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Monat: September 2010

Barrio Chino / Pachamanca

Barrio Chino / Pachamanca

Clase en la Kalle: Barrio Chino
Gestern war ich zur Abwechslung und weil ich ein paar Dinge auf dem Markt kaufen wollte im Barrio Chino – dem chinesischen Viertel. Das mitten im Stadtzentrum gelegene Barrio, auf dem in mehreren riesigen Markthallen alles von Stoffen über Lebensmittel, Kleidung bis zu Raubkopien feilgeboten wird, hat eine Fussgängerzone, in der selbst die (peruanischen) Bankfilialen auf chinesisch beschriftet sind. Eine Chifa reiht sich an die nächste, Supermärkte verkaufen chinesische Zutaten und das chinesische Eingangstor wurde von der chinesisch-peruanischen Supermarktkette Wong gesponsort. Schon ein wenig seltsam, erinnert irgendwie an Pozuzo bezüglich kultureller Abgrenzung. Da soll noch mal wer sagen, in Deutschland funktioniert die Integration nicht 😀 …Insgesamt schien das Viertel aber nicht so schlecht – natürlich ist es kein Mittelschichts-Jesusmaria, aber es gibt offenbar einige Viertel in Lima, wo die Menschen schlechter leben. Kein Wunder, wenn alle so geschäftstüchtig sind wie all die Chifabetreiber und Markthändler hier im Barrio.

25.9.2010, Lima

Pachamanca
Gestern hatte ich die tolle Gelegenheit, eine weitere Feierlichkeit á la Peru kennenzulernen (gibts demnächst mal wieder ein How To… :D) – der 2. Geburtstag der Tochter Fernanda von Kattys Bruder wurde gefeiert (in San Martin de Porres – Häuser sind besser als in Puente Piedra, die Strassen um einiges schlechter. Schlussfolgerung: Leute wohnen schon länger hier und haben Zeit und Geld gehabt um ihre Häuser auszubaün, die Barrioverwaltung ist aber weniger effektiv, was auch Rückschlusse auf den Umgang mit Kriminalität zulässt…). Da erstmal fast eineinhalb Stunden mit Snacks auf den Bänken am Raumrand gesessen, was hier zur Feier quasi dazugehört, bis der Clown kam und bis um 10 zu einer grauenhaften Mischung aus Tecno, Perreo und Kindermusik die Kids animierte. Der gehört ebenso dazu wie die Kindertorte, von der es aber für jeden nur ein weniziges Scheibchen gab. Weiss de rHimmel was mit dem Rest der Torte passiert.
Heute ging es dann zur Verabschiedung Kattys, die am Montag wieder nach Spanien fährt, zum gemeinsamen Pachamanca-essen mit Familie und Freunden. PachamancaPachamanca ist eine in einem Erdloch zubereitete Mahlzeit mit stundenlanger Vorbereitung, die natürlich irgendwie dazu gehört. In einem im „Innenhof“ gebuddelten Loch werden Kartoffeln, viel Fleisch, Bohnen und Humita (s.u.) unter Erde und zuvor erhitzten Steinen verbuddelt und nach einiger Zeit wieder ausgegraben. Schmeckt hervorragend, ist aber verständlicherweise sehr aufwendig. Hier mal ein Rezept für die Humitas, eine sehr leckere Süssspeise aus Mais, die man auch ohne Pachamanca machen kann:

Humitas
Zutaten: 50 Maiskolben (geht natürlich auch weniger, verringert die entsprechenden anderen Mengen… aber wenn man schon mal dabei ist)´
3 Kilo Zucker
500 Gramm Butter
Öl
200 Gramm Rosinen und ähnliches
Zubereitung: Maiskörner von den Kolben entfernen und mit einer Mühle o.ä. zu Brei verarbeiten. In einem Topf mit Öl und erhitzter flüssiger Butter vermengen, anschliessend den Zucker und die Rosinen hinzufügen und alles gut durchrühren. Die Masse in die ausgebreiteten Maiskolben-hülsen aufteilen (ca. 2 Löffel pro Stück) und diese zusammenfalten. Die Humitas ca 1 Stunde erhitzen (in Pachamanca oder Ofen) und noch warm verzehren (Hülsen auffalten und nicht mitessen XD )

So viel erstmal dazu, jetzt gibts noch die letzten Fotos, siehe Beiträge unten.

