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Monat: Dezember 2010

Salsa zur Weihnacht

Salsa zur Weihnacht

Weihnachtswunder
Die Schlammwanderung zur WeihnachtDer ganze Bus klatscht, die Sicherheits- und Ordnungsleute winken nicken uns wohlwollend zu und alle meine Mitpassagiere freuen sich. Klingt wie eine Kopie des chilenischen Bergwerkswunder, ist aber eigentlich wenn ĂŒberhaupt, dann nur ein gaaanz kleines Wunderchen 😉 … wir sind durch den Erdrutsch durch, der meine Reise von Quito nach Cali von normalen 18 auf gute 35 Stunden verlĂ€ngert hat, und den wir letzten Endes in weniger als 10 Minuten durchqueren. Was fĂŒr ein Trip. Mit dem Bus nach Tulcan, ĂŒber die Grenze, und dann den halben Tag in Izambia am Terminal mit Boyd (einem dort kennengelernten Ami) rumgehangen und gehofft, irgendwie nach Cali zu kommen. Alle Busgesellschaften waren ausgebucht oder wegen des Erdrutsches abgesagt, auf die Frage, was es sonst fĂŒr Möglichkeiten gĂ€be, höre ich „Flugzeug“ und „no hay“ (gibts nicht). Mit viel GlĂŒck finden wir nen Bus bis nach Rsas, kurz vor jenem unglĂŒcklichen Erdrutsch… wir fuhren dann um 8 Uhr abends los und kamen heute frĂŒh um 2 Uhr Nachts an. Es war ein abstraktes FlĂŒchtlingscamp wo wir Reisenden verschiedenster Herkungt an unser GepĂ€ck gelehnt auf den Morgen warteten, bereits darauf eingestellt, zu Fuss die Strecke zurĂŒckzulegen und auf der anderen Seite eine Fahrtmöglichkeit zu suchen. Irgendwann um 4 kam Einer aus unserem Bus an und meinte „in 15 Minuten fĂ€hr ein Bus durch bis Cali!“ – wir wetzten los, quetschten uns und unser GepĂ€ck in den alten Bus und fuhren … gefĂŒhlte 2 cuadras. Da warteten wir dann, bis morgens um halb sieben die Strasse geöffnet wurde. War aber so sinnlos nicht, da wir so rect weit vorne in der Schlange standen, die sich hinter uns bildete … denn neben den mit Gummistiefeln ausgestatteten FussgĂ€ngern konnte je nur ein Fahrzeug die Strecke passieren, und aus der anderen Richtung kamen ja auch welche. Um 11 Uhr ereichten wir „el punto“ und durchquerten mit unserem waghalsigen Fahrer den Schlamm.
Danach ist es eigentlich ganz normale Strecke bis Cali. Nur leider im schwer kaputten Bus, so dass wir nachher mehrere Male lange Halt machen mussten. Dass ich um 4 Uhr ĂŒberhaupt noch in Cali ankam, und mich schliesslich noch vor Heiligabend mit Jenny und Wiebke traf – das war dann das eigentliche Weihnachtswunder 😉

24.12.2010, Cali, Kolumbien

Salsa zur Weihnacht
Cali alt und neuWeihnachten bei 30 Grad hat fĂŒr einen EuropĂ€er wahrscheinlich sowieso schon eine leicht andere Stimmung. Ein klein wenig gesteigert wurde das gestern dann noch durch die „Feria“, die hier in Cali jedes Jahr fĂŒr 5 Tage ab dem 25.12. die Stadt verrĂŒckt macht. So konnten wir gestern auf dem „SalsĂłdromo“ eine Parade der wahrscheinlich besten SalsatĂ€nzerInnen der verschiedensten lateinamerikanischen LĂ€nder betrachten, die 10 Blöcke einer von Menschenmassen gesĂ€umten Strasse entlangtanzte – kaum erwĂ€hnenswert, dass sie natĂŒrlich nicht nur aussergewöhnlich gekleidet waren, sondern auch aussergewöhnlich gut tanzten 😉 … Abends gab es noch das Eröffnungskonzert, eigentlich gratis fĂŒr alle, wegen der vielen Wetteropfer in letzter Zeit (RegenfĂ€lle, Erdrutsche etc) allerdings mit einer obligatorischen Essenspende (eine Packung Reis o.Ă€.) verbunden. Calis wohl schönste KircheDa wurde dann die ganze Nacht durch Livemusik prĂ€sentiert (Interpreten von Cali bis Cuba) und die riesige Menschenmenge tanzte sich die Beine ab. Salsa, natĂŒrlich.
Heute war unsere Auswahl nicht ganz so glĂŒcklich… wir waren bei einer Corbata, wo wir eine interessante Pferdeparade erwarteten, stattdessen aber nur viele reiche, besoffene Leute auf Pferden vorbeireiten sahen und andere Reiche in den RĂ€ngen, die denen zujubelten. Wirklich eine Zeitverschwendung und schwer verstĂ€ndlich was die Caleños daran finden. Aber so Erfahrungen gehören natĂŒrlich auch noch dazu…

