die Nacht die verschiedenen Bands spielten, Lämpchen in den Bäumen hingen und gutes Essen gekocht wurde. Die zuvor erwähnte Kommilitonin hatte uns empfohlen, dorthin zu kommen und gefragt, ob wir als Freiwillige in der Küche helfen wollten. So endete ich an der Apfelpresse und half dort eine Weile aus, bevor ich den Rest des Abends mit den SUM-Leuten durch den Garten schlenderte, guten Bands lauschte und Nachts bei der anschließenden Disko im Treibhaus die Seele aus dem Leib tanzte. Was kann man mehr wollen von seiner ersten Woche in Norwegen?
Festival im GemeinschaftsgartenFeuerkünstler im Gemeinschaftsgarten
Jetzt freue ich mich unbändig aufs nächste Wochenende, an dem besagte internationale Clique zu einer Wochenendwanderung aufbrechen werden – wohin es geht und was es dort wundervolles zu sehen gibt, das werdet ihr dann wohl in einer Woche erfahren.
Party like its a greenhouse

Kanada Fotos!

Kanada Fotos!

Auch wenn ich inzwischen wieder ganz woanders bin (mehr dazu die nächsten Tage), habe ich doch nun endlich das Vorhandensein meines Computers genutzt, all die Fotos hochzuladen, die ich schon lange hochladen wollte. Hier also nun alles, was seit Hudson passiert ist, in Bildern.

Unterwegs
AdirondacksWaldradweg
Montreal
ZirkusartistenAlt MontrealDer Clockhouse Tower
L’Petit Tren du Nord (Val David und Mont Tremblant)
1001 PotsKunst im Wald von Val David
Am WegesrandWirklicher RadwegMont Tremblant
Auf dem Weg zum GipfelDer Gipfel
Transportmittelwechsel
Letzter Blick aufs RadOuest
Ottawa
Westminster of the WildernessParlament bei Nacht
Ausblick vom Parlament
Zelle im Jail HostelDas Gefängnis-Hostel
Algonquin-Park
Algonquin Canyon TrailHigh Falls AlgonquinMein eigener See
Upper Canada Village
Upper Canada Village PeopleUpper Canada Sägewerk
Thousand Islands
Boldt CastleBoldt CastleIch in den Thousand Islands
Kayak in 1000 islandsKayak auf anderer der 1000 inseln
Kingston
Kingstons Fast-ParlamentDie Business-Studentin in ihrer UniIn the Footsteps of Sir John A.Coolste Stadtführungstruppe
Toronto
Torontos Graffiti AlleyDa hat wer sein Auto zu lange stehen gelassen
(Alles Weitere passte nicht mehr auf meine Kamera – vorerst aber evtl. hier zu finden: https://www.facebook.com/media/set/?set=a.10152388101328772.1073741835.711733771&type=3 )

Reiseabschluss in Ann Arbor

Reiseabschluss in Ann Arbor

Wie erwartet war es fast ein wenig wie zuhause. Auch wenn ich meine
eigene Gastfamilie erst am Donnerstag sah, machte die Austauschfamilie
meiner Schwester die ersten fünf Tage zu einem herrlichen,
chaotischen, planungsreichen und aufregenden Familienfest. Wir sahen
das vom Regieführenden Austauschbruder produzierte Stück
„Homesteaders“ in einer dem Schauspiel angemessenen Hütte, besahen uns
von Anwohnern gestaltete Kunstprojekte im semiurbanen Detroit, wurden
von einem hochdotierten Anwalt beim Besichtigen des beeindruckenden
Art Deco-Guardianturmes zum Stadtausblick in den dreißigsten Stock
geladen, gingen Kanufahren im Huron und bildeten beim Tuberafting in
den künstlichen Huronrapids die wohl längste Kette zusammenhängender
Rafter, spielten endlose Runden Fluxx und entdeckten downtown den
Robot Repair Shop (der eigentlich nur eine Ladenfrontfassade ist für
ein gemeinnutziges Projekt für Jugendliche, um ihnen das Schreiben
näher zu bringen – die Roboterspielereien finanzieren das ganze). Die
letzten Tage zogen wir (meine Schwester, inzwischen angekommenen
Eltern und ich) dann (um ihnen nicht allzusehr auf die Last zu gehen)
von der Austausch-Gastfamilie zu einer wohlhabenden, mit meinen
Zweiteltern befreundeten Familie mit Haus am (motorbootfreien) See, in
dem sich herrlich schwimmen ließ. (da ich schon gestern fuhr, blieb es
mit verwehrt, wie der Rest meiner Familie noch länger dort zu
verbringen). Und dann natürlich das große Event, der eigentlche
Anlass für die Reise – die gigantische Hochzeitsfeier meiner Sister
from another Mister (sfam) mit ihren brasilianischen Ehemann – die nun
schon zum dritten mal (nach ziviler und brasilianisch-zeremonieller
nun auch noch in den Usa) stattfand. Dank ausgiebiger umgebender
Events (Cocktailempfang am Donnerstag, Lunch und kleiner Barabend am
Freitag und der Hochzeit selbst am Samstag) gab es dann doch noch
einige Gelegenheiten, meine sfam und ihre Eltern zu sehen, die ganze
brasilianische Familie kennenzulernen und drei Abende mit Essen
vollgestopft schlafen zu gehen 😉
Der Tag der Zeremonie selbst: viele ausserordentlich gut gekleidete
Menschen, mehr Klassenkameraden meines Austauschjahrgangs als erhofft,
famoses Essen, Tanz und Schnäpse, eine mit 150 Leuten gefüllte
Edelscheune und ein leicht ins Herz zu schließendes Hochzeitspaar. Im
Anschluss ging es dann noch in einen Club in Ann Arbor zur Afterparty,
mit extra Räumlichkeit für die Hochzeitsgäste und gerocktem Tanzflur
bis zwei Uhr nachts (dann machen alle Clubs zu hierzulande). Zu viel,
um alles zu erzählen – aber alles in allem eine wundervolle Feier, und
als mein letzter Abend in Michigan durchaus angemessen 😉
Gestern holte ich dann das letzte Mal ein Auto ab, um damit nach
Newark zu fahren. Auf dem Weg sah ich noch im Krankenhaus vorbei, wo
ich tatsächlich einen alten Schulfreund auffand, der die letzten
Wochen wegen Herzprobleme leider dort verbringen musste (ist aber auf
dem Weg der Besserung). Ich bin froh, mir die Zeit genommen zu haben
ihn noch zu besuchen, auch wenn meine Zeit knapp bemessen war:
immerhin hatte ich nur bis heute Mittag Zeit, den Wagen am Flughafen
zurück zu geben. Da ich heute früh aufwachte und eigentlich nur noch
3,5 Std Fahrt vor mir hatte, fuhr ich noch für einen Abstecher in die
Pennsylvania Wilds, um noch eine letzte kleine Waldwanderung
einzulegen. Leider verfuhr ich mich auf dem Rückweg etwas, so dass ich
nur gerade so mit letztem tankrest wieder zum Highway fand, und die
vielen fehlenden Meilen in 3 Stunden zuruck legen musste – mit nur
wenigen Minuten Verspätung schaffte ich es schließlich noch zur
Abgabe in Newark, checkte ein und nun, ja nun bin ich kurz davor
zurück zu fliegen, zurück nach Berlin, wennauch nur für wenige Tage.
Ich bleibe aufgeregt. Ein Resumee gibt es noch nicht – denn irgendwie
ist diese Reise ja noch nicht vorbei.