27.9.2010

Österreich im Dschungel

Österreich im Dschungel

Haus Köhel in PozuzoDie kleine Ziegeldachkirche auf der Plaza Mayor, die holzgeschnitzten Verandas über dem „kleinen Kaffeehaus“, die Unterkunft im „Haus Köhel“ und schliesslich das (vorzügliche) Wiener Schnitzel im „Gasthaus Tiroler Adler“… ja, ich bin immernoch in Peru.
Heute früh um 6 sind wir mit einem der üblichen Combis von Oxapampa aus losgefahren, und gute 2 1/2 Stunden am Fluss entlang durch den Dschungel und auf atemberaubend engen Hangpfaden neben dem Canzon über die Strase überquerende Bäche gefahren (einmal fast stecken geblieben). Und dann sieht man plötzlich grün bewaldete Hügel mit Kühen und Holzhütten und Dorfkirchen und fühlt sich wie in Österreich. Im peruanischen Dschungel. (Okay, nicht richtig tieeefer, virgin-Dschungel, aber trotzdem.) Im oben erwähnten Gasthaus assen wir dann Pozuciano-Wurst, Wiener Schnitzel, Kartoffelsalat, Yuca und frittierte Bananen, gefolgt von leckerem Bananenstrudel (Äpfel gabs zur Ankunft der Siedler hier ja nicht…). Der Eigentümer, Señor Egg Gstir, dessen Urgrossvater Bruder des Koloniegründers war, unterhielt sich auf Castellano und tiroler Deutsch mit uns über seine Reise nach Österreich, das Buch, das er geschrieben hat und die Kolonie an sich.
Nach 1/2-Stunde Fussweg konnte ich mir auch das v.a. rheinisch besiedelte Prussia ansehen, dort scheint der Einwanderereinfluss aber nicht ganz so stark hängen geblieben zu sein wie im österreichischen Pozuzo – die Rheinländer haben sich offenbar mehr integriert und vermischt, weshalb jetzt von Prussia nicht sehr viel mehr übrig geblieben ist als das selbstgebraute Bier gleichen Namens und die Dorfkirche.
Haengebruecke PozuzoÜber eine zufällig entdeckte Hängebrücke wanderten wir später den Pilgerpfad zum gegenüberliegenden Hügel (kleine Pilgerstationen erzählen vom Leidensweg Christi – auf Deutsch) und einer hübschen kleinen Kapelle mit herrlicher AUssicht auf das erstaunlich kleine Pozuzo und die von Kühen besiedelten Weiden.
Enzos Bierbrauerei hatte abends leider nicht mehr geöffnet als wir das hauseigene Bier probieren wollten, und mussten deshalb andererorts mit Cuszueña vorlieb nehmen.
Artesania Der Wald
Heutige Höhepunkte: die Unterhaltung mit einem Pozucino italienischer Abstammung (!), heute 84-jähriger Schreiner mit fehlendem Zeigefinger, seinerzeit Anführer der Pozucinos im Kampf gegen den Sendero Luminoso und die staatliche Gegenkraft Morocos (die genauso grausam waren); und das Museo Schaffner, das wirklich interessant von der Geschichte der Kolonie erzählt – und die Kassiererin/Führung/vllt. auch Eigentümerin ist in Bayern geboren… Ein bisschen zu Denken hat mir die Erzählung gegeben, dass ihre Familie kurz nach dem 2. Weltkrieg ausgewandert ist – natürlich kann ich das nicht wissen, aber was wäre wohl einer der plausibelsten Gründe, genau dann schnell in eine deutsche Kolonie auszuwandern, mit dem Vorsatz, dort ein bisschen „frisches Blut“ anzusiedeln…?
Mit dem abenteuerlichen Micro ging es zurück nach Oxapampa, von wo es dann morgen über La Merced zurück nach Lima geht… schade, weils eine spannende Tour war, angenehm, weil ich mich dann doch irgendwie an das Klima Limas gewöhnt habe 😉

