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Monat: September 2011

Medellin wiederentdeckt

Medellin wiederentdeckt

Ich hatte ein wenig vergessen, a) was ich an Medellin mag, und b) was ich an Medellin nicht mag. a) Die Kultur, Wissenschaft, künstlerische Vielfalt, b) die Luftverschmutzung. Beides habe ich heute nochmals eindeutig mitbekommen.
Gestern Abend kam Jordan, eine Freundin aus den USA, hier in Medellin an, und wird bis zum 11. Oktober hier zusammen mit mir Kolumbien bereisen. Heute machten wir uns also auf, all diese Orte in Medellin zu sehen, die ich entweder schon im Januar sah, oder über die letzten Wochen verteilt besuchte, so dass es für mich eine Art Neuentdeckung war. Und da wir zu Fuß unterwegs waren, wurde mir eben auch der Punkt b) wieder deutlich.
Auf unserer langen Stadtwanderung schaffte ich es unter anderem, Jordan Eintritt auf den Unicampus zu beschaffen (was ja, wie erwähnt, gar nicht so leicht ist), zeigte ihr den Botanischen Garten und die verschiedenen Plätze – Plaza de los Pes descalzos (der Barfußpark, wo wir uns natürlich auch unserer Schuhe entledigten), Plaza de las luces (Platz der Lichter), Plaza Botero (wo der Paisa-Künstler mittels seiner übergewichtigen Skulpturen geehrt wird), Plaza Bolivar (gewidmet dem lateinamerikanischen Befreier) und Plaza de los Deseos (Platz der Wünsche, wo wir auch zu meiner Überraschung in einem der dort stehenden Gebäude eine „Casa de la Musica“ fanden, und dank einer kleinen kostenlosen Führung erfahren durften, dass hier ein ehemaliges, kaum genutztes Parkhaus in eine Ansammlung von Probesälen für Orchester und Musikgruppen verwandelt wurde, wo unter anderen auch das Symphonieorchester der Universidad de Antioquia gerade probte).
Wir schauten beim alten Bahnhof und der neuen Stadtverwaltung vorbei, aßen Straßenessen und tranken frischgepressten Saft, und nach einer Odyssee durch komplizierte Straßenführungen und Abgase gelangten wir auf den Cerro Nutibara, wo im „Pueblito Paisa“ ein „typisches“ antioquiensisches Dorf aufgebaut wurde, um die Großstädter an ihre Wurzeln zu erinnern.
Das alles war sehr viel Fußweg, und nach einer Erfrischung im „Café Malaga“ zu Schallplattenmusik von spanischsprachigen Opern aus der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts konnten unsere Füße einfach nicht weiter als in meine Unterkunft zurückkehren. Aber hey, wenn einem die Füße wehtun, hat man meistens einen guten Tag gehabt, und was will man mehr?
Abends gingen wir dann, wo unsere Füße ja nun eh schon strapaziert waren, in die Carrera 70, wo wir im als herausragende Salsa-Bar bekannten „Tibiri“ tanzen gehen wollten. Leider war in selbigem überhaupt nichts los, und nachdem wir eine Weile in einer anderen Bar zurückkehrten, war es gar geschlossen. Also blieben wir in dieser anderen Bar, wo inzwischen ausgiebig getanzt wurde, und gesellten uns zu einer Gruppe Costeño-Studenten, die zur Zeit in Medellin auf einem Ausflug waren. Viel getanzt (gut), zu viel kostenlose Aguadiente-shots bekommen (nicht gut, zumindest nicht mehr heute 🙂 ). Aber trotzdem diszipliniert um 9 Uhr aufgestanden, um uns gleich aufzumachen in den Parque Arví.
Hier auf Jordans Blog gibt es übrigens auch noch mehr: Jordanecdotes
PS: Fotos hochladen funktioniert grade nicht… wird dann wohl nachgeholt

Kann ich eigentlich aus dem Schwärmen wieder rauskommen?