26.12.10, Cali, Kolumbien

Zu Pferd am Berg

Zu Pferd am Berg

Mein Pferd und ichZu Pferd am Berg
Höchsten Respekt fĂŒr alle, die aus welchem Grund auch immer, stundenlag auf PferderĂŒcken sitzen! Ich hatte dieses Erlebnis gestern zum ersten Mal fĂŒr gerade mal zweieinhalb Stunden, und ich war erstmal froh, wieder auf ruhigem Boden zu stehen. Aber ansonsten eigentlich problemlos – die Stute war natĂŒrlich gut geschult und hörte auf jedes kleine Ruckeln an den ZĂŒgeln, und hat selbst bei den schwierigsten / steilsten Stellen nicht das Gleichgewicht verloren. Ja, ich bin ĂŒbrigens immer noch in Quito. Tollerweise kann man aber direkt von der Stadt aus mit einer recht neuen Seilbahn zu einem immerhin gut 4000 Meter hohen Aussichtspunkt fahren und vor dort aus sind die Gipfel der beiden Vulkana Guagua Pichincha und Ruca Pichincha nur noch einen Klacks entfernt – theoretisch. Praktisch liegen da noch viele Höhenmeter zwischen. Und so lief ich nur einen Teil der Strecke und mietete fĂŒr den Rest besagtes Pferd (samt FĂŒhrer) mit dem ich recht hoch an den Ruca-Hang kam und eine fantastische Aussicht vom PferderĂŒcken auf die Natur samt riesige Stadt im Hintergrund hatte. Alles in allem definitiv ein tolles Erlebnis!
ZurĂŒck in der Stadt sah ich mich dann auch mal in Neu-Quito um, wo ich bisher noch nicht gewesen war und war – ehrlich gesagt – enttĂ€uscht. Dass es nicht mit Alt-Quito mithalten kann, war erwartbar, doch es erfĂŒllte nicht mal die Erwartung „Skyscraper-Strassenschluchten“, die die Skyline von aussen (und oben) erweckt (und wie ich es aus Guayaquil kannte). Die paar grösseren Parks sind ganz nett, aber auch nichts besonderes. Ich hĂ€tte nicht mal was wirklich negatives zu beschreiben – es ist einfach gesichtslos. Also schnell wieder in die Altstadt.
Da klapperte ich dann heute ein paar Kirchen und das Kloster San Diego ab (was herrlich abgelegen vom Touristentrack vor sich hindöst… abgesehen von den Renovierungsarbeiten). Dann wollte ich eigentlich ein Busticket mit der Busgesellschaft Panamericana fĂŒr morgen abend nach Cali holen – ist aber nichts. Bis zum 26. alles ausgebucht oder wegen irgendwelcher Probleme abgesetzt. Also muss ich wohl oder ĂŒbel morgen um 5:00 frĂŒh mit dem Bus nach TulcĂĄn an der Grenze fahren und von da aus was anderes suchen. Den Rest des Tages wich ich dem Regen aus und ging auf den

22.12.2010, Quito, Ecuador

Buschaos
Eigentlich wĂ€re es so einfach: in Quito in nen Bus steigen, in Cali 18 Stunden spĂ€ter aussteigen. Nix da. Weihnachten heisst: alle Direktbusse ausgebucht, und wegen des derzeitigen Wetterchaos in Kolumbien die andere HĂ€lfte storniert. Also nen Bus an die Grenze genommen und da sitze ich jetzt. Denn von da sind die Calibusse natĂŒrlich auch ausverkauft oder abgesagt. Also werde ich jetzt einen noch grösseren Umweg ĂŒber Rosas nehmen, von dem ich immer noch nicht genau weiss wo es ist, und hoffen, von da so nach Cali zu kommen, dass ich noch vor morgen abend zu Heiligabend dort bin… DrĂŒckt mir die Daumen!