20.9.2010, Pozuzo / Oxapampa

Die Sekte ist überall / Dschungel

Die Sekte ist überall / Dschungel

Die Sekte ist überall
„Hey Chicos!“ spricht uns (Nadja und mich, die wir über den Campus schlendern) eine Studentin an. Ich denke erst, es ist jemand von den Internationalen, die ich nicht wiedererkenne (ist mir schon passiert), aber nein. „Kennt ihr AIESEC?“ ….aaaaah, die Sekte ist überall!!! 😀
Für alle, die nicht wissen, wovon ich rede(weil sie Christian nicht kennen) – AIESEC ist eine Internationale Organisation für Praktika etc., vor allem an Unis vertreten (u.a. auch in Halle – und eben in Lima). Wer ein paar AIESECer kenntm weiss auch was ich meine, wenn ich von der Sekte spreche. Nichts für ungut Christian, aber dass die doch sehr bindend integrierende Organisation mit seinen Vice-Pres., und Kassenverwaltern ist manchmal um fürchten 😉
Naja, wie auch immer, die machen hier am 30.9. irgendein internationales Fest und da hat sie uns internationale Gringos doch einfach mal zu eingeladen. Hmm, mal schaun ob ich da hingehe. Wenn ich nach dem 30.9. igrgendwie komisch bin und euch zum Beitritt bekehren will, holt einen Sektenberater.
Ansonsten habe ich gestern erstmals die Unibibliothek genutzt, um für mein Referat/Hausarbeit über die Urbanisierung in Sao Paulo und Quito zu recherchieren. Das war ein wenig ungewohnt. Man hat als Studi selbst keinen direkten Zugriff auf die Bücherregale, sondern muss die Bücher vorher über die elektronischen Verzeichnisse (vor Ort ) anfragen, und nach Angabe von Namen und Bibo-nbummer wird man dann im Lesesaal irgendwann aufgerufen, kann di8e Bücher vor Ort lesen/kopieren und gibt sie dann wieder zurück. Naja, andere Länder, andere Bibliothekssysteme.
Die „rural“-Klasse fiel einfach mal aus (nachdem ich den halben Tag darauf gewartet habe…!) weil der Prof einfach nicht kam. Dafür hab ich mich ganz gut mit ein paar Kommilitonen unterhalten, Karten gespielt und anschliessend mit den Leuten um Sokrates (ja, iust ein Spitzname) bei einem von ihnen zu Hause einen zuvor gekauften Pisco geleert, während wir uns über Politik, Homosexualität und Musik unterhileten.
Anschliessend war ich dann auf eine SMS von Benni hin bei Anahi in der San-Miguel-WG, wo es zur Feier der mexikanischen Unabhängigkeit lecker Essen und Pseudo-Huhn prügeln gab. Sehr lustiger Abend.

16.9.2010, Lima

Dschungel
Der Lärm von zahllosen Kleintieren übertrifft jeden Tinnitus, der Urin von Heuschrecken tröpfelt wie kleine Regentropfen auf die Haut. Riesige Bananenblätter hängen über dem Pfad, der immer wieder von kleinen Wasserfällen und Bächen unterbrochen wird. Ein Strom von Ameisen transportiert zahllose Blätter neben meinen Füssen zu ihrem Bau und der Schweiss vermischt sich mit der 86%-feuchten Luft. Ich bin in der Selva.

Wie bin ich hier hergekommen? Nun ja, das mit Donnerstag losfahren wurde natürlich nichts, da Katty und ich erst um 11 Uhr am Terminal waren, wo nichts mehr in die Selva (den Dschungel) fährt. Eisenbahn kreuzt Strasse in AndenAm Freitag früh fuhren wir dann zu einem (anderen und billigeren) Terminal und konnten schliesslich endlich um 12 Uhr losfahren. Der Vorteil der verzögerten Abfahrt war eindeutig die herrliche Aussicht auf der Fahrt durch die Anden (mit Blick auf die Huancayo-Bahn, die ich unbedingt mal ausprobieren muss). gegen Abend in La Merced angekommen, suchten wir uns eine günstige Unterkunft und assen zur cena Schwein mit Reis und Bananen. Die gibt es hier nämlich überall. Das Klima hier ist unglaublich – gestern Abend bei Ankunft war 25 Grad Celsius, jetzt um einiges mehr, dazu auch noch schwül wie sonst was… ich schwitze mich tot. Heute ging es dann in den oben erwähnten Dschungel.
Gondel nach KituWir sind aus La Merced raus zum nahegelegenen Kitu gefahren, den Fluss dorthin überquerten wir mit einer von 2 Männern an einem Drahtseil entlanggezogenen Seilbahngondel, nachdem wir sie erfolgreich auf unsere Seite gerufen hatten – durch das schlagen eines Kupferplattenpendels gegen die Mauer, was laut und weit klingt.
Monique Galaxis an der Lagune KituAuf der anderen Seite angekommen gingen wir in der herrlich schönen Lagune schwimmen und folgten der Einladung dreier Jugendlicher (von denen eine ein Touri-Guide war, uns aber nichts berechnete) an, sie zum 20 min entfernten Wasserfall zu begleiten (siehe Beschreibung oben 😉 ). Wirklich beeindruckend das Ganze, aber wie der Seilbahnchauffeur (ursprünglich aus Barranco, hier für ein Waisenhaus arbeitend, an welches das Geld der Paisaje geht) will ich aber dann doch nicht 😉
Abends nahmen wir dann einen überteuerten Micro nach Oxapampa. Eigentlich wollten wir direkt nach Pozuzo (siehe kommender Eintrag) weiter, dorthin fahren aber nur morgens Busse. Wohl oder übel suchten wir uns also dort ein Hostal, um am nächsten Morgen um 6:00 früh nach Pozuzo aufzubrechen. Die deutschen Einwanderer in der Gegend haben übrigens auch hier ihre Spuren hinterlassen: die Frauen haben deutlich mitteleuropäischere Gesichtszüge, und in einem Geschäft nahe der bayrisch geschmückten Bar gibt es holländischen Käse der ortsansässigen Marke „Floralp“…

18.9.2010, La Merced / Oxapampa

How to eat out in Peru

How to eat out in Peru

Heute mal wieder ein kleines How To für alle zukünftigen Perureisenden und sonstige Interessierte, diesmal zum Auswärts-Essen, da es ausser dem kennenlernen einer Kommilitonin die ab Montag in Leipzig studieren wird nichts erzählenswertes gibt. Nochmal zu Orientierung betreffs Preise: 1 Euro sind derzeit 3,6 Soles.