Kann ich eigentlich aus dem Schwärmen wieder rauskommen?

Jaime zu Pferd…was für ein unglaublicher Tag. An alle (zukünftigen) Kolumbienreisenden: das hier ist schwerstens zu empfehlen.
Inzwischen in Jardín in einem Hotel untergekommen, fuhr ich um 12 Uhr mit einem Willy Jeep (die hier als öffentliches Transportmittel fungieren, samt bis zu drei Leuten die hinten draufstehen – ja, mir inklusive 🙂 ) ca 30 Minuten in die umliegenden Hügel zur Finka von Jaime. Schonmal ein guter Anfang, so auf der Trittfläche eines alten Jeeps stehend durch die Hügel Jardins zu fahren. Dort wartete Jaime mit einem bereits fertig gesattelten Pferd namens „Cipriano“ auf mich, Caballeroschwang sich selbst auf einen Esel, ich mich auf den grossen Braunen, und los ging es, circa 45 Minuten zu Pferd weiter in die hügelige Landschaft, mit kurzem Zwischenstopp bei einem Hof, wo die anwesende Frau Gummistiefel für 1$ verleiht (das sollte man dringend annehmen) und dann durch Matsch und über Wiesen und einen kleinen Bach in Schritt, Trab und Galopp zu einem kleinen Stall, wo wir Pferd und Esel eine Pause gönnten. Wir selbst zogen direkt weiter, da es ein wenig nach Regen aussah (der letztenendes zum Glück nicht kam), und wir deshalb nicht allzu viel zögern wollten. „Es gibt zwei Wege, oben um den Fluss rum,Den Fluss durchwatend oder durch den Fluss durch, das geht schneller“, meinte Jaime. Nun, wir hatten Gummistiefel. Und ganz ehrlich, auch ohne Eile hätte sich der Weg durch den Fluss gelohnt. Wir liefen wirklich den Flusslauf hinunter, mal auf Steinen, mal auf kleinen Wegstückchen daneben, mal durch mehr oder weniger tiefen Fluss. Ein Stückchen weiter durch den Wald, der, würde ich nicht den Amazonas kennen, glatt als Dschungel durchginge, und wir erreichten La Cueva del Esplendedor: La Cueva del EsplendorUnter der Cascada badendeine Höhle, in deren Mitte ein gigantischer Wasserfall hinabstürzt, der feuchtgrüne Wald zu beiden Ausgängen der Höhle. Natürlich ging ich ein wenig schwimmen und genoss dieses fantastische Naturschauspiel in allen RichtungenUnter dem Sprühregen-Wasserfall(draussen fliesst ein weiterer, kleinerer Fluss eine grünbewachsene Feldwand hinunter, doch noch so wenig, dass es wie eine konstante Wand aus Sprühregen aussieht). Un maravillo. Den Rückweg gingen wir obenherum, an der Quelle des letzteren Flüsschens vorbei und zurück zu unseren wartenden Huftieren. Mein Fuchs „Cipriano“ konnte es kaum erwarten, zurück in seinen Heimstall zu kommen, und wir galoppierten so schnell durch die Herr der Ringe-Setting in den Schatten schlagende Landschaft, dass Jaime auf seinem Esel gar nicht hinterherkam. So, noch kürzer gefasst: jeder einzelne Peso (35000 plus 4000 die Jeepfahrten plus 2000 die Gummistiefel, also ca 20 Euro) hat sich mehr als gelohnt.