23.12.2010, irgtendwo an der Grenze Ecuador/Kolumbien

So, als kleines Weihnachtsgeschenk noch folgendes: neulich im quiteño Troleybus wurde ich (und die anderen Passagiere) von ein paar Jungs ĂŒberrascht, die mal nicht irgendwelches Esszeug oder Krimskrams verkauften, sondern aus dem Stehgreif anfingen zu rappen. Ja, in Lateinamerika – kein Reggaeton, sondern richtiger Hiphop – ich war begeistert und kaufte ihnen auch gleich nachher ihre CD ab (die echt gut ist nebenbei). Um euch ein bisschen dran teilhaben zu lassen, hier eine kleine Videoaufnahme aus dem Bus… wer Spanisch kann wird sich ĂŒber intelligente Texte freuen (besonders im Vergleich zu den Reggaeton-Lyrics), wer HipHop mag wird sich ĂŒber den Flow freuen… und alle anderen: naja, freut euch einfach so. Frohe Weihnachten aus Lateinamerika, und danke fĂŒr euer stetes Interesse, eure Mails und die Zeit die ihr euch nehmt, dass ihr durchzulesen!

Ich hab die HĂ€lfte der Welt gesehen… / Quito

Ich hab die HĂ€lfte der Welt gesehen… / Quito

Quito und der grandiose ReisefĂŒhrer
Ganz besonders viel Flair hat das CafĂ© Modelo auf der Calle Venezuela Eke Menija. Jeden Abend von 5 bis 7 spielt ein betagter Pianist auf einem verstaubten Klavier fĂŒr die GĂ€ste – Alt-Quito pur!“ Das sagt mein ReisefĂŒhrer. Also wenn das Alt-Quito sein soll, weiss ich nicht, was mich die nĂ€chsten Tage im Neuen erwartet. Das Modelo ist kein CafĂ©, sondern eine Cafeteria, und hat in etwa so viel Flair wie jedes Strassenrestaurantchen in Lateinamerika. Bisschen sauberer (gar nicht verstaubt), mit Fussball-Fernseher, Neonleuchtschild und ĂŒblicher Sambamusik. Und Livemusik gibts nur Donnerstag bis Samstag. Keineswegs ein schlechter Ort, aber höchstens fĂŒr sonst in abgeschotteten Hotelkasten wohnende Touris ein „Lokal mit viel Flair“ – da hab ich echt schon flairiges erlebt. Dass der ReisefĂŒhrer, den ich da fĂŒr Euador in meiner Tasche habe, nicht ganz mein Stil ist, stellte ich bereits bei der andernorts gefundenen Anmerkung fest: „Nicht ganz so billig, aber dafĂŒr nah am Geschehen ist das HotelXYZ (Doppelzimmer 110$)„. NICHT GANZ SO BILLIG? Ich penne hier in Quito fĂŒr 7$ in einem netten, zentralen Hostel. (Okay, das Bett ist nicht das optimum und ich hab ne Gemeinschaftsdusche, aber dafĂŒr hat der EigentĂŒmer 13 Jahre in Bremen gelebt… versteh sein Spanisch trotzdem besser als sein Deutsch). Da liegt offenbar eine unterschiedliche Wahrnehmung vor. Nun ja. Ansonsten jedenfalls bin ich gut in Quito angekommen und hab mich etwas in der Altstadt umgesehen, mal wieder richtig gegessen und bin eine viertel Stunde zu spĂ€t zur Basilika gekommen, die gerade zumachte. Frage: warum schreibe ich dann ĂŒber so einen recht unspektakulĂ€ren Tag? …ich war grad an der Tastatur, eigentlich spannend wirds am nĂ€chsten Tag!