How to eat out in Peru
In Peru gibt es zahlreiche Möglichkeiten, auswärts zu essen – und das für europäische Mittelschichtler erstaunlich erschwinglich. Leider sieht das für Peruaner mit einem deutlich geringeren Einkommen (was die meisten sind) anders aus, und so werden die meisten Mahlzeiten (und gar nicht die schlechtesten) wohl in privaten Haushalten verzehrt. Für alle, die jedoch nicht oder nur selten die Möglichkeit haben, von einer peruanischen Familie bekocht zu werden, hier ein paar Altenativen:
Chifa: Die Chifas sind für Peru, was für Deutschland Dönerläden sind. Es gibt sie an jeder Ecke, in Lima gibt es wahrscheinlich mehr Chifas als Strassen. Chifas sind chinesische Restaurants, meist allerdings im billigen Sektor und stark peruanisch beeinflusst – also nicht vergleichbar mit deutschen Chinarestaurants. Wie in den meisten Orten sollte man hier unbedingt ein Menü bestellen, wovon es in den meisten Chifas eine grosse Auswahl gibt. Dort bekommt man dann meist eine Hauptmahlzeit mit Wantan frittiert oder als Suppe, seltener auch noch ein Getränk dazu für 5 bis 9 Soles – während das gleiche Gericht á la carte meist um die 12 Soles kostet. Da es die meisten Gerichte auch als Menü gibt, kann man den á la carte-Bereich also gerne überblätten. Die meisten Gerichte bestehen aus Reis (arroz), Huhn (Pollo), chinesischen Nudeln und manchmal süssen Früchten in den verschiedensten Mischungen. Populär sind die „chaufa de arroz“, so was ähnliches wie eine Reispfanne meist mit Hühnchen und diversem Gemüse vermischt. Da manche Chifas angeblich die schlechte Angewohnheit haben, halbaufgegessenes und zurückgelassenes Essen für andere Gäste wieder zu verwerten, schadet es nicht, über die Reste das übriggebliebene Ají zu verbreiten und die Serviette praktisch zu drappieren.
En la calle: Eine der peruanischsten, für deutsche Mägen hin und wieder strapazierende Variante ist das Essen auf der Strasse. In jeder mittelgrossen Stadt finden sich an den geschäftigsten Strassen und vor kleinen Restaurants kleine Grills und Essstände, die den Passanten für 1 bis 3 Soles ihre Mahlzeiten anbieten, besonders zu den Abendstunden. Die häufigsten Mahlzeiten sind Sandwiches und Hamburger in den verschiedensten Varianten (Rind oder Huhn, mit Salat, Papas (frittierte Kartoffeln) und allen möglichen Saucen), Suppen (v.a. „Caldo de Gallina“ mit… ihr ahnt es: Huhn) und Schaschlikspiesse (präferiert Anticucho (Rinderherzen, sehr lecker), aber auch Hotdog-Wurst, Huhn und ab und zu ein bisschen Gemüse mit dabei). An anderen Ständen finden sich teils frischgepresste Säfte, die man vor Ort aus einem Glas zu sich nimmt. Und wenn einem nach Dessert zumute ist, Picarones (aus Kürbis und Süsskartoffel bestehende Kringel) und mit Mancharblanco gefüllte Churros (seeehr lecker!) bekommt man für 1-2 Soles. Besonders später am Tag sollte man keine Sandwiches kaufen, die schon fertig im Glaskasten bereitliegen, die wuden meist am frühen Morgen zubereitet und jetzt nicht mehr so geniessbar. Dass das direkt an der Strasse (samt Abgasen) verkaufte Essen auch sonst nicht unbedingt hohen hygienischen Ansprüchen entspricht, ist selbstverständlich.
Vegetarische Restaurants: Ich hab ja so Leute in der Familie, die mit all dem Huhn, Meerschwein und Rinderherz nicht so viel anfangen können. Die habens hier nicht ganz so einfach – inzwischen gibt es aber sogar einige Restaurants mit breitem vegetarischen Angebot. (Z.B. der alte Strassenbahnwaggon im Zentrum Barrancos, sehr zu empfehlen!) Oft werden diese von den Hare Krishna geführt und bieten gesundes, günstiges Essen an, manchmal sogar mit ausgefeilten Speisen mit Fleischersatz (Soja etc). Die Preise sind für Restaurants (selbst in Peru) vergleichsweise günstig, trotzdem kann man mit guter Qualität rechnen. Man muss sie nur eben erstmal finden, denn noch sind sie sehr rar gesät und vor allem in touristischeren Gebieten zu finden.
Cevicherias: Es gibt ja auch so Leute, die total auf Fisch und Meeresfrüchte stehen. Da gehöre ich nun wirklich nicht dazu, werde in der Hinsicht also nichts vorschwärmen können. Fakt ist aber, dass es vor allem an der Küste (natürlich v.a. in Lima) zahlreiche Cevicherias gibt, wo man hauptsächlich das aus Fisch, Limón und Chili bestehende Ceviche, meist aber auch andere Fischgerichte (z.B. frittierter Fisch) und Meeresfrüchte bekommt. Preise können zwischen 8 und 20 Soles variieren.
„Typisch“ peruanische Küche: Davon abgesehen, dass die oben genannten Optionen wahrscheinlich am häufigsten von Peruanern genutzt werden,gibt es natülich auch die peruanische Küche, die v.a. Touristen interessiert. Das allseits berühmte Cuy (Meerschweinchen) ist besonders in der zentralperuanischen Zubereitung „Picante de Cuy“ (mit scharfer Sauce und Kartoffeln plus Reis) zu empfehlen. Lomo saltado (Steak vom Rinderücken), auch als Lomo de Alpaca (also aus Alpaca 😉 ) möglich, ist eine weitere im Ausland bekannte Köstlichkeit. Aufgrund der meist eher hohen Preise (Cuy in den meisten Restaurants für 30 Soles, als Picante de Cuy wenn man Glück hat für 10 Soles) ist das alles aber, seien wir ehrlich, nur begrenzt „typisch“ Peruanisch.