Vor der Cueva del Esplendor

Garten Eden

Garten Eden

Ich beim wandern unter BananenstaudenOh, ich muss meine gestrigen Gedanken korrigieren – Jardín IST noch besser als Andes. Um Meilen. Früh aufgestanden verbrachte ich den ganzen tag in diesem von grünem Samt überzogenen Hügeln mit Bananenplantagen umgebenen Städtchen, dass sich um eine herrlich weitläufige Plaza mit imposanter Kathedrale ausstreckt, in Gässchen von bunt gestrichenen, Holzbalkon-beflissenen Häuschen; in dem man nicht zumeist zu Fuss bewegt und die Cafés an der Plaza gar Aguapanela haben. Ein Lädchen namens „Dulces de Jardín“ verkauft Arequipe/Dulce de Leche und Bocadillos in allen vorstellbaren Geschmacksrichtungen (Kaffee, Banane, Guave, Himbeere, Karamell, Schoko, Lulo, viele Sachen deren Namen ich zum ersten Mal hörte, und ja, Guanabana! Yeah!), und eine kleine Seilbahn mit nur einem Wägelchen transportiert einen zu einem Gesus-Statur-bestückten Hügel, von dem aus man einen tollen Blick auf den Ort hat und noch ein wenig über vom Morgenregen verschlammte Pfade an Kuhweiden vorbeiwandern kann. Dort traf ich zufällig auch drei Deutsche, von denen eine in Medellin lebt und die drei Jahre ihrer Kindheit hier verbrachte. Praktischerweise wird sie auch während meines Aufenthalts an der Küste in Cartagena sein (bei einer Ausgrabung, da sie Archäologin ist), und hat mir angeboten, da in der für diesen Zeitraum angemieteten Wohnung bleiben zu können. Wir gingen noch zusammen essen und zum Fluss runter, bis die drei nach einem Kaffee an der Plaza dann losmussten, ich hingegen noch ein paar Stunden in der herrlichen umgebenden Landschaft wandern ging. Hinter jedem Hügel gingen mir von neuem die Augen auf und staunten ob solcher natürlicher Schönheit. Es ist weder in Worte, noch in Fotos zu fassen. Ich tendiere stark dazu, nächste Nacht dort zu übernachten, um auch Donnerstag noch bleiben zu können, und das Stadtvögel-Skypen eben von dort zu machen. Was eilt es mich bei dieser Gegend schon, in die Stadt zurückzukehren?

Tal von Jardin Jardins Kathedrale Der nahegelegene Fluss bei Jardin öffentlicher Transport 1 Teich mitten in den Hügeln Jardins öffentlicher Transport 2