19.12.10, Quito, Ecuador

Ich hab die HĂ€lfte der Welt gesehn!
Viele Leute prahlen ja damit, „die halbe Welt“ bereist zu haben. Nun ja, ich habe heute Mittag die HĂ€lfte der Welt gesehn: Mitad del Mundo, auf dem 0. Breitengrad – dem Äquator. Der ist ĂŒbrigens nicht, wie man denken könnte, dort wo das in den 70ern erbaute, riesige Äquatormonumentaldings steht (und wo man teuren Eintritt bezahlt um wenig mehr als dieses klobige StĂŒck zu sehen), sondern knappe 100 Meter weiter, wo sich ein kleines, interessantes Open-Air-Museum befindet. Die ganzen Kleingkeiten ĂŒber ecuadorianische Ethnologien und Indigena-Bevölkerungsgruppen sind eigentlich kaum mehr als (immerhin ganz nette) Deko neben der Hauptattraktion. Und wer jetzt denkt „ja wie was, was ist denn schon so besonderes an ner Linie aufm Boden?“ – liegt natĂŒrlich falsch. Denn dass der Äquator (im Ggs. zum 0. LĂ€ngengrad) eine der Welt eigene Eigenheit mit einigen Besonderheiten ist, wussten schon die Indigenen ölker viele Jahre vor Ankunft der Spanier und errichteten zahllose Tempel auf dieser Linie quer durch Ecuador – und Quito liegt auch nicht zufĂ€llig nur knappe 20 km davon entfernt (der Name der Stadt leitet sich von „Mitte der Welt“ in einer indigenen Sprache ab). Und so konnte ich also feststellen, dass das Wasser im Norden und SĂŒden tatsĂ€chlich je andersrum fliesst, das Ei des Kolumbus auch ganz sanft und gar auf einem Nagel zu stehen kommt (ist aber nicht ganz so leicht) und man gehörig ins Schwanken kommt, wenn man mit geschlossenen Augen genau auf dem Äquator entlanglĂ€uft. Warum das alles? Weil die Erde sich dreht um in Norden alles linksrum kreiselt und im SĂŒden rechtsrum. Weiss man ja. Logische Schlussfolgerung: in der Mitte eben gar nicht.

Anschliessend machte ich mich dann zur Basilika auf, die ĂŒbrigens nicht zufĂ€llig wie der Kölner Dom aussieht – gleiche BauplĂ€ne (aber erst letztes Jahrhundert fertig gestellt). Nach langem Aufstieg hat man eine wirklich umwerfende Sicht auf die ganze Stadt – man kann wirklich bis zum höchsten Punkt gehen. Ganz schön windig, aber ECHT gut!

Die GlockentĂŒrme der BasilikaBasilika-Turmuhr von InnenNebenturm der Basilika in Quito