Marktstände: Backpacker, Studenten und andere arme Schlucker wie mich 😉 freuen sich ja immer über billiges Essen. Wenn man sich nicht en la calle (s.o.) eine Magenverstimmung holen will, aber trotzdem für 3-4 Soles den knurrenden Magen unterwegs stillen will, lohnt sich ein Abstecher zur nächsten Markthalle. Hier kiegt man vor allem Suppen an Ständen mit kleinen Bänken zum sitzen, von Caldo de Gallina bis zur Gemüsesuppe, oft auch einfach irgendeine Nudel-Brühe mit allem, was sich gerade gefunden hat – während sich beim Nachbar ein halber Maiskolben findet, findet man selbst unter Umständen Rindfleisch samt Knochen. Der Geschmack und die Qualität kann sehr weit variieren. Wenn man schon mal auf dem Markt ist, kann man sich natürlich gleich auch mit Reis, Kartoffeln und Gemüse von grossen Stapeln eindecken. Ob man das dort an Haken hängende Fleisch kaufen und verzehren möchte, bleibt den eigenen Präferenzen überlassen.
Edelrestaurants: Da kann ich im Prinzip bisher noch weniger drüber sagen als über Cevicherias. Aber die gibts auf jeden Fall auch hier. 😀
Panaderias / Pastelerias Meist gemeinsam auftretend, bekommt man hier Brötchen (Pan – Brot an sich gibt es seeeehr selten) und Kuchen (pasteles, obwohl es eigentlich meist eher Torten sind). Beides unglaublich lecker hier, und meist für gute Preise zu haben – für ein einzelnes Brötchen sollte man nicht mehr als 30 Centimos bezahlen, meist wird eher in Kilo berechnet, welches nicht mehr als 5 Soles kosten sollte. Neben dem typischen Frühstücksbötchen (Pan francés) gibt es häufig Ciabatta, viele verschiedene weisse Brötchen, seltener Körner- und häufiger süsse, sehr weiche und leckere Brötchen (pan dulce), die manchmal innen eine gelblichere Färbung haben (ich vermute einfach mal, dass die einen grösseren Maisanteil haben…). Dann gibt es auch noch Croissants und winzige Minibrötchen (z.B. pan anis) mit ausgefallenen Geschmäckern. Belegte Brötchen findet man allerdings seltener. Die pasteles sind meist als Stücke zu kaufen und sehen nicht nur schmackhaft aus, sondern sind es meist auch. Allerdings wahrscheinlich auch absolute Kalorienbomben und sehr süss. Cheesecake (ja, wie in englisch. Aber spanisch ausgesprochen) mit erweiterten Fruchtgeschmäckern, torta selva negra, Schokoladentörtchen, die riesigsten Sahnetürme… hier kann man meist Tage drin verbringen.
Frühstücken (Desayuno) kann man in den verschiedensten Restaurants, die sich sonst meist auf Sandwich-artiges spezialisieren, und wo man selbiges auch besonders frühstücken kann (aber selten vor 9 Uhr). Typischerweise wird dort auch das Desayuno Continental, Integral und Americano angeboten, die für Preise zwischen 9 und 16 Soles aber erbärmlich wenig bieten. (Was dazugehört, steht meistens dabei – Americano ist meist mit warmen Sachen wie Ei etc, Integral mit Früchten, und Continental das schwächste mit zwei Brötchen und Marmelade o.ä.) Als Getränk wählt man v.a. Kaffee (hier fast immer mit Zucker), Tee oder Mate (de Coca oder Anis), manchmal auch Saft. Wenn vorhanden sind die Sandwiches meist die bessere Alternative. Allgemein kann man das Frühstück auswärts aber gerne vergessen und sich die gleichen (oder bessere) Zutaten sehr günstig im Supermarkt holen.
Was man (fast) vergeblich sucht sind gute Eisdielen (meist eher mittelmässiges Donofrio-Eis aus dem Schubwagen – bisher nur in Cusco einen guten Eisladen entdeckt) und andere ausländische Restaurants. Seltenst einmal gibt es Japanisches Sushi, in touristischeren Gegenden mal eine Pizzaria (in Miraflores gibt es sogar eine Pizzastrasse…), und wenn man Glück hat eine französische Creperie (z.B. in Arequipa beim französischen Kulturzentrum). In Arequipa wird der Dönerladen „El Turco“ als Aussergewöhnlichkeit ohnegleichen gefeiert (und hat dafür fast deutsche Preise für ein kleines Dönerchen). Britisch oder irisch sind höchstens die Inventare der gleichnamigen Pubs, Essen und Trinken meist jedoch eher weniger. Wenn man sonst wo eine andere Kultur als Restaurant findet, wird das in den meisten Fällen wohl eher gehobenes Mileu sein.
Zutaten die man überall wiederfindet, sind Huhn und Reis. Huhn vor allem deshalb, weil es billiger als anderes Fleisch ist und ausserdem immer als solches zu erkennen ist (während anderes Fleisch gut mal ein bisschen durchmischt sein kann), und Reis… Reis ist hier elementar und gehört zur Mahlzeit wie die Vorspeise und das Getränk – es gibt nahezu keine Speise (okay, ceviche), die ohne Reis serviert wird, und wenn der mal fehlt, ist das Grund zum Ärgernis. Eine mir besonders liebgewordene Spezialität, allerdings eher zum einkaufen und selber frühstücken oder nachmittagen 😉 – ist der Manjarblanco, ein fudgeartiges, cremig-karamelliges Milchprodukt, von dem man einfach nur schwärmen kann. Getränke zum häufig bestellten Menü sind entweder Gaseosas (Softdrinks wie Cola oder die bereits beschriebene Inka-Cola) oder Fruchtsäfte, leicht angewärmte saftähnliche Limonaden (schwer zu beschreiben… viel Wasser und bisschen Frucht) oder Chicha morada. (Um mich dazu mal zu korrigieren: die Chicha ist das „Maisbier“, Chicha morada ist vollkommen unalkoholisch und aus lila Mais hergestellt. Keins der beiden wird mithilfe der Spucke der Maistreterinnen fermentiert, auch wenn sich das Gerücht hartnäckig hält.