Spontan sein

Spontan sein

So… meine Zeitungsrecherche ist inzwischen abgeschlossen. Ich war sehr viel in der Bibliothek letzte Woche, deshalb passierte sonst recht wenig, dafür bin ich jetzt damit fertig und brauche mich erst wieder in Palenque meiner Thesis widmen. Samstag hatte ich alle anderen verbleibenden Sachen erledigt, Sonntag wollte ich eigentlich in den Parque Arvi fahren. AlsBiblioteca de España ich dann aber im Metrocable sass, fing es an zu regnen, und ich entschied mich kurzfristig, schon bei der Biblioteca de España auszusteigen, in die ich eh irgendwann noch gehen wollte. Ich hätte es mir aber auch sparen können, sie ist längst nicht so spektakulär wie sie von aussen aussieht. Da es wider regnete als ich rauskam, fuhr ich zurück in die Stadt und ging ins Museo de Antioquia. Zum Glück war der Eintritt für Studenten frei, denn auch hier kam ich nicht übermässig zufrieden wieder raus – der einzig wirklich interessante Saal (indigene Kunst) ist im Umbau, und sonst waren nur die paar Botero-Ausstellungsräue einigermassen ansprechend. Da Jessica nicht erreichbar war (mit deren Familie ich eigentlich Abendessen wollte und nachher mit ihr Felipe besuchen wollte, den Gitarristen den ich bereits im Januar kennengelernt hatte), drohte ich den Abend yuhause zu versacken, entschied mich dann jedoch sponan, nochmal auf die Feria im Botanischen Garten yu gehen. Die ging gestern gerade zuende – was insofern gut war, da ich so insgesamt 6 Bücher für nur 35 Euro kaufen konnte (davon drei sehr nützlich für meine Thesis). Trotzdem schade, es war eine sehr schön gestaltete Buchausstellung mit vielen Ständen und kulturellen Veranstaltungen und Seminaren, darunter mehrere zum Thema Afrokolumbianer.
Heute nahm ich mir vor, nach Santa Fé de Antioquia zu fahren. Extra früh aufgestanden, nach Bzrons Auskunft zum Terminal del Sur gefahren… und da festgestellt, dass man nach Santa Fé vom Terminal del Norte kommtFreute mich schon, nochmal quer durch die Stadt zu fahren, da sah ich im Augenwinkel eine Busgesellschaft mit dem Ziel Jardín, wo ich am kommenden Wochenende hinwollte. Tja, jetyt war ich schonmal hier, entschied mich also spontan, eben heute schon dorthijn zu fahren.
– 3 Stunden später –
…kam ich spontanerweise nicht in Jardín an, sondern in Andes – etwa 20 min vor Jardín. Der Bus hielt an der Plaza, viele Leute stiegen aus, der Fahrer sah mich an und fragte, wo ich hin wolle; ich sagte Jardín, und er meinte, das sei hier. Keine Ahnung warum. Jedenfalls stieg ich aus, fand direkt an der Plaza ein Zimmer für 16000 die Nacht und stellte erst danach fest, dass ich hier in Andes bin. Tja, nun war ich schonmal hier, entschied mich also spontan den Rest des Tages in diesem vforandinen Kaffeestädtchen zu verbringen und dann morgen als Tagesausflug nach Jardín zu fahren. Was kann man denn hier so machen, fragte ich die Rezeptionistin – die keine rechte Antwort wusste. Fluss bei AndesAlso ging ich wandern, keine 10 Minuten von der Plaza war ich am Fluss, an dem ein hübscher kleiner als halber Steg befestigter Weg entlangführt, überkreuzte den Fluss und wanderte dann zwischen Kaffeeplantagen und Bananenstauden den nächstbesten Hügel hinauf. Tal von AntioquiaDie Aussicht war atemberaubend, und ich bin froh, hier gelandet zu sein. Selbst der Abend mit Kaffe auf der Plaza, den Städtchentrubel um mich rum, hatte im Vergleich zu Medellin etwas angenehm ruhiges. Überhaupt – das fehlte mir in Medellin. PlantageDiese Atmosphäre einer lateinamerikanischen Kleinstadt, wo ich statt des Rocks meiner Mitbewohner (nichts dagegen) Cumbia und Salsa aus den Cafés und Kneipen höre, wo die bunt bemalten Holzbussse als Transportmittel dienen und Kinder „Tisch“tennis auf dem Boden der Plaza Bolivar spielen. Wo die ganze Stadt nach 6 auf die Plaza kommt um Tinto oder ein Pilsen zu trinken und zu plaudern, wo die kleinen Supermärkte vn Kooperativen betrieben werden und wo es so wenig Tourismus gibt, dass die Polizisten, die aus unerfindlichen Gründen mitten auf einem Weg in den Kaffeehügeln eine Personenkontrolle machen, ganz erstaunt sind, dass ich hier „de Paseo“ (auf Reisen) bin. Und leckere Bandeja Paisa zum Mittagessen. Was will ich mehr. Herrlich.

Calle 13 und Chocquibtown im Konzert

Calle 13 und Chocquibtown im Konzert

Eine ehemalige Stierkampfarena voller Paisas (Einwohner Medellíns), deren Lautstärkepegel die riesige Stereoanlage übertrifft, eine Bühne mit Liveinstrumenten, die es mit jedem Rockkonzert aufnehmen können, Schlagzeuge, Bongos, Gitarren, Blechbläser, blitzende Lichter, und an den Mikrofonen erst die kolumbianische Hip Hop Crew Chocquibtown, aus dem hauptsächlich von Afrokolumbianern bewohnten Chocó (toll für meinen Thesishintergrund 😉 )und dann Calle 13, eine mittlerweile in ganz Lateinamerika bekannte Crew aus Puerto Rico. Beide ließen auch ihre politischen Statements nicht außen vor, und Residente von Calle 13 holte das Plakat eines Fans auf die Bühne, auf dem zu lesen stand „El que lee poco, dispara mucho“ (Wer wenig liest, schießt oft), ein Slogan im Zusammenhang mit einer geplanten Ökonomisierung der kolumbianischen Bildung. Einen kleinen Eindruck gibts in Videoform. Wer mehr von den beiden Interpreten hören will: Nächsten Donnerstag, den 22.9., werde ich per Skype live in der Stadtvögel-Sendung „The/Las Americas“ mit Torben über Musik aus beiden Kontinenten reden, und darunter auch diese beiden Interpreten ausgiebig spielen.