Cuenca oder: Warum ich so gern in den Anden bin

Cuenca oder: Warum ich so gern in den Anden bin

Cuencas StrassenSchon kurz nach meiner Ankunft war klar: hier fĂŒhle ich mich wohl. Der Taxifahrer ist ĂŒbermĂ€ssig freundlich, die Strasse aus Kopfsteinpflaster von zahlreichen, guterhaltenen KolonialhĂ€usern gesĂ€umt und an jeder Ecke steht eine Panaderia (BĂ€ckerei). Das Klima ist genau wie ich es haben will (warm genug fĂŒr T-Shirt tags bzw. leichter Pulli abends, nicht zu warm oder schwĂŒl, kein Regen…), die Stadt ist weder zu klein, noch zu gross, hat Flaire, ist lebendig und ein 5$-Hostel (in dem ich mich wohler fĂŒhle als im Kasten von gestern) fand ich auch auf Anhieb.
GlĂŒcklicherweise hatte es heute frĂŒh in Guayaquil den ganzen Morgen geregnet, so dass ich nach dem FrĂŒhstĂŒck entschied, nicht nochmal nach Las Peñas zu laufen, sondern gleich einen Bus nach Cuenca zu nehmen. Was fĂŒr eine perfekte Entscheidung! So kam ich hier schon um 3PM an und hatte massig Zeit, durch die Stadt zu schlendern (s.o. die ist perfekt dafĂŒr), Cuencas Kathedralen-Skylinedie angeblich ca. 50 (gefĂŒhlte 1000) Kirchen zu bewundern (darunter die gigantische Kathedrale, die als grösste Lateinamerikas geplant war – worĂŒber der Architekt allerdings ĂŒbersah, dass die Kuppeln zu schwer wĂ€ren… sieht jetzt bisschen aus wie’s Strassbourger MĂŒnster) und mich – kurz gefasst – einfach gut zu fĂŒhlen. Hutmacher-LadenEin Blick vorbei bei einem betagten Hutmacher (die berĂŒhmten weissen „PanamahĂŒte“ kommen nĂ€mlich eigentlich aus Ecuador… war kurz davor, mir fĂŒr 20$ einen zu kaufen), und im Museum fĂŒr moderne Kunst, ein Spaziergang am Fluss und ein Kurzbesuch der UniversitĂ€t Cuenca… und unglaublich leckeres Kokos-SĂŒsszeug am Strassenstand – was ein voll gefĂŒllter, herrlicher Tag. Da ich heute im Hostal wieder gĂŒnstiger untergekoimmen bin, gönnte ich mir zum Abendessen mal das typische „Secco de Pollo“ in einem fast schon luxoriösen Restaurant (erkennt man an den kostenlosen Apettitanreger-brötchen) – fĂŒr 6$ geradezu schockiiiierend teuer 😉 – hat sich aber definitiv gelohnt. Erstaunlich, was 4$ fĂŒr einen Unterschied machen können.