23.9.2010, Lima

Poesiemusik

Poesiemusik

Und schon wieder ist das Wochenende nur so vorbeigeflogen… Um euch nicht wieder ewig lang zuzutexten gibts hier nur ein paar Auszüge… okay, um ehrlich zu sein ist einfach nicht so viel passiert.
Am Samstag abend war ich auf einer Feier von Exil-Huancayeños in St. Anita (im Westen der Stadt), bei dem es Cuy für tolle 8 Soles gab – und um einiges besser als das auf der Feria de Comidas am Tag zuvor. Leider war ansonsten nicht ganz so viel los auf der Feier, getanzt wurde zwar natürlich auch, aber es fehlte einfach der jugendliche Anteil (den konnte man an den Händen abzählen), und die Musik war auch nur begrenzt zu geniessen.
Am Sonntag habe ich mich dann endlich mal mit Sergio getroffen, und eine kleine Gitarre-plus-Gedichte Session gemacht. Da er seit 11 Jahren spielt, ist er auch wirklich gut im Improvisieren und wir sassen eine ganze Weile lang im Park und unterlegten meine Texte mit passender Musik. Hat Spass gemacht, vor allem, als ein Passant nach einer Weile zuhörens sich mit uns über die fehlende Kulturinvestition in Pueblo Libre unterhielt (da ich ihn auf die Poesia en el Parque in Miraflores aufmerksam gemacht hatte).
Heute wollte ich eigentlich ins Museo de la Nacion gehen, das staatlich und daher kostenlos und echt riesig ist. Leider stellte ich erst vor Ort fest, dass es Montags geschlossen ist. (Doof von mir, allerdings nicht ganz so doof wie’s in Dtl. wäre, weil hier nicht wie bei euch Montags alle Museen geschlossen sind. Nur eben dieses). Stattdessen gegen Abend noch ein wenig Barranco durchschlendert und festgestellt, dass die Bar, die in meinerm 2007er Lonely Planet mit Dichterlesungen jeden Montag erwähnt ist, nicht mehr zu existieren scheint. Auch doof. 😉
Unterdessen suche ich verzweifelt ein (geöffnetes) Büro von Serpost, um rauszufinden wieviel Post kostet. Wer mir übrigens mal Post nach Jesusmaria schicken will, fragt mich nach der Adresse, ich würd mich freuen 🙂