Siempre adelante! Ni un paso atrás!

Siempre adelante! Ni un paso atrás!

„Siempre adelante! Ni un paso atras!“ – diesen Satz habe ich oft gehört die letzten Tage. „Immer vorwärts! Nicht einen Schritt zurück!“ rufen Byron oder Nicolás, meine beiden Mitbewohner, manchmal unvermittelt, wenn sie überraschen in den Raum kommen. Die Sozialisten. 🙂 Sie sind auf jeden Fall beide sehr umgängliche Mitbewohner, und ich bin sehr froh, dass ich hier gelandet bin. Inzwischen hat mein Zimmer ja auch eine Tür, da gibt es kaum was, was mir fehlen würde. Am Freitag gingen wir auch zusammen mit zwei Freundinnen abends weg, da wir ja hier direkt am Studentenblock sind, fehlt es nicht an alternativen Bars, in denen wir die Zeit totschlugen, und dann Byron überraschenderweise zu Mitternacht eine Geburtstagstorte bei uns zuhause präsentierten – er hat eigentlich erst heute Geburtstag. Aber das macht ja nichts. Freitag lässt sich schließlich besser feiern.
Zusammen mit Jessica, der Couchsurferin, bei der ich im Januar nächtigte und die mir die Wohnung hier überhaupt erst vermittelte, habe ich so schon einen kleinen Freundeskreis zusammen, obwohl ich die letzten Tage oft zeitig in die Bibliothek ging und so lange blieb wie möglich, da ich noch immer keine dauerhafte Zugangsberechtigung auf den Campus habe, und jedes mal die Sicherheitsleute am Eingang aufs Neue davon überzeugen muss, dass das sehr wichtig ist was ich hier mache. Gerade eben waren wir auf der Feria del Libro y de la Cultura, eine kulturelle Veranstaltung im botanischen Garten, die die ganzen nächsten zwei Wochen andauern wird (Mehr dazu später). Und heute Vormittag war Gleitschirmfliegen mit Byron angesagt. Das jedoch lief leider nicht so gut wie geplant. Während Byron und eine Freundin, die mit mir zusammen zum nahegelegenen Flugplatz bei San Felix gefahren waren, noch länger als ich auf ihren Tandempiloten warteten, und wegen des schlechten Wetters gar nicht erst losflogen, bekam ich „schon“ um 2 Uhr (nach fast zwei Stunden warten 😉 ) meinen Schirm und konnte losfliegen. Leider nicht sehr lange. Pech mit der Thermik, ein erstaunlicherweise völlig abstinenter Hangaufwind in Kombination mit einem recht hoch gelegenen Landeplatz führten dazu, dass ich schneller tiefer flog als selbiger zu finden gewesen wäre, und auch nicht mehr auf die Höhe zurückkam. Notlanden nach recht kurzer Flugzeit auf einer glücklicherweise ausreichend großen Grünfläche eines Angelpärkchens für wohlhabendere Mitbürger war angesagt, wo ich immerhin nett empfangen wurde. Nach diversen Kommunikationen holte mich ein Cousin eines der Piloten dort ab und ließ mich im Vorort Santa Ana an der Schule raus, wo laut Absprache mit dem Piloten (dessen Gleitschirm ich hatte) selbiger mich wiederum nach oben abholen sollte. Aus den angeblichen 20 Minuten wurde schnell über eine Stunde. In einem Internetcafe fand ich schließlich seine Nummer raus und rief ihn an, woraufhin er meinte, da es dort regnete, wäre das mit dem Herunterkommen irgendwie nicht machbar. (Fragt nicht.) Meine bezahlten zwei Stunden waren natürlich inzwischen auch vorbei. Megaklasse. Und so habe ich jetzt einen Gleitschirm bei mir zuhause im Flur stehen, den er wohl irgendwann die Woche abholen wird. Wenn nicht, ist das ja auch nicht mehr mein Problem. Ärgerlich war dieser Tag natürlich entsprechend schon irgendwie… vor allem was Zeit- und Geldverschwendung betrifft. Aber was solls. Kann ja nicht immer alles gut gehen. Meinen nächsten freien Tag werde ich sicherlich sinnvoller verbringen. Aber jetzt gehts erstmal wieder ans fleißig sein – sofern ich morgen in die Bibliothek komme…