15.12.2010, Cuenca, Ecuador

Ambato, Latacunga, und was in den Anden weniger Spass macht
Eigentlich bin ich Donnerstag extra frĂŒh aufgestanden und aus Cuenca aufgebrochen, um gegen Mittag in Alausi zu sein. Was ich auch schaffte – doch der Hauptgrund fiel leider ins Wasser (hĂ€tte mir die Touristeninfo in Cuenca ja auch mal sagen können): es gibt eine tolle Bahnstrecke von dem Andendorf nach Riobamba, von der ĂŒberall geschwĂ€rmt wird… wĂ€r auch toll gewesen, von der 20km/h-Bahn die Andenlandschaft zu geniessen. Dort angekommen erfuhr ich jedoch, dass bis Februar die Bahn wegen Streckenarbeiten geschlossen ist. Klasse, da hĂ€tte ich auch gleich mit dem Bus weiter bis Riobamba fahren können. So nahm ich nach 40 Minuten Essen und die Hauptstrasse langstreunern den nĂ€chsten Bus dorthin, um wiederum umzusteigen in einen Bus nach Ambato, wo ich gegen Abend ankam. Ein GepĂ€ckjunge dorte wollte mir gar nicht glauben, dass ich tatsĂ€chlich dort bleibe und nicht zum allgemeinen Touri-Ziel Baños weiterfahre. Denn viel zu sehen gibt es in Ambato eigentlich nicht… nicht mal eine wirkliche Altstadt, weil der grösste Teil beim 1940er Erdbeben zerstört wurde. Der Grund, warum ich ĂŒberhaupt dort hin bin, war die Möglichkeit, mal wieder ein bisschen sozialen Kontakt zu bekommen. So konnte ich nicht nur die Couch (genaugenommen ein eigenes Bett) bei der Familie von Fernanda surfen, sondern auch eine echt angenehme Zeit mit der Familie verbringen. Der Vater war sogar zur WM in Deutschland (daran sieht man den gehobenen Lebensstandart), und so fehlte es mir dort an nichts – netten GesprĂ€chen, einer angenehmen Unterkunft und die FĂŒrsorglichkeit, als ich am Freitag plötzlich krank wurde. Am Donnerstag abend war ich mit einer kleinen Stadtbesichtigung mit Fernanda und ihrem Freund noch im „Roho“ lokales Bier trinken und anschliessend einen Strassenstandburger essen – was ich in den letzten vier Monaten ja nicht allzu selten gemacht habe. Diesmal schien da mein Körper aber irgendwas gegen zu haben und so blieb ich am Freitag grössenteils im Bett, statt (wie nach hartnĂ€ckigen Empfehlungen geplant) nach Baños zu fahren. Am frĂŒhen Abend fuhren wir zu einem Park am Ă€ussersten Ende der Stadt, von wo aus man einen fantastischen Blick auf selbige hat – trotz der guttuenden frischen Luft war ich schon schnell so KO, dass ich nachher eigentlich den ganzen Abend durchpennte.
Da ich heute frĂŒh zwar immer noch nicht 100% aufm Damm war, nach viel Schlaf aber auch nicht mehr ganz so down, verliess ich Ambato in Richtung Latacunga. Das Wetter war gut, ich kam recht schnell an und fand ein Backpackerhostal – so weit, so gut. Mein Plan fĂŒr heute war, zum (kilometermĂ€ssig) nahgelegenen Lago Quitoa zu fahren, der als der schönste See Ecuadors bezeichnet wird und sich in einem Vulkankrater befindet. Nach fast 2h Busfahrt (kurvige Bergstrasse) kam ich allerdings leider im Regen an – was ja noch ertragbar wĂ€re, wenn er nicht mit so starken Nebel einherginge, dass man tatsĂ€chlich kaum was vom See sehen konnte. Nur das mir am nĂ€chsten gelegene Ufer unter mir liess ein bisschen auf die Schönheit dieses Ortes schliessen. Naja, Pech halt. Mehr Pech noch, dass der nĂ€chste Bus zurĂŒck nach Latacunga erst eine Stunde spĂ€ter losfuhr, und ich den dann auch noch verpasste, weil er (was fĂŒr ein Wunder) frĂŒher da war als erwartet – und auch frĂŒher wieder weg. Ein leicht verschwendeter Tag…
Mein Plan fĂŒr morgen ist damit dann auch mal spontan geĂ€ndert, da es wettermĂ€ssig wahrscheinlich morgen Ă€hnlich aussehen wird. Und so wird es sich kaum lohnen, den (aktiven) Vulkan Cotopaxi hochzukraxeln… was noch so schön sein soll – im Nebel kriegt man davon nichts mit und friert sich nur die Beine ab. Hatte mich dann fast noch gefreut als ich rausfand, dass es hier auch einen Bahnhof mit noch aktiver Strecke nach Quito gibt – aaaaber: man kann nur Tickets fĂŒr Hin- und RĂŒckweg zusammen kaufen, und das auch nur in Quito. Wenn man sich also wie ich schon hier in Latacunga befindet, fĂ€llt das leider aus – warum? Weil das eben nur eine Touristenattraktion fĂŒr Leute ist, die von Quito nen Trip hierher und zurĂŒck machen, und kein normales Verkehrsmittel. Leicht Ă€rgerlich. Der Tag war fĂŒr mich also gelaufen und ich hoffe einfach mal, dass sich mein GlĂŒck in Quito wieder ein wenig Ă€ndert 😉

18.12.10, Latacunga, Ecuador

Vom Bustourist zum Backpacker… in Ecuador!

Vom Bustourist zum Backpacker… in Ecuador!