13.9.2010, Lima

Excursion, Archäologie,Töpfererotik, Feria, Poesia und der Flying Dog

Excursion, Archäologie,Töpfererotik, Feria, Poesia und der Flying Dog

Excursion, Archäologie und Töpfererotik
Ich befürchtete schon ein Dé-javù erlebnis, als ich gestern abend in der Uni vor der aula 8 stand. Und niemand da war. Und es bei der Parallelveranstaltung des anderen Prof in der aula 25 genauso leer war. Da aber wenig später vor der 8 noch ein paar andere Studenten warteten, blieb auch ich und konnte so eine halbe Stunde später tatsächlich an meiner ersten Stunde Sociologia rural teilnehmen. Erstmals hatte ich eine wirklich interessante Klasse mit bereichernden Erkenntnissen und bin entsprechend wirklich froh, zu dieser Klasse gewechselt zu haben. Ausserdem wird es, um das ganze auch praktisch abzudecken, Mitte Oktober eine gemeinsame Exkursion geben, wo wir dann sozusagen „Clase en el campo“ (auf dem Land) haben 😉 – mehr dazu natürlich, wenn es so weit ist.
Heute wurde ich dann meiner offiziellen Einschreibung gerecht und besuchte das Larco-Archäologiemuseum in der Bolívar (in dem ich bisher immer noch nicht gewesen war, obwohl es um die Ecke meiner ehemaligen Unterkunft liegt). Das Museum ist wirklich faszinierend und gut gemacht, und zeigt vor allem die zahlreichen präinka-Kulturen auf, die man viel zu selten beachtet – angesichts der Tatsache, dass Peru einige tausend Jahre von Nazca, Chancay, Moche, Lima, Paracas und und und bevölkert wurde, während die Inka nur die letzten 150 Jahre eine Rolle spielten.
Erotische Töpferkunst im archäologischen MuseumIn einem Extrabereich (um die Kinder fernzuhalten 😉 ) war „erotische Töpferware“ ausgestellt mit Krügen, auf denen die verschiedensten Sexstellungen als Skulpturen dargestellt sind, und einem Trinkgefäss, dessen Griff der überdimensionierte Penis eines grinsenden Indigeno ist… Sinn für Humor hatten die Moche (von denen dieses Werk stammt) also auch. 🙂

9.9.2010, Lima

Feria, Poesia und der Flying Dog
Manchmal sind die teuren Ereignisse längst nicht so ein tolles Erlebnis wie die kostenlosen – so wie heute. Ich habe mich ehrlich gesagt ein kleines bisschen geärgert, 20 Soles für den Eintritt zu der diese Woche im Parque de la Exposicion stattfindenden Feria de Comida (Essens-Messe) zu bezahlen. Zwar gab es tatsächlich sehr viel beeindruckende Auswahl und ich ass mein erstes Meerschweinchen (eigentlich vom Geschmack her ähnlich wie Hühnchen… ein bisschen wie Lamm vielleicht), aber trotzdem musste man schliesslich noch für alles bezahlen (und das nicht zu wenig, auch wenn es meist von exklusiveren Restaurants war und dafür natürlich wiederum günstig war) und meist auch noch ewig lang Schlange stehen. Hätte man sicher besser organisieren können („man“ ja, Limeño nein ;)), und alles in allem bevorzuge ich dann doch, in einem richtigen Restaurant für den gleichen Preis ein ganzes menü zu bekommen. War trotzdem ganz lustig mit der Gruppe aus Nadja, Benni, Katty, drei mir bis dahin unbekannten Kanadiern, und diversen anderen Austauschstudenten.
Um 6 Uhr musste ich dann schweren Herzens (ja, das war ein bisschen Ironie) das Messegelände verlassen, um rechtzeitig um 7 beim Parque Kennedy zur Poesia en el Parque zu sein – was ich dank chaotischem Verkehr nur ganz knapp schaffte. Nach der Hälfte der Vortragenden war ich dann dran und durfte meinen Text „Ich hasse es“ in deutsch und in der in den letzten tagen übersetzten Version „Yo odio“ präsentieren, was echt gut ankam und richtig Spass gemacht hat. Es waren sogar zwei deutsche Touristen da, die beide Versionen verstanden haben 😉
Der Abend bzw. die Nacht ging dann in der Bar des Backpackerhostels „Flying Dog“ in Miraflores zuende, wo unsere französische Kommilitonin Amandine (die hier immer „Mandarine“ genannt wird, weil sich die Peruaner ihren Namen nicht merken können 😉 ) arbeitet und wir (die Leute die auch bei der Feria waren) bis 2 Uhr sassen, Pisco Sour und Machu Picchu tranken und uns über alles mögliche unterhielten. War auf jeden Fall sehr entspannt und v.a. mit Benni konnte ich mich (auf Spanisch natürlich) echt gut unterhalten.