Unser Wohnraum Mein Zimmer Medellin bei Nacht. Schon wieder Parque Botero Byrons Geburtstag San Felix Flugplatz

Forschungsarbeit

Forschungsarbeit

El Mundo von 1980Da habe ich Fotos meiner WG versprochen, und ihr seht das hier. Ist natürlich nicht meine WG – sondern die Bibliothek der Universidad de Antioquia, eine große öffentliche Uni in Medellín, keine 5 Minuten Fußweg von meiner Unterkunft entfernt. Praktischerweise findet sich hier zumindest was die Zeitungen betrifft, alles was ich für meine Erhebungen brauche, so dass ich mir lange Wege durch die Stadt sparen kann. Nachdem mein Mitbewohner Nicolás mir gestern eine kleine Führung durch Campus und Bibliothek gegeben hatte, konnte ich mich nun effektiv an die Arbeit setzen (nachdem ich die Sicherheitskraft am Campus-eingang überzeugen musste, dass ich hier wirklich in die Bibliothek muss…). Allein heute las ich mich so durch mehrere Ausgaben der regionalen Zeitungen „El Colombiano“ und „El Mundo“ aus dem Jahr 1980, und konnte sogar ein paar wenige relevante Artikel vorfinden. Worum es eigentlich geht bei meiner Arbeit?
Bei der ZeitungsrechercheIch recherchiere hier für meine Bachelorthesis zum Thema der afrokolumbianischen Identität, genauer das Selbst- und Fremdbild. Hierzu analysiere ich zum einen zwei in Medellin veröffentlichte Presseorgane im Vergleich zwischen den Jahren 1980 und 2010, um festzustellen, ob im dort projizierten Fremdbild ein Wandel stattgefunden hat, seit Kolumbien 1993 zur „multiethnischen Nation“ deklariert wurde. Dazu kommen dann noch ein paar Interviews und Beobachtungen die ich führen werde, aber dazu schreibe ich mehr, wenn es zu diesen Interviews kommt. Jetzt beschäftige ich mich also mit den genannten Zeitungen, wobei die Analyse selbst erst später kommt. Zuerst muss ich die insgesamt 56 Zeitungsausgaben durchsehen und jeden Artikel, der irgendwie Afrokolumbianer erwähnt oder zum Thema hat abfotografieren – ich könnte sie wohl auch fotokopieren, aber dann müsste ich mit den großen Zeitungen (die man ja auch nicht falten darf) in den Keller rennen, bloß um dort je einen kleinen Artikel daraus zu kopieren. Umständlich. Außerdem kann ich das dann nachher alles in meinem Rucksack mitnehmen. Digitalismus ist doch schon was praktisches.
Und damit hier schonmal ein wenig Stadtatmosphäre rüberkommt (obwohl ich selbst mich jetzt erstmal der Arbeit widme), noch ein schönes Foto von einem Platz hier direkt um die Ecke der Uni. Mehr kommt natürlich später.
Medelliner Skulpturd