Bis heute Mittag war ich noch einer von vielen Touristen, die per Bus durchs Land reisen. In der billigen Variante zwar, aber trotzdem… meinen Schlafsack hatte ich nur ĂŒberhaupt noch dabei, weil ich ihn nicht auch noch Francisco mitgeben wollte. Die Busfahrt war ereignislos, natĂŒrlich lĂ€nger als erwartet und mit recht langer Wartezeit an der Grenze zwischen Peru und Ecuador). Nachdem ich mit einem Bus von Tumbes bis an die Carretera-Kreuzung bei Arenillas in Ecuador gekommen war, fehlte mir von dort nur noch die Strecke runter bis zu meinem heutigen Ziel Puyamango. Der Weg bis zu der Abfahrt nach dort von Arenillas war aber doch weiter als gedacht und so versuchte ich bis daher schon die Daumenvariante – fand aber nur Leute, die geradeaus weiterguhren. Also nahm ich etwas sppĂ€ter ein Taxi, da ich seit gestern ja nun wirklich lang genug auf der Strasse gewesen war. Puyamango ist so klein, dass ich ĂŒberrascht bin, es ĂŒberhaupt auf meiner Karte zu haben. Dort angekommen stellte ich fest: Hostals gibts hier nicht – aber ich konnte mir fĂŒr 5$ (in Ecuador wird der Dollar benutzt) ein Zelt ausleihen und der Zeltplatz direkt am Fluss (ganz fĂŒr mich alleine) hat sogar Licht. Abendessen fand ich dann im „Comedor“, einem provisorischen Restaurantchen, Sachen zum FrĂŒhstĂŒck einkaufen… fand ich gar nicht. 😉 DafĂŒr konnte ich vor Sonnenuntergang noch im (mit starker Strömung ausgestatteten) Fluss schwimmen. So, und wenn ihr euch fragt – warum das ganze, fĂŒr so ein Kaff?… lest morgen weiter!

13.12.10, Puyango, Ecuador

Versteinerter Wald
Versteinerter BaumIn dem schon um 8:30 warmen, aber doch trockenen Wald laufe ich auf Holzstegen zwischen quicklebendigen RiesenbĂ€umen umher un betrachte StĂŒcke von auf dem Boden liegenden versteinerten BĂ€umen. Ja wirklich! Das ist der Grund warum ich hier bin. Der versteinerte Wald von Puyango. Es ist nach USA und Argentinien die drittgrösste derartige Fundstelle (mehr gibt es nicht), jedoch sehr viel dichter von den mehrere Millionen Jahre alten BĂ€umen belegt. Es sind tatsĂ€chlich Steine, mit Kalzium und diversen Mineralien, acht mal so schwer wie ein vergleichbar grosses StĂŒck Holz, und wenn man es auf den Holzsteg fallen lĂ€sst, macht es „Klonk“. Die einzigartigen BaumstĂŒcke, die hier ĂŒberall umherliegen (teils bis zu 20 M lang), wurden vor Millionen von Jahren durch eine Mischung aus Lava, Wasser und Erdverschiebungen fĂŒr die Ewigkeit festgehalten – ein Geschenk fĂŒr Biologen und Geologen gleichermassen. Mein Guia fĂŒhrt mich eine Stunde hier herum, und trotz der kurzen Zeit hat sich dieser faszinierender Anblick gelohnt. Sowas sieht man schliesslich auch nicht alle Tage.
Auf dem Aufsatz eines Pickups komme ich dann fĂŒr 2$ zurĂŒck nach Arenillas (was hĂ€tte ich gestern sparen können) und von da aus mit einem CIFA-Bus nach Guayaquil.
Dort erwartet mich Kulturschock – von kleinem Kaff zur grössten Stadt des Landes, das New York Ecuadors, grosse, breite Strassen, Hektik, viele viele Menschen die alles mögliche verkaufen… die ĂŒbliche lateinamerikanische Grossstadt eben. Aber ein sehr schicker Malecon am Fluss entlang, mit vielen Skulpturen und was weiss ich nicht was sonst noch, zwei ganz netten PalĂ€sten und einer riesigen Kathedrale die zu Weihnachten drinnen mit kitschigen Blicklichtern verziert ist. Jetzt werde ich noch ein bisschen die Stadt bei Nacht geniessen, und morgen dann noch im KĂŒnstlerviertel „Las Peñas“ vorbeischauen, bevor ich schon wieder in den Bus steige… wohin? Lasst euch ĂŒberraschen!