10.9.2010, Lima

Clase en la Kalle!* – Barranco

Clase en la Kalle!* – Barranco

Barranco bei NachtDas gelbe Strassenlaternenlicht umhüllt die mediterran anmutenden Häuser, während zahllose Micros über die ehemaligen Strassenbahnlinien hetzen. Aus Clubs und Bars vermischt sich Reggaeton mit US-Musik und dem Mann mit der Gitare am Strassenrand. Duch mit Vigilancia ausgestatteten, private Strassen umrundende Zäune fällt der Blick auf den Pazifik, an dessen Ufer sich die tausend Lichte von Lima der Schrecklichen wie Sterne aufreihen – dass die Mehrzahl davonaus Barracken kommen, vergisst man hier leicht. Ich bin in Barranco.
Eigentlich hätte ich ja jetzt Uni. Demografia und die neu belegte Sociologia rural. Heute gab’s aber irgendeine Sonderveranstaltung/Feiertag/keine Ahnung was, weshalb in den Ciencias Sociales (…Überraschung!) keine Veranstaltungen stattfinden. Jetzt weiss ich auch, warum unsere Demografia-Aufgabe bis Donnerstag ist…
Also nutzte ich kurzerhand die Zeit und fuhr mit dem Bus nach Barranco (über 1h Fahrt!), um selbst ein bisschen Soziologieunterricht „in der Strasse“ zu haben 😉
Was soll ich sagen… es ist wie eine eigene Stadt, vollkommen andes zum Rest von Lima, und wenn ich nicht täglich zur Uni müsste, würde ich wahrscheinlich hier wohnen. Zusammen mit Miraflores ist Barranco eines der besseren Wohnviertel, was man auch sieht, aber doch etwas natürlicher als Mirafloes. In zwei schicken Gässchen tummeln sich zahllose Bars und Clubs, eine vielzahl an Restaurants und Backpackerhostels. Eine lange Treppe führt runter bis zum Meer, auf welches man aber auch von oben eine gute Aussicht hat – wenn man denn dorthin kommt. Denn die meisten Strassen dahin sind „privat“, mit Videoüberwachung, Zaun und Wachmann, damit auch ja kein Unbekannter in die Nähe der betuchten Häuser kommt…
Blick auf LimaZweimal hatte ich Glück, einmal war kein Wachmann vor Ort, ein anderes mal liess mich de in Chorillos wohnende ältere Herr bis nach vorne durch – die dort Wohnenden haben wirklich eine herrliche Aussicht, die sie da für sich gepachtet haben. Es fällt leicht, zu vergessen, dass der grösste Teil Limas unter Wellblechdächern lebt und mit 800 Soles im Monat auskommt – wenn der Vater denn einen festen Job hat. (Dass die Mutter trotzdem nicht arbeiten geht, ist Sache des machismo hier…) – wahrscheinlich auch der Wachmann.

Heute früh gab es dann wieder ganz herkömmlichen Unterricht mit Procesos Sociales y Politicos, heute mit den Agrarreformen in Lateinamerika als Thema. Naja, und wo ich noch vor Kurzem über Unterforderung geklagt habe, das hab ich jetzt davon: der Text für nächste Woche ist 200 Seiten lang, die Modulleistung ist ein Examen, ein Zwischentest, ein Referat mit Hausarbeit als Gruppe und vier Kommentare zu den gelesenen Texten. Wow. Da bin ich froh, nur 3 Veranstaltungen belegt zu haben, von denen die anderen 2 fakultativ sind. Selbe schuld 😉
Nach einem ungünstig gelegenen halben Tag frei gehts dann heut abend wieder zur Uni für meine (hoffentlich) erste Stunde Sociologie rural.

8.9.2010, Lima

*Anmerkung: Ja, Calle schreibt sich eigentlich mit C. Ist n Insider für alle, die schon mal in überfüllten Micros „Tekkno… en la Kalle!“ gehört haben 😉