Camping Out Canada

Camping Out Canada

Der Wasserfall vor unseren Gesichtern prasselt mit ohrenbetäubendem
Lärm hinab, halb erfrischend und halb zu kalt in dem wechselhaften
Wetter jener Tage, während wir die nassen Steine zur anderen Seite
hinüber laufen. Auf den Resten einer alten mühle lassen wir den
Anblick auf uns wirken und nehmen uns vor, später hier, oben bei der
Feuerstelle, Abend zu essen. Wir sind in einem Teil der HamiltonParks,
wo wir vorgestern Nachmittag unser Zelt am Rattlesnake Point (wo es
aber keine Klapperschlangen mehr gibt) aufgeschlagen haben. Es war ein
ruhiger, weitläufiger Platz, zu dem nur zum donnerstagabendlichen Yoga
im Park sich ein paar Gäste von außerhalb versammelten – dachten wir,
bis gestern Abend mehrere Gruppen lauter Menschen eintraf, die dazu
heute morgen für eine lange Schlange vor den Duschen sorgten. Doch der
Donnerstagabend war noch unbehelligt von den Massen, und unser
Vorabendspaziergang an den Klippen des Rattlesnakepoints entlang, mit
Aussicht aufs weite Land und verdrehten Bäumen am Waldrand war von
herrlicher Ruhe gesäumt. Gestern machten wir dann neben unserem
Ausflug zu den Hilton Falls und dem dazugehörigen Park (wo wir
tatsächlich stets an der Grenze zum Regenschauer Zucchinis grillten
und Pasta kochten) einen ausgedehnten Wanderstopp am Crawford Lake,
einem ruhig gelegenen, von Holzwanderstegen umgebenden und mit
Wasserschildkröten bevölkertem See und Feuchtgebiet, an dem schon die
Huronen ihre Dörfer hatten – eines davon wurde rekonstruiert, so dass
wir in einem erstaunlich großen Langhaus (24m lang und hoch) von einer
selbst einer der First Nations entstammenden Führerin dabei zuhören
und -sehen konnten, wie ihre Vorfahren dort gelebt haben. (Keineswegs
dem Klischee entsprechend: sie lebten ca 15 Jahre in solchen Dörfern
mit mehreren Hundert Einwohnern, bis die Mais- und Bohnenfelder
jenseits der Dorfpalisaden nicht mehr fruchtbar genug waren und
weiterzogen.)
Einige Wanderwege, Ausblicke und Waldabschnitte später freuten wir uns
auf das bereitstehende Zelt, das auch mir nun erstmal die letzte Nacht
gedient hat – heute früh, nachdem wir unsere Lieblingsholländerin zur
Bushaltestelle gebracht hatten, fuhren wir mit dem Mietwagen nach
Windsor, einem Städtchen gleich auf der anderen Flussseite von
Detroit, wo wir ihn in einem winzigen Flughafen abgaben und uns
ärgerten, dass es dort keinen einzigen Bus gab, der uns in die Stadt
bringen konnte, so dass wir mit dem Taxi zum Busbahnhof kommen
mussten. Dort wiederum erwischten wir relativ problemlos gerad noch
den Tunnelbus, der für eine Handvoll Dollar die Grenze überquert und
uns schließlich zurück in die USA brachte.
Und auf jene unspektakuläre Weise endet nun vorerst der aufregendere
Teil meiner Reise – der Austauschbruder meiner Schwester (also
irgendwie auch mein Bruder 😉 ) sammelte uns auf und brachte uns nach
Ann Arbor, dem letzten großen Ziel meines Trips, und zugleich meiner
zweiten Heimat aus alten Tagen. Dort warten eine Hochzeit, ein paar
alte Schulfreunde und meine zweite Familie, und wer weiß was sonst
noch alles, in dieser letzten Woche overseas. Vielleicht ein bisschen
Gefühl von Zuhause, bevor es schon wenige Tage nach meiner Rückkehr
wieder fort gehen wird.
Aber das ist eine andere Geschichte.