14.12.10, Guayaquil, Ecuador

Maurischer Uhrturm in Guayaquil las peñas

Verabschiedung von Lima

Verabschiedung von Lima

Ich spar mir jetzt hier detaillierte Berichte der letzten paar Tage, die eigentlich nur mit Leute treffen, rumgammeln, feiern und Bafög-Problemen gefĂŒllt waren. Und auch zu meiner Verabschiedungsfeier gestern fass ich mich heute mal kurz (war toll) – dafĂŒr gibts aber ein tolles Video von meiner letzten Poesia en el Parque-PrĂ€sentation mit dem Text L.I.M.A.! Viel Spass dabei 😉

— Halbzeit! — (Best of ;) )

— Halbzeit! — (Best of ;) )

Es ist Dezember und seit vier Monaten bin ich jetzt inzwischen in Peru. Weitere vier Monate auf Reisen durch Lateinamerika liegen noch vor mir, und so ist es Zeit fĂŒr eine Halbzeitbetrachtung. Viel habe ich bisher erlebt und viel gesehen, abgesehen vom Kurztrip nach Bolivien, ausschliesslich in Peru – und trotzdem fehlt noch der ganze Norden des Landes. Auf dem Gringotrail (ArequipaPunoCusco) lernte ich die Klassiker des peruanischen Tourismus kennen, sah Machu Picchu und den fantastischen Titicacasee und muss grade im RĂŒckblick sagen, dass ich mich ein wenig in die Anden verliebt habe. Wie gerne wĂŒrde ich noch mehr Zeit dort verbringen. Auf spĂ€teren Reisen sah ich die SĂŒdkĂŒste mit den Nazca-Linien und den Islas Ballestas, und dĂŒste auf einem Sandboard durch die DĂŒnen von Huacachina, erhaschte einen ersten Blick auf die Selva (andina) bei La Merced und Oxapampa und der teils paradoxen österreichischen Kolonie von Pozuzo. Erst jetzt, Ende November, lernte ich den tatsĂ€chlichen Dschungel in der Umgebung von Iquitos kennen, fischte Pirañas und verlief mich im Regenwald. Doch ich war nicht nur auf Reisen, sondern nebenbei ja auch noch an der UniversitĂ€t San Marcos eingeschrieben. Belegte zwar nur drei Kurse, in denen ich ehrlich gesagt nicht allzu viel lernte, schrieb aber auch eine spanischsprachige Hausarbeit und ging mit der „Sociologia Rural“ auf Exkursion nach Huancayo, wo wir im Dorf Matahuasi Umfragen zum Leben der Einwohner machten. Und natĂŒrlich lernte ich durch die Uni viele Leute kennen, mit denen ich eine gute Zeit verbrachte, viele interessante GesprĂ€che fĂŒhrte und die ein oder andere Chela leerte. Bedingt durch die Uni hielt ich mich entsprechend lang in Lima auf und lernte diese Metropole dadurch mehr kennen als die meisten Touristen, die hier nur kurz auf Durchreise nach Machu Picchu Halt machen. Und so sah ich zahllose barrios auf meinen „Clase en la Kalle“-Touren, besuchte viele Museen, Kirchen und MĂ€rkte und nahm mehrere Male als erster bilingualer Poet Perus bei der Poesia en el Parque teil (siehe meine Youtube-Videos). Und, was in Peru natĂŒrlich nicht fehlen darf – ich ass die tollsten Delikatessen, in den verschiedensten StĂĄdten, teils an StrassenstĂ€nden, teils in angenehmen Restaurants… mit Manjar gefĂŒllte Churros, Picarones, geröstete Yuca, Anticucho-Spiesse (geröstete Rinderherzen), frische FruchtsĂ€fte, Picante de Cuy (Meerschweinchen in scharfer Sauce), gefĂŒllte Paprika, Papa Huancayna (Kartoffel mit milder Sauce), die verschiedensten Chaufas (Reispfanne in „chinesischen“ Restaurants, den Chifas), leckeren Cheesecake de Maracuya oder Pye de Limon, Tacacho (BananenpĂŒree mit Speck), Chicha Morada (rotes Mais-ErfrischungsgetrĂ€nk), Chicha de Jara (Maisbier), natĂŒrlich Inca-Kola, Pisco Sour und den Mate de Coca gegen die Höhenkrankheit. (Und kreierte zwischendrin den fantastischen Cocktail „Lima Colada“ 😉 ).
Hab ich Heimweh gehabt? Hin und wieder. Hab ich es genossen? Meistens. WĂŒrde ich es nochmal machen? AUF JEDEN FALL!
…und jetzt lasse ich schon bald mein liebgewonnenes Lima hinter mir und gehe auf Reisen gen Norden, gespannt was mich dort erwarten